International hui, national pfui. Während Borussia Dortmund in der deutschen Bundesliga noch nicht richtig in Fahrt kommt, überzeugt der amtierende Doublesieger in der Champions... Schlüsselduell Piszczek gegen Ronaldo – Dortmund ringt Real 2:1 nieder!

International hui, national pfui. Während Borussia Dortmund in der deutschen Bundesliga noch nicht richtig in Fahrt kommt, überzeugt der amtierende Doublesieger in der Champions League auf voller Linie. Am dritten Spieltag gewann der BVB gegen Real Madrid 2:1. In einem taktisch hochwertigen Spiel brachte Robert Lewandowski seine Mannschaft in Führung, ehe kurz darauf Cristiano Ronaldo ausglich. Den Siegtreffer erzielte Marcel Schmelzer.

Das fühlt sich überragend an, das war ein sensationeller Abend, wie man ihn sich nur in den kühnsten Träumen vorstellen kann“, strahlte Jürgen Klopp nach dem Abpfiff. Nachdem der BVB-Trainer am Wochenende aufgrund eines misslungenen Systemwechsels den Kopf hinhalten musste, schritt er nach diesem Erfolg sichtlich lieber vor die TV-Kameras.

Schmelzer und Götze zurück

Im Revierderby gegen Schalke 04 überraschte Klopp mit einer 3-5-2-Startformation, in der sich seine Schützlinge unwohl fühlten und 1:2 unterlagen. Grund für diese ungewöhnliche Umstellung war vor allem die Verletzung von Schmelzer. Für das Spiel gegen Real wurde dieser aber wieder fit und begann wie gewohnt auf der linken Abwehrseite. Davor bildeten Sven Bender und Sebastian Kehl die laufstarke Doppelsechs, da Ilkay Gündogan ebenfalls angeschlagen war. Im offensiven Mittelfeld konnte Klopp wieder auf Jungstar Mario Götze zurückgreifen, der in Abwesenheit von Jakub Blaszczykowski von Marco Reus und Kevin Großkreutz flankiert wurde. An vorderster Front stürmte Lewandowski, der sich wie gewohnt stark ins Kombinationsspiel seiner Mannschaft einbrachte.

Notnagel Essien Linksverteidiger

Auch Klopps Pendant Jose Mourinho musste auf verletzungsbedingte Ausfälle von Stammspielern reagieren. Der etatmäßige Rechtsverteidiger Alvaro Arbeloa wurde von Sergio Ramos vertreten. Für den Welt- und Europameister, der normalerweise als Innenverteidiger agierte, rückte Raphael Varane ins Abwehrzentrum. Der 19-jährige Franzose spielte trotz seiner Jugend eine sehr sachliche Partie, fing vier Pässe ab, klärte neunmal, stellte seine Gegenspieler dreimal ins Abseits und hatte mit 85% die höchste Passerfolgsquote aller vier Innenverteidiger. Auf der linken Abwehrseite war der personelle Aderlass größer. Sowohl Marcelo als auch Fabio Coentrao fallen noch lange aus, daher lief Michael Essien als Linksverteidiger auf. Ansonsten setzte Mourinho auf das bewährte Personal. Sami Khedira und Xabi Alonso gaben die Doppelsechs, in der Offensive wirbelte neben Superstar Ronaldo Mesut Özil, Angel Di Maria und Karim Benzema.

Real in erster Halbzeit linksfokussiert

Die notgedrungenen Umstellungen zeigten sich auch im Spiel des spanischen Rekordmeisters. Ramos sah man an, dass er geübt darin ist rechts außen zu verteidigen, während Essien auf der gegenüberliegenden Seite sehr verhalten agierte. Zum einen weil er von Haus aus defensivorientierter ist, zum anderen weil Ronaldo vor ihm dafür bekannt ist, das Defensivspiel gerne auch mal schleifen zu lassen. Dass Reals Spiel dennoch in der ersten Halbzeit starken Hang zur linken Seite hatte, hängt mit den Offensivqualitäten des Portugiesen zusammen.

Zudem driftete neben dem horizontal spielenden Özil auch Benzema auf die linke Seite ab. Zum einen um sie zu überladen, zum anderen um seinen Bewacher wegzulocken. Diese raumöffnenden Läufe sind das Hauptmerkmal des Franzosen und wurden von Ronaldo auch gerne angenommen. Dortmunds Hintermannschaft stand aber sehr sicher, wie die nebenstehende Grafikzeigt – zu sehen sind sämtliche Defensivaktionen (Tacklings, geblockte gegnerische Schüsse, abgefangene Bälle, klärende Aktionen, Ballgewinne).Außerdem ist auch die erwähnte Asymmetrie zu erkennen, die sich im Laufe des Spiels auflöste.

Modric-Einwechslung verschafft Alonso Platz

Dieser Linksfokus wurde aber auch zu Teilen von den Gastgebern erzwungen. Anders als im Spiel gegen Manchester City, als man in einer 4-5-1-Anordnung presste, formierten sich die Schwarzgelben wieder im üblichen 4-4-2 mit Götze neben Lewandowski. Dortmunds Nummer zehn sollte dabei vor allem Alonso unter Druck setzen, da dieser mit langen Pässen aus der Tiefe das Spiel seiner Mannschaft lenkt. Ein Wendepunkt war die verletzungsbedingte Auswechselung von Khedira für Luka Modric. Zwar kam dieser im gleichen Zeitraum nur auf marginal bessere Werte als sein deutscher Teamkollege – 16:13 Ballkontakte, 13:10 Pässe -, seine bloße Anwesenheit verschaffte Alonso aber mehr Raum im Spielaufbau. Neben Götze schoss nämlich auch immer wieder ein Sechser nach vorne um den spanischen Spielgestalter einzukesseln, während sich der andere um Özil kümmerte. Nachdem Modric am Feld war agierten die Dortmunder vorsichtiger, hatten vorm Aufbauspiel des Kroaten mehr Respekt als vor jenem von Khedira.

Sechser-Duell geht an Dortmund

Dennoch war das BVB-Gespann an diesem Tag der klare Sieger im Sechser-Duell, was vor allem am größeren Aktionsradius lag, den sie zudem effektiv ausfüllten. Dies wird durch die Grafik rechts verdeutlicht. In der oberen Hälfte sind die Torschüsse und angekommenen Pässe in der gegnerischen Hälfte zu sehen. Zwar spielten Alonso, Modric und Khedira mehr als ihre Dortmunder Pendants, allerdings handelte es sich dabei meist um Querpässe, mit denen man keinen Druck aufbauen konnte. Die Aktionen von Kehl, Bender und Gündogan sind hingegen weiter gestreut, zudem schossen sie öfter aufs Tor. Besonders der Kapitän tat sich – nicht zuletzt wegen seines Assists (blau) – hervor. Auch in der Defensive(untere Bildhälfte) verzeichnete das BVB-Duo ein Plus, kümmerte sich nicht nur um die Mitte – wie etwa Reals Sechser – sondern verschob auch auf die Seiten um die gegnerischen Flügelspieler zu doppeln. Vor allem das lethargische Abwehrverhalten von Alonso vor dem 2:1 ist in dieser Hinsicht zu bekritteln.

Ronaldo zockt – zuerst richtig…

Das Schlüsselduell dieses Spiel war aber der Zweikampf von Piszczek gegen Ronaldo. Der Pole ist dafür bekannt, dass er sich sehr oft in das Offensivspiel seiner Mannschaft einschaltet und im Angriffsdrittel für enorme Breite sorgt. Mit schnellen Antritten hinterläuft er seinen Vordermann um dann querzulegen. Gegen Ronaldo legte er sein Spiel jedoch abwartender ab und war bemüht den Ausnahmekicker zu neutralisieren, was ihm ausgesprochen gut gelang. Vor allem in der ersten Hälfte sah man kaum Vorstöße des Rechtsverteidigers, vielmehr orientierte er sich an seinem direkten Gegenspieler, wohlwissend um dessen Schnelligkeit und Abschlussstärke sowie der Konterstärke der Madrilenen. Einmal ließ er diese Aufgabe jedoch links liegen um sein gewohntes Spiel aufzuziehen und prompt kassierte Dortmund ein Gegentor. Real fing einen Fehlpass im Mittelfeld ab, den Özil unwiderstehlich Richtung Ronaldo schlug. Dieser hatte gegen die langsamen Subotic und Bender leichtes Spiel und hob den Ball über den herausstürmenden Weidenfeller ins Netz.

… dann falsch

In der zweiten Hälfte spielte Dortmund mutiger und vor allem ballsicherer, was Piszczek dazu animierte sich vermehrt offensiv einzuschalten. Aufgrund der Tatsache, dass Ronaldo seine Defensivaufgaben nur sporadisch wahrnahm und Alonso mit einem Auge auch auf Götze schielen musste, wurde Essiens Abwehrseite nun vermehrt überlaufen. So lieferte Piszczek schon vor dem Goldtor zwei vielversprechende Hereingaben, die seine Kollegen jedoch nicht verwerten konnten. Auch der entscheidende Treffer wurde über die rechte Angriffsseite der Borussia eingeleitet. Wie man rechts erkennen kann, hatten die Hausherren aufgrund des Aufrückens von Piszczek eine drei-zu-zwei-Überzahl, die in einer Flanke mündete. Eine schlechte Abwehr von Casillas später landete der Ball im Tor. Ein energischeres Defensivspiel von Ronaldo hätte der Vorarbeit vorbeugen können, es liegt aber im Naturell des Portugiesen, dass er auf Ballgewinne seiner Mitspieler zockt um dann im Konter zuzuschlagen.

BVB hält Schlussoffensive stand

Nach dem erneuten Rückstand begann Real das Spiel weiter vorne aufzubauen. Versuchte man bis dahin das Pressing des Gegners vor allem mit langen Bällen zu umspielen, machte man es ihm in der Schlussphase schwerer. Die Außenverteidiger positionierten sich hoch und Alonso bildete mit den Innenverteidigern eine Dreierkette, wodurch es für Dortmund aufgrund der zurückgedrängten Außenspieler schwieriger war Zugriff auf die Passwege zu erlagen. Außerdem ersetzte Mourinho den ausweichenden Benzema mit Gonzalo Higuain, der viel direkter den Weg zum Tor suchte. Mit Fortschreiten der Spielzeit stieg sowohl die Anzahl an Spielverlagerungen als auch jene an Flanken und Steilpässen. Der aufopferungsvollen Spielweise der Borussen tat dies aber keinen Abbruch. Steilpässe wurden abgelaufen, Flanken geklärt, weswegen die Deutschen schließlich erleichtert die Hände in den Abendhimmel stemmen konnten.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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