Bayerns Offensiv-Gottseibeiuns Thomas Müller ließ vergangenen Freitag via Bild aufhorchen. Wobei es eigentlich gar nicht verwundert, dass der FC Bayern München den Anspruch auf... Bayerns Thomas Müller: "Wir werden Meister. Basta."

Bayerns Offensiv-Gottseibeiuns Thomas Müller ließ vergangenen Freitag via Bild aufhorchen. Wobei es eigentlich gar nicht verwundert, dass der FC Bayern München den Anspruch auf den Meistertitel stellt, interpretiert man Vizemeisterschaften ja als Ausrutscher und alles weitere als süddeutsche Naturkatastrophen.

Louis van Gaals ruppige Art brachte viel Unruhe in den Verein. Die Entdeckungen von Müller und Badstuber konnten temporäre Flops wie Thomas Kraft oder David Alaba nicht wett machen. Der Klub, der lieber kleckert als klotzt, konnte mit der Einstellung des Tulpengenerals, den eigenen Nachwuchs zu forcieren, nicht viel anfangen. Das Hopp-oder-Drop-Spiel mit bedingungsloser Offensive durch die Superstars Ribéry und Robben konnte Van Gaals Vernachlässigung der Defensive in der vergangenen Saison nie wirklich aufwiegen. Die neue Trainergeneration um Klopp, Tuchel und Slomka konnte dem Niederländer in den Schnittpartien durch geschicktes Zustellen der Lauf- und Passwege in der Defensive sowie Doppeln und Trippeln der Kreativspieler der Bayern die Schneid abkaufen. Mittendrin bei den jungen Wilden war aber auch ein alter Trainerfuchs: Jupp Heynckes. Der alte Bekannte des nunmehrigen Bayernpräsidenten Uli Hoeneß war schon zwei Mal Trainer in München, gewann 1989 und 1990 mit den Bayern die deutsche Meisterschaft und sicherte nach dem Klinsmann-Fiasko den zweiten Platz. Dass Heynckes nicht zum alten Eisen gehört, bewies er in der abgelaufenen Saison, in der er den Bayern die Vizemeisterschaft und somit die direkte Qualifikation zur Champions League zunichte machte.

Jupp Heynckes ließ ab Mitte der Hinrunde nach einigen Experimenten mit 4-4-2 und 4-3-3 das deutsche WM-System spielen, das 4-2-3-1. Dieses System zeichnet sich durch zwei spielstarke Sechser und einer Offensive, die durch Rochieren den Gegner immer wieder verwirren will, aus. Auch die Bayern spielten sowohl unter Van Gaal als auch unter Jonker dieses System, erhielten vier Tore weniger und erzielten 26 Tore mehr als die Leverkusener. In der Tabelle war der Unterschied am Ende zwar nur ein Sieg mehr auf Seiten der Rheinländer, aber der Bayern-Kader ist mehr als doppelt so teuer wie jener der Werkself, welcher auch um einiges jünger ist. Sicherlich haben die Bayern-Spieler auch fast zwei Jahre durchgespielt, waren doch viele Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft, sicherlich gab es einiges an Verletzungspech, aber ein Kader wie jener der Bayern hätte so etwas auffangen müssen. Van Gaal verweigerte sich gegenüber teuren Einkäufen im Sommer 2010 und verscherzte es sich immer mehr mit der Führungsebene. Jupp Heynckes hingegen, der früher durchaus ein Hitzkopf war, wirkt im positiven Sinne altersmilde, stellte sich der Auseinandersetzung mit dem Denkmal Ballack und behielt Recht. Vor allem die Stimmung zwischen Trainer und Kader bzw. Trainer und Führungsebene hat letztendlich den Ausschlag gegeben, dass die Bayern sich einen alten Besen holen, der mit runderneuerter Methodik erfolgreich kehren soll.

