Atlético Madrids Stärken liegen vor allem in der Defensive, und in dieser agieren sie prinzipiell recht tief. Durch die Gelb-Rote Karte für Fernando Torres... In Überzahl zum Torerfolg kommen: So knackte Barcelona Atléticos Abwehrbollwerk

Taktikboard grün_abseits.atAtlético Madrids Stärken liegen vor allem in der Defensive, und in dieser agieren sie prinzipiell recht tief. Durch die Gelb-Rote Karte für Fernando Torres und der folgenden Unterzahl agierte man noch tiefer, hatte teilweise alle Feldspieler im eigenen Strafraum. Wir analysieren nun, wie der FC Barcelona trotzdem noch zwei Tore erzielte.

Bewegung durch Zirkulation

Um den engen, tiefstehenden Atlético-Block zu durchbrechen versuchte der FC Barcelona verschiedene Mittel. Eines dieser Mittel war die bekanntlich starke Ballzirkulation der Katalanen. Zwar kam man seit dem Weggang Guardiolas immer weiter weg vom idealen Positionsspiel, gestern musste es jedoch wieder ausgepackt werden, denn die vielen Umschaltphasen, die unter Luis Enrique fokussiert werden, konnte es diesmal gar nicht geben. Konter wurden durch die passenden Staffelungen durch Gegenpressing ebenfalls immer wieder im Keim erstickt. Um das Ballbesitzspiel aber auf diese Weise umzusetzen gab es einige wichtige Faktoren:

1. Die hohe Rolle der Innenverteidiger

Mascherano und Piqué mussten, um die Überzahl vollends ausnutzen zu können, weit in des Gegners Hälfte aufrücken, damit die restlichen Spieler im fast schon gar nicht vorhandenen Zwischenlinienraum agieren konnten. Die beiden bildeten meist die erste Linie und boten stets Rückpassoptionen für ihre Mitspieler und spielten Verlagerungen. Beide Spieler haben natürlich ein ausgezeichnetes Passspiel, sodass sie auch immer wieder vertikale Pässe in den Atlético-Block spielten. Situativ rückte man auch auf, teilweise dynamisch in den Strafraum für eine Flanke (oft Piqué) oder auch mit dem Ball, um die Gäste anzudribbeln und sie zum Attackieren zu zwingen und somit Passwege zu öffnen, beziehungsweise neue zu kreieren.

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2. Die Außenverteidiger geben Breite

Alba und Alves sind sehr offensivstarke Außenverteidiger, diese Fähigkeiten waren an diesem Champions-League-Abend besonders gefragt. Um die Abwehr der Madrilenen auseinanderzuziehen war es wichtig, dass die Breite in der Staffelung zu Genüge gegeben wird. Vor allem „zu Genüge“ ist hier wichtig, denn sie klebten nicht an der Außenlinie, sondern standen nur so breit wie es nötig war. Dies hieß auch oft, dass beide gleichzeitig fast an der Strafraumlinie standen. Atlético verschob so stark und kompakt ballorientiert, dass die beiden sogar knapp innerhalb des Strafraums die Breite gaben. Beim Ausgleich bekam Alves fast an der Strafraumgrenze eine Verlagerung zugespielt, Alba war schon in den Strafraum gesprintet, als die Flanke des Brasilianers seinen Weg zum kleinen Spanier fand, dessen Schuss flog abgefälscht Suárez vor die Füße, der nur den Ball ins Tor spitzelte. Auseinanderziehen, flanken und dynamisch die zweite Stange besetzen, dies waren simpel zusammengefasst die Aufgaben der beiden.

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3. Dribblings

Iniesta und Messi hatten ihre Positionen in den Halbräumen, woraus sie mit fortlaufender Spielzeit immer mehr zu penetrierenden Dribblings in den Strafraum ansetzten. Neymar agierte hier unterstützend für Iniesta, besetzte aber meist eher den Strafraum. Diese Dribblings haben nicht nur den Nutzen, dass sie Gegner ausspielen, sondern wie oben bereits erwähnt auch neue Passwege eröffnen und Kombinationen ermöglichen. Durch die enge Ballführung der beiden, sowie ihre gleichzeitige Stärke im Kombinationsspiel kann dieser Wechsel zwischen Dribbling und Pass sehr flüssig und auch überraschend für den Gegner vollzogen werden. Dadurch, dass die Passwege stets sehr kurz sind müssen keine weiten Ausholbewegungen mit dem Fuß getätigt werden, was den Moment des Abspiels so unberechenbar macht. Iniesta (und Thiago bei den Bayern) ist ein Meister darin.

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4. Der Spielmacher

Kollege René Maric sagte einmal: „Umso höher Busquets spielt, desto weniger weit kommt der Gegner“. Dies war natürlich auch gegen Atlético der Fall. Der schlaksige Spanier ist in allen Facetten des Spiels einer der genialsten Spieler unserer Zeit. Seine Rolle war für Barca einmal mehr so wichtig, weil er nicht nur die Ballzirkulation anführte, immer wieder im richtigen Moment Verlagerungen oder Pässe zwischen die Linien spielte, sondern weil er sich im Ballbesitz gleichzeitig so positioniert, dass er immer gleich Zugriff im Gegenpressing haben kann. An beiden Toren war er maßgeblich beteiligt:

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Busquets bewegt sich in die Tiefe, ohne wirkliche Absicht den Ball zu bekommen. Er öffnet nur den Raum für die Verlagerung auf Messi.

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Zur Sicherheit blockt er noch Griezmann, aber die Verlagerung kommt aufgrund der Raumöffnung zu stande, Messi spielt zu Alves der flanken kann.

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Busquets schupft den Balll über zwei Gegner zu Messi, der nun das 2:1 einleiten kann.

5. Suárez‘ Bewegungen

Der Uruguayer konnte einmal mehr zu Beweis stellen, was für ein hervorragender Strafraumstürmer er ist. Durch viele dynamische Bewegungen im Strafraum und seine Raumfindung konnte er beide Tore nach Hereingaben erzielen. Dies zeigt wie wichtig Suárez für die Weiterentwicklung Barcelonas nach Guardiola ist, er brachte eine weitere Facette des Angriffspiels in die katalanische Hauptstadt. Ebenso oft wie mit dynamischen Bewegungen in die Tiefe kommt er entgegen, legt oft für den dritten Mann ab und befreit seine Mitspieler so vom Druck des Gegners.

Fazit

Barcelona spielte die Überzahl geschickt aus, fand genau die richtigen Mittel um die trotzdem sehr stark und aufopfernd spielenden „Colchoneros“ zu besiegen. Die Möglichkeit Barcelonas durch Ballzirkulation UND Flanken zum Sieg zu kommen ist etwas, was sie zu den größten Anwärtern zum Champions League Sieger macht.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer

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