Im ersten Spiel nach dem Aus in der Champions League wartete Guardiola mit einer veränderten taktischen Marschroute auf. Mit anderen Spielern und einer anderen... Der FC Bayern nach Madrid: Guardiolas Veränderungen gegen Hamburg

Pep Guardiola (FC Bayern München)Im ersten Spiel nach dem Aus in der Champions League wartete Guardiola mit einer veränderten taktischen Marschroute auf. Mit anderen Spielern und einer anderen Ausrichtung proben die Bayern jetzt schon für das DFB-Pokalfinale gegen Dortmund. Eine Analyse des Münchner Spiels.

Mit starkem Interesse dürfte Borussia Dortmunds Trainergespann um Head-Coach Jürgen Klopp die Ligapartie zwischen dem Hamburger SV und Bayern München (Endergebnis 1:4) verfolgt haben. Pep Guardiola probte gegen den Abstiegskandidaten schon für das Spiel in Berlin. Nach guter Anfangsphase der Hamburger stellte sich Bayern auf deren Pressing ein und gewann am Ende verdient.

Martinez als tiefer Sechser / breite Innenverteidiger

Aus dem Dreiermittelfeld um Kroos, Schweinsteiger und Martinez war es der Spanier, der den tiefen spielmachenden Part gab. Versuchte er noch zu Beginn des Spiels nur situativ nach hinten in die letzte Reihe zurückzufallen, zwangen ihn die Hamburger immer wieder durch Herstellen von Mannorientierungen, bis dorthin durchzuschieben.

Weil die bayerische Innenverteidigung um Boateng und Dante recht breit agierte und so naturgemäß öfter voneinander abgeschnitten wurde, war dieses Zurückfallen notwendig, um Drucksituationen im Aufbau zu vermeiden. Genau aus diesem Grund fielen vor allem zu Beginn auch Schweinsteiger und Kroos weit zurück, taten dieses aber vor allem in den Halbräumen. Mit fortschreitender Spieldauer hatte das zur Folge, dass die Münchner das Hamburger Mittelfeldpressing, das situativ ins Angriffspresssing geschoben wurde, gut umspielen konnten.

So kam es, dass Martinez beim Hamburger Mittelfeldpressing fast nur noch in letzter Linie agierte, wobei er in Situationen, in denen die Hamburger im Pressing weiter nach vorne schoben, nach vorne aufrückte. Dann nutze Bayern Manuel Neuer als zusätzlichen Aufbauspieler. Er nahm dann den Platz zwischen den beiden Innenverteidigern ein und Martinez konnte nach vorne in höhere Räume schieben.

Hohe Außenverteidiger und freie Flügelspieler

Aufgrund der breiten Innenverteidiger konnten Bayerns Außenverteidiger Lahm und Alaba weit nach vorne schieben, was sie in aber erst im späteren Angriffsverlauf taten. In Aufbausituationen standen sie breit und kamen nicht in die Halbräume. Diese sollten offen bleiben, um Pässe aus der Innenverteidigung in den Zwischenlinienraum zu ermöglichen.

Durch die höhere Position von Lahm und Alaba agierten Götze und Robben von den Flügeln aus vollkommen frei. Gemeinsam mit Thomas Müller im Sturmzentrum wechselten sie flexibel die Positionen und hielten sich generell sehr eng beieinander auf. Charakteristisch war, dass jeweils zwei der drei zentralen Spieler die beiden Hamburger Innenverteidiger banden, indem sie ohne Ball in die Spitze zogen. Dies erzeugte zum einen Platz im Zwischenlinienraum für andere Spieler. Durch geschicktes Zurückfallen aus der Spitze machte sich aber vor allem Götze dort selbst immer wieder anspielbar.

Vorteilhaft an diesen Offensivmechanismen war, dass Bayern gut aus Aufbausituationen in den Zwischenlinienraum kam. Man nutzte diese Situationen oft dazu, direkt die Schnittstellen der Hamburger Viererkette zu bespielen, oder aber aus dem Zwischenlinienraum wieder auf die Flügel zu verlagern. Vor allem auf rechts konnte Phillip Lahm einige dynamische Vorstöße zeigen. Dazu rückte ab und an Martinez wie erwähnt weiter nach vorne, oder Boateng dribbelte mit Ball am Fuß im Stile eines Halbverteidigers ins Mittelfeld.

