Das Rückspiel im Supercup war der zweite Clasico dieser Saison. Die Mini-Krise bei Real und die öffentliche Schelte von Mourinho für die Leistungen seiner... Grandiose Anfangsphase und schnelles Umschaltspiel bringen Real den Sieg in der Supercopa!

Das Rückspiel im Supercup war der zweite Clasico dieser Saison. Die Mini-Krise bei Real und die öffentliche Schelte von Mourinho für die Leistungen seiner Mannschaft bedeuteten bereits zusätzlichen Druck für Özil und Co. Dementsprechend startete das weiße Ballett mit wohl noch mehr Motivation, als es in einem Heimspiel gegen Barcelona ohnehin gehabt hätte. Aggressives Pressing und ein Ausschluss bei Barcelona führten zu phasenweise brutaler Dominanz in der ersten Halbzeit und zur verdienten Führung, die man letzten Endes über die Zeit bringen konnte.

Aufstellungen und Aufgaben

Bei Real kam Pepe wieder als Innenverteidiger neben Ramos zum Zug, neben ihnen spielten links Marcelo und rechts Arbeloa. Im breiten Mittelfeld bewegten sich Xabi Alonso, Khedira, und Özil, der wie gewohnt immer wieder auf die Flügel auswich. Vorne bekam erneut Higuain den Vorzug vor Benzema, Ronaldo und di Maria liefen auf den Flügeln auf.

Barcelona hingegen musste unmittelbar vor dem Anpfiff Dani Alves durch Adriano ersetzen, wobei Letzterer durch seinen Ausschluss zum Unglücksraben des Spiels wurde. Weiters bildeten Pique und Mascherano als Innenverteidiger-Pärchen und Alba auf links die Abwehr. Vor ihnen sollte Busquets hauptsächlich mit defensiven Aufgaben beschäftigt sein, Xavi als Spielmacher und Taktgeber fungieren, und Iniesta (diesmal wieder zentral neben seinem kongenialen Partner) sich vorrangig mit Vorstößen über halblinks auszeichnen. Sanchez beackerte den rechten Flügel und lieferte sich bis zu seiner Auswechslung immer wieder Duelle mit Marcelo, rückte jedoch auch häufig ins Sturmzentrum. Messi beschränkte sich zum Großteil auf seinen Platz im Zentrum, kam aber aufgrund des aggressiven Pressings und der kompakten Defensive von Real selten dazu, seine Klasse wirklich auszuspielen. Pedro lief nominell links auf, orientierte sich mit Fortdauer des Spiels zunehmend ins Zentrum, und spielte zeitweilig den Mittelstürmer vor Messi bzw. auf gleicher Höhe mit ihm.

Spiel in die Tiefe und Eroberung der zweiten Bälle

Der erste hohe Pass hinter die aufgerückte Abwehr der Katalanen kam nach geschlagenen 10 Sekunden von Pepe auf Ronaldo. Immer wieder bediente sich Real dieses Mittels, um dem Pressing von Barcelona zu entgehen, bei Ballverlust sofort selbst enormen Druck aufzubauen, und auf die Eroberung der zweiten Bälle zu gehen. Auch der Spielaufbau von Barcelona wurde durch aggressives Pressing sehr gut gestört. Da Real diese Spielweise fast bis zum Ende der ersten Halbzeit durchhielt, sollte daraus in weiterer Folge die größte Dominanz von Real in einem Clasico der letzten Jahre resultieren.

Beispiel aus der zweiten Minute: Valdes spielt den Abstoß kurz, sofort bauen sechs Spieler von Real starken Druck auf und stellen die Anspielmöglichkeiten zu. Ein guter Spielaufbau ist somit unmöglich. Es bleibt nur der – für Barcelona ungewöhnliche – lange Ball.

Beispiel aus der dritten Minute: der ballführende Spieler wird gedoppelt, die Angriffsspieler von Real verunmöglichen durch Zustellen von Anspielmöglichkeiten den Sicherheitspass zurück in die Abwehr.

Bereits in der 7. Minute hätte sich Reals Pressing beinahe ausgezahlt, als Higuain nach einem guten Lochpass von Marcelo vor Valdes auftauchte, der den Schuss parieren konnte. Konsequent setzten die Madrilenen weiter auf lange Bälle hinter die aufgerückte Abwehr und auf schnelles Umschaltspiel. Durch die im Defensivspiel hohe Stellung von Özil, beinahe auf gleicher Höhe mit Higuain als falsche zweite Spitze, wurden Pique und Mascherano permanent beschäftigt und konnten selten am Aufbauspiel teilnehmen. Weiters sollte sich diese hohe Stellung auch bei den schnellen Konterangriffen von Real besonders auszahlen.

Bezeichnend für die Entwicklung des Spiels zu diesem Zeitpunkt war ein Stoppfehler von Messi in der zehnten Minute, als ihm ein Kurzpass über den Fuß glitt und ins Out rollte. Nur eine Minute später hob Pepe erneut einen hohen Ball hinter die Abwehr von Barcelona, Higuain ging auf und davon – 1:0. Obwohl Mascherano sich in dieser Aktion einen Patzer leistete, als er ins Leere trat, statt zu klären, entsprach der Treffer genau Mourinhos Konzept. Er wird sich nicht nur wegen der Egalisierung des Rückstandes aus dem Hinspiel über diesen Treffer besonders gefreut haben.

Real war nun merklich wild entschlossen, nachzusetzen, und das zweite Tor zu erzielen. In der 13. Minute gab es sogar einen Pressball zwischen Arbeloa und di Maria, als man Pedro nahe der Outlinie in die Zange nahm.

Für kurze Zeit schien es dann, als könnte sich Barcelona aus dem Powerplay befreien. Längere Passstafetten gelangen erstmals und man kombinierte sich in Strafraumnähe. Real stand aber gut und ließ in dieser Phase keine Chancen zu. Als Barcelona den Ball in der gegnerischen Hälfte verlor, brachte erneut ein Ball in den Rücken der aufgerückten Katalanen das 2:0. Ronaldo nahm sich den Ball mit der Hacke großartig mit und traf schließlich mit ein bisschen Glück ins Tor.

Real dominiert

In den folgenden 20 Minuten hatte Real die stärkste Phase in diesem Spiel und der erstaunte Zuschauer konnte mit ansehen, dass Barcelona dominiert wurde wie seit Jahren nicht. Angriffsversuche von Barcelona wurden routiniert im Keim erstickt, auf der linken Flanke gelang Marcelo und Ronaldo alles. Als Draufgabe wurde Adriano nach einer Notbremse gegen Ronaldo – erneut nach einem Ball in den Rücken der Abwehr – vom Platz gestellt.

Real drückte weiter auf das 3:0 und presste konsequent mit bis zu 7 Mann in der gegnerischen Hälfte. Vor allem die rechte Verteidiger-Position von Barcelona, die bis dahin Adriano ausgefüllt hatte und nun Pique in einer Dreierkette übernahm, wurde jetzt hart attackiert und immer wieder überladen. Teilweise bewegten sich bis zu fünf Real-Spieler in diesem Bereich, in dem nun Pique und Busquets ihre liebe Not hatten, da Alexis Sanchez defensiv keine große Hilfe war, und der Spieler auf der ballfernen Flanke von Real ins Zentrum zog und damit die Defensive weiter unter Druck setzte. Sogar Sergio Ramos eilte bei einem Angriff in den gegnerischen Strafraum.

