Was will Bayern mit Robert Lewandowski? Die Experten sind sich uneins. Welche Verbesserung würde er bringen, wo wäre denn ein Unterschied zu Gomez oder...

Bayern MünchenWas will Bayern mit Robert Lewandowski? Die Experten sind sich uneins. Welche Verbesserung würde er bringen, wo wäre denn ein Unterschied zu Gomez oder Mandzukic zu sehen? Sie alle – wie auch Edin Dzeko – gelten als ähnliche Stürmertypen.

Wir vergleichen Lewandowski in dieser Serie mit den zwei aktuellen Stammstürmern des FC Bayern und auch mit einem Akteur aus der englischen Premier League, der bei den Bayern im Gespräch war und nun als potenzieller Nachfolger von Lewandowski gilt: Edin Dzeko. In der folgenden Betrachtung vergleichen wir ihre Fähigkeiten und begeben uns in dieser mehrteiligen Serie auf die Suche nach der Ursache für das angebliche Bayerninteresse.

Eigenschaft 7: Timing und Abschluss

Wir kommen nun zur letzten Eigenschaft die wir untersuchen wollen und vergleichen die Stürmer in den Königsdisziplinen. Wie stark sind sie beim Abschluss, wie bewegen sie sich bei den Angriffen? Dazu gibt es einmal mehr ein paar Statistiken, die wieder relativiert werden müssen.

Tore1

Wenig überraschend ist Mario Gomez in dieser Disziplin führend. Sein Torriecher gilt als einmalig in der Bundesliga, nicht umsonst gilt Gomez auch als eines der größten reinen Mittelstürmertalente Deutschlands der vergangenen Jahre. Er steht fast immer richtig, verpasst nur selten die Chance für einen Abstauber und bewegt sich hervorragend in Hereingaben von der Seite. Dzeko ist ein ähnlicher Stürmertyp; etwas weniger Torriecher, etwas mehr Variabilität im Abschluss.

Lewandowski und Mandzukic sind hingegen Stürmertypen, die eher durch die Quantität ihrer Bewegung und das effektive Freilaufen im Kombinationsspiel Tore erzielen. Bekanntlich sind aber „moderne Stürmer“ nicht nur zum Erzielen von Toren da. Wie sieht es also bei den Scorerpunkten aus, wenn man die Vorlagen miteinbezieht?

Scorerpunkte1

Hier ist die Reihung sehr klar. Gomez ist der Effektivste, Dzeko die Nummer Zwei, Lewandowski kommt auf Platz Drei und das Schlusslicht bildet Mandzukic; alle weisen jedoch sehr starke Werte auf. Abgesehen von Mandzukic in seiner Saison beim VfL Wolfsburg als Flügelstürmer und Gomez mit seinen statistisch verzerrten wenigen Einsätzen kommen alle um Werte zwischen 0,90 und 1,10 Scorerpunkte pro 90 Minuten.

Aber auch hier kann man wieder relativieren. Bei Mandzukics Veränderung ist es sicherlich nicht nur die Position, sondern auch der Verein, der seine Werte positiv beeinflusst hat. Eventuell sollte darum die Anzahl der Schüsse berücksichtigt werden, die für ein Tor benötigt werden. Gesagt, getan:

Chancenverwertung1

Bei der Chancenverwertung steht Dzeko plötzlich schwächer da und Lewandowski höher. Dabei muss man aber bedenken, dass die Bayernspieler wegen des Ballbesitzfokus ihrer Mannschaft einen deutlichen Vorteil haben. Der Ballbesitzfokus sorgt für mehr Abschlüsse aus aussichtsreichen Positionen und weniger Abschlüsse unter Druck oder sonstigen anspruchsvolleren Situationen. Beste Beispiele sind die extrem verbesserte Zahl Mandzukics im Vergleich zu seiner Zeit beim VfL Wolfsburg,  sowie die Ähnlichkeit zu Gomez‘ Werten aus der Vorsaison.

Im Endeffekt kann man festhalten, dass alle herausragend im Abschluss sind – und Gomez vermutlich der beste in dieser Disziplin ist.

Fazit

Vorab: Man darf wie immer anderer Meinung sein, die Definitionen sind bekanntlich subjektiv und die Unterschiede in vielen Dingen marginal. Voraussichtlich wird wohl keiner in allen Aspekten zu den gleichen Ergebnissen wie der Autor dieser Artikelserie kommen. Darum geht es bei diesem Vergleich aber auch nicht, vielmehr soll er einerseits die jeweiligen Stärken und Schwächen der Spieler darlegen sowie zur genaueren Betrachtung kleiner Unterschiede ähnlicher Spielertypen anregen.

