abseits.at lässt seinen Blick heute über Deutschland schweifen, wo sich Gladbach und Schalke 04 um die Spitzenplätze der deutschen Bundesliga duellierten. Das Spiel war... Gladbach besiegt Schalke mit 2:1 – Jens Kellers entscheidender Fehler nach Höwedes‘ Ausschluss

Borussia Mönchengladbachabseits.at lässt seinen Blick heute über Deutschland schweifen, wo sich Gladbach und Schalke 04 um die Spitzenplätze der deutschen Bundesliga duellierten. Das Spiel war lange ausgeglichen, aber eine rote Karte wendete es zugunsten der Borussia.

Die Partie im Borussia-Park stand unter umgekehrten Vorzeichen. Obwohl beide Teams sich in der Tabelle in ähnlichen Regionen wiederfanden, war die Gemütslage unterschiedlich. In Gelsenkirchen wird schon an Trainer Keller gezweifelt, während sich die Gladbacher auf einem Höhenflug befinden.

Die Aufstellungen deuteten bereits an, dass Schalke sich auf das Konterspiel besinnen wollte. Damit erzielten sie gegen Stuttgart einen 3:0-Sieg, während eine aktivere Spielanlage zuletzt fehlschlug. Zu diesem Zweck bildeten sie mit Höwedes, Santana und Kolanisac eine kopfball-und zweikampfstarke Verteidigung, die jedoch technisch deutlich limitiert ist. Statt Jones startete der etatmäßige Innenverteidiger Matip im Mittelfeld neben Neustädter. Das zentrale Mittelfeld war somit mit Antizipation, klugem Positionsspiel und Kopfballstärke ausgestattet, auch wenn es an einem Kreativspieler mangelte. Das Offensivquartett bestand aus Meyer, Draxler, Farfan und Boateng im Sturm, der viel auswich und Bälle für seine Kollegen behaupten sollte.

Gladbach as usual

Gladabach trat im gewohnten Personal an. Jantschke und Stranzl bildeten die Innenverteidigung, Xhaka und Kramer erfüllten die klassische Aufgabenteilung zwischen einem horizontalen Ballverteiler und einem vertikaleren Spieler. Arango zog von seiner linken Seite aus öfter ins Zentrum, während Herrmann stärker die Seite hielt als üblich. Kruse und Raffael ergänzen sich zu einem variablen Sturmduo, das sich ständig bewegt, Räume schafft oder sie selbst ausnutzt.

Beide Mannschaften begannen die Partie mit einem 4-4-2-Pressing. Gladbach führte ihres etwas besser aus. Sie verkleinerten den Raum zwischen den Linien stärker und gewannen auch einige zweite Bälle. Das wurde sicherlich von Schalkes Defensivpersonal begünstigt.

Gladbach-Stürmer entziehen sich Schalker Mannorientierung

Schalke interpretierte das eigene System nicht ganz so gut, allerdings genügte es, um die eigene Defensive zu stabilisieren. Ihre Innenverteidiger ließen sich von Kruse und Raffael teilweise weit aus der eigenen Abwehrkette locken. Da die Stürmer die Mannorientierung bemerkten, entfernten sie sich weiter voneinander, um die Verteidigung auseinanderzuziehen. Dies war jedoch nicht von Erfolg gekrönt, weil Schalkes Außenverteidiger und Matip die Vorstöße ihrer Gegenspieler aufnahmen. Am Anfang probierte Gladbach noch situativ hohe Bälle, doch das entpuppte sich gegen die Schalker Riesen schnell als sinnlos.

Farfan aktiver als Draxler

Da beide Teams gut und relativ hoch verteidigten, war es schwierig, aus dem Spielaufbau heraus klare Torchancen zu kreieren.

Schalkes Trumpf war das Konterspiel. Während Draxler unauffällig blieb, avancierte Farfan mit seiner Schnelligkeit zum Schlüsselspieler. Er versuchte nach Ballgewinn schnell zu Boateng oder Meyer zu passen, damit diese das Spiel auf seine rechte Seite verlagerten. Aus diesem Schema resultierte der Elfmeter, der zum 0:1 führte. Allerdings erzielte Gladbach, das das Spiel gestaltete, wenig später den Ausgleich. Raffael hatte für einen Moment ein wenig Raum gefunden, was er sofort mit einem tollen Distanzschuss bestrafte. Das unberechenbare Positionsspiel der Stürmer begründete auch das 2:1. Dort tauchte Kruse plötzlich halbrechts auf, wo er Santana düpierte.

Festspielen statt Festspiele nach Höwedes‘ Ausschluss

Verheerender als der Gegentreffer war für Schalke jedoch der Platzverweis für Höwedes. Aus ihm folgte, dass Matip in die Innenverteidigung rückte und Meyer eine Hybridposition zwischen einem zentralen Mittelfeldspieler und einer „Zehn“ einnahm. Er positionierte sich bei gegnerischem Ballbesitz nominell in der Viererreihe, erfüllte jedoch keine klaren Deckungsaufgaben. In der Offensive war er manchmal der tiefste Mittelfeldspieler, bewegte sich aber auch auf die Flügel oder in Richtung Sturm. In Unterzahl gelang es Schalke nicht, Angriffe aus dem eigenen Spielaufbau heraus zu konstruieren. Meistens versuchten sie es über rechts, wo Meyer Farfan unterstützte. Doch dann war das Zentrum verwaist, so dass sie sich dort festspielten. Wenn Draxler auch noch herüberzog, wurde das Spiel zu eng, weil Gladbach dann weit auf die Ballseite verschieben konnte.

Gladbach sorgt für Spannung

Gladbach wurde nun immer dominanter. Schalkes offensive Taktikumstellung eröffnete ihnen große Räume. Wo die nachstoßenden Läufe der Mittelfeldspieler in der ersten Hälfte noch verfolgt wurden, fehlte jetzt ein Defensiver, da Meyer diesen Pflichten kaum nachkam. Herrmann und vor allem Kramer wurden von der neuen Ausgangslage ermutigt, beteiligten sich stärker an der Offensive und erhielten aussichtsreiche Schusschancen. Dass das Spiel bis zum Ende spannend blieb, lag an der Gladbacher Nonchalance, die ihre Torchancen vergaben und die Schalker sogar mit dem einen oder anderen Fehlpass zu Gelegenheiten einluden.

Kellers entscheidender Fehler

Fazit: Im Endeffekt ist der Sieg der Gladbacher folgerichtig. Bis zum Platzverweis war das Chancenverhältnis ausgeglichen, auch wenn sich Gladbach taktisch etwas reifer zeigte. Danach dominierten sie das Spiel, wobei Keller dies mit seiner taktischen Anpassung mitverschuldete. Meyers Wechsel in die Mittelfeldzentrale sorgte dafür, dass Schalkes Defensive erheblich geschwächt wurde, sie aber auch im Angriff wenig Akzente setzten. Somit war der Schalker Jungstar weder Fisch noch Fleisch. Deswegen muss Keller nun um seinen Arbeitsplatz bangen.

Leonard Dung, abseits.at

Leonard Dung

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.