Sie sind wohl der absolute Underdog bei dieser Europameisterschaft. Kaum ein Spieler der irländischen Nationalmannschaft ist ein Spieler von internationaler Bekanntheit und Klasse, was... Schnelles Umschaltspiel, starke Flügel und dennoch klarer Außenseiter – das ist der EM-Kader von Irland

Sie sind wohl der absolute Underdog bei dieser Europameisterschaft. Kaum ein Spieler der irländischen Nationalmannschaft ist ein Spieler von internationaler Bekanntheit und Klasse, was sie zu einem Außenseiter sondergleichen macht. Mit Trainerlegende Giovanni Trapattoni sowie ihrer defensiven Spielweise wären sie sogar für eine Überraschung gut. Niemand kennt sie und ihre Spielweise, desweiteren können sie ohne Ausnahme gegen jeden Gegner ungemein tief und kompakt stehen, ohne dafür Probleme mit Medien und Zuschauern zu erhalten. Dank des erfahrenen Trainers besitzen sie auch die nötigen Ressourcen, um sich auf jeden Gegner taktisch perfekt einzustellen.

Das Aufgebot

Tor: Shay Given (Aston Villa), Keiren Westwood (AFC Sunderland), David Forde (FC Millwall)
Abwehr: John O’Shea (AFC Sunderland), Stephen Kelly (FC Fulham), Stephen Ward (Wolverhampton Wanderers), Richard Dunne (Aston Villa), Sean St. Ledger (Leicester City), Darren O’Dea (Leeds United), Paul McShane (Hull City)
Mittelfeld: Glenn Whelan (Stoke City), Keith Andrews (West Bromwich Albion), Paul Green (vereinslos), Darron Gibson (FC Everton), Damien Duff (FC Fulham), Aiden McGeady (Spartak Moskau), Stephen Hunt (Wolverhampton Wanderers), James McClean (AFC Sunderland)
Angriff: Robbie Keane (Los Angeles Galaxy), Kevin Doyle (Wolverhampton Wanderers), Shane Long (West Bromwich Albion), Simon Cox (West Bromwich Albion), Jon Walters (Stoke City)

Die Torhüter

Keine Frage, im Kasten wird Shay Given stehen. Der irische Nationaltorhüter spielt bereits seit Jahren in der englischen Premier League und gehörte in der letzten Dekade sicherlich zu den besten Keepern der Liga. Er ist unglaublich reaktionsschnell und kann mehrere Unhaltbare in einem Spiel herausholen. Aufgrund seiner Fähigkeiten auf der Linie gehört er nach wie vor an guten Tagen zu den spektakulärsten Torhütern dieses Turniers, allerdings fehlt es ihm aufgrund des fortgeschrittenen Alters an der Geschmeidigkeit früherer Zeiten. Dennoch dürfte er mit seiner Erfahrung und zweifellos noch vorhandenen Fähigkeiten ein sicherer Rückhalt für seine Mannschaft werden.

Sein direkter Ersatz und somit die Nummer zwei müsste Keiren Westwood sein. Der Torhüter vom AFC Sunderland ist ebenfalls reaktionsstark und körperlich stark, dank seiner Sprungkraft und Konstanz wäre er eine sichere Alternative, sollte Given überraschend ein Spiel verpassen. Nummer drei ist David Forde, der bei Millwall seine Brötchen verdient. Wie Westwood ist er ein grundsolider Torhüter, was letztlich dafür sorgt, dass Trapattoni keinerlei Bedenken und Sorgen auf dieser Position haben muss.

Die Viererkette

Vorab: mit O’Shea und St. Ledger besitzt Irland zwei höchst interessante Spieler in der Abwehr. Beide können sowohl als Rechtsverteidiger wie auch in der Innenverteidigung auflaufen. Interessant ist, dass St. Ledger etwas schneller ist und dennoch zentral spielen wird. O’Shea ist nämlich in der Luft etwas schwächer, aber im Kombinationsspiel etwas zuverlässiger. Da Irland in einem 4-4-2 agieren wird, in welchem vorrangig die Flügelstürmer im letzten Spielfelddrittel die Breite geben, ist dies eine gute Wahl von Trapattoni. Zusätzlich zu diesen beiden flexiblen Spielern werden voraussichtlich Stephen Ward als Linksverteidiger auflaufen und Richard Dunne in der Innenverteidigung. Ward ist ein offensivorientierter und dynamischer Spieler, der den dribbelstarken McGeady vor sich unterstützen soll. Er besticht durch gute Flanken und seine langen Einwürfe sind ein weiterer Pluspunkt. Der Innenverteidiger Dunne von Aston Villa ist ein bulliger und körperlich starker Spielertypus. Bei etwas unter 1,90m liegt sein Kampfgewicht bei annährend 100 Kilogramm, was ihn zu einem unangenehmen und rustikalen Gegenspieler macht. Auch dank seiner Kopfballstärke wird vorrangig er den gegnerischen Stürmer übernehmen, während der schnellere St. Ledger als absichernder Spieler fungieren wird. Gut möglich, dass Letzterer auch heranstürmende MIttelfeldspieler übernehmen wird.

Taktisch flexibel zeigt sich auch die Bank. Stephen Kelly, Darren O’Dea und Paul McShane können allesamt als Innen- wie Außenverteidiger agieren, üben diese Rolle aber naturgemäß etwas defensiver aus. McShane konzentriert sich hierbei auf die rechte Seite, O’Dea auf die linke Seite und Kelly kann gleich beide Seiten absichern, wenn Not am Mann wäre.

