Die zweite Liga in Deutschland bleibt weiterhin unberechenbar und hatte wieder einige Überraschungen zu bieten. Obwohl die Spiele teilweise von den winterlichen Witterungsverhältnissen vom... 2. Deutsche Liga: Phillipp Mwene ist „on fire“

Die zweite Liga in Deutschland bleibt weiterhin unberechenbar und hatte wieder einige Überraschungen zu bieten. Obwohl die Spiele teilweise von den winterlichen Witterungsverhältnissen vom „Wettergott“ nicht gerade begünstigt waren, wurde ganz ansehnlich gekickt und auch die Tore kamen nicht zu kurz. Aus heimischer Sicht gibt es wieder einige Erfolgsmeldungen sowie ein lang ersehntes Comeback. Details dazu sind dem Folgenden zu entnehmen.

Aufstand der Nachzügler

Doch sehr überraschend konnte Darmstadt am Freitagabend in Dresden mit 2:0 gewinnen und sich an den Relegationsrang heranpirschen. Bei den Sachsen stand Möschl nicht im Kader und Horvath startete auf dem rechten Flügel, wurde aber nach 60 recht unauffälligen Minuten substituiert. Er konnte nicht ganz an die Leistungen aus den Vorwochen anschließen, hatte nur eine Torchancenbeteiligung und wirkte etwas glück- und planlos in seinen Aktionen. Nach einem guten Rückrundenbeginn war dies die erste eher schwächere Leistung von ihm.

Beim Torfestival am Betzenberg konnten die Eisernen Berliner zwar dreimal ausgleichen, am Ende gewannen die Roten Teufel dennoch mit 4:3. Auf der Seite der Pfälzer standen Vucur und Mwene in der Startelf. Der baumlange Innenverteidiger spielte im dichten Schneegestöber eine ruhige Kugel und hatte nur selten Probleme mit den gegnerischen Angreifern. Sein Aufbauspiel war auf dem schweren Geläuf zwar ausbaufähig, ansonsten ließ er sich aber nichts zu Schulden kommen. Mwene durfte im rechten Mittelfeld ran und war der beste Mann am Platz. Er lief unermüdlich, rackerte für das Team, war an gefühlt jeder Offensivaktion beteiligt und markierte nach einem Torwartfehler den entscheidenden vierten Treffer. Der junge Österreicher spielte entfesselt und ließ schlussendlich den Betze beben. Auf der Gegenseite stand Schösswendter nicht im Kader. Trimmel (rechter Verteidiger) und Hosiner (Sturm) begannen bei den Hauptstädtern. Der heimische Offensivmann konnte sich dabei kaum in Szene setzen, das Spiel lief regelrecht an ihm vorbei und er hatte nur wenige Aktionen. Ganz anders Trimmel, der einer der Lichtblicke seines Teams war und zwei Tore vorbereiten konnte. Er war das ganze Spiel über sehr aktiv und präsent, wenngleich auch er mit seinem Einsatz und seiner Laufbereitschaft die Niederlage nicht mehr verhindern konnte.

Befreiungsschlag und Frankenderby

Sandhausen kam in einem sehr bescheidenen Fußballspiel nicht über ein 1:1-Unentschieden gegen Aue hinaus und verliert die Aufstiegsränge etwas aus den Augen. Positiv auf Seiten der Sandhäuser war die Rückkehr des etatmäßigen Kapitäns Kulovits, der im zentralen Mittelfeld sein Comeback feierte. Dabei spielte er 60 Minuten lang recht unauffällig, bestach aber sofort durch seine Präsenz und seine Ballsicherheit. Auf der Gegenseite agierte Wydra in der Dreierkette und erledigte seine Sache ganz ordentlich. Seine Zweikampfverhalten und seine Pässe waren gewohnt stark, wenngleich er sich vor dem Gegentor leicht abkochen ließ. Ansonsten hatte er erneut Offensivaktionen und war der Ruhepol im Auer Aufbauspiel.

Kiel kann doch noch gewinnen und diese Tatsache stellten sie im Heimspiel gegen Duisburg eindrucksvoll unter Beweis. Am Ende hieß es 5:0 für die Störche und sie dürfen weiter von der Bundesliga träumen. Gartner beim MSV und Hoheneder bei Holstein saßen jeweils nur auf der Bank.

Im ältesten Derby Deutschlands, dem Frankenderby, errangen die Außenseiter aus Fürth einen 2:0-Überraschungssieg beim Ligakrösus in Nürnberg. Beim FCN standen Jäger und Kreidl nicht im Kader, Margreitter startete auf halbrechter Position in der Dreierkette. Dort zeigte er eine ganz passable Leistung, hatte einige Torabschlussaktionen nach hohen Bällen und zeigte sich sehr passsicher. Ungewohnte Schwächen taten sich einzig im Zweikampfverhalten auf, wobei hier die gesamte Hintermannschaft der Franken Aufholbedarf hat. Auf der Gegenseite konnte Gugganig im defensiven Mittelfeld überzeugen, einzig im Passspiel unterliefen ihm mehrere Unachtsamkeiten. Ansonsten versuchte er nicht nur Defensivaufgaben zu erledigen, sondern sich auch im Angriff zu beteiligen. Der junge Österreicher avanciert somit seit der Winterpause zu einer festen Größe und ist aus dem Spiel des Kleeblatts nicht mehr wegzudenken.

