Neben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln...

HinterseerNeben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz. Nun ist die Liga in der wohlverdienten Winterpause, es ist an der Zeit ein erstes Resümee zu ziehen. Deshalb beleuchtete ich in zwei Teilen meine persönlichen Gewinner und Verlierer der Hinrunde.

FC Ingolstadt

Was Ralf Hasenhüttl in Ingolstadt auf die Beine gestellt hat, ist wahrlich aller Ehren wert. Dem von Audi gesponserten Club wurde zwar von vielen Experten vor Saisonbeginn durchaus großes Potenzial attestiert, dass die „Schanzer“ nach 19 gespielten Runden mit sieben Punkten Vorsprung auf die Konkurrenz an der Tabellenspitze thronen würden, hätten aber wohl nur die wenigsten prophezeit. Neben dem Trainerfuchs haben auch zwei weitere Österreicher maßgeblichen Anteil am Höhenflug des FCI. Ramazan Özcan erweist sich Woche für Woche als sicherer und bärenstarker Rückhalt für seine Vorderleute, am anderen Ende des Spielfeldes stellte Lukas Hinterseer seine Knipser- Qualitäten mit bislang sieben Saisontoren eindrucksvoll unter Beweis. Der frühere Wacker-Angreifer kommt im 4-3-3-System zumeist als Mittelstürmer zum Einsatz, fallweise agiert er auch auf der rechten Außenposition. Die Ingolstädter zeichnet neben fußballerischer Klasse und einer klaren Spielidee aber vor allem eine echte Winner-Mentalität aus. Selbst Partien, in denen man spielerisch nur wenig überzeugt, resultieren dank einer gewissen Flexibilität im Matchplan und dem nötigen Fortune letztlich oftmals in Siegen oder zumindest Punktgewinnen. Wie die Formation schon vermuten lässt, liegt das Hauptaugenmerk auf der Offensive, was der Spitzenwert an 32 erzielten Treffern unterstreicht. In punkto Ballbesitz und Torschüssen ist Ingolstadt ebenfalls im absoluten Spitzenfeld der Liga anzutreffen. Den „Schanzern“ gelingt es in ihrem Spiel jedoch hervorragend, die Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu wahren, Özcan musste nur 14 Mal hinter sich greifen. Nur Aufsteiger RasenBallsport Leipzig übertrumpft den Leader in dieser Statistik, die“ Roten Bullen“ mussten nur zwölf Gegentreffer hinnehmen. Der doch beträchtliche Vorsprung von sieben Zählern auf den Zweitplatzierten, erklärt sich neben der beachtlichen Konstanz, vor allem mit den positiven Ergebnissen, die der Klub aus den so genannten Spitzenspielen erzielte. Gegen Kaiserslautern siegten die Mannen aus der Audi-Stadt dank einer starken zweiten Hälfte letztlich doch noch souverän und verdient, gegen Leipzig holten sie dank eines starken Defensivkonzepts, an dem sich der Aufsteiger die Hörner abstieß, einen wichtigen Auswärtsdreier. Aus den derzeitigen Top sechs konnten nur Darmstadt und Düsseldorf dem Spitzenreiter Punkte abknöpfen, Braunschweig, Karlsruhe und eben der FCK mussten sich jeweils knapp beugen. Es kommt nicht von ungefähr, dass neben den treffsicheren Spitzen Hinterseer und Leckie ein gewisser Pascal Groß von sich reden macht. Der technisch beschlagene Mittelfeldmann entdeckte seinen Torriecher, er netzte schon fünf Mal. Der 23-Jährige weiß aber vor allem als Assist-König und Flankengeber zu überzeugen. Er leistete bereits für acht Treffer die Vorarbeit und hat die Klasse, um jederzeit für entscheidende Impulse im Offensivspiel sorgen zu können. Pascal Groß ist definitiv einer der Shootingstars und Gewinner der Hinrunde. Seine Offensivpower wird nicht zuletzt auch durch die drittmeisten Torschüsse (47) aller eingesetzten Spieler unterstrichen. Der gebürtige Mannheimer tat sich zudem auch als echte Arbeitsbiene hervor, in den 19 Runden legte er überaus beachtliche 221,46 km zurück.

Angesichts des derzeitigen Laufs der “Schanzer“ störte es die Ingolstädter freilich nicht, dass vor der Winterpause bereits zwei Spieltage der Rückrunde absolviert wurden. Sie taten, was sie momentan einfach am liebsten tun – Punkte sammeln. Vermag die Hasenhüttl-Elf auch im Frühjahr an ihr effektives Spiel anzuknüpfen, ist sie auf dem besten Weg in Richtung Bundesliga. Die bisherige Bilanz von elf Siegen, sieben Remis und nur einer Niederlage, dem kriselnden 1. FC Nürnberg war es als einzigem Konkurrenten vergönnt einen Sieg über den Leader zu feiern, ist die verdiente, wenn auch in dieser Form etwas überraschende, Ernte für harte Arbeit. Das Allheilmittel in dieser Liga heißt: Kontinuität. Was diesen Faktor anbelangt, konnte den Ingolstädtern einfach keiner auch nur annähernd das Wasser reichen. Eine derartige Zwischenbilanz ist aber, wenn man sich die letzten Saisonen vor Augen führt, nicht weiter außergewöhnlich. Der 1. FC Köln hatte in der Vorsaison zum selben Zeitpunkt 39 Zähler am Konto, Braunschweig ein weiteres Jahr davor sogar 44. Beide Teams packten schließlich bekanntermaßen den Aufstieg in die Bundesliga.

