Es hatte alles eigentlich so gut angefangen: Der Betriebsunfall 2. Liga wurde mit dem souveränen direkten Wiederaufstieg korrigiert und, was noch viel erstaunlicher war,...

Es hatte alles eigentlich so gut angefangen: Der Betriebsunfall 2. Liga wurde mit dem souveränen direkten Wiederaufstieg korrigiert und, was noch viel erstaunlicher war, die Mannschaft um Markus Babbel entfachte in Berlin eine Euphorie um die Hertha, wie man sie lange nicht mehr gesehen hatte. Die Krux an der ganzen Sache, war die damit einhergehende übertriebene Erwartungshaltung in Berlin – eine Stadt, die in ihrer Eigenschaft als Hauptstadt die große Fußballbühne als Grundrecht erachtet. Mit dem Abstieg, da waren sich alle einig, wird die Hertha in dieser Saison nichts zu tun haben. Vielmehr hatten viele die Berliner als Überraschungsmannschaft auf dem Zettel, die durchaus das Zeug dazu hat, am Ende im oberen Tabellendrittel zu landen. Man verstärkte die vom Personal her sowieso bundesligataugliche Aufstiegsmannschaft scheinbar sinnvoll und mit Markus Babbel hatten die Berliner einen der aufstrebenden, jungen deutschen Trainer an der Seitenlinie. Die Hertha schien endlich wieder für großes bestimmt – doch es sollte anders kommen.

Die Farce um Markus Babbel

Die Hertha spielte bis zu jenen schicksalshaften Tagen im Dezember 2011 eigentlich eine passable Hinrunde. Die Mannschaft beendete die Hinrunde auf, für einen Aufsteiger, mehr als respektablen elften Platz, holte 20 Punkte und hatte damit gleichzeitig vier Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – da war Markus Babbel aber schon entlassen. Der Hickhack um die vorzeitige Vertragsverlängerung Babbels bestimmte schon Wochen davor die Schlagzeilen, womit in Berlin das Sportliche mal wieder den Randaspekten des Fußballgeschäfts den Platz in den Gazetten überlassen musste. Die Situation stellte sich in Kürze folgendermaßen da: Babbel wollte seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern und teilte dies Manager Michael Preetz im November letzten Jahres mit. Dieser wollte aber erst einen Monat später davon erfahren haben. Im Zuge dieses „Rosenkrieges“ bezeichnete Hertha-Präsident Werner Gegenbauer Babbel gar als Lügner. Das Tischtuch war nun nicht nur zerschnitten, sondern lag zerfetzt vor den Füßen aller Beteiligten, sodass die Basis einer weiteren Zusammenarbeit nicht mehr gegeben war. Die Mannschaft schien durch die ganze Situation schon am Ende der Hinrunde verunsichert, in der man die letzten fünf Spiele nicht gewinnen konnte. Mit der Entlassung von Markus Babbel begann jedoch der endgültige Niedergang.

Die Rückrunde unter Michael Skibbe

Die Aus-und Nachwirkungen dieses Streits hatten Folgen: die Mannschaft wirkt auch im neuen Jahr extrem verunsichert, obwohl Neu-Trainer Michael Skibbe eigentlich die komplette Winterpause Zeit hatte, die Mannschaft auf seine Linie einzuschwören. Die Bilanz der Rückrunde ist desaströs: Fünf Pflichtspiele, fünf Niederlagen! Gekrönt wurde die ganze Geschichte mit dem Offenbarungseid bei der 0:5-Pleite gegen den VfB Stuttgart. Skibbe schafft es nicht der offensichtlichen Verunsicherung seiner Mannschaft wirksam entgegen zu steuern und macht viel lieber die Schiedsrichter für Niederlagen verantwortlich. Leistungsträger, wie Raffael oder Adrian Ramos scheint der Wille, sich eben als solche zu präsentieren, vollständig abhanden gekommen zu sein, während z.B. Andreas Ottl oder Roman Hubnik ihrer Mannschaft durch Undiszipliniertheiten einen Bärendienst erwiesen. So rückt die Abstiegszone weiter bedrohlich näher. Mittlerweile steht man auf Platz 15 mit nur noch drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz, was aber wohl nur der Tatsache geschuldet ist, dass sich der diesjährige Abstiegskampf mal wieder als Schneckenrennen präsentiert. Das Momentum hat sich aber zu Ungunsten der Hertha gedreht. Es scheint derzeit durchaus fraglich, ob die Mannschaft, in der ja noch einige Spieler aus der Abstiegsmannschaft von vor zwei Jahren spielen, aus den Fehlern jener Saison gelernt hat und den Abstiegskampf annimmt bzw. ob Spieler wie Raffael oder Ramos überhaupt dafür geschaffen sind.

Entlassung von Skibbe

Das Debakel in Stuttgart und die vor allem die erschreckende Einstellung der Mannschaft scheint nur den Schluss zu zulassen, dass Skibbe der falsche Mann für diese Situation ist, wie auch schon sein Engagement in Frankfurt letzte Saison deutlich zeigte. Die Vereinsführung reagierte am vergangenen Sonntag auch auf diesen Offenbarungseid und entließ Michael Skibbe. Mittlerweile muss sich aber auch die sportliche Führung von Hertha hinterfragen, denn Preetz war sich scheinbar noch vor der Winterpause sicher, mit Skibbe den richtigen Mann für die Hertha gefunden zu haben. Die jetzige Entlassung ist auch eine Schwächung der Position von Preetz, der seinen Aufstiegskredit langsam aufgebraucht hat.

Falls Hertha BSC Berlin den Klassenerhalt nicht schaffen sollte, muss man sich in Berlin mal wieder an die eigene Nase fassen und den Abstieg zum wiederholten Male als Konsequenz hausgemachter Probleme sehen. In diesem Fall wird die Entlassung von Markus Babbel wohl im Nachhinein der Faktor sein, der den Absturz ins Rollen gebracht hat.

Ral, abseits.at

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