Am kommenden Freitag fällt in der zweiten deutschen Bundesliga der Startschuss zur neuen Saison. Von 3. August 2012 bis 19. Mai 2013 kämpfen 18... Ein Blick ins deutsche Unterhaus: Das hat sich bei den Zweitligisten getan (Teil 1)

Am kommenden Freitag fällt in der zweiten deutschen Bundesliga der Startschuss zur neuen Saison. Von 3. August 2012 bis 19. Mai 2013 kämpfen 18 Mannschaften um das Erbe der SpVgg Greuther Fürth, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf und gegen jenes des Karlsruher SC, Alemannia Aachen und Hansa Rostock. Wer sind die Favoriten auf den Aufstieg? Für welche Teams ist der Klassenerhalt schon ein Erfolg? abseits.at wirft vor dem Saisonstart einen ausführlichen Blick auf die 18 Zweitligisten.

FC Ingolstadt 04

Mit 27 Punkten war der FC Ingolstadt in der vergangenen Saison die fünftbeste Rückrundenmannschaft in der zweiten deutschen Bundesliga. Dass die Schanzer die abgelaufene Spielzeit trotzdem nur auf Platz zwölf beendeten, zeigt welch miserable Hinrunde sie gespielt haben. Damals waren sie nämlich Tabellenletzter. „Wir sind alle gut beraten, einmal auf den 17. Spieltag der vergangenen Saison zurückzublicken, um zu realisieren, in welcher Situation wir uns zu diesem Zeitpunkt befanden“, will Trainer Thomas Oral einen schwachen Saisonstart, den Ingolstadt in den letzten beiden Jahren jeweils hinlegte, um jeden Preis vermeiden. „Wir müssen von Beginn an schauen, dass wir Gas geben und nicht zu bequem werden“, gibt er eine offensive Marschroute vor. Um dieses Ziel zu verwirklichen ergriffen die Verantwortlichen konkrete personelle Maßnahmen. So findet man in der kommenden Saison neben Ramazan Öczan, der mit herausragenden Spielen ein Garant für die starke Rückrunde war, und Christoph Knasmüllner, der eine sehr durchwachsene Saison hinter sich hat, mit Ümit Korkmaz einen weiteren Österreicher im Kader der Ingolstädter.

Für den verletzungsanfälligen 26-jährigen Ex-Rapidler ist es wohl die letzte Chance um den Durchbruch in Deutschland zu schaffen. „Wir glauben an seine Qualität“, ist Sportdirektor Thomas Linke optimistisch. Neben dem ÖFB-Legionär sollen vor allem Evergreen und Kapitän Stefan Leitl sowie Neo-Stürmer Christian Eigler für reichlich Offensivpower sorgen. Der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg sei gesetzt, so Oral, „aber ich erwarte von ihm, dass er weiterhin vorangeht.“ Weiters verspricht man sich durch die Verpflichtung von Routinier Andre Mijatovic (64 Bundesligaspiele für Hertha BSC und Arminia Bielefeld) und der Ausleihe von Youngster Danny da Costa (Bayer Leverkusen) einen Qualitätsgewinn in der Abwehr. Man habe es geschafft den Kern der Mannschaft aus der Vorsaison zu halten und mit neuen Akteuren die Qualität zu erhöhen, ist Oral mit der Transferpolitik zufrieden – gute Voraussetzungen also um den Trend aus der Rückrunde fortzusetzen.

FC Energie Cottbus

Das Gegenstück zum FC Ingolstadt stellt der FC Energie Cottbus dar, der ironischer Weise gleich der Auftaktgegner ist. Die Lausitzer belegten in der Rückrundentabelle den letzten Platz und spielten die schlechteste Zweitligasaison der Vereinsgeschichte. „Es wird etwas passieren – auf jeden Fall“, kündigte Trainer Rudi Bommer an. Neun Spieler verließen den Verein, sieben neue kamen dazu. Den spektakulärsten Wechsel stellte dabei die Verpflichtung von Stürmer Boubacar Sanogo dar. Der 29-jährige Ivorer netzte einst für Kaiserslautern, den Hamburger SV, Werder Bremen und Hoffenheim in der Bundesliga, war aber zuletzt vereinslos. „Boubacar Sanogo hat im Training einen sehr guten Eindruck hinterlassen und verkörpert genau die Eigenschaften, die wir händeringend gesucht haben“, sagte Bommer nach dem Vertragsabschluss mit dem 18-maligen Nationalspieler. Beim FCE soll er die Nachfolge von Dimitar Rangelov antreten, der nach dem Leihgeschäft mit Borussia Dortmund nicht gehalten werden konnte. Mit dem aktuellen Doublesieger steht auch der vermutlich schwerste Abgang in Verbindung. Hinter Offensivtalent Leonardo Bittencourt waren zahlreiche Topklubs her, für drei Millionen Euro wurde der 18-Jährige schließlich an den BVB abgegeben. Dort hinterlässt der Youngster bisher einen sehr guten Eindruck, bei seinem Ex-Klub hingegen ein Loch.

