In dieser Rubrik nehmen wir regelmäßig interessante Spielzüge unter die Lupe und wollen diese im Detail analysieren. Dabei wollen wir uns nicht ausschließlich auf... Spielzug der Woche: Das Pressing des FC Augsburg gegen Borussia Dortmund

FC AugsburgIn dieser Rubrik nehmen wir regelmäßig interessante Spielzüge unter die Lupe und wollen diese im Detail analysieren. Dabei wollen wir uns nicht ausschließlich auf Tore und Offensivaktionen beschränken, sondern auch gelungenen Defensivaktionen die gebührende Aufmerksamkeit schenken. In diesem Artikel sehen wir uns das Pressing des FC Augsburg gegen Borussia Dortmund an.

 

Am vergangenen Wochenende kehrte die deutsche Bundesliga aus der Winterpause zurück. Während der FC Bayern München weiterhin unaufhaltsam am Weg zur Titelverteidigung ist, strauchelten die Verfolger. Bayer Leverkusen verlor beim SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach gegen die Bayern persönlich und Borussia Dortmund musste sich mit einem 2:2-Unentschieden gegen den FC Augsburg zufriedengeben. Das Team von Jürgen Klopp fand dabei kein Rezept gegen das starke Pressing der bayerischen Schwaben.

Der Spielzug im Überblick

Bevor wir den Spielzug genau auseinandernehmen, wollen wir ihn uns überblicksmäßig ansehen. Es läuft die 26. Minute und der BVB will nach einem Befreiungsschlag der Augsburger von hinten aufbauen. Allerdings erlauben diese ihnen das nicht.

Besonders wichtig dabei ist, dass Nuri Sahin, der wichtigste Aufbauspieler der Westfalen, die gesamte Aktion über zugestellt ist. Im Wesentlichen läuft dieser Spielzug in fünf Schritten an, die wir nun näher ausführen wollen.

1.) Dortmund nimmt die Aufbauformation ein

Wir beginnen die Analyse bei der Ballannahme von BVB-Torhüter Roman Weidenfeller. Die Gastgeber formieren sich anschließend zu ihrer Aufbauformation, in der sich die Innenverteidiger in die Breite orientieren und einer der beiden Sechser zurückrückt. Man sieht dies im nachstehenden Bild.

Außerdem erkennt man, dass nur der Augsburger Stürmer zu diesem Zeitpunkt in Ballnähe ist. Da es aber ein bisschen dauert, bis die BVB-Spieler ihre Positionen einnehmen und der Ball zum rechten Innenverteidiger, Sven Bender, gespielt wird, haben die restlichen Gäste Zeit aufzurücken.

2.) Augsburg lenkt Spielaufbau zur Seite

Hier sieht man nun, dass neben Raul Bobadilla auch der linke Flügelspieler, Tobias Werner, und der linke Achter, Halil Altintop, nach vorne geschoben haben. Viele Teams nehmen im Pressing eine 4-4-2-Ordnung ein, in der man in aller Regel mehr Zugriff auf die gegnerischen Innenverteidiger hat. Die Augsburger formieren sich hier allerdings in einer Diagonale.

Das Ziel davon ist, das Spiel auf eine Seite zu lenken, den ballführenden Gegenspieler dort zu isolieren und sich anschließend zusammenzuziehen. Im obigen Bild erkennt man zudem, dass Sahin im Deckungsschatten von Altintop steht und deshalb nicht anspielbar ist. Um dem Türken mehr Platz zu verschaffen, versuchen die Dortmunder nun, den Gegner auseinanderzuziehen.

3.) Sahin wird isoliert

Bender spielt einen Querpass und geht sofort ein paar Schritte nach hinten, ebenso Sokratis bevor er den Ball annimmt. Wie man im Bild unten sieht, ist Altintop in der Tat nach vorne gerückt – wie man es erwartet hat. Allerdings ist Sahin weiterhin isoliert und nicht anspielbar. Zum einen befindet er sich weiterhin im Deckungsschatten eines FCA-Akteurs, zum anderen orientieren sich hinter ihm zwei weitere Gegenspieler zu ihm.

Besonders ins Auge sticht die Position von Werner, dessen nomineller Gegenspieler als Flügelspieler eigentlich Dortmunds Außenverteidiger (rechts unten im Bild) wäre. Augsburg will aber unter allen Umständen den Ball von Sahin weghalten und gibt daher die ballferne Seite preis. Jedoch ergibt sich dadurch kein Vorteil zugunsten der Borussia, sondern es wird damit die finale Phase der Balleroberung eingeleitet.