BEHUTSAME KADERVERÄNDERUNG

Richtig in die Nesseln setzte sich Van Gaal auch mit seinem nicht nachvollziehbaren Wechsel von Butt zu Kraft. Schien er vorerst noch Recht zu behalten, häuften sich bei Kraft die Fehler, bis Jonker wieder den alten Butt ins Tor stellte. Kraft verließ den Verein schließlich in Richtung Aufsteiger Hertha BSC Berlin. Gegangen sind ebenso Joker Altintop, der erfahrene Klose und der biedere „Sechser“ Ottl. Mit Manuel Neuer wurde die vakante Einserposition im Tor mit dem vermutlich derzeit besten Torhüter der Welt besetzt, mit Rafinha die ewig vernachlässigte rechte Abwehrseite top besetzt und somit Lahm vom Martyrium des Rechtsverteidigers erlöst. Neben dem Torschützenkönig der 2.Bundesliga, Petersen, der von Cottbus kam und auf seiner Visitenkarte 25 Tore und drei Vorlagen in der Liga sowie drei Tore und zwei Vorlagen im DFB-Pokal stehen hat, wurde noch der Japaner Usami leihweise für ein halbes Jahr mit Kaufoption verpflichtet. Der ist wiederum Japans Spieler des Jahres. David Alabas Rückkehr zu den Bayern – vor allem das starke Spiel gegen die deutsche Nationalmannschaft hat ihn wieder in den Fokus gerückt – hängt vom Wechsel von Arturo Vidal ab. Den zentralen Mittelfeldspieler jagt man in halb Europa, Inter, Juventus, Chelsea – um nur ein paar klingende Namen zu nennen – buhlen ebenfalls um die Dienste des Chilenen. Alaba wiederum könnte bei Hoffenheim bleiben, aber auch die Bolton Wanderers haben Interesse für eine Leihe angemeldet.

WEITERE NAMHAFTE VERSTÄRKUNGEN?

Ansonsten ist es derzeit noch ruhig beim deutschen Rekordmeister. Der Kader, der die halbe deutsche Nationalmannschaft stellt und darüber hinaus mit Superstars wie Robben und Ribery gespickt ist, muss nicht großartig verändert werden. Mit Olic kehrt auch eine weitere, schlagkräftige Alternative nach langer Verletzungspause zurück. Das „Mia-san-mia“-Gefühl der Bayern hängt stark von einem Klima ab, in dem jedes Rad ins nächste greift, vom polternden Präsidenten bis hin zum Nachwuchsspieler. Ob es punkto Transfers tatsächlich so ruhig bleibt, ist aber die Frage, denn Gerüchte gibt es genug. Die defensive Zentrale ist mit dem alten Van Buyten und den jungen, zu Formschwankungen neigenden Badstuber und Breno unterbesetzt. Nationalspieler Jerome Boateng ist seit Wochen Thema bei den Bayern, Manchester City ziert sich aber noch, obwohl der Spieler gerne wechseln will, ein Vierjahresvertrag praktisch schon unterschrieben ist. Die Citizens wollen acht Millionen Euro mehr, als der Hamburger SV letztes Jahr für den Deutsch-Ghanaer überwiesen bekam (damals 12 Millionen Euro). Genauso teuer wäre Kandidat zwei, der Brasilianer Alex vom FC Chelsea. Seit kurzem ist auch Gabriel Milito vom FC Barcelona im Gespräch. Milito, 2007 um 20 Millionen Euro von Saragossa zu den Katalanen transferiert, kam beim Champions-League-Sieger nie über die Reservistenrolle hinaus und ist um kolportierte sechs Millionen Euro zu haben. Der 37-fache argentinische Teamspieler verpasste jedoch die Saison 2008/09 zur Gänze durch eine Kreuzbandverletzung und laborierte vergangene Saison an mehreren Muskelverletzungen.

DEFENSIVE UND STIMMUNG VERBESSERN

Diese zwei Eckpunkte sind Heynckes Hauptaufgaben. Mit Millionentransfers, wie sie Hoeneß bevorzugt, soll die wacklige Defensive wieder verbessert werden. Die Mittelfeldzentrale ist mit Spielern wie Schweinsteiger, Tymoshchuk, Luis Gustavo und Pranjic gut besetzt, die 81-Tore-Offensivmaschine rund um Gomez, Müller, Ribery und Robben ist punktuell zu verbessern, ansonsten steht dem Angriff, im Vergleich zu den grandios aufspielenden Dortmundern, nur die Stimmung im Verein im Weg. Schafft es Jupp Heynckes, aus den hohen Voraussetzungen nur ansatzweise das Potential herauszuholen, das in den Einzelspielern steckt, kann sich die Konkurrenz in Deutschland und Europa warm anziehen, denn dann gehen die Bayern wieder einmal die Mission „Tripple“ an und werden der Erfüllung dieses Traums auch sehr nahe kommen. Und Meister werden sie sowieso. Basta.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen