Die siebente Runde der englischen Premier League wartete einmal mehr mit einem Duell zweier Spitzenmannschaften auf. Der FC Chelsea empfing an der Stamford Bridge... 2:0 und ein Zwist zwischen Trainern: Chelsea behält im Londoner Derby die Oberhand

José MourinhoDie siebente Runde der englischen Premier League wartete einmal mehr mit einem Duell zweier Spitzenmannschaften auf. Der FC Chelsea empfing an der Stamford Bridge den Stadtrivalen Arsenal. Beide Teams waren vor dem Match als einzige Mannschaften in der Liga noch ungeschlagen, daher war ein Spiel auf gutem Niveau zu erwarten. Das interessantere Geschehen spielte sich jedoch abseits des Rasens ab: José Mourinho und sein Trainerkollege Arsène Wenger gerieten in der Coaching Zone aneinander. Jubeln durfte nach Schlusspfiff allerdings nur der Portugiese, seine „Blues“ setzten sich in einer intensiven Begegnung mit 2:0 durch.

Stärkste Elf bei Chelsea, Umstellungen bei Arsenal

Mourinho konnte bis auf die verletzten Ramires und Drogba auf seinen gesamten Kader zurückgreifen und schickte auch seine stärkste Elf aufs Feld. Dennoch war Chelseas Formation anders als in Topspielen üblich kein 4-3-3 sondern ein 4-2-3-1 mit Oscar auf der Zehnerposition und dem ehemaligen „Gunner“ Fabregas als spielstarkem Sechser neben dem Serben Matic. Die Abwehr blieb gleich, im Zentrum verteidigten Cahill und Terry, an den Außenbahnen Azpilicueta und Ivanovic. Die lauf-und dribbelstarken Flügelspieler Hazard und Schürrle sollten vorne für Gefahr sorgen und den Spanier Diego Costa mit Vorlagen bedienen.

Arsenal-Coach Wenger war hingegen aufgrund der Ausfälle von Ramsey und Arteta vor allem im defensiven Mittelfeld zu Umstellungen gezwungen, Flamini und Wilshere sollten vor der Abwehr für Ordnung sorgen. In der Defensive gab es keine Veränderungen, Gibbs und der junge Chambers waren außen gesetzt, Mertesacker und Koscielny bildeten die Innenverteidigung. Vorne sollten die beiden Flügel Sanchez und Özil immer wieder nach innen ziehen und dabei von Cazorla und Welbeck, der die Sturmspitze gab, unterstützt werden.

Härteeinlagen bestimmen die erste Halbzeit

Zwar wurde das Londoner Derby aufgrund eines pyrotechnischen Vorfalls um eine Viertelstunde später angepfiffen, die 22 Akteure gingen jedoch davon unbeeindruckt

engagiert in die Partie. Aufgeheizt von der Atmosphäre im Stadion entwickelte sich ein rassiges Spiel mit einigen grenzwertigen Zweikämpfen auf beiden Seiten. Chelseas Torhüter Thibaut Courtois musste Mitte der ersten Halbzeit nach einem Zusammenprall mit Sanchez ausgewechselt werden, Petr Cech kam zu seinem Ligadebüt in der laufenden Saison.

Für den ersten echten Aufreger zeichnete Chelseas Innenverteidiger Gary Cahill in Minute 20 verantwortlich, als er den Chilenen Alexis Sanchez an der Seitenlinie unsanft umgrätschte. Schiedsrichter Atkinson zeigte dem Vizekapitän der englischen Nationalmannschaft nur Gelb – sehr zum Unmut von Arsène Wenger. Der Franzose verließ unmittelbar nach dem Foul seinen Bereich und ging in Richtung des vierten Offiziellen, um ihm seine Version der Regelauslegung mitzuteilen. Mourinho gefiel das Verhalten seines Trainerkollegen nicht, er wollte Wenger wieder zurück in seinen Bereich schicken. Es kam zu einem handgreiflichen Scharmützel an der Seitenlinie, beide Coaches wurden daraufhin vom Referee getrennt und ermahnt.