Hamburg hatte gegen diese Spielweise der Bayern arge Probleme. Beide Innenverteidiger waren in der Kette gebunden, die aufgrund der hohen Präsenz der Bayern in vorderster Linie horizontal sehr eng verteidigen musste, was wiederum Räume auf den Flügeln öffnete.

Gegen den hohen Grad an Mannorientierungen, den Slomka in den vorderen Reihen spielen ließ, passte Bayerns 3-2-2-3-Formation, die Guardiola nach wenigen Minuten konsequent spielen ließ, hervorragend und der FC Bayern kam nach einigen Problemen in der Anfangsphase immer besser ins Spiel.

Bayerns verändertes Defensivspiel: Hybridformation mit gependelter Fünferkette / Martinez als Balancespieler

Gegen den Ball spielten die Bayern ein stark verändertes Mittelfeldpressing. Zu beobachten war in vorderster Linie, dass vor allem Robben, Müller und Götze eng beisammen agierten. Hinter den entstehenden Schnittstellen agierten die beiden Achter Kroos und Schweinsteiger, die anfangs noch von Martinez abgesichert wurden, sodass sich  4-1-2-3-Stellungen ergaben. Martinez war es auch, der aus der eigentlichen Viererkette eine situative bzw. phasenweise Fünferkette entstehen ließ.

Vor allem dem leitenden Aspekt und den vielen langen Bällen der Hamburger war es geschuldet, dass sich Martinez oft zwischen den Innenverteidigern aufhielt, um als zusätzliche Absicherung bei langen Bällen zu dienen. Dabei leiteten die Bayern das Hamburger Aufbauspiel auf eine Seite, indem jeweils einer der äußeren beiden Angreifer aus der Dreierreihe den sich in Ballbesitz befindenden Innenverteidiger anlief.

Diese Spielweise ermöglichte es den Bayern dann auf der ballnahen Seite und in letzter Linie eine hohe Zahl an Mannorientierungen herzustellen. Auch im Umschaltmoment war man besser abgesichert und das Defensivspiel der Bayern wirkte generell stabiler. Pässe durch Schnittstellen, vor allem aus den Halbräumen, gegen die man sich in den letzten Spielen anfällig gezeigt hatte, ließ man nicht zu.

Die Fünferkette der Münchner war dabei nicht starr und agierte flach in letzter Linie, sondern war sehr stark auf beide Seiten gependelt. Das zeigte sich zum einen darin, dass sowohl Dante als auch Boateng auf die Flügel schoben und dort die Hamburger Flügelspieler am ballnahen Flügel deckten, als auch daran, dass Lahm und Alaba sich an den Hamburger Außenverteidigern Dieckmeier und Jiracek orientierten. Dabei liefen sie diese schon in Aufbausituationen in deren Hälfte an, wenn diese nach leitendem Pressing der Bayern an den Flügeln angespielt wurden. Martinez Zurückfallen war dann letztlich nur eine Konsequenz dieses Verhaltens seiner Kollegen, der bei gegnerischem Ballbesitz im Zentrum auch nicht zurückfiel sondern den Raum vor der Kette besetzte.

Zusammenfassend kann man in dieser Hinsicht wohl sagen, dass Bayern gegen den Ball in einem extrem flexiblen 4-1-4-1 spielte, welches in hohen Zonen ein leitendes 4-3-3, in tiefen Zonen und situativ zum 5-2-3 wurde und bei dem es entsprechende Anpassungen des individuellen taktischen Verhaltens gab (vor allem Martinez und die Außenverteidiger).

Fazit und Ausblick

Bayern zeigte sich im Vergleich zu den letzten Spielen offensiv wie defensiv klar verändert. In der Offensive nutzte man generell andere Mechanismen, agierte enger zusammen und bespielte die Breite des Platzes vor allem über nachstoßende Außenverteidiger. Bessere und vor allem vertikalere Bewegungen im Zwischenlinienraum kamen durch die freien Rollen der Flügelspieler zustande und belebten das Spiel der Bayern spürbar, obwohl das sicherlich auch am Gegner lag und nicht in allen Belangen reibungslos funktionierte.

Gegen den Ball agierte man, wohl schon mit Blick auf das DFB-Pokalfinale mit einer hybriden Fünferkette, die sich als defensiv stabil und für Umschaltmomente geeignet zeigte, und einem stark leitendem Pressing, bei dem der Fokus auf dem Schließen des Zentrums lag.

Tobias Robl, www.abseits.at

Tobias Robl

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