Borussia Dortmund wahrt die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Im Viertelfinale des DFB-Cups zwangen die Schwarz-Gelben Bundesligakonkurrent Hoffenheim mit 3:2 nach... 3:2 nach Kraftakt – Dortmund kämpft Hoffenheim im Cup nieder

Pierre-Emerick Aubameyang - Borussia DortmundBorussia Dortmund wahrt die letzte Chance auf einen Titel in dieser Saison. Im Viertelfinale des DFB-Cups zwangen die Schwarz-Gelben Bundesligakonkurrent Hoffenheim mit 3:2 nach Verlängerung in die Knie. Vor allem dank einer äußerst dominanten Vorstellung in der zweiten Hälfte der regulären Spielzeit war der Erfolg mehr als verdient. Hoffenheim glänzte mit Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und taktischer Disziplin, tat am Ende aber zu wenig für den Aufstieg.

Beide Teams in Bestbesetzung

Bereits vor Anpfiff war die Partie in allen deutschen Medien als „Spiel der letzten Chance“ tituliert worden. Trainer Jürgen Klopp nahm die Begegnung daher sehr ernst, schickte seine beste verfügbare Elf im vertrauten 4-2-3-1 auf den Platz. Lediglich Roman Weidenfeller musste im Tor dem Australier Mitchell Langerak weichen, der bislang jedes Cupspiel absolvierte. Weitaus schmerzlicher waren da schon die Ausfälle der beiden Leistungsträger Marco Reus (Adduktorenprobleme) und Mats Hummels (Oberschenkelverletzung). Die zuletzt arg gescholtenen Mkhitaryan und Kagawa bekamen die Chance auf Wiedergutmachung.

Bei Hoffenheim setzte Coach Markus Gisdol auf ein eher konservativ ausgerichtetes 4-3-3 mit den drei sprintstarken Angreifern Firmino, Volland und Schipplock. Auf der linken Abwehrseite kam etwas überraschend der junge Toljan zum Zug, der den Südkoreaner Kim auf die Ersatzbank verdrängte. Ansonsten gab es keine Änderungen in der Stammaufstellung.

Individuelle Fehler machen Dortmunds gute Anfangsphase zunichte

Der BVB erzielte in den letzten drei Bewerbsspielen im heimischen Stadion kein einziges Tor und begann deshalb sofort das Spielgeschehen an sich zu reißen. Nach einer dominanten Anfangsviertelstunde mit Chancen für Kagawa und Mkhitaryan münzte Abwehrchef Subotic die Feldüberlegenheit auch in ein Tor um. Er stand nach einer Ecke von Blaszczykowski goldrichtig, löste sich von seinem Bewacher Strobl und bugsierte den Ball via Innenstange ins Netz. Hoffenheim setzte bei dieser Standardsituation auf Manndeckung, hatte an beiden Pfosten keine Abwehrspieler positioniert. Als hätte Dortmund die taktische Ausrichtung bei Eckbällen kopiert, schlug es nur wenige Augenblicke später auf der Gegenseite des Platzes ein. Nach Rudys Corner stahl sich Volland im Rückraum der Abwehr davon und vollendete – sträflich allein gelassen – per Volley-Abnahme. Nur 98 Sekunden lagen aus Dortmunder Sicht zwischen Freude und Tristesse. Somit sorgten zwei Standardsituationen vorerst für eine Pattstellung. Der BVB gestaltete weiterhin das Spiel, die Gäste lauerten auf Konter und wollten ihr starkes Umschaltspiel zur Geltung bringen. Geschickt verdichteten die Kraichgauer mit drei Mittelfeldspielern das Zentrum und nahmen Spielmacher Gündogan aus der Partie. Die schnelle offensive Dreierreihe wagte in dieser Phase immer wieder gefährliche Vorstöße und unterbrach damit die Bemühungen der Hausherren. Doch es war ein kapitaler Eigenfehler, der zur Führung für Hoffenheim führte: Subotic konnte einen Querpass nicht kontrollieren, verlor den Ball an Firmino, der allein auf Langerak zulief und gekonnt vollendete. Mit dem 2:1 im Rücken war die Spielsituation wie prädestiniert für die Gäste. Sie verteidigten tiefer, attackierten Ball und Gegner erst ab der Mittellinie. Dortmund seinerseits tat sich weiter schwer, zwingende Chancen herauszuspielen. Gerade im Spielaufbau fehlte Kapitän Hummels an allen Ecken und Enden, seine langen Bälle in die Spitze konnten Subotic und Sokratis nicht so präzise schlagen. Gegen Ende der ersten Halbzeit häuften sich die Ungenauigkeiten im BVB-Spiel, weite Zuspiele versandeten meistens im Niemandsland. Pfiffe der eigenen Fans begleiteten die Spieler in die Kabinen.

