Die vergangene Saison lief für den Chelsea FC überhaupt nicht nach Wunsch. Unter Trainer Guus Hiddink schaute am Ende nur der 10. Platz hinaus.... Analyse: Deshalb ist der FC Chelsea 2016/17 so erfolgreich

FC Chelsea - Wappen mit Farben_abseits.atDie vergangene Saison lief für den Chelsea FC überhaupt nicht nach Wunsch. Unter Trainer Guus Hiddink schaute am Ende nur der 10. Platz hinaus. Nach der Katastrophensaison wurde natürlich auch der Trainer gewechselt. Es kam Antonio Conte. Der Italiener führt mit Chelsea im Spieljahr 2016/17 die Tabelle nach 24 Runden an. Nachdem man mit dem Sieg am 24. Spieltag gegen Arsenal einen Kreis schließen konnte, hat man neun Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Tottenham Hotspur.

Anlass einer Wende

Es war die 6. Runde der Barclays Premier League-Saison 2016/2017. Am 24. September empfing der Arsenal FC im Londoner Derby den Stadtrivalen Chelsea. Es war das Aufeinandertreffen des Vierten gegen den Fünften. Es sollte ein richtungsweisendes Spiel im Emirates Stadium steigen. Am Ende verloren die „Blues“ nach einer Machtdemonstration Arsenals klar mit 3:0.

Im besagten Spiel startete Chelsea mit einem 4-1-4-1 ins Spiel. Die Abwehrreihe der „Blues“ war von Arsenals Offensive heillos überfordert. Doch nicht die Abwehrkette traf die komplette Schuld an allen drei Gegentreffern, die allesamt in der ersten Halbzeit fielen. Das aus insgesamt fünf Spielern bestehende Mittelfeld versagte ebenso. Der Neuzugang Ngolo Kante war als alleiniger Sechser überfordert mit Özil & Co. Die beiden offensiver ausgerichteten Mittelfeldspieler Nemanja Matic und Cesc Fabregas ließen Kante im Stich, sie ließen die Gastgeber oftmals zu leicht passieren und ließen das Passspiel von Arsenal zu. Dass die Offensive auch einen schwachen Tag erwischte, belegt der Fakt, dass der erste Torschuss von Chelsea erst in der 83.Minute fiel. Doch fairerweise muss man den „Gunners“ zugutehalten, ein wirklich starkes Spiel gemacht zu haben. Zusammengefasst kann ein Chelsea-Fan die 6.Runde also getrost als katastrophal abstempeln.

Contes radikale Umstellungen:

Nach dem Debakel gegen Arsenal arbeitete das Trainerteam um Antonio Conte nach drei sieglosen Spielen en suite ein neues Konzept aus. Es wurde die gesamte Taktik verändert und im Zuge dessen auch das 4-1-4-1 über Bord geworfen. Im nächsten Ligaspiel gegen Hull City präsentierten die Londoner ein 3-4-3.

Die Defensive

Auf eine sichere Verteidigung legt Antonio Conte (wie auch viele seiner Landsleute) einen hohen Wert. Bedarf nach Veränderungen war klar ersichtlich. In den ersten sechs Spielern erhielt man durchschnittlich 1,5 Tore – zu viele Gegentore für einen Titelaspiranten. Deswegen spielte Chelsea im Spiel gegen Hull mit einer Dreierkette. Es begannen Cesar Azpilicueta, Gary Cahill und der Rückkehrer David Luiz. Mit dem Spanier Azpilicueta stand ein gelernter Linksverteidiger auf der Position des rechten zentralen Verteidigers. Er profitierte von den Verletzungen von John Terry und Kurt Zouma. Das Innenverteidigungs-Zentrum übernahm David Luiz und den linken Innenverteidiger machte der englische Nationalteamspieler Gary Cahill. Einen großen Verlierer gab es allerdings bei der Umstellung. Dieser hörte auf den Namen Branislav Ivanovic. Der Serbe verpasste bis zum Spiel gegen Hull keine einzige Minute, danach erhielt er nur noch Kurzeinsätze. Der Rechtsverteidiger wechselte in der anschließenden Wintertransferzeit zum russischen Top-Klub Zenit Sankt Petersburg.

Das Mittelfeld 

Nach dem Debakel gegen den Stadtrivalen folgten am nächsten Spieltag auch einige Änderungen im Mittelfeld. Es bestand gegen Hull aus vier Spielern, gegen Arsenal waren es noch 5. Mit den defensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern Nemanja Matic und Ngolo Kante wurde das zentrale Mittelfeld bestückt. Auf die Außenbahnen stellte Conte den Spanier Marcos Alonso und Victor Moses. Damit brachte der italienische Startrainer auf der linken Seite mit Alonso einen Linksverteidiger. Marcos Alonso profitierte von den Veränderungen in der Verteidigung. Durch die Versetzung Cesar Azpilicuetas in die Innenverteidigung, wurde eben dieser Platz auf der linken Seite frei. Auf der rechten Seite bekam überraschend der nigerianische Flügelstürmer Victor Moses den Vorzug gegenüber Branislav Ivanovic. Und das, obwohl die Taktik bei Ballbesitz des Gegners ein Einrücken der äußeren Mittelfeldspieler vorsieht, um somit eine Fünfer-Kette zu bilden. Einen Platz im Mittelfeld gegenüber der Vorwoche verlor Cesc Fabregas. Der Spanier war aber weder davor noch danach ein Stammspieler.

