Am ersten Spieltag der Champions League empfingen die Bayern zuhause die Mannschaft aus Valencia. Die Spanier gelten als enorm konter- und umschaltstarke Mannschaft, was... Stabile Bayern dank richtiger Doppelsechs und spielstarkem Stürmer: Taktikanalyse zum 2:1-Sieg über Valencia

Am ersten Spieltag der Champions League empfingen die Bayern zuhause die Mannschaft aus Valencia. Die Spanier gelten als enorm konter- und umschaltstarke Mannschaft, was bereits gegen Real und Barcelona für viele Probleme bei den großen Zwei Spaniens sorgte. Darum reagierte Jupp Heynckes auch dementsprechend und stellte seine Mannschaft interessant um.

Ballverlustvermeidung

Um das Konterspiel zu unterbinden, fokussierten sich die Bayern verstärkt auf die Beibehaltung des eigenen Ballbesitzes. Darum wurden Claudio Pizarro und Javi Martinez in die Stammelf geschoben, außerdem erhielt Manuel Neuer die Anweisung, Bälle verstärkt flach zu den Innenverteidigern statt weit herauszuspielen. Indem sie den Ball nicht verloren, erhielt der Gegner auch keine Chance zu Kontern. Mit Pizarro hatten sie nun einen ballstarken Mittelstürmer statt Mario Mandzukic, welcher zwar auch technisch gut, aber deutlich vertikaler in seinem Spielcharakter ist. Der Peruaner hingegen bewegte sich sehr oft auf die Flügel hinaus und unterstützte die Flügelstürmer Arjen Robben und Franck Ribéry als Anspielstation. Dadurch konnte auch im letzten Drittel der Ball trotz des gegnerischen Abwehrpressings gehalten werden.

Zusätzlich hatten sie mit Martinez einen weiteren passstarken Spieler in der Zentrale. Er ersetzte wegen seiner hohen Pressingresistenz den Brasilianer Luiz Gustavo und sollte den Bayern im Aufbauspiel gegen das variable Pressings Valencias eine Hilfe sein.

Valencias variables Pressing

Die Valencianer formierten sich in der Arbeit gegen den Ball nämlich mit Manndeckung auf Martinez sowie in einem 4-4-1-1-System, welches bei Bedarf zu einem 4-2-4 oder einem asymmetrischen 4-3-3 in Form eine  4-3-2-1 werden konnte. Die Manndeckung übernahm Jonas, doch Martinez gab nur sehr wenige Bälle her, auch Fehlpässe waren selten. In den ersten dreißig Minuten blieb er sogar ohne einen einzigen Fehlpass, was alleine schon den Unterschied zu Gustavo darlegte.

Eine wichtige Rolle im Pressing übernahm nicht nur Roberto Soldado im Zentrum, sondern auch Sofian Feghouli auf rechts und Andres Guardado auf links. Die beiden mussten nämlich abwägen, ob sie aufrücken oder tief bleiben sollten. Dieses Pressing war variabel, oftmals unterstützte einer der Außenspieler Jonas und Soldado vorne, während der zweite tief blieb. Dadurch entstand das bereits erwähnte 4-3-2-1, in welchem Jonas sich weiterhin an Martinez orientieren konnte, allerdings Soldado nicht alleine im Pressing stand. Stattdessen lenkte der Mittelstürmer das Pressing auf die Seite und dort attackierte dann der aufgerückte Außenstürmer den gegnerischen Außenverteidiger. Tino Costa und Dani Parejo verschoben dann auf die geöffnete Seite, der gegenüberliegende Außenstürmer rückte im Zuge des Kettenspiels mit ein.

Wieso funktionierten Valencias Konter nicht?

Die fehlende Durchschlagskraft bei den Kontern lag an zwei großen Faktoren: zu wenig hohe Balleroberungen und zu schwaches Nachrücken aus der Tiefe heraus. Durch die enorme Ballsicherheit der Münchner wurde Valencia trotz ihres interessanten und variablen Pressings sukzessive nach hinten gedrängt. Dort hatten sie weite Wege bis zum gegnerischen Tor, wenn sie den Ball eroberten. Hier machte sich auch der Abgang von Jordi Alba bemerkbar: er hatte mit Jeremy Mathieu und einer interessanten Pärchenbildung dieser beiden gegen Barcelonas rechte Seite viele gefährliche Szenen beim 2:2 der letzten Saison gesorgt. Dazu kam auch das Aufrücken des noch angeschlagenen Ever Banega, was in diesem Spiel von der Doppelsechs schlichtweg fehlte.

