Die Titelchancen des englischen Rekordchampions Manchester United bleiben weiter intakt. Gegen Southampton, das bisherige Überraschungsteam in dieser Saison, zeigte die Truppe von Louis van... 2:1 bei Southampton: Van Persies Killerinstinkt beschert Manchester United den fünften Ligasieg in Folge

Manchester United - Logo, WappenDie Titelchancen des englischen Rekordchampions Manchester United bleiben weiter intakt. Gegen Southampton, das bisherige Überraschungsteam in dieser Saison, zeigte die Truppe von Louis van Gaal zwar eine spielerisch kaum überzeugende Leistung, schaffte aber dennoch den Sprung auf den dritten Tabellenplatz. Zum Matchwinner avancierte Starstürmer Robin van Persie per Doppelpack und dank schwerer individueller Patzer des Gegners.

Koeman überrascht seinen „Lehrmeister“ mit Dominanz im Mittelfeld

Dass Southampton-Coach Ronald Koeman und Uniteds Trainer van Gaal wohl nicht mehr die dicksten Freunde werden, sah man schon beim Handshake vor Spielbeginn. Und auch auf dem Feld verpassten die einstigen Weggefährten bei Ajax Amsterdam ihren Akteuren unterschiedliche taktische Ausrichtungen. Während Koeman aufgrund einiger verletzungsbedingter Ausfälle in Abwehr und Mittelfeld (Alderweireld, Cork, Schneiderlin) zu Umstellungen gezwungen war, setzte van Gaal auf sein zu Saisonbeginn erprobtes 3-5-2 bzw. 5-3-2 System. Trotzdem war etwas verwunderlich, dass die Hausherren den Gästen aus Manchester insbesondere in den ersten 45 Minuten im Zentrum nicht den Hauch einer Gelegenheit boten, die Spielkontrolle an sich zu reißen. Victor Wanyama und Steven Davis im Mittelfeld der Saints gelang es, mit körperlicher Robustheit viele Zweikämpfe für sich zu entscheiden und Uniteds Ideengeber Juan Mata gar nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

Southampton verteilt ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk

Hätte Southamptons Kapitän Jose Fonte in der zwölften Spielminute nicht einen katastrophalen Rückpass zu seinem Keeper gespielt, wären die Gäste in der ersten Hälfte vermutlich nicht einmal zu einer Tormöglichkeit gekommen. So aber nutze Robin van Persie die sich bietende Gelegenheit und schob cool unter Tormann Fraser Forster ein. Doch anstatt Ruhe und Kontrolle in die eigenen Aktionen zu bringen, überließ United der Heimmannschaft weitestgehend Platz und Ball und wartete erst einmal ab. Zu allem Überdruss verletzte sich dann auch noch Innenverteidiger Chris Smalling nach gerade einmal 18 Minuten ohne Fremdeinwirkung und musste raus – für ihn kam der nach einer Knöchelverletzung gerade erst wieder genesene Jonny Evans in die Partie.

In dieser Phase des Spiels hatten die Hausherren trotz Rückstandes das Geschehen im Griff, wirklich klare Strafraumszenen blieben jedoch auch Mangelware. Auffällig war, dass vor allem das gute Attackieren der offensiven Dreierreihe Mané-Tadic-Long die Abwehr von Manchester oft in Verlegenheit brachte, zu langen Pässen zwang oder auch Ballverluste provozierte. Nach einer halben Stunde beendete Sturmtank Graziano Pellè seine zweimonatige Durststrecke und traf zum verdienten Ausgleich. Das Defensivverhalten Uniteds ließ in dieser Szene ebenfalls zu wünschen übrig, niemand attackierte den ballführenden Spieler konsequent – so hatte der Italiener Pellè nach Zuspiel von Tadic leichtes Spiel.

Das 1:1 gab erstaunlicherweise auch den Gästen Mut, man ließ sich nicht mehr so weit nach hinten drängen. Die Einwechslung von Mittelfeldmann Herrera für den zweiten Innenverteidiger McNair kurz vor dem Seitenwechsel dürfte ebenfalls dazu beigetragen haben, dass sich beide Teams neutralisierten und mit dem Unentschieden vorerst zufrieden gaben.

Van Persie beweist Torriecher und macht den Unterschied aus

In den ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte war Southampton die tonangebende Mannschaft, ohne wirklich überragend zu agieren. Uniteds Hintermannschaft offenbarte einige Abstimmungsschwierigkeiten und geizte auch nicht mit schlampigen Pässen und verlorenen Zweikämpfen in brenzligen Situationen. So war es dem seit Wochen in Hochform befindlichen Torhüter David de Gea vorbehalten, die Fehler seiner Vorderleute ein ums andere Mal auszubügeln. Van Gaal reagierte auf die zunehmende Unterlegenheit seines Teams auch taktisch nicht, er beließ es bei zwei Spitzen, anstatt Rooney ins Mittelfeld zu ziehen, um numerische Überzahl herzustellen.

Southamptons Spielanlage funktionierte gut, die beiden Außenverteidiger Bertrand und Clyne sorgten wie gewohnt für viel Druck über die Außen, Stürmer Pellè bewegte sich intelligent und nahm am Kombinationsspiel oft teil. Im Zentrum gewannen die Saints viele zweite Bälle, einzig die Präzision der Pässe im letzten Spieldrittel ließ zu wünschen übrig.

So kam es, wie es kommen musste: Nach einem Freistoß aus dem linken Halbfeld von Rooney schlich sich van Persie aus dem Rücken der Verteidiger davon und vollendete gekonnt durch die Beine des Torhüters – 2:1, zwei Mal van Persie, zwei „Gurkerl“. Der Niederländer vollstreckte an diesem Abend einfach eiskalt. Southampton hatte in den letzten zwanzig Minuten dieser Begegnung – abgesehen von einem guten Schuss von Clyne – nichts mehr entgegenzusetzen. Der Ex-Salzburger Mané senste wenige Augenblicke vor Spielende den Doppeltorschütze hart um und hatte Glück, den Schlusspfiff noch auf dem Platz erleben zu dürfen.

United setzt sich oben fest, für Southampton ist noch nichts verloren

Die zweite Heimniederlage für die Saints (beide gegen die Manchester-Clubs) bedeutete das vierte Ligaspiel ohne vollen Erfolg für das Team von Ronald Koeman. Diese Niederlage darf man jedoch ohne Zweifel in die Kategorie „unglücklich“ einreihen, vor allem in der ersten Hälfte spielte man zu viele sehenswerte Spielzüge nicht konsequent zu Ende. Dass dann zwei Schnitzer in der Defensive zu den beiden Gegentreffern führten, kann man aber auch auf die Klasse eines Robin van Persie zurückführen. Vielleicht fehlt Southampton ein solcher Stürmer von internationalem Format, der Spiele auch einmal im Alleingang entscheiden kann. Dennoch bleiben die Hausherren auf dem hervorragenden fünften Tabellenplatz nur zehn Zähler hinter Platz eins. Manchester United hat mit diesem Erfolg acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer Chelsea und liegt auf Rang drei.

Martin Roithner, abseits.at

Martin Roithner

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