Die Aufsteiger

Dass RasenBallsport Leipzig dank der Mateschitz-Millionen gleich nach dem Aufstieg aus der 3. Liga im Rennen um die Bundesligazugehörigkeit voll mitmischen würde, war, ungeachtet des zum guten Ton gehörenden Understatements, zu erwarten und verwundert nicht wirklich. Mit den Performances der übrigen beiden Aufsteiger war in dieser Form allerdings auf keinen Fall zu rechnen. Der SV Darmstadt 1898 ist getrost als die Sensation der Hinrunde zu bezeichnen und rangiert momentan auf dem überragenden dritten Tabellenplatz. Der fulminante Saisonstart war nicht nur ein kurzes Aufflackern von Qualität, Darmstadt konnte die sehr gute Frühform auch über die lange Distanz konservieren und bot meist schnörkellosen und bemüht geradlinigen Fußball. Dominik Stroh-Engel sorgte als Torjäger mit eingebauter Torgarantie für die notwendigen Treffer, um sich völlig entgegen den Erwartungen, im absoluten Spitzenfeld der Liga etablieren zu können. Der Routinier belegt mit bislang acht Saisontreffern den geteilten vierten Platz in der Schützenliste.

Romain Brégerie und Aytac Sulu gaben als routiniertes Duo im Abwehrzentrum dem Defensivverbund die nötige Ruhe und Stabilität, durch ihre großteils starken und abgebrühten Leistungen hatten sie maßgeblichen Anteil daran, dass die „Lilien“ gerade einmal 15 Gegentreffer kassierten. In dieser Statistikwertung belegt das Team somit ligaintern Platz drei. Dirk Schuster, der Erfolgscoach der Hessen, erklärt die Defensive verständlicherweise zum Trumpf – der Erfolg gibt ihm voll und ganz recht. Ebenso auffällig: Darmstadt räumt einigen Spielern, die anderswo als gescheitert galten, eine neue Chance ein und diese zahlen das in sie gesetzte Vertrauen mit Leistung zurück. Bislang nimmt die Saison einen für die Darmstädter äußerst erfreulichen Verlauf, das angepeilte Ziel, der Klassenerhalt, scheint schon zum jetzigen Zeitpunkt erreicht. Von einem totalen Einbruch im Frühjahr ist nicht auszugehen, dagegen spricht insbesondere, dass sich die Mannschaft bis dato sehr gefestigt präsentierte. Erfahrene Zweitligakicker ins Boot zu holen, erwies sich als kluger und gut durchdachter Schachzug. Darmstadts größte Waffe sind nach wie vor die Standards, aus denen man regelmäßig Kapital schlägt und sich so das Leben erheblich erleichtert. Im Frühjahr wird die Schuster-Truppe mit Sicherheit kein Konkurrent mehr auf die leichte Schulter nehmen, doch deren Erfolgsrun kommt nicht von ungefähr und fußt auf harter, zielgerichteter Arbeit. Besinnen sich die „Lilien“ weiterhin auf jene Tugenden, die sie auszeichnen – Einsatz, Kraftkrampf und Cleverness werden sie auch in der zweiten Saisonhälfte eine durchaus gute Rolle spielen können.

Einen guten Eindruck hinterließ neben Leipzig und Darmstadt auch der Dritte im Bunde, die Schmidt-Elf aus Heidenheim. Marc Schnatterer führte seine Kollegen ins gesicherte Mittelfeld. Heidenheim schlägt sich recht wacker, findet sich gut mit dem Gegebenheiten in Liga zwei zurecht und hatte sich rasch an das etwas höhere Tempo gewöhnt. Die Mannen von der Ostalb suchen ihr Heil im schnellen Umschaltspiel und sind ihrer Idee vom Kombinationsfußball, die sie schon eine Spielklasse tiefer auszeichnete, weitgehend treu geblieben. Nach Ballgewinn versuchen sie gleichermaßen schnörkellos wie präzise in die Spitze vorzustoßen, das Mittelfeld rasch zu überbrücken. Kapitän Schnatterer zieht in gewohnter Manier die Fäden, agiert als Denker und Lenker im Spiel der Heidenheimer. Der Routinier begnügt sich allerdings nicht damit, die Mannschaft nur zu führen und voranzugehen, seine Bilanz von sieben Toren und sieben Vorlagen zeigt eindrucksvoll, dass er zu einem nicht unerheblichen Teil aktiv zum Erfolg seines Teams beiträgt.

Selbst der Ausfall der beiden etatmäßigen Torhüter konnte zuletzt gut kompensiert werden. Felix Körber sprang erfolgreich in die Bresche als er gebraucht wurde. Die Tatsache, dass die Mannen von der Ostalb, gegen vermeintlich Große befreiter agieren und gegen Abstiegskandidaten des Öfteren Probleme haben das Spiel in die Hand zu nehmen bzw. die eingeplanten Punkte einzufahren, ist wohl auch ein Stück weit mit ihrer Spielanlage zu erklären. Diese sieht es vor, über Konter und schnelle Angriffe nach Ballgewinn zum Erfolg zu kommen, sie basiert weniger darauf das Spiel zu gestalten und das Geschehen zu diktieren.

Letztendlich wird und kann der 1. FC Heidenheim aber voll und ganz mit der Hinrunde zufrieden sein, der Verein hofft vermutlich darauf, dass die Rückrunde ähnlich erfolgreich verläuft.

David Kühhas, www.abseits.at

David Kühhas

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