Heimsiege und ein Last-Minute-Punkt

In einem umkämpften Spiel rangen die Braunschweiger Regensburg mit 2:1 nieder und verschaffen sich somit Luft im Abstiegskampf. Bei der siegreichen Eintracht spielte Teigl etwas offensiver als sonst und durfte sich im rechten Mittelfeld versuchen. Dabei machte er keine schlechte Figur, lief die meisten Kilometer aller Spieler und konnte viele Fouls ziehen. Insgesamt strahlte er aber zu wenig Torgefahr aus, Defensiv ist er wohl besser aufgehoben.

Düsseldorf kam zu einem knappen 2:1-Heimsieg gegen St. Pauli und lacht nun wieder von der Tabellenspitze.

Heidenheim vergeigte in ihrem Heimspiel leichtfertig einen Vorsprung und musste sich schlussendlich mit einem 2:2-Unentschieden gegen Bielefeld begnügen. Beim FCH begann Dovedan im Sturm und war der offensive Aktivposten seines Teams. Er hatte in Hälfte eins eine gute Tormöglichkeit und bereitete nach dem Seitenwechsel das zweite Tor. Nach dieser Leistung dürften seine Aktien in der Gunst des Trainers deutlich gestiegen sein. Auf der Gegenseite lief Kerschbaumer auf dem linken Flügel unermüdlich und zeigte einmal mehr, was in ihm steckt. Bis auf sein Zweikampfverhalten war seine Leistung hervorragend, er war an beinahe allen gefährlichen Situationen beteiligt und bereitet den späten Ausgleich mustergültig vor. Prietl konnte im zentralen Mittelfeld nicht restlos überzeugen, er war zu unklar in seinen Abschlusssituationen und hatte Defizite im Passspiel. Obwohl er gewohnt viel für die Mannschaft arbeitete und wichtige Zweikämpfe gewann, konnte er sich nicht so recht in Szene setzen.

Ingolstädter Tristesse und Fazit

Die Talfahrt der Ingolstädter geht weiter und so mussten sie sich am Montagabend dem Nachzügler aus Bochum mit 0:1 geschlagen geben. Bei den Schanzern saß Knaller wie gewohnt auf der Bank und musste von dort aus miterleben, wie sich die Fans gegen die eigene Mannschaft richteten. Die ambitionierten Bundesligaabsteiger sind weit entfernt von ihren Zielen und bekommen dies auch von den Rängen zu spüren. Auf der Gegenseite gelang dem VfL der langersehnte Befreiungsschlag und sie schrieben das erste Mal unter Neo-Trainer Dutt voll an. Stöger und Hinterseer, standen beide in der Startelf und vor allem der Stürmer war sehr spielstark und engagiert unterwegs. In der Chancenauswertung haperte es aber beim ehemaligen Ingolstädter und so fiel er nur aufgrund seines Einsatzes fürs Team und seinen teilweise kläglich vergebenen Chancen auf. Stöger, der Kilometerfresser vom Dienst, spielte einmal mehr eine starke Partie, in der er das Goldtor per Eckball vorbereiten konnte. Seine Standards sind eine regelrechte Waffe und mit seiner Übersicht konnte er mehrere Kontersituationen und Angriffe einleiten. Aber auch er blieb einmal mehr glücklos im Abschluss und zeigte leichte Schwächen im Zweikampfverhalten. Dennoch, Stöger ist und bleibt das Herzstück der Mannschaft und er gibt seinem Team die Richtung vor.

Phillipp Mwene ist seit Wochen on fire und mehr als verdient der Legionär der Runde. Er konnte in den letzten zwei Wochen zwei Tore erzielen und zeigt damit auch, dass er ungeahnte Torjägerqualitäten besitzt. Ebenfalls starke Leistungen konnten Vucur, Stöger, Dovedan, Kerschbaumer und Trimmel abrufen. Gugganig und Prietl, die beiden Kampfschweine im Mittelfeld ihrer Teams, spielten recht unauffällige Begegnungen, sie haben in gewissen Bereichen noch deutlich Luft nach oben. Hinterseer blieb einmal mehr glücklos, wenngleich seine Einstellung stimmt. Horvath zeigte nicht seine beste Performance, angesichts seiner letztwöchigen Leistungen ist dieses Wochenende aber nur ein Ausreißer nach unten. Die Verteidiger Margreitter und Wydra spielten ganz gefällig, aber auch sie zeigten nicht ihr volles Potential. Teigl lief etwas unter dem Radar, ist aber eine feste Größe im Braunschweiger Kollektiv. Hosiner konnte seine Chance in der Startelf nicht nutzen und blieb recht blass. Der Comebacker Kulovits kann mit seiner Rückkehr ganz zufrieden sein, obwohl man ihm seine lange Abstinenz noch sichtlich anmerkt. Hoheneder, Gartner und Knaller saßen bei ihrer Mannschaft nur auf der Bank und Möschl, Schösswendter, Kreidl und Jäger schafften es nicht in den Kader ihrer Teams.

Thomas Schützenhöfer, abseits.at

Thomas Schützenhöfer