Damit könnte Bommer vom zuletzt praktizierten 4-2-3-1 auf eine System mit zwei Angreifern umstellen. Denn neben Sanogo holten die Cottbuser mit Marco Stiepermann (von Absteiger Alemannia Aachen) und Sebastian Glaser (von Wacker Burghausen) zwei weitere Stürmer. Außerdem macht Martin Fenin nach seiner Depressionserkrankung wieder einen guten Eindruck. Auch in der Verteidigung kann Bommer auf ein breites Angebot zurückgreifen, denn mit Möhrle, Hünemeier, Roger, Börner und Brzenska, der nach langer Verletzung im September wieder zurückkehrt, können fünf Akteure die beiden Innenpostionen der Viererkette besetzen. Lediglich auf der linken defensiven Außenbahn sucht man noch nach einem Konkurrenten für Ziebig. Im zentralen Mittelfeld bieten die erfahrenen Banovic, Neuzugang Brinkmann und Kruska jeweils verschiedene taktische Möglichkeiten an, auf den Seiten stehen mit Ludwig und Adlung weitere arrivierte Zweiligakicker im Kader. Hinzu kommt Nicolas Farina, der vom französischen Erstligisten FC Evian kam, ein flexibler und schneller Mann. Qualitativ ist der Kader somit durchaus stark besetzt, allerdings fehlt vor allem im Mittelfeld die Dichte.

FC Erzgebirge Aue

Seit der Rückkehr in die zweite Liga im Jahr 2010 belegte der FC Erzgebirge Aue nie einen Abstiegsplatz – für die bescheidenen Sachsen, denen nur selten große Aufmerksamkeit geschenkt wird, ein durchaus positives Ergebnis. Für die kommende Saison zeigte sich deshalb Vize-Präsident Jens Stopp sehr selbstbewusst. „Die Zeiten des Kleinredens sind vorbei. Wörter wie Abstiegskampf oder Klassenerhalt will ich nicht mehr hören“, sagte er dem kicker. Coach Karsten Baumann formuliert die Ziele etwas konservativer: „Wir wollen uns auf jeden Fall weiterentwickeln“, so der 42-Jährige, „wenn man sieht, wie gut die Liga bestückt ist und dass letzte Saison allein zehn Mannschaften um den Klassenerhalt gespielt haben, wäre es sicherlich ein Erfolg, wenn man ohne Abstiegsnöte die Klasse halten kann.“ Auf dem Transfermarkt setzten die Veilchen zwei Ausrufeichen. Von Kroatiens Meister Dinamo Zagreb lieh man Stürmer Jakub Sylvestr, der immerhin 13 Mal für die U21-Auswahl der Slowakei auflief, aus. „Aus der Slowakei haben bei uns in Deutschland schon etliche Stürmer für Furore gesorgt. Wir hoffen, dass Jakub eine ähnlich gute Entwicklung nimmt“, erklärte Sportdirektor Steffen Heidrich nach der Verpflichtung des 23-Jährigen.

Der zweite, vergleichsweise dicke Fisch, den die Erzgebirgler an Land zogen ist Vlad Munteanu. Der Rumäne geigte für Cottbus, Wolfsburg und Bielefeld in Bundesliga auf, erzielte in 58 Erstligaspielen 13 Tore. Neben diesen beiden Akteuren beginnt auch für ÖFB-Legionär Ronald Gercaliu ein neues Kapitel – mittlerweile das x-te seiner Karriere. Nachdem sich der 26-Jährige beim FC Ingolstadt nicht durchsetzen konnte, unterschrieb er in Aue bis 2014. Gercalius Hauptkonkurrent um einen Platz in der Startelf ist Nils Miatke, der aus Jena kam. Die beiden sollen den Mangel an echten Linksfüßern im Team beheben. Das größere Defizit stellte in der letzten Saison aber die Offensive dar. Nur jeder 16. Torschuss landete im gegnerischen Netz und nur 30 Großchancen wurden erspielt – beides sind ligaintern die schlechtesten Werte. In dieser Hinsicht hat man mit den Verpflichtungen von Sylvestr und Munteanu sicher einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, dennoch steht Aue vor einer schweren Saison, die zu Beginn mit St. Pauli, Köln und Cottbus hohe Hürden stellt.

FC St. Pauli

Der FC St. Pauli verpasste in der letzten Saison den Aufstieg bzw. die Relegation denkbar knapp. Nur fünf Tore oder ein Punkt mehr hätten gereicht um gegen Hertha BSC um einen Platz in der Bundesliga zu spielen. „62 Punkte ist eine ordentliche Bilanz. Mehr hatte St. Pauli nur in der Aufstiegssaison. Ich wäre zufrieden, wenn wir dieses Ergebnis wiederholen könnten“, sagte Neo-Sportdirektor Rachid Azzouzi. Damit halten die Kiez-Kicker an ihrem Ziel, sich langfristig unter den Top-25 in Deutschland zu etablieren, fest. „In spätestens drei Jahren wollen wir in der Bundesliga sein“, kündigte Azzouzi an. Trotz der mehr oder weniger erfolgreichen Spielzeit 2011/2012 wurde bei den Hamburgern ordentlich umgekrempelt. Nicht nur der Sportdirektor ist neu, sondern gleich zehn neue Spieler setzten bisher ihre Unterschrift unter einem Vertrag beim FC St. Pauli. Demgegenüber stehen elf Abgänge, unter denen auch Top-Scorer Max Kruse zu finden ist.

Vor allem in der Offensive setzten die Verantwortlichen den Hebel an, da es die etatmäßigen Stürmer im Vorjahr nur auf 14 Tore brachten. Mit Lennart Thy (Werder Bremen), Akaki Gogia (VfL Wolfsburg) und Daniel Ginczek (Borussia Dortmund) holte St. Pauli drei junge, hungrige Stürmer, die sich mit guten Leistungen für höhere Aufgaben empfehlen wollen. Hinzu kommen mit Sören Gonther und Florian Moher zwei Innenverteidiger, die einen großen Anteil an Paderborns Überraschungssaison hatten, und Florian Kringe ein bundesligaerfahrener Stabilisator im Mittelfeld. Abgeschlossen sind die Planungen jedoch noch nicht. „Im Bereich Außenverteidiger wollen wir gerne noch etwas machen, dazu auf den Außenbahnen im Mittelfeld und im Sturm. Das sind die Bereiche, in denen wir nacharbeiten werden“, so Trainer Andre Schubert, der für die nächste Saison auch einen Systemwechsel in Betracht zieht. Mit zwei gelernten Stürmern, die über die Außenbahnen gefüttert werden sollen, soll ein ähnliches Szenario wie letzte Saison verhindert werden. Diese Umstellungen erfordern jedoch einige Zeit, wodurch vor allem zu Saisonbeginn Rückschläge zu erwarten sind.

Hertha BSC

Die größte Aufmerksamkeit vor der Saison bekam Absteiger Hertha BSC. Der Hauptstadtklub musste nach chaotischen Relegationsspielen nach dem Aufstieg vor einem Jahre direkt wieder zurück in die zweite Liga. Im Gegensatz zum letzten Zweitligagastpiel hielt man dieses Mal den Kader jedoch nicht zusammen. Mit Lell, Torun, Mijatovic, Ottl, Raffael und Ebert stehen zahlreiche Stammspieler der letzten Saison nicht mehr im Kader der alten Dame. Entsprechend offensiv ging man in die Transferzeit – das primäre Ziel scheint dabei das Aufrüsten des Angriffs zu sein. Die Neuzugänge Sami Allagui (Mainz 05), Sandro Wagner (Werder Bremen) und der israelische Teamspieler Ben Sahar (Espanyol Barcelona) bilden gemeinsam mit DFB-Juniorennationalspieler Pierre-Michel Lasogga die wohl namhafteste Sturmreihe der zweiten Liga. Für das Mittelfeld holte man mit Ndjeng (FC Augsburg) und Kluge (Schalke 04) weitere prominente Kicker. Nichts soll dem Zufall überlassen werden. Daher werden es auch die beiden ÖFB-Legionäre Daniel Beichler und Marco Djuricin nicht leicht haben sich zu etablieren. Während die Chancen bei ersterem noch durchaus intakt sind, wurde letzterer bereits in die Amateurmannschaft versetzt.

