Im ersten Champions-League-Spiel der Klubgeschichte trifft  die Wiener Austria auf den FC Porto. abseits.at nimmt den Gegner deshalb genauer unter die Lupe. Im ersten... Asymmetrischer Spielaufbau, abgestimmtes Pressing – das sind die taktischen Abläufe des FC Porto

Portugal FlaggeIm ersten Champions-League-Spiel der Klubgeschichte trifft  die Wiener Austria auf den FC Porto. abseits.at nimmt den Gegner deshalb genauer unter die Lupe. Im ersten Teil der Teaminfo stellten wir den Kader des portugiesischen Meisters vor. Im Rahmen dieses Artikels sollen die taktischen Abläufe – insbesondere der Spielaufbau und das Pressing – anhand einiger Beispielszenen näher untersucht werden.

Portos Coach Paulo Fonseca setzt auf eine 4-2-3-1-Grundordnung, die je nach Besetzung anders interpretiert wird. Maßgeblich entscheidend ist dabei, wer auf der Zehnerposition spielen wird. Steven Defour fällt für das Spiel in Wien aufgrund einer Sperre aus, weswegen Kapitän Lucho Gonzalez vermutlich dessen Achterposition übernehmen wird, wodurch die Zehnerposition vakant wird.

Spielaufbau: Die Grundordnung

Im Grunde genommen gibt es mit Josue und Juan Quintero zwei Optionen. Während Ersterer Lucho noch in Ansätzen ähnelt, ist Quintero ein anderer Spielertyp. Der Kolumbianer bewegt sich gerne im Zwischenlinienraum, was das 4-2-3-1 klarer ausprägen würde. Lucho und Josue setzen ihren Schwerpunkt etwas tiefer an, wodurch die ursprüngliche Ordnung auch als 4-3-3 aufgefasst werden kann. Die Unterschiede erkennt man vor allem im Spielaufbau, den wir uns zuerst anschauen wollen.

Im obenstehenden Bild sieht man die Grundordnung, die Porto beim Herausspielen einnimmt. Die ursprüngliche 4-2-3-1-Formation hat sich zu einem 2-4-3-1 verschoben, das jedoch auch nicht starr bleibt. Die weiteren Änderungen und die wichtigsten Rollen innerhalb des Systems sollen im Folgenden näher ausgeführt werden.

Spielaufbau: Trapez statt Dreieck

Bei vielen Teams ist es heutzutage üblich, dass die nominelle Viererkette im Spielaufbau in eine Dreierkette übergeht. Bei Porto ist das, wie man bereits im oberen Bild erkennt, nicht der Fall. Die beiden Sechser stehen auf einer Linie mit den Außenverteidigern bzw. lassen sich oft sogar noch tiefer fallen. Dadurch wird anstelle des Dreiecks, das durch Abkippen eines Sechsers entsteht, ein Trapez geformt.

Da Porto nun zu viert in Ballnähe steht, ist es für den Gegner schwer, Zugriff auf das Aufbauspiel zu erlangen. Vor allem die gegnerischen Sechser wissen nicht, was sie tun sollen. Ihre nominellen Gegenspieler sind sogar noch hinter die eigenen Stürmer zurückgefallen. Alleine haben diese keine Chance Druck auszuüben, gehen die Sechser aber mit nach vorne, klafft hinter ihnen ein großes Loch. Dafür, dass die gegnerischen Flügelspieler nicht anlaufen können, sorgen die Außenverteidiger, die sich verglichen mit herkömmlichen Aufbauvarianten relativ tief positionieren.

Spielaufbau: Die Rolle den Außenspieler

Im ersten Teil dieser Gegneranalyse wurde jedoch geschrieben, dass die Außenverteidiger offensiv veranlagt sind und dies auch zeigen, was zunächst nicht mit dem obigen Bild zusammenpasst. Der springende Punkt dabei ist, dass sich die Außenverteidiger erst ins Angriffsspiel einschalten, wenn der Ball bereits in einer höheren Zone ist. So können sie ihre Schnelligkeit ausnützen und die gegnerischen Spieler überlaufen. Dabei gibt es allerdings Unterschiede auf beiden Seiten.

Hier sieht man zum einen wieder das Trapez im Aufbau und zum anderen, dass die beiden Außenverteidiger auf unterschiedlicher Höhe stehen – Danilo (rot) hoch und breit, Alex Sandro (weiß) tief und zentraler. Dies hängt mit den unterschiedlich besetzten Flügeln zusammen. Rechts agiert mit Josue (gelb) ein Spieler, der stark ins Zentrum drängt. Deshalb muss der Rechtsverteidiger konsequent die Breite halten um den ballnahen Spielen auch dort eine Anspielstation zu bieten und die Formation des Gegners zu strecken.

