In dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht... Toranalyse zur 36. Runde der tipp3-Bundesliga | Beric, Vuleta

Robert Beric - SK Sturm GrazIn dieser Serie sollen jede Runde parallel zu den üblichen Spielanalysen ein paar Tore hinsichtlich der Entstehung, individueller Fehler oder  taktischer Feinheiten genau untersucht und analysiert werden. In der Toranalyse zur 36. Runde nimmt abseits.at die Treffer von Robert Beric (Sturm Graz) und Stjepan Vuleta (Wacker Innsbruck) unter die Lupe.

FK Austria Wien – SK Sturm Graz 0:1, Robert Beric (75. Minute)

Mit einer 1:2-Heimniederlage gegen den SK Sturm Graz verspielte die Wiener Austria in der letzten Runde noch den sicher geglaubten Europacupstartplatz. Dabei zeigte sich das neue 4-4-2 der Veilchen zunächst durchaus ansprechend, ehe Robert Beric in der 75. Minute mit seinem Treffer zum 0:1 Hektik in die Partie brachte. Die Gründe für dieses Tor sehen wir uns genauer an.

Sturm agierte nominell zwar auch in einer 4-4-2-Grundformation, hat diese aber in dieser Situation aufgelöst und steht nun in einer 4-3-3 mit hochgezogenen Außenverteidigern da. Insbesondere die Positionen der beiden nominellen Flügelspieler seien an dieser Stelle herausgestrichen. David Schloffer (grün), der eigentlich rechts spielte, ist hier auf die Position eines Linksaußen rotiert. Florian Kainz (schwarz), der dort üblicherweise stehen würde, ist ins zentrale Mittelfeld zurückgefallen und führt den Ball.

Dafür, dass die rechte Seite dennoch nicht verwaist, sorgt Beric (gelb), der vom Sturmzentrum nach außen gegangen ist. Die beiden Sechser stehen ebenfalls gut und geben dem Ballführenden Rückendeckung, sodass sie bei einem etwaigen Ballverlust sofort gegenpressen können. Mit dieser geänderten Ordnung hat die Austria nun große Zuordnungsprobleme.

Die beiden Sechser attackieren den Ballführenden, was in dieser Situation eine nachvollziehbare und richtige Entscheidung ist. Dazu betreibt ein Stürmer konsequentes Rückwärtspressing. Emir Dilaver (weiß), der nominelle Gegenspieler von Kainz sucht sich indes einen neuen Gegenspieler und übernimmt den hoch stehenden Grazer Linksverteidiger. Dies führt dazu, dass es in der letzten Linie eine drei-gegen-drei-Situation gibt, die die Grazer dahingehend nutzen wollen, die Abwehrkette der Austria auseinanderzuziehen.

Entscheidend ist aber, dass die beiden äußeren FAK-Mittelfeldspieler (rot) weder einen Gegenspieler noch einen nutzbaren Raum zustellen – eine Konsequenz dessen, dass diese Konstellation für sie ungewohnt ist und sie ohne klare Zuordnung sind. Dilaver deckt beispielsweise den nominellen Gegenspieler des rechten Mittelfeldspielers, sodass dieser richtigerweise keine Notwenigkeit sieht, ebenfalls rauszurücken. Allerdings traut er sich offenbar auch nicht das Loch im Zentrum hinter den beiden Sechsern zu schließen, da dies nicht sein natürlicher Zuständigkeitsbereich ist.

Der linke Mittelfeldspieler steht vor der gegensätzlichen Aufgabe; er ist nicht „unter-“ sondern „überfordert“. Der Linksverteidiger ist eingerückt, weshalb auf seiner Seite zwei Grazer freistehen. Würde er einrücken, hätten diese enorm viel Platz. Andererseits verfolgt der Linksverteidiger den zurückfallenden Marco Djuricin (blau) auch nicht entschlossen genug, weil dieser einen Raum ansteuert, der ebenfalls außerhalb des natürlichen Zuständigkeitsbereichs eines Außenverteidigers liegt bzw. dieser mit der situativen Rolle als Halbverteidiger in einer Dreierkette nicht vertraut ist.

FC Wacker Innsbruck – SV Scholz Grödig 2:1, Stjepan Vuleta (67. Minute)

Die Niederlage der Wiener Austria nutzte der SV Grödig um im letzten Moment noch auf Platz drei zu springen. Die Salzburger hatten bei Wacker Innsbruck aber einen schweren Kampf zu überstehen, denn der Absteiger rang ihnen ein verdientes 3:3 ab. Auf das zwischenzeitliche 2:1 für die Tiroler wollen wir genauer blicken, da es auch hier infolge einer situativen Rochade der ballbesitzenden Mannschaft zu Problemen in der Defensive des Gegners kam.

Darko Jevtic (blau), der ursprünglich im zentralen offensiven Mittelfeld agierte, und Alexander Hauser (schwarz), der nominelle Flügelspieler, haben ihre Rollen kurzzeitig getauscht. Jevtic ist auf den Flügel ausgewichen und hat den Ball bekommen. Dabei wird er naturgemäß vom gegnerischen Außenverteidiger, Florian Hart (rot), attackiert. Dessen Herausrücken öffnet aber hinter ihm den Raum, was Hauser erkennt und seinen Mitspieler vorderläuft. Das große Potenzial dieses Vorderlaufens wird in der Folge sichtbar.

Innenverteidiger Maximilian Karner (weiß) muss dem Lauf von Hauser folgen, da dieser sonst viel Freiraum hätte. Das führt allerdings dazu, dass sein Sichtfeld nach außen gerichtet ist und er den Steilpass von Jevtic nicht abfangen kann, da er mit dem Rücken zum Passweg steht und sich aus diesem entfernt. Des Weiteren hat Stjepan Vuleta (gelb) den Vorteil im Vergleich zu seinem Gegenspieler in der aktiven Rolle zu sein, das heißt dieser muss auf die Bewegungen des Schweizers reagieren. Dadurch kann Vuleta seinen Körper zwischen Gegenspieler und Ball bringen. Den Rest löst der 20-Jährige elegant.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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