4.) Augsburg lockt Dortmund in Pressingfalle

Sokratis erkennt, dass er keine Möglichkeit hat, den Ball nach vorne zu spielen. Es folgt daher ein Rückpass zum Torhüter, der von Bobadilla angelaufen wird. Die Chance auf einen direkten Ballgewinn durch den Angreifer ist in diesem Moment zwar sehr klein, das Ziel dahinter ist dies aber ohnehin nicht. Man will vielmehr einen schnellen, vorersehbaren Pass zum rechten Innenverteidiger erzwingen, der dann auch kommt.

Hier sieht man, dass die beiden Innenverteidiger sehr breit stehen und Bender extrem viel Platz gelassen wird, was einen Pass für Weidenfeller sehr einladend macht. Werner steht weiterhin mittig und Altintop eng an Sahin. Bobadilla setzt seinen bogenförmigen Lauf fort und es ergibt sich eine Situation, die man bereits kurz zuvor sah.

Wieder stehen die Offensivspieler des FC Augsburg in einer Diagonale, jedoch haben sich die Positionen verschoben. Der Abstand zu Bender ist zwar etwa gleich groß, dieser steht aber nun sehr nah an der Seitenlinie. Dort ist er leicht zu pressen. Sahin ist noch immer zugestellt und ein Wechselpass auf den anderen Innenverteidiger muss präzise gespielt werden. Ein flacher Pass nach vorne ist ebenfalls nicht möglich, da Werner die Linie zustellt.

5.) Die Pressingfalle schnappt zu

Der einzige Ausweg scheint, wie für Sokratis zuvor, ein Rückpass zu Weidenfeller zu sein. Das scheint auch Bender so zu sehen und er dreht sein Sichtfeld von vorne weg zur Seite. Wie man im unten stehenden Bild sieht, macht er sich auch schon bereit dafür, den Pass zu spielen, bis er erkennt, dass Bobadilla auf dieses Zuspiel wartet.

Ebenfalls interessant ist die Bewegung von Altintop. Zum einen stellt er sich so, dass Sahin nicht anspielbar ist, zum anderen bewegt er sich Richtung Ball um den Druck auf Bender zu erhöhen. Wichtig dabei ist, dass er regelmäßig über die Schulter schaut um Sahin, der sich mit Richtungswechsel lösen will, weiterhin im Deckungsschatten zu halten. Es entsteht dadurch wieder ein Dreieck, in dem man Sahin gefangen hält.

Nachdem Bender erneut abdreht ist dies das Zeichen für die Augsburger auf den Ball zu gehen. Man sieht im obigen Bild, dass sich Altintop und Werner sofort dorthin orientieren und den Fokus auf den Gegenspieler fallen lassen. Unter diesen Druck spielt der technisch eher schwache Bender einen langen, unpräzisen Ball, den der FCA aufsammeln kann.

Fazit

Dieser Spielzug ist einerseits ein gutes Beispiel dafür, dass man über das Pressing Zugriff auf den Gegner bekommen und diesen lenken kann. Nötig dafür sind präzise mannschaftstaktische Abläufe, die ein klares Ziel verfolgen. Hier war dies, das Spiel des Gegners auf eine Seite zu fokussieren und diesen dort in eine Pressingfalle zu locken. Auf der anderen Seite steht diese Szene auch symbolisch für die aktuelle Lage der beiden Teams. Der BVB hat weiterhin Probleme im Herausspielen von Chancen und der FC Augsburg zeigt, dass er taktisch zu den interessantesten und wohl besten Teams der Bundesliga zählt.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • Gast1

    28.Januar.2014 #1 Author

    Bender hätte doch den Flugball auf Sokratis spielen können. Schade, dass man sowas so selten sieht…

    Antworten

    • Fynn

      28.Januar.2014 #2 Author

      Klar, schön den Ball durch die Mitte spielen und Sokratis in Bedrängnis bringen.

      Antworten

  • Gast2

    28.Januar.2014 #3 Author

    Super analysiert!

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  • SF

    29.Januar.2014 #4 Author

    Interessant wäre jetzt noch wie dortmund das augsburger pressing hätte überspielen können.
    Evtl durch eine bessere freilaufbewgung des zweiten sechsers als bender den ball hat und bobadilla sich an weidenfeller orientiert?

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