Der FC Ingolstadt 04 entstand 2004 durch die Fusion der ausgegliederten Fußballsektionen der Sportvereine MTV 1881 Ingolstadt und ESV Ingolstadt. Mit einer bekannten Automarke... Groundhopper's Diary | Defensivfiasko in der Audi-Stadt: Ingolstadt unterliegt dem VfL Bochum mit 3:5!

Der FC Ingolstadt 04 entstand 2004 durch die Fusion der ausgegliederten Fußballsektionen der Sportvereine MTV 1881 Ingolstadt und ESV Ingolstadt. Mit einer bekannten Automarke hatte man einen potenten Sponsor gefunden, der nicht nur die Vereinsgründung möglich machte, er finanzierte auch den Bau des 2010 neu eröffneten Stadions, in dem die Heimspiele ausgetragen werden. Der FC Ingolstadt stieg nach seiner Gründung in die Bayernliga ein und 2006 in die Regionalliga auf. Durch die Änderung der Profiligaformate spielte die Mannschaft ab 2007 nach geschaffter Qualifikation in der 3. Liga, stieg 2008 in die 2. Liga auf, 2009 wieder ab und 2010 schloss man die 3. Liga mit dem 3. Platz ab.

In zwei spannenden Relegationsmatches gegen Hansa Rostock schaffte der FC Ingolstadt den Aufstieg in die 2. Liga, wo 2011 nach wechselhaften Erfolgen die Liga letztendlich gehalten werden konnte. Eine kurze, aber bewegte Historie also. Im Herbst 2011 war die Mannschaft so weit so gut in die Saison gestartet und steht aktuell auf dem 12 Platz. Der Abstand zum Relegationsplatz beträgt allerdings nur zwei Punkte, daher ist ein Sieg gegen den weitaus schlechter in die Saison gestarteten VfL Bochum schon fast Pflicht.

Eine etwas längere Vergangenheit hat der eben genannte VfL Bochum hinter sich. Genauso wie der FC Ingolstadt entstand dieser Verein aus dem Zusammenschluss dreier Vorgängervereine, nämlich den krisengeschüttelten TuS Bochum, Turnverein 48 und Germania 06 Bochum – aber eben etwas früher, genauer gesagt 1948. Wechselhaft auch die Erfolge: 1971 wurde erstmals der Aufstieg in die höchste Liga Deutschlands gefeiert, dort spielte man jedoch ständig gegen den Abstieg, zumeist mit Erfolg, 1993 das erste Mal nicht. Daraufhin mutierte der VfL Bochum zur klassischen Fahrstuhlmannschaft mit etlichen Auf- und Abstiegen, so etwas wie Langeweile kam in der Fangemeinde jedenfalls keine auf. Besonderes Herzflimmern bescherte der Verein seinen Fans 1997, als man sich für den UEFA-Cup qualifizieren konnte und auch bis zum Achtelfinale dabeiblieb. Der Höhenflug währte allerdings nur kurz und schon im Jahr darauf nahm man den Fahrstuhlbetrieb wieder auf. Der letzte Aufstieg gelang 2006, auf drei ganz respektable Jahre in der 1. Liga folgte jedoch 2010 der unvermeidbare Abstieg. Beim Versuch des postwendenden Wiederaufstiegs scheiterte man in der Relegation an Borussia Mönchengladbach. Die heurige Saison begann schlecht: Bis letzte Woche stand der VfL noch auf einem Abstiegsplatz. Als Konsequenz dieser Misere hatte man sich vor zwei Wochen von Trainer Friedhelm Funkel getrennt. Unter dem Interimscoach Bergmann zeigte sich die Mannschaft jedoch verbessert und siegte gegen den MSV Duisburg verdient mit 2:1. Man darf auf das heutige Match also gespannt sein.

Die Fahrt

Sehr zeitig für des Groundhoppers Verhältnisse, nämlich um 7:30 Uhr morgens, musste er den Federkern verlassen um pünktlich um 09:00 Uhr gen Ingolstadt aufzubrechen. Wie schon am Vortag herrschte bestes Reisewetter und so verlief die Fahrt im Wesentlichen ereignislos. Um etwa 11:30 Uhr erreichte er den Sportpark und besorgte erst einmal die Eintrittskarte. Nach dem Erkunden der umliegenden Gegend (Industriegebiet – nicht besonders spannend) betrat er das Stadion.

Das Stadion und das Spiel

Der FC Ingolstadt 04 ist ein wie gesagt sehr junger Verein und mit RB Salzburg strukturell durchaus vergleichbar. Es gibt kaum richtige Fans, die meisten Besucher sind Zuschauer, Interessierte und Sympathisanten. Der Verein nimmt sich sehr der Kinder und Jugendlichen an, günstige Kartenpreise für diese Besuchergruppe (und deren Begleitung) sollen sie ins Stadion locken. Tatsächlich ist es aber nicht einmal zur Hälfte gefüllt und wie in Salzburg ist der Auswärts-Block größer und stimmgewaltiger als der Heim-Block. Die Bochumer legen den Support eher lateinamerikanisch an, während der Heimblock zwischen british old school und neuerer Prägung liegt. Das Stadion ist ebenfalls ähnlich wie Siezenheim ein modernes Wohlfühl-Stadion – allerdings mit nur einem Rang -, allein die Schalensitze hätten etwas großzügiger ausfallen können. Der Groundhopper kam zwischen zwei gestandenen Bayern in Wiesn-Outfit zu sitzen und hatte kaum Platz zum Atmen. Zwei ultramoderne Video-Walls zeigten den Spielstand und die Szenenwiederholungen in einer tollen Bildqualität. Als die Aufstellungen durchgesagt wurden, stellte der Groundhopper erfreut fest, dass mit Ramazan Özcan ein Österreicher in der Startaufstellung Ingolstadts stand.

Die Partie begann auch gleich flott, Bochum mit einem 3-4-1-2 offensiver als Ingolstadts 4-4-2, soweit das für den Groundhopper erkennbar war. Chancen im Minutentakt hüben wie drüben, ein Match ganz nach dem Geschmack des Groundhoppers. Nach 25 Minuten stand es nach etlichen groben Abwehrpatzern Bochums 2:0 für die Hausherren, was an der Stimmung jedoch kaum etwas änderte. Der Block der Ingolstädter war immer noch deutlich leiser als der Bochums. Nach etwa einer halben Stunde fiel der Anschlusstreffer was sogar zu noch einer Steigerung des Bochumer Supports führte. Kurz vor Schluss jedoch das sehr schön heraus gespielte 3:1, dann ging es ab in die Kabine.

In der Pause gab eine Kindergruppe einen einstudierten Chant zum Besten, was in Kombination von martialischem Gesang und den hohen Kinderstimmen doch sehr putzig rüberkam. Die Leute applaudierten auch brav und die Kinder freuten sich – so soll es sein.

Die zweite Halbzeit suchte sich der Groundhopper aus Platzgründen ein Stehplätzchen ganz oben, von wo man sogar noch besser sah als von seinem Mittelplatz zuvor. Die zweite Hälfte begann da, wo die erste aufgehört hatte, nur stand Ingolstadt deutlich tiefer, man wollte die Partie offensichtlich „heim spielen“ und hoffte auf den ein oder anderen Konter. Die Gäste nahmen das Spiel auch gleich in die Hand und bereiteten der Innenverteidigung und den Sechsern der Ingolstädter viel Mühe. Özcan musste mehrmals in extremis retten, gegen das 3:2 in etwa der 60. Minute war er aber dann machtlos. Die Verteidigung Ingolstadts schwamm – wie man auf gut Wienerisch sagt – wie ein Häusltschick. Mit Knasmüller kam dann der sogar zweite Österreicher aufs Feld (damit hatte das Match eine in etwa so große Österreicher-Beteiligung wie das Europa-League-Spiel in Salzburg), doch auch er konnte den Ausgleich kurz danach nicht verhindern, hier griff ausnahmsweise mal Özcan daneben und wurde zur tragischen Figur. In der Schlussphase netzten die Bochumer aus Kontern sogar noch zwei weitere Male und besiegelten damit die schlimme 3:5-Heimniederlage Ingolstadts. Die Stimmung der Fans waren zwiespältig, von einem „naja, beim nächsten Mal wird’s besser“ über „i hob’s glei gsogt, die taug’n nix“ bis hin zu absoluter Fassungslosigkeit. Die Mannschaft wurde bei der Verabschiedung jedenfalls gnadenlos ausgepfiffen.

Fazit

So ein verrücktes Match hatte der Groundhopper noch nie gesehen (und auch kaum so viele Abwehrfehler in einer einzigen Partie). Spannung und Dramatik gab’s aber von der ersten bis zur letzten Minute, hier bekamen die Zuschauer für ihr Geld durchaus etwas zu sehen.

Vom Gesamterlebnis her kann man Ingolstadt durchaus mit Siezenheim (vielleicht mit Ausnahme der Disco-Einlage) vergleichen. Wahrscheinlich ist es für junge Vereine schwer, in kurzer Zeit große und eingeschworene Fanblöcke zu rekrutieren, daher wahrscheinlich auch das Engagement für die jüngere Besuchergruppe, quasi die „Ultras“ von morgen. Ob und wie das Konzept aufgeht, wird man in fünf bis fünfzehn Jahren sehen.

Albert Weniweger, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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