Das erste spielerische Glanzlicht setzte der Belgier Eden Hazard aufseiten der Hausherren, der in voller Geschwindigkeit zuerst zwei Arsenal-Spieler austanzte und dann im Sechzehner von Laurent Koscielny nur per Foul gestoppt werden konnte. Gelb für Koscielny, Elfmeter für Chelsea – die Führung durch Hazard. Atkinson verwies Arsenals französischen Innenverteidiger nicht des Platzes, obwohl er nach Ansicht der „Blues“ eine klare Torchance vereitelte.

Kurz vor dem Seitenwechsel gab es eine erneut knifflige Szene: Arsenals Chambers brachte Schürrle kurz vor dem Strafraum zu Fall, der Youngster war bereits zuvor verwarnt worden und hatte Glück, nicht vorzeitig unter die Dusche zu müssen.

Arsenal spielt, Chelsea kontert und entscheidet

Mit 11 gegen 11 ging es also in den zweiten Durchgang, Chelsea konnte sich mit der knappen Führung im Rücken ganz auf das bekannte Spielsystem beschränken. Hinten stand man solide, nach vorne konnte man die Konterstärke ausspielen. Zwar ließ man dem Gegner mit Fortdauer des Spiels immer öfter den Ball in ihren Reihen zirkulieren, dennoch vermochte Arsenal kein Kapital daraus zu schlagen. Ein Schuss von Cazorla kurz nach Seitenwechsel, der knapp am Tor vorbeizischte, war so ziemlich das Gefährlichste der Arsenal-Offensive. Mit dem zweiten Treffer für Chelsea nach 78 Minuten war die Partie entschieden. Fabregas schickte Costa mit einem langen Pass auf die Reise, der Goalgetter überhob Szczesny und drehte dann jubelnd zu seinem bereits neunten Saisontor ab.

Oscars Spielweise ist Chelsea’s Trumpf

Die Schlüsselfigur in der Partie nahm der Brasilianer Oscar ein, der jegliche Angriffe von Arsenal schon im Keim erstickte. Oft attackierte er den ballführenden Spieler und zwang ihn so zum sofortigen Ballverlust. Wenger kritisierte im Interview nach Schlusspfiff, dass der Brasilianer seine Spieler fast immer gefoult hätte und dafür erst kurz vor Schluss die gelbe Karte bekommen hat. Dieses Mittel schien jedoch genützt zu haben: Oscar ließ sich manchmal sogar auf die Position von Fabregas zurückfallen, wodurch aus dem eigentlichen 4-2-3-1 vor allem in der zweiten Hälfte eher ein 4-3-3 wurde. So hielt Chelsea die Kontrolle im Mittelfeld aufrecht und Arsenal vom eigenen Strafraum weg. Mit der Einwechslung von Mikel für Schürrle nach einer Stunde wurde Fabregas auf die Zehnerposition vorgezogen, Oscar spielte dann links und Hazard rechts außen.

Wengers Arsenal hatte Mourinhos System wenig entgegenzusetzen, der kreative Spielmacher Özil hing einmal mehr in der Luft, auch Sanchez und Cazorla vermochten keine Akzente zu setzen. Und Welbeck? Der dreifache Torschütze in der Champions League fiel lediglich in der Nachspielzeit mit einem rüden Einsteigen gegen Fabregas auf. Mit ein Grund für die Niederage war mit Sicherheit auch das mangelnde Defensivverhalten der Flügel Sanchez und Özil nach Ballverlusten. Nicht selten war Chambers auf der rechten Seite gegen den groß aufspielenden Hazard völlig überfordert, da er weder von einem der beiden Sechser noch von seinem Vordermann Özil im Duell Mann-gegen-Mann unterstützt wurde. Zudem konnte er nie richtig in die Zweikämpfe reingehen, ansonsten hätte Hazard sicherlich eine gelb-rote Karte provoziert.

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Somit verabsäumte es Wenger einmal mehr, gegen seinen Rivalen Mourinho einen vollen Erfolg einzufahren. Der Portugiese ist seit mittlerweile zwölf Spielen gegen den Arsenal-Coach unbesiegt und wahrt damit seine weiße Weste. Für die Gunners gab es nach der 0:6-Abfuhr im Vorjahr an der Stamford Bridge heuer erneut nichts zu holen, Chelsea festigt seine Tabellenführung und liegt vor der internationalen Pause schon fünf Punkte vor dem ersten Verfolger Manchester City.

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Martin Roithner, abseits.at

Martin Roithner

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