Dani Parejo und Tino Costa wurden in der zweiten Halbzeit gar verbal von den Innenverteidigern nach vorne geschickt, doch sie schienen zu viel Furcht zu haben – was auch zum Post-Match-Interview des später eingewechselten Nelson Valdez passte. Dieser sprach davon, dass die Mannschaft noch jung ist und zu viel Respekt an den Tag legte. Dies wirkte sich auch auf die Umsetzung der Taktik aus, da die Doppelsechs weder offene Räume nutzte noch riskant nach vorne mitging. Jene Unbekümmertheit und Selbstvertrauen, welches Ever Banega und wohl auch der verletzte Neuzugang Fernando Gago an den Tag gelegt hätten.

Letztlich war es auch ein sehr undankbares Spiel für die beiden Sechser. Die Außenverteidiger schafften es aus ihrer tiefen Stellung nicht nach vorne, die Außenverteidiger der Bayern fanden hingegen das richtige Timing und die passende Höhe beim Aufrücken. Dadurch konnten Löcher in deren Rücken, wie man es letzte Saison bei Dani Alves als Flügelstürmer dank der katalanischen Dreierkette tat, kaum bespielt werden. Feghouli und Guardado waren meist isoliert voneinander und wurden nur von Jonas geholfen, was kaum eine Hilfe war, da die Bayern klar in Überzahl standen. Sie hatten mit den drei ballnahen Spielern auf der Doppelsechs, in der Innenverteidigung und natürlich einem Außenverteidiger drei Akteure, welche attackieren konnten, hinzu kam das Rückwärtspressing der Flügelstürmer. Zumeist eroberten die Bayern den Ball ohnehin weiter vorne.

Schweinsteiger und Martinez – zwei Besonderheiten im Spiel des deutschen Rekordmeisters

Die Hausherren zeigten sowohl im Aufbauspiel als auch im eigenen Angriffspressing dank der spielstarken Doppelsechs einige interessante Aspekte. Im Aufbauspiel hielt sich Martinez meist mittig, während Schweinsteiger die Horizontale beackerte. Wichtig war jedoch, dass Schweinsteiger kaum geblockt werden konnte – dank seiner Bewegung über die gesamte Spielfeldbreite konnte er nur schwer von einem Gegenspieler verfolgt werden, hatte letztlich auch deswegen die meisten gespielten Pässe auf dem Platz. Oftmals orientierte er sich nach rechts, damit Kroos sich auf der halblinken Position fallen lassen konnte. Sie bildeten dann mit Martinez drei tiefe Spielgestalter und konnten den Ball problemlos in den eigenen Reihen zirkulieren lassen. Das Spiel nach vorne wurde von allen drei mit Bedacht angekurbelt, damit man nicht in eine Pressingfalle laufen konnte.

Defensiv hatte dann verstärkt Martinez einen beweglichen Part inne. Er nutzte seine Spielintelligenz, um bei gegnerischem Ballbesitz bespielbare Räume des Gegners zu besetzen und die Passverbindungen zu kappen. Die Bayern formierten sich meist in einem 4-4-2 mit Kroos als zweiten Stürmer neben Pizarro in ihrer Angriffspressingformation. Hinten antizipierte Martinez intelligent Pässe und rückte dann auf, um Räume zuzustellen oder Bälle zu erobern, was gut funktionierte. Hinzu kam, dass die Bayern generell sehr bissig agierten und auch im Gegenpressing nach Ballverlusten zu überzeugen wussten. Dadurch gab es für Valencia ab dem zweiten Spielfelddrittel nie wirklich Zeit und Raum, um das Spiel gestalten zu können. Die Doppelsechs der Spanier litt darunter, was sich auf das Angriffsspiel auswirkte. Die teilweise in Not auf die Flügel geschlagenen Bälle wurden dann wie erwähnt durch die effiziente Laufarbeit der Bayern im Dreiecksspiel erobert.

Fazit

Heynckes machte im ersten Spiel der Champions League vieles richtig. Mit Martinez und Schweinsteiger besetzte er die Doppelsechs richtig, mit Pizarro vorne hatten sie einen spielstarken Akteur, der die Ballzirkulation im letzten Spielfelddrittel stabilisierte. Valencia wurde dadurch nach hinten gedrängt und die defensiv starke Leistung der Bayern hinderte sie an ihren gefährlichen Kontern. Alles in allem ein verdienter Sieg der Deutschen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric