In der zweiten deutschen Bundesliga könnten am letzten Spieltag noch sechs Teams absteigen oder auf den Relegationsrang rutschen. Es gibt viele dieser inoffiziellen Fußballregeln,... 2. Deutsche Liga: Verrückter Abstiegskampf – selbst 40 Punkte könnten nicht reichen

In der zweiten deutschen Bundesliga könnten am letzten Spieltag noch sechs Teams absteigen oder auf den Relegationsrang rutschen.

Es gibt viele dieser inoffiziellen Fußballregeln, die statistisch gesehen nicht haltbar sind. Die Mahnung, der gefoulte Spieler dürfe nie einen Elfmeter selbst schießen gehört z.B. dazu. Dann gibt es aber auch solche, denen ein gewisser Wahrheitsgrad inne wohnt. Die Regel, dass man mit 40 Punkten nicht absteigt, ist eine solche.

In dieser Saison der 2. Bundesliga könnte auch diese These widerlegt werden. Es ist schon unglaublich: der aktuelle Tabellen -17., Greuther Fürth, hat 39 Punkte auf dem Konto – genau wie Eintracht Braunschweig auf dem Relegationsplatz. Auf Platz 15 und 14 kommen Erzgebirge Aue und der SV Darmstadt 98 mit jeweils 40 Punkten. Auch Dynamo Dresden und der FC Heidenheim sind vor dem letzten Spieltag mit 41 Punkten noch nicht durch. Einzig der Abstieg des 1. FC Kaiserslautern steht bereits fest.

Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag

Am kommenden 34. Spieltag gibt es noch zwei direkte Duelle im Abstiegskampf. Da wäre zum einen die Partie zwischen Darmstadt 98 und Erzgebirge Aue. Den Lilien würde in diesem Spiel aufgrund ihres guten Torverhältnisses ein Punkt zum Klassenerhalt reichen. Darmstadt hat keines der letzten zehn Spiele verloren und die letzten beiden gewonnen. Damit schob sich die Mannschaft von Dirk Schuster nach dem letzten Spieltag zum ersten Mal seit einem halben Jahr über den Strich. Noch vor wenigen Wochen wurde den Südhessen keine Chance mehr auf den direkten Klassenerhalt gegebn. Aue hingegen verlor drei der letzten vier Spiele und braucht drei Punkte, um auf Nummer sicher zu gehen.

Des Weiteren treffen der FC Heidenheim und die SpVgg Greuther Fürth aufeinander. Heidenheim gehörte in den letzten Jahren eigentlich immer zu denjenigen Teams, denen man auch einen Aufstieg durchaus zutrauen konnte. Dieses Jahr lief es für die Süddeutschen nicht ganz so gut – bei einem „normalen“ Saisonverlauf würden sie mit 41 Punkten jedoch wohl im gesicherten Mittelfeld stehen. Aber, in dieser Spielzeit ist eben nichts normal.

Heidenheim verlor am letzten Spieltag mit 0:1 bei Absteiger Kaiserlautern, und steckt nun selbst mitten im Schlamassel. Dennoch ist ein Abstieg von Heidenheim eher unwahrscheinlich, selbst eine Niederlage könnte in bestimmten Konstellationen zum Klassenerhalt reichen. Der Gegner aus Fürth wäre bei einer Niederlage hingegen nicht mehr zu retten. Die Franken müssen gewinnen, um auch nächstes Jahr sicher in der 2. Liga spielen zu dürfen. Aber: Fürth gelang in dieser Saison erst ein Auswärtssieg; in den letzten fünf Spielen gab es zudem keinen Dreier für Trainer Damir Buric und sein Team. Kapitän Marco Caliguiri bringt es auf den Punkt: „Es geht jetzt einfach nur noch um drei Punkte.“

Letztes Jahr noch Aufstiegsrelegation, dieses mal Abstiegsrelegation – oder gar Schlimmeres? Eintracht Braunschweig kämpfte am Ende der letzten Saison noch gegen den Lokalrivalen VfL Wolfsburg um den Aufstieg ins Oberhaus. Doch dieses Jahr ist alles anders. Braunschweig konnte keines der letzten sechs Spiele gewinnen, verlor dabei die letzten beiden Partien. Vor allem die 0:2-Heimniederlage am vergangenen Wochenende gegen den FC Ingolstadt kam einem Offenbarungseid gleich. Und nun geht es auswärts gegen Holstein Kiel, die nach dem nächsten Spieltag die Rolle der Braunschweiger einnehmen werden, und in der Relegation – vielleicht ebenfalls gegen Wolfsburg – um den Aufstieg kämpfen. Langzeittrainer Thorsten Lieberknecht – er übernahm vor fast exakt zehn Jahren das Traineramt in Braunschweig, war dort zuvor vier Jahre selbst Profi – konnte nach der letzten Niederlage und dem Abrutschen auf den Relegationsrang seine Tränen nicht mehr zurück halten. Für die aktuelle Situation gibt Lieberknecht vor allem sich selbst die Schuld: „Dafür bin ich ganz alleine verantwortlich, für die gesamte Saison. Das, was wir uns vorgenommen haben, hat nicht funktioniert.“ Lieberknecht wird, unabhängig vom Ausgang, den Verein wohl am Saisonende verlassen.

Bleibt noch Dynamo Dresden. Die Sachsen treffen am kommenden Spieltag zuhause auf Union Berlin. Sicher gerettet wäre Dynamo zwar nur mit einem Sieg, trotzdem wäre ein Abstieg nur bei einer sehr hohen Niederlage noch möglich. Kurios: Dresden ist vor dem 34. Spieltag die Mannschaft mit dem meisten Ballbesitz und der höchsten Passgenauigkeit. Und trotzdem müssen die Schwarzgelben noch um den Klassenerhalt zittern. Man könnte es so auslegen, dass Statistiken eben doch nichts aussagen. Oder diese Saison als das bezeichnen was sie ist – eine echte Anomalie.

Ral, abseits.at

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