Hoffenheim bekommt kaum Luft zum Durchschnaufen

In der Pause schien Klopp seinem Team den Kopf gehörig gewaschen zu haben. Dortmund presste höher, das eigene Passspiel wurde sicherer und geradliniger. Zudem hatte der Favorit mehr Tempo in den Aktionen, oft kam er mit gepflegtem One-Touch-Fußball gefährlich in den Sechzehner. Nach guten Gelegenheiten von Aubameyang und Gündogan war es schließlich die Solospitze aus Gabun, die für den Ausgleich verantwortlich zeichnete. Eine scharfe Durm-Flanke wuchtete der Angreifer per Kopf in die Maschen. Dortmund schnürte den Gegner tief in der eigenen Hälfte ein, Hoffenheims Akteure konnten kaum noch für Entlastung sorgen. Wohl auch deshalb, weil Coach Gisdol aus taktischen Gründen umstellte, den gelb-rot-gefährdeten Schwegler vom Platz nahm. Die Flügelspieler hatten durch die laufstarken Außenverteidiger des BVB zudem mehr Defensivaufgaben zu verrichten, was aus dem 4-3-3 zuweilen ein 4-4-2 ergab. Dortmund trat wie ein Team auf, das das Spiel um jeden Preis gewinnen wollte. Als alles bereits auf eine Verlängerung hindeutete, hatte Hoffenheim mit ihren ersten Torschüssen der zweiten Hälfte durch Polanski und Firmino sogar Chancen auf den Sieg. Diese blieben jedoch ungenutzt, womit sämtliche Akteure Überstunden schieben mussten.

Kehls Gewaltschuss öffnet die Tür zum Halbfinale

In der Verlängerung riskierten beide Mannschaften anfangs nicht das letzte Hemd. Man ließ den Gegner durchatmen und gewähren. Nach 100 Minuten wechselten beide Trainer, Hoffenheim defensiv, Dortmund positionsgetreu. Kevin Kampl, Neuzugang aus Salzburg, sollte für frische Elemente im schon etwas ins Stottern geratene Angriffsspiel des BVB sorgen. Der Slowene machte sich mit einem Distanzschuss bei Keeper Baumann gleich einmal vorstellig. Nur kurze Zeit später jubelten Kampl und Co., als Routinier Sebastian Kehl das runde Leder aus etwa 20 Metern in die rechte untere Ecke zimmerte. Obwohl die Kräfte bei beiden Teams merklich schwanden, war nun Spannung für die Schlussphase garantiert. Kampl verpasste allein vor dem Tor die Entscheidung, als er den Ball an die Latte setzte. Fast rächte sich das, als Beck wenige Minuten vor Spielende nach einem Eckball völlig freistehend neben das Tor köpfelte. Dortmund spielte am Ende seine Routine aus, hielt den Ball in den eigenen Reihen und riskierte nichts mehr. Hoffenheim konnte nichts mehr entgegensetzen, spielte über das gesamte Match gesehen auch nicht genügend zwingende Gelegenheiten heraus. Trotzdem bekamen die 80 000 Zuseher im ausverkauften Signal-Iduna-Park ein rassiges Pokalspiel auf gutem Niveau geboten. Für Hoffenheim ist der Traum vom ersten Cup-Halbfinale der Vereinsgeschichte geplatzt, der BVB hingegen hat über den Cup weiterhin die Chance auf internationale Auftritte in der kommenden Saison.

Martin Roithner, abseits.at

Martin Roithner