Am Dienstag war er wieder da – Adi Pinter. Noch ist der exzentrische Grazer als Pasching-Trainer mit GAK-Tattoo in Erinnerung. Doch der 64-Jährige hat... Das Richtige wollen – aber das Falsche tun? Adi Pinter ist Vizepräsident des DSV Leoben

Am Dienstag war er wieder da – Adi Pinter. Noch ist der exzentrische Grazer als Pasching-Trainer mit GAK-Tattoo in Erinnerung. Doch der 64-Jährige hat noch nicht genug und wurde vom Donawitzer Sportverein Leoben verpflichtet. Als Vizepräsident und sportlicher Leiter soll Pinter den Verein dorthin bringen, wo die Steirer zwischen 1956 und 2009 durchgehend waren – in eine der zwei höchsten Spielklassen Österreichs.

Eigentlich wollte Dr. Gabor Heinemann als Präsident der Donawitzer aufhören. Bei seinem Antritt im September 2009, also kurz nachdem die Leobener aus der zweiten Spielklasse aufgrund des Konkurses im Februar abgestiegen waren, formulierte er drei zentrale Säulen der Vereinsphilosophie. Nachdem der DSV als  Werkssportverein angefangen hatte, zwischenzeitlich von einem Geldgeber abhängig war, sollte ein Mitgliederverein auf die Beine gestellt werden. Des Weiteren galt es, den finanziellen Sanierungskurs fortzuführen und die Spieler in einem Kompetenzzentrum ab der U15 selber auszubilden. Keine schlechte Idee, denn einerseits hat Leoben mit gut 25.000 Einwohnern deutlich mehr als doppelt so viele Einwohner wie Ried oder etwas mehr als die aktuelle steirische Nummer zwei, der Kapfenberger SV. Andererseits entstammen dem Nachwuchs einige bekannte Spieler. Christian Gratzei, Roland Linz oder Marko Stankovic sind aktuelle Beispiele, Peter Guggi oder Walter Schachner weitere, die die Stiefel bereits an den Nagel hängten.

Die neuformulierten Ziele

„Nach finanziell schwierigen Jahren und erfolgreich abgeschlossenen Insolvenzverfahren befindet sich der DSV Leoben nun zwar wieder wirtschaftlich auf solider Basis aber budgetär liegt man trotzdem noch in der unterer Hälfte der Liga“, illustrierte Präsident Heinemann den Status quo im Murtal. Überwintert hat der Verein auf dem passablen achten Platz, nur fünf Punkte hinter dem Zweiten, dem SAK. Der GAK ist ja mit bereits 37 Punkten zehn Zähler vor den Kärntner Slowenen, Gemäß den Statuten spielen die „DSV Juniors“ in der Oberliga Nord, der fünften Spielklasse. Die zweite Mannschaft führt trotz eines Spiels weniger die Tabelle um einen Punkt an. Sportlich sind die Donawitzer also gut unterwegs. Der Meistertitel ist in diesem Jahr schon so gut wie an den GAK vergeben, in den nächsten „zwei bis drei Jahren“ will das neue Duo aber die Tradition der Zweitklassigkeit wieder aufleben lassen. Hier kommt Pinter ins Spiel.

Love it or leave it

Dieses englische Sprichwort ist wohl das richtige, um Adolf Pinter zu beschreiben. Ernst Happel beschrieb ihn einmal folgendermaßen: „Adi Pinter ist ein überdurchschnittlich
intelligenter und hoch begabter Trainer, der sicher seinen Weg machen wird.“ Sein Weg führte den Grazer in seiner Karriere als sportlicher oder wirtschaftlicher Mitarbeiter zu Panachaiki Patras (GRE), Thor Waterschei (BEL), Olympique Marseille (FRA), Lech Posen (POL) oder NK Croatia Sesvete (CRO). In Österreich schaffte er mit dem GAK und dem Wiener Sportklub den Aufstieg aus der Regionalliga. Doch Pinter polarisiert. Er war Mental-Coach, Künstler, sowie Regisseur und Schauspieler. Immer wieder fiel er durch Aussagen wie „Es gibt zwei Prozent Genies und 98 Prozent Naturdeppen!” auf. Er ist ein international angesehener Mann – auf einigen Gebieten. Doch dieses nach außen getragene Feeling, zu groß für Österreich zu sein, wurde ihm immer wieder zum Stolperstein. Auf seiner Website prangt neben dem Zitat seines ehemaligen Mentors Ernst Happel eine Geschichte eines Abendessens mit Johnny Cash (!). „Ich habe viele Menschen kennengelernt, die auf einem Gebiet sogar extrem gut waren – aber mir ist noch keiner begegnet, der so facettenreich war wie Adi Pinter.“ Diese Beispiele zeigen, dass der Mann entweder ein sehr gesundes Selbstvertrauen hat – oder arrogant ist.

Zentraler Punkt: Sponsorenakquise

Trotz des Titels „sportlicher Leiter“ und seines (Mental-)Trainingsprogramms wollte Adi Pinter das Trainerduo Gregor Pötscher und Bernhard Muhr in Ruhe arbeiten lassen. Erster konnte laut Heinemann „nicht von unserem Konzept überzeugt werden.“ Das Programm nennt sich GIKORT (gehirngerechtes, individuelles, kollektives Reparaturtrainingsprogramm) und soll die mentale Stärke der Spieler hervorkehren. Ein „internationaler Fachmann“ soll aber dennoch als Berater hinzugezogen werden, ebenso soll mit einem „namhaften deutschen Verein“ kooperiert werden. Doch Pinter soll vor allem eines bringen: Geld. Das Stadion Donawitz entspricht weitgehend den Erstligastandards, aber das Budget soll aufgestockt werden. Und da verspricht sich Heinemann vom Namen, von der Marke „Adi Pinter“ einiges. Immerhin sind die Brauerei Göss oder die Voestalpine in Leoben ansässig. Während der Bierhersteller bereits als Sponsor aktiv ist, wären neben dem Stahlwerk AT & S (weltweit tätiges Leiterplattenwerk) oder das Sägewerk Mayr-Melnhof ansässig, die bislang noch nicht als Geldgeber gewonnen werden konnten.

Ob der exzentrische Grazer der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für die Donawitzer ist, wird sich in „zwei bis drei“ Jahren zeigen. Als schillernde Gallionsfigur kann Pinter wertvoll sein. Sportreporter-Legende Edi Finger sen. beschrieb Tage ohne Pinter als „verlorene Tage.“ Setzt der Exzentriker seine Skurrilität richtig ein, erreichen die Leobener ihr Ziel von mehr Medienpräsenz und erhöhter Attraktivität für Sponsoren. Dass es auch anders ausgehen kann, zeigt die nunmehrige Red Bull-Filliale Pasching.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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