In diese Episode unserer G’schichterl-Serie wollen wir euch in vier Teilen erfolgreiche Fußballer vorstellen, die es über Umwege ins Profigeschäft geschafft haben. Obwohl es... G’schichterln ums runde Leder (21) – Erfolgreiche Spätzünder (2/4)

In diese Episode unserer G’schichterl-Serie wollen wir euch in vier Teilen erfolgreiche Fußballer vorstellen, die es über Umwege ins Profigeschäft geschafft haben. Obwohl es klar ist, dass nicht nur Akademieabsolventen in den Ligen dieser Welt kicken, gibt es nur wenige, die es im reiferen Alter doch noch in den bezahlten Fußball geschafft haben. Hier wollen wir vier solcher Kandidaten näher vorstellen, Teil Zwei behandelt den ehemaligen Sturm-Graz-Spieler Patrick Wolf.

 Streitbarer Steirer

So wie unser erster Kandidat Jamie Vardy ist Patrick Wolf zwar nicht englischer Meister, Weltstar und Multimillionär geworden, der gebürtige Steirer hat aber – wie Vardy – rechtzeitig die Kurve gekratzt und doch noch eine Profifußballkarriere eingeschlagen. Und, hey!, „Woiferl“ wie er liebevoll gerufen wird, wurde mit Sturm 2011 immerhin österreichischer Meister. Derzeit schnürt der 37-jährige seine Fußballschuhe beim SV Frohnleiten in der Unterliga Mitte.

Dass Wolf Bundesliga- und Erste-Liga-Meister wurde und sogar für die Nationalmannschaft auflief, ist der Beweis dafür, dass sich Beharrlichkeit auszahlen kann. 2010 wurde ein Kindheitstraum für den Mittelfeldspieler war: Er wurde für seinen Jugendfreund Roman Wallner beim Heimspiel gegen Dänemark eingetauscht. Wolf für Österreich. Ein weiteres Mal sollte er das Trikot mit dem Adler noch überstreifen.

Frohnleiten liegt auf halbem Weg zwischen Leoben und Graz. Dort in der steirischen Hauptstadt wurde Patrick Wolf am 4. Mai 1981 geboren. Wenn man sich fragt, warum er am Platz oft ein raubeiniger Kämpfer war, muss man seine Geschichte von vorne erzähle: Wolf wuchs im Stadtteil Eggenberg in einfachen Verhältnissen auf. Hier nimmt man sich kein Blatt vor den Mund, steckt nicht zurück, sonst bleibt man über. Der Profi sollte später durch seine Umgangsart provozieren. So bezeichnete er Serienmeister Salzburg als „Dose“ oder tönte in der „Kleinen Zeitung“, dass Fußball nichts für Frauen sei: „Wenn Mädels auf dem Rasen rumtoben wollen, dann sollen sie ein Netz aufstellen und Tennis spielen. Da haben sie wenigstens ein Rockerl an, schön für die Optik.“

Ansätze für seine non-chalantes Auftreten zeigten sich schon in der Jugend. Beim Eggenberger Sportklub begann Klein-Patrick mit dem Kicken. Als Zehnjähriger wechselte er schließlich zu Sturm, wo er sämtliche Altersstufen durchlief. Doch in der entscheidenden Zeit, hörte er von einem Tag auf den anderen mit dem Fußballspielen auf: „Da war gerade die Champions-League-Zeit, für die Jungen war wenig Platz. Es wurden lieber Ausländer geholt, die viel Geld verdienen, aber wenig gespielt haben. Das hat mir die Freude am Fußball genommen.“, erzählte der Ex-Nationalspieler 2013 und fügte noch einen vielsagenden Nachsatz hinzu: „Und dann habe ich mich den anderen Dingen des Lebens gewidmet.“ Zwei Jahre lang lebte der Mittelfeldspieler also das normale Leben eines jungen Mannes: Fortgehen, Spaß haben, unbeschwert sein. Gearbeitet hatte er sowieso immer. Wolf ist gelernter Automechaniker, war bei der Post und beim Magistrat. Sogar als Straßenkehrer werkte der Grazer. Mit einer möglichen Profikarriere hatte er Anfang 20 abgeschlossen. Doch dann packte ihn das Fieber erneut, Freunde rieten ihm sein Talent nicht einfach wegzuwerfen: Trainer Robert Pflug machte für ihn ein Probetraining bei der zweiten Mannschaft von Gratkorn klar. Es klappte und Wolf stieg mit Gratkorn in die Erste Liga auf. Die Reise sollte nach Ried, Kärnten und Wiener Neustadt gehen ehe erneut Sturm rief.

Neuer Versuch

Mit 29 Jahren trug der Flügelspieler nach Jahren wieder schwarz-weiß. Wolf war nie ein Feintechniker, er war aber schnell und bissig. Und ein „Typ“. „Ich weiß, dass ich polarisiere. Die Rapidler hassen mich. Wahrscheinlich deshalb, weil ich sie brutal ausgespielt habe.“, gab er zu Beginn seines Engagements zu Protokoll. An Selbstbewusstsein mangelt es dem dynamischen Kicker nie und das hatte er auch bitter nötig. Denn immer wieder traf er auf Trainer und Sportdirektoren, die nicht an ihn glaubten. In Ried wurde er beispielsweise gefragt, wieso er überhaupt Fußballspiele. Seinen ehemaligen Coach Peter Hyballa bezeichnete Wolf als „Kindertrainer“, der nicht mit erfahrenen Kickern umgehen könne. Doch trotz aller Widrigkeiten kämpfte sich das Stehaufmännchen durch und avancierte beim von Frank Stronach gesponserten FC Wiener Neustadt zum Leistungsträger. Als er von Sturm verpflichtet wurde, zahlte Stronach das Gehalt zum Teil weiter.

Der Jugendtraum von einer Meisterschaft ging für Wolf schließlich in Erfüllung. Einst hatte er Hannes Reinmayr und Co. den Ball mit dem CL-Logo gereicht, jetzt stemmte er selbst im schwarz-weißen Trikot mit der Nummer 33 den Teller in die Luft. Doch der Vertrag mit den „Blackies“ sollte der letzte Vertrag seiner Profikarriere werden. Nach dem Triumph in der Meisterschaft wurde „Woiferl“ nach Kapfenberg verliehen. An seinem 33. Geburtstag machte der Flügelflitzer sein letztes Spiel als Profi, sein Herzensverein setzte ihn danach mehr oder minder vor die Türe. Eine Verabschiedung gab es für den Mann, der gerne eine Legende in schwarz-weiß geworden wäre, nicht. Wolf heuerte im Amateurbereich an, nachdem auch Mattersburg von einer Verpflichtung Abstand genommen hatte.

Der Kreis hat sich geschlossen: Patrick Wolf arbeitet heute in einer Bar und kickt nebenbei. Back to the roots – nur dass, er sich jetzt am hauseigenen Pool in Unterpremstätten entspannen kann. Ein schöner Verdienst nach 12.000 Minuten Bundesligaluft für jemanden, der einst die Grazer Straßen sauber hielt. Seine glückliche Karriere wird er wohl nie vergessen, falls doch, genügt ein Blick abwärts, denn auf den Bauch hat sich der Flügelspieler die Meisterschale tätowieren lassen.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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