Auf der gegenüberliegenden Seite spielt mit Lica ein viel vertikaler Spielertyp, der breiter steht. Er kommt im Aufbau gelegentlich entgegen, geht aber in höheren Zonen vor allem steil in die Spitze. Dementsprechend muss Sandro das Spiel besser verbinden und tiefer stehen. In manchen Fällen besetzt der Brasilianer sogar den Sechserraum und spielt dann nicht wie ein üblicher Außenverteidiger von außen nach innen, sondern von innen nach außen.

Spielaufbau: Die Rollen von Defour und Otamendi

Um den Ball nach vorne zu bekommen setzen die Portugiesen in erster Linie nicht auf Pässe, sondern versuchen ihn am Fuß nach vorne zu treiben. Dabei macht Porto besonders von der Überzahl in der letzten Linie Gebrauch. Nachstehend ein Beispiel.

Porto lockt den Gegner auf eine Seite um dann schnell auf die gegenüberliegende zu verlagern und dort die Freiräume auszunutzen. Üblicherweise handelt es sich dabei um jene von Nicolas Otamendi, da der Argentinier der spielstärkste Innenverteidiger ist. Gefährlicher wird es jedoch, wenn Defour diese Rolle übernimmt, wie das nachfolgende Beispiel zeigt.

Defour kann aufgrund der oben erwähnten Grundordnung nach vorne gehen. Je näher er dem Tor kommt, umso größer der Drang der Gegenspieler ihn zu attackieren, wodurch andere Porto-Spieler im Rücken freiwerden. Porto hat dadurch drei freie Spieler im Zwischenlinienraum und kommt über eben diese auf die Seite, wo der linke Außenverteidiger Tempo aufnehmen und anschließend flanken kann.

Pressing: Die Grundordnung

Auch im Pressing nimmt Defour eine wichtige Rolle ein. Entweder er oder Fernando sind die Spieler, die das Kommando zum Pressing geben, indem einer von ihnen mit Tempo von der Doppelsechs nach vorne geht. Davor rückt dann Lucho je nach Feldposition neben den Stürmer vor oder bleibt neben dem vorstoßenden Sechser. Die Grundordnung ist dementsprechend ein 4-1-3-2 oder 4-1-4-1, bei dem die Außenspieler versuchen eng zu stehen.

Pressing: Die Abläufe beim Übergeben

Im obigen Bild erkennt man zudem, dass Porto im Pressing mannorientiert zu Werke geht. Das stellt die Spieler insbesondere beim Übergeben der Gegenspieler vor eine Aufgabe und muss dementsprechend gut abgestimmt sein. Im obigen Beispiel ist dies noch relativ einfach, da dem Pass ein Abstoß vorausging. Man hatte genug Zeit sich zu ordnen und zudem musste nur der gegnerische Sechser übergeben werden. Anspruchsvoller ist es, wenn mehrere Spieler beteiligt sind, aber die Portugiesen zeigten in dieser Saison, dass sie auch derartigen Situationen gewachsen sind.

Der Gegner will hier über einen Zentrumspieler (grün) eine Verlagerung durchführen. Defour (gelb) attackiert diesen Spieler, während sich der rechte Flügelspieler vorausschauend auf die Seite zum gegnerischen Linksverteidiger orientiert. Fernando (rot) hat seinen Gegenspieler in loser Manndeckung. Ein gegnerischer Stürmer (schwarz) will sich von der Porto-Abwehr lösen und lässt sich fallen um in der Folge anspielbar zu sein. Es kommt nun zu den ersten Übergaben.

Während der rechte Flügelspieler den Ballführenden anläuft, geht Defour zurück auf den Stürmer. Defours ursprünglicher Gegenspieler wird von Lucho (weiß) übernommen. Des Weiteren rückt Fernando näher zu seinem Gegenspieler, da dieser die logische Anspielstation ist.

Während der Ball unterwegs ist kommt es zur nächsten und gleichzeitig letzten Übergabe. Der rechte Innenverteidiger und der rechte Außenverteidiger rücken weiter nach vorne und decken den Stürmer. Defour geht wieder auf seinen ursprünglichen Gegenspieler, wodurch Lucho frei wird. Der Kapitän unterstützt Fernando im Zweikampf und erobert den Ball. Man sieht, es kommt vor allem auf die Abstimmung der zentralen Spieler an. Die Tatsache, dass Defour in Wien fehlen wird, ist also auch diesbezüglich ein kleiner Pluspunkt für die Wiener Austria.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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