Ebenfalls neu ist der Trainer: Jos Luhukay. Dem Niederländer wurde die Verantwortung übertragen die Hertha wieder zurück in die Bundesliga zu führen. Für die aktuelle Entwicklung ernten die Berliner viel Kritik, unter anderem von bekannten Ex-Spielern. „Es ist Wahnsinn, was mit Hertha BSC in den vergangenen Jahren passiert ist. Es gab so viele Top-Talente und gute Mannschaften. Unglaublich, dass man nun wieder in der 2. Liga spielen muss“, wettert etwa Kevin-Prince Boateng, mittlerweile beim AC Milan. Trotz aller Nebengeräusche zählt die Hertha bei den Zweitliga-Trainern zu den großen Aufstiegsfavoriten. In einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa erhielt der Traditionsklub nämlich die meisten Stimmen. Luhukay will bei seinem neuen Verein vor allem das Gegenpressing forcieren. „Wir wollen den Gegner zur Verzweiflung bringen“, so der Chefcoach und sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg. „Das Umschalten von Abwehr auf Angriff klappt bei uns schon richtig gut.

SC Paderborn 07

Der erste Gegner, der dem neuen Konzept der Hertha zum Opfer fallen soll, ist der SC Paderborn. Die Ost-Westfalen waren die Überraschungsmannschaft der letzten Saison, kratzten sogar am Relegationsplatz. Dieser Erfolg weckte allerdings Begehrlichkeiten der großen Fußballwelt. Trainer Roger Schmidt leitet nun das Training bei Red Bull Salzburg, Top-Torjäger Nick Proschwitz wechselte zu Hull City. Enis Alushi, der Taktgeber im Mittelfeld, heuerte beim 1. FC Kaiserslautern an und Florian Mohr sowie Sören Gonther schnüren, wie bereits erwähnt, ihre Schuhe für den FC St. Pauli. Für große Investitionen fehlt dem klammen Klub aber das Geld, daher sollen junge Talente, wie zum Beispiel Mario Vrancic von Dortmunds Amateuren, die Lücke schließen. „Wir haben definitiv Spieler verloren, die hier sportlich eine hohe Wertschätzung genossen haben. Aber wir haben viele Neuzugänge geholt, die in ihrer Entwicklung noch am Anfang stehen und da hineinwachsen können. Dieses Potenzial gilt es nun auf einem höheren Niveau auszuschöpfen“, gibt sich Neo-Trainer Stephan Schmidt zuversichtlich.

Der 35-Jährige war zuletzt beim VfL Wolfsburg als Trainer der U19-Mannschaft tätig. „Die Chemie war von Beginn an sehr positiv. Insbesondere vom sportlichen Denken und der Philosophie her haben sich zwischen dem, was in den vergangenen Jahren in Paderborn entstanden ist, und meiner Arbeit in Wolfsburg viele Parallelen ergeben.“ Von einer ähnlich starken Saison wie im Vorjahr vermag an der Pader keiner zu sprechen, vielmehr sollen die jungen, hungrigen Spieler die nächsten Entwicklungsschritte machen. Mit dem neuen Konstrukt strebt Schmidt auch eine Änderung der Spielphilosophie an. „Wir wollen im Positionsspiel mehr Ballkontrolle erlangen und dahingehend eine sukzessive Veränderung herbeiführen“, so der neue Cheftrainer, der vor einer ungewissen Saison steht. „All das, was wir jetzt erarbeiten, ist ein Prozess, während dem wir jedoch auch positive Ergebnisse erzielen wollen. Daher wird es einige Zeit dauern, ehe die Mannschaft die kommenden Umstellungen voll verinnerlicht hat.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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