Die Offensive

Im Spiel gegen die „Gunners“ stürmte Diego Costa noch als alleinige Spitze. Nach den zahlreichen Umstellungen rückten Eden Hazard und Willian auf den Flügel um noch offensiver agieren zu können und unterstützten somit den spanischen Nationalteamspieler von der Seite aus. Der letztgenannte Brasilianer musste sich in der laufenden Saison allerdings mit Pedro abwechseln. Die offensivere Ausrichtung ist den immensen Laufleistungen der Außenverteidiger Alonso und Moses geschuldet. Weil die beiden genannten Spieler die Außenverteidigerpositionen sowie das äußere Mittelfeld beackern, müssen Hazard und Willian offensiver spielen.

Alte Formation:

Alte Formation

 

Neue Formation:

Neue Formation

Was haben die Umstellungen für Auswirkungen…

… im Defensivverhalten?

Bei Ballbesitz des Gegners verwandelt sich die Dreierkette zu einer Fünferkette. Alonso und Moses lassen sich fallen und unterstützen so die Innenverteidigung. So wird den Gegnern im Zentrum und auch auf den Flügeln sehr wenig Platz gelassen. Davor stören Matic und Kante den Gegner im Aufbauspiel. Die Lücken, die Alonso und Moses hinterlassen, werden wiederum von Hazard und Willian aufgefüllt. Die beiden Flügelspieler lassen sich auf die Höhe von Matic und Kante fallen und bilden somit ein 5-4-1. Der Außenstürmer des Gegners muss also zeitweise gegen zwei direkte Gegenspieler ankämpfen. Oft wird in den Medien auch der Abstand zwischen den Spielern und den Abwehrketten gelobt. Damit lässt man dem Gegner wenig Platz im Pass- bzw. Aufbauspiel. Die Statistiken geben der neu formierten Verteidigung der „Blues“ recht: In den ersten sechs Spielen nach der Umstellung konnte ein „clean sheet“ bejubelt werden. Die durchschnittlichen Gegentore pro Spiel wurden von 1.5 auf 0.44 vermindert. Ein Rückgang von mehr als zwei Drittel!

Abwehrverhalten Graphik [Bild 3]

…im Aufbauspiel?

Chelsea ist mit seinem Spielermaterial nicht unbedingt bekannt für seine langen Passstafetten oder ein schnelles Kurzpassspiel. Das verlangt Conte mit seinem neuen System auch nicht. Oft läuft der Spielaufbau wie folgt ab: Die Innenverteidiger verteilen den Ball auf die aufgerückten Außenverteidiger. Diese fackeln allermeist nicht lang und spielen nach ein bis zwei Ballberührungen schon wieder nach vorne. Oft fungieren Hazard und Pedro/Willian als Anspielstationen. Diese dribbeln oder ziehen in die Mitte, um entweder selbst abzuschließen oder um einen weiteren Mitspieler in Szene zu setzen. Auch Seitenverlagerungen sind im Spiel von Chelsea nicht ungewöhnlich. Das Aufbauspiel kann man also als schnörkellos und direkt bezeichnen. Eine weitere Variante ist zwar nicht sehr attraktiv für die Zuseher, aber durchaus effektiv. Mit hohen Bällen nach vorne lautet das Ziel nicht unbedingt, einen Spieler direkt in Szene zu setzen, sondern auf den zweiten Ball zu hoffen oder den ballhaltenden Gegenspieler sofort nach Ballerhalt energisch zu attackieren.

Spielaufbau (Bild 4]

Statistiken

Der FC Chelsea absolvierte die ersten sechs Runden mit einem Punkteschnitt von 1,66 pro Spiel. Nach dem Debakel gegen den FC Arsenal konnte ein Schnitt von starken 2,72 Punkten erreicht werden. Das entspricht einer Steigung von 63,86% (Stand: nach dem 24.Spieltag). Man verlor nach der Umstellung erst ein Spiel und zwar gegen Tottenham Hotspur mit 2:0. Weitere zwei Punkte wurden beim Remis gegen Liverpool nicht gemacht. Ansonsten wurde jedes einzelne Spiel gewonnen. Auch die Anzahl der geschossenen Tore stieg um etwa 37 %, auf 2.27 Tore pro Spiel. Nach 601 Minuten musste Thibaut Courtois am 13. Spieltag wieder hinter sich greifen, Christian Eriksen bezwang den belgischen Tormann. Der FC Chelsea steht seit der 12. Runde, und damit seit 13 Spieltagen, an der Spitze.

Fazit

Antonio Conte hat nach drei sieglosen Spielen in Serie richtiges Gespür gezeigt und mit einigen Veränderungen aufhorchen lassen. Der Erfolg gibt dem Italiener recht, nach Runde 24 führt man mit neun Punkten Vorsprung auf den zweitplatzierten Tottenham und ist wohl nur mehr schwer vom Platz an der Sonne zu verdrängen. Und mit dem 3:1 Heimsieg am 24. Spieltag gegen Arsenal London schloss sich ein Kreis – die Elf von Arsene Wenger war jene, die den Blues eine akute Situation verschaffte, worauf mit einigen Veränderungen reagiert wurden – diese Veränderungen sollten sich bezahlt machen…

J.G., abseits.at

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