Das Interesse der Bayern an Lewandowski ist durchaus verständlich. Er ist den anderen Akteuren zwar in einigen Aspekten leicht unterlegen, doch fällt in keiner Kategorie klar ab. Im Pressing dürfte er aber die Nase vorne haben und nur Mandzukic kann fast mit ihm mithalten. Im Kombinationsspiel ist er bei kurzen Ablagen und Kombinationen ähnlich stark wie Gomez und Mandzukic, verbindet dies aber mit der Weiträumigkeit der Pässe Dzekos.

Der ideale Spieler hätte wohl die Bissigkeit von Mandzukic, die Laufstärke und Intelligenz Lewandowskis, die Technik Dzekos und die Effizienz und Effektivität Gomez‘ – und Lewandowski dürfte diesem Spielertyp am nächsten kommen. Dazu muss auch beachtet werden, dass sich seine Zahlen in puncto Abschluss bei den Bayern, falls er denn kommt, weiter steigern könnten.

Mit mehr Abschlüssen aus aussichtsreichen Situationen könnte er seine ohnehin tolle Torausbeute weiter steigern, mit einer offensiv durchschlagskräftigeren Mannschaft könnten auch seine Torvorlagen noch weiter nach oben gehen. Gepaart mit seiner enormen Laufarbeit und seiner spielintelligenten Bewegung im Defensivspiel könnte er also eine kleine, aber doch wichtige Steigerung im bayrischen Fußball werden. Insbesondere dann, wenn sich dieser Fußball unter Pep Guardiola noch stärker auf Spielstärke und Fähigkeiten im Pressing fokussieren sollte.

Eine mögliche Verpflichtung Dzekos könnte aber für den BVB ebenfalls ein Glücksfall werden. Der Bosnier ist technisch stark, gut im Luftzweikampf und im Abschluss ebenfalls sehr effektiv. Kommt die nötige Effizienz hinzu, wäre er in dieser Kategorie wohl auf einem Niveau mit Mario Gomez bei etwas mehr Balltechnik. Bringt ihm Jürgen Klopp noch eine passende Bewegung im Kombinations- und Defensivspiel bei, wäre es bei passenden finanziellen Umständen eine herausragende Verpflichtung.

Ob diese Dinge letztlich so eintreffen, ist natürlich ungewiss. In Anbetracht der vielen möglichen Veränderungen, Interessenten und der Umstände  der Spieler bei ihren Vereinen scheint es unwahrscheinlich, obwohl viele Quellen darauf hindeuten. Aber wie Martin Walser und Felix Magath schon sagten: „Es gibt nichts Sinnloseres als Fußball, außer nachdenken über Fußball” – und genau dafür steht dieser Artikel.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

  • valentin

    14.März.2013 #1 Author

    tolle serie, danke!

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  • SR

    26.März.2013 #2 Author

    Grosses Lob, wieder eine hervorragende Analyse.

    Nur ein Punkt: Seit wann führt Balbesitzfussball zu „mehr Abschlüssen aus aussichtsreichen Situationen“ ohne „Bedrängnis“ der Gegenspieler? Das Gegenteil ist der Fall – Hochklassige Chancen ohne Bedrängnis entstehen eher bei Konterfussball und Gegenprseiing bei folgendem „Konter“. Bei Ballbesitzfussball hat man als Topmannschaft eher zwei Vierer- oder sogar Fünferketten vor dem Strafraum.

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  • mapka

    6.April.2013 #3 Author

    Vielen Dank für diese Reihe. Hat mich sehr begeistert und trifft den Nagel auf den Kopf.

    @SR damit sind wohl die Hereingaben quer zur Torlinie, meistens von Ribery, gemeint 😉 – die sind allerdings für manche Spieler gar nicht so einfach *gg*

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  • NanLei

    29.August.2014 #4 Author

    siehe welt Zeitung

    http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article131676951/Ohne-Hoeness-liefert-Bayern-sich-Pep-Guardiola-aus.html

    Ohne Hoeneß liefert Bayern sich Pep Guardiola aus

    Der Transfer von Xabi Alonso und Mehdi Benatia zeigt, dass sich der FC
    Bayern weit von den Idealen seines einstigen Strategen Uli Hoeneß
    entfernt hat. Im Klub gibt nun der Trainer die Gangart vor

    usw usw usw

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