Ein erneuter hoher Diagonalpass auf Barcelonas rechte Seite und ein guter Pass von Marcelo führten zu einer 100%-igen Torchance für Khedira, die von Valdes glänzend zunichte gemacht wurde. Ein Sololauf von Özil am rechten Flügel wurde in letzter Sekunde von Jordi Alba gestoppt. Sinnbildlich für diese Spielphase war der danach beinahe hilflos nach vorne geschlagene Befreiungsschlag, der prompt bei Pepe landete, welcher sich damit um die eigene Achse drehte und den heranstürmenden Messi ins Leere laufen ließ. Ein großartig gespielter Konter über Ronaldo und der anschließende Schussversuch von Higuain aus fünf Metern wurde gerade noch zum Eckball abgeblockt. In dieser Phase roch es kurzzeitig sogar nach einer Revanche für die 0:5- und 2:6-Debakel in den letzten Jahren.

Beispiel: die Riesenchance von Khedira in der 29. Minute. Real überlädt den linken Flügel und stellt Überzahl her, der lange Ball von Alonso findet Marcelo hinter der Abwehr, der ballferne Flügelspieler orientiert sich ins Zentrum und zieht einen Katalanen mit sich, ebenso der zentrale Angriffsspieler.

Barcelona fängt sich

Vilanova musste reagieren und gab Alexis‘ Position im Angriff auf, um die Defensive mit Montoya als rechtem Verteidiger zu stabilisieren und wieder auf eine Viererkette umzustellen. Das Rezept funktionierte. Montoya leitete die erste gefährliche Aktion Barcelonas ein, doch Iniestas scharfe Hereingabe von der linken Flanke fand keinen Abnehmer. Real wurde nun zunehmend passiver, Khedira und Özil postierten sich tiefer. Abwehraktionen erfolgten erst ab Höhe der Mittellinie. Die Passsicherheit der letzten Minuten ging verloren und die kleinen Fehler häuften sich, was wohl dem extrem kraftraubenden Pressing geschuldet war. Barcelona kam langsam, aber doch ins Spiel. In der 41. Minute gelang ein gefährlicher Pass zu Messi vor dem Sechzehner, Pepe konnte allerdings noch klären. Real zog sich weiter zurück, Xavi und Iniesta konnten nun kombinieren, ohne sofort mit zwei oder drei Gegenspielern konfrontiert zu sein.

39. Minute: Real wird passiver und überlässt Barcelona das Mittelfeld, Xavi kann sich die Anspielstation aussuchen. Pepe rückt etwas aus der Abwehr heraus, während sich Alonso Richtung Messi bewegt. Alba wagt sich wieder nach vorne und zieht di Maria von Iniesta ab.

Ein großartiger Freistoß von Messi führte zum Anschlusstreffer, der zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unverdient war, wenn auch die Madrilenen bereits das eine oder andere Tor mehr hätten erzielen können/müssen. Ein gewaltiger Schuss von Ronaldo aus knapp 40 Metern beendete die erste Halbzeit.

Obwohl bei Real in der zweiten Halbzeit aufgrund des hohen Tempos der ersten zusehends die Kräfte schwanden und man sich zunehmend auf destruktive Aufgaben konzentrierte, Barcelona zur gewohnten Passsicherheit zurückfand und das Spiel mit Chancen auf beiden Seiten nun auf Augenhöhe verlief, wurden die Katalanen nur noch durch zwei Großchancen von Pedro wirklich gefährlich. Aufgrund des fehlenden Angriffsspielers konnte Barcelona nie mit letzter Konsequenz das gefürchtete Pressing aufziehen, das sie seit Jahren auszeichnet. Hätte es keinen Ausschluss gegeben, hätte Barcelona in der zweiten Halbzeit die ermüdeten Madrilenen noch härter unter Druck setzen können. Obwohl Barcelona nun die aktivere Mannschaft war – trotz Unterzahl – konnte sie kein Kapital daraus schlagen. In der Schlussphase durften noch die beiden eingewechselten Neuzugänge Modric und Song ihre Klasse aufblitzen lassen, konnten aber nichts Entscheidendes zum Spielverlauf mehr beitragen.

Florian Eliadakis, abseits.at

Florian Eliadakis