Die Mittelfeldviererkette

Auf der Doppelsechs gibt es drei Spieler, die sich ernsthaft um die zwei möglichen Startpositionen streiten. Aktuell sieht es danach aus, dass das Pärchen Glenn Whelan und Keith Andrews die Nase vorne hat. Sie spielten gemeinsam bereits in der Qualifikation einen Großteil der Spiele, kennen das System und die Spielweise. Beide sind eher defensivorientierte, lauffreudige und kampfstarke Spieler, wobei Whelan etwas mehr spielgestalterische Aufgaben übernimmt. In dieser Hinsicht nehmen sie sich jedoch nicht viel, keiner von beiden ist ein wirklich kreativer Spielgestalter. Darron Gibson, ein ehemaliger Spieler von Manchester United, zeigte dieses Jahr grundsolide Vorstellungen beim FC Everton. Er kann sehr gute lange Pässe spielen und besitzt einen gefürchteten Schuss, dürfte allerdings nur der erste Ersatz sein. Trapattoni findet die etwas wuseligeren Spieler Whelan und Andrews für sein System geeigneter. Den Notnagel im zentraldefensiven Mittelfeld stellt der vereinslose Robert Green dar, welcher als box-to-box-Spieler mit viel Ausdauer und ohne besondere Stärken oder Schwächen gilt.

Etwas spektakulärer sieht auf den Flügeln aus. Mit Aiden McGeady von Spartak Moskau besitzen die Irländer einen der trickreichsten Spieler des Turniers. Sein Manko dürfte die mangelnde Konstanz und das oftmals fehlende Endprodukt sein, an guten Tagen gehört er jedoch zu den Akteuren, die ein Spiel alleine entscheiden können. Dank seines hervorragenden Antritts kann er sich seiner Gegenspieler entledigen und bis zur Grundlinie vorstoßen. Wie sein Partner Damien Duff auf der gegenüberliegenden Seite kann er invers und klassisch als Winger spielen. Das heißt, die beiden können entweder diagonal nach innen ziehen und mit ihrem stärkeren Fuß abschließen oder Flanken aus dem Halbfeld wie von der Grundlinie bringen. Auch Rochaden könnten zusätzliche Verwirrung ins gegnerische Defensivspiel bringen, diese Flexibilität ermöglicht Trapattoni ein taktisch interessantes Flügelspiel. Die Ersatzspieler Stephen Hunt und James McClean passen ebenfalls in dieses System. Beide sind dynamische Linksfüße, welche bevorzugt von der Seite kommen und Flanken in den Strafraum bringen. Hunt ist der defensivstärkere, robustere und ausdauerndere Spieler, weswegen er sogar als Stammspieler in Betracht kommen könnte. Ein weiterer Vorteil von ihm ist seine hervorragende Stärke mit dem vermeintlich schwächeren rechten Fuß, was ihn zu einem ungemein flexiblen Flügelspieler macht.

Das Sturmduo

Ganz vorne werden wohl Altstar Robbie Keane und Simon Cox von West Bromwich Albion auflaufen. Die beiden ergänzen sich gut, Keane lässt sich gerne ins Mittelfeld fallen und füllt das Loch in der 4-4-2-Formation, zeitglich stößt Simon Cox nach vorne und versucht dem Spiel Tiefe zu geben oder sich selbst freizulaufen. Keane ist hierbei ein relativ kompletter Stürmer, er kann Bälle verteilen oder selbst präzise abschließen. Cox hingegen ist ein dynamischer Angreifer, womöglich aber etwas körperlich zu schwach für höchste Ansprüche.

Darum könnte Shane Long, ein Mitspieler aus West Bromwich, ins Team rücken. Technisch sind sie beide bestenfalls solide, Long ist aber ein klassischer Strafraumstürmer mit einem ungeheuren Torriecher und dem dafür nötigen Stellungsspiel. Kevin Dolye wäre eine beweglichere Variante. Er kann nämlich auch auf dem Flügel agieren und beteiligt sich gut am Defensivspiel der eigenen Mannschaft. Durch seine Laufarbeit hilft er nicht nur hinten aus, sondern öffnet vorne viele Räume für seine Mitspieler. Dies könnte bei dieser Europameisterschaft wichtig werden, weswegen er durchaus seine Chance bekommen könnte. Auch seine Kopfballstärke dank einer enormen Sprungkraft sollten nicht unterschätzt werden. Die geringsten Chancen auf den Platz ganz vorne hat wohl oder übel Jon Walters. Der gelernte Flügelstürmer agiert lieber etwas tiefer und ist vermutlich eher als Ersatz für Robbie Keane geplant. Schade eigentlich, da er wahrscheinlich der kompletteste Spieler exklusive von Keane im Angriffssektor der Iren ist.

Die Formation

Irland wird sich in einem 4-4-2 formieren, welches in der Höhe stark wechselt. Der Fokus liegt hierbei auf der durchgehend Kompaktheit, der Gegner wird im Aufbauspiel stark gepresst und man versucht, den Ball hoch zu erobern. Die Flügelstürmer ziehen nach innen und die Mittelstürmer verdecken die Innenverteidiger des Gegners. Gleichzeitig verschiebt der gesamte Defensivblock mit und unterstützt dieses Forechecking. Wird dieses hohe Pressing umspielt, lässt sich der kompakte Defensivverbund fallen und die ballfernen der vier Offensiven betreiben Rückwärtspressing, bis sie sich wieder in ihre Positionen eingefunden haben. Das Offensivsystem ist auf die Flügel und schnelles Umschaltspiel ausgelegt, was die Iren zu einem sehr unangenehmen Gegner macht.

 

 

 

 

 

 

 

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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