Dritter gegen Erster. Manchester City vs. Liverpool. So lautete das Top-Duell am Donnerstagabend. Der Clash stieg im ausverkauften Etihad Stadium unter der Leitung von... Analyse: Manchester City triumphiert über Liverpool

Dritter gegen Erster. Manchester City vs. Liverpool. So lautete das Top-Duell am Donnerstagabend. Der Clash stieg im ausverkauften Etihad Stadium unter der Leitung von Referee Anthony Taylor. Schlussendlich konnte der Gastgeber mit einem Sieg in einer turbulenten Partie eine kleine Vorentscheidung im Titelrennen abwenden.

Für die Citizens aus Manchester begann die Saison sehr vielversprechend. Man fuhr Sieg um Sieg ein und lachte lange Zeit von der Tabellenspitze. Im Dezember folgte dann allerdings der Einbruch. Während man den Null-Punkter gegen Chelsea als Ausrutscher ansehen konnte, geriet Pep Guardiola nach den Niederlagen gegen Crystal Palace und Leicester City in Erklärungsnot. Die letzte Partie gegen Southampton konnte zwar gewonnen werden, der Rückstand auf Tabellenführer Liverpool betrug vor dem Topspiel aber weiterhin sieben Punkte. Man rutschte auch auf Rang drei ab, Tottenham hat einen Zähler mehr am Konto als die Citizens (bei einem Spiel mehr). Es galt also: Verlieren verboten!

Von der Tabellenspitze lachen derzeit die angesprochenen Reds aus Liverpool. Die Basis zum Erfolg stellt die starke Defensive dar. In 20 Spielen mussten erst acht Gegentore hingenommen werden. Auch vorne hat man wie gewohnt sehr viel Durchschlagskraft. Mohamed Salah steht bei 13 Liga-Treffern und befindet sich damit knapp hinter dem führenden Duo P.E. Aubameyang und Harry Kane (je 14 Treffer). In den ersten 20 Begegnungen musste man sich nie geschlagen geben. Doch dann kam Manchester City.

Personelle Situation

Pep Guardiola nahm bei seiner Aufstellung zwei personelle Veränderungen vor. Einerseits musste der als Linksverteidiger spielende Zinchenko seinen Platz räumen. An seine Stelle rückte der gelernte Innenverteidiger Laporte. John Stones füllte daraufhin den frei gewordenen Posten im Abwehrzentrum auf. Während Riyad Mahrez gegen Southampton noch am Flügel starten durfte, musste er für das Topspiel auf die Bank. Leroy Sane nimmt seinen Platz im Angriff ein.

Aufstellung 4-3-3: Ederson; Laporte, Kompany, Stones, Danilo; D. Silva, Fernandinho, B. Silva; Sane, Aguero, Sterling

Auch auf Seiten der Reds kam es zu zwei Veränderungen im Vergleich zum letzten Spiel, dem fulminanten 5:1-Sieg über Arsenal. Auch das System wurde angepasst, um für mehr Stabilität im Mittelfeld zu sorgen. Fabinho und Shaqiri durften vergangene Woche noch starten, im Top-Spiel gegen ManCity bekamen allerdings Milner und Henderson den Vortritt.

Aufstellung 4-3-3: Alisson, Robertson, van Dijk, Lovren, Alexander-Arnold; Milner, Henderson, Wijnaldum; Mane, Firmino, Salah

Safety first!

Wie es auch zu erwarten war, setzte keines der beiden Teams von Beginn weg auf einen riskanten Sturmlauf. Die beiden Mannschaften gingen überlegt zu Werke und riskierten kaum. Die Anfangsphase war also von sicheren Pässen geprägt. Wenn es Manchester City einmal bis 30 Meter vor das gegnerische Tor schaffte, eilten bei den Reds auf den Seiten die Offensivspieler zur Hilfe (zumeist Mane und Firmino), um die Außenverteidiger zu entlasten. Auch die Mittelfeldspieler Liverpools halfen auf der Außenbahn aus.

Bei Manchester City begann man mit drei Mittelfeldspieler. Den Job als einzigen Sechser verrichtete dabei Fernandinho. Während seiner verletzungsbedingten Abwesenheiten gingen die Partien gegen Crystal Palace und Leicester City verloren. Er ist gleichzeitig sowohl für den Defensivverbund, als auch das Aufbauspiel der Citizens unerlässlich. Das wusste auch Liverpool-Coach Jürgen Klopp. Der Deutsche gab seinen Offensivspielern die Anweisung, den Brasilianer sofort nach Ballerhalt anzupressen. Somit war der 33-jährige in den Diensten ManCitys oft dazu gezwungen, den Ball sofort wieder zu seinen Innenverteidigern zu spielen. Auch das trug nicht gerade zu einem rassigen Fußballspiel in der Anfangsphase bei.

Auf Seiten von Liverpool bekam man mit Alexander-Arnold und Robertson wieder die hoch stehenden Außenverteidiger zu sehen. Diese Variante des Flügelspiels birgt naturgemäß auch seine Gefahren (Anfälligkeit bei Kontern). Deswegen sicherte James Milner hinter dem aufgerückten Robertson ab. Damit ist man nicht nur besser gegen gegnerischen Konter gewappnet, sondern verfügt auch über eine mehr oder minder risikolose Anspielstation, wenn man Richtung eigenes Tor abdrehen muss.

Naturgemäß schwer tat sich der gelernte Innenverteidiger Laporte auf der ungewohnten Position des Linksverteidigers. Er konnte kaum offensive Akzente setzen und in der Folge musste Sane oft als Einzelkämpfer agieren.

Millimeter-Entscheidung und Führungstor der Citizens

Zur ersten Großchance kamen die Gäste aus Liverpool. Mane scheiterte zuerst an der Stange und wenige Sekunden später an der Torlinientechnik, die kein Tor gab – eine sehr knappe, aber richtige Entscheidung. Wie kam es dazu? Salah, der sich öfters zurückfallen ließ, um das Spiel voranzutreiben, trickste zuerst seinen direkten Gegenspieler mit einer Körperfinte aus, spielte mit „Bobby“ Firmino einen öffnenden Doppelpass und bediente schließlich Mane, der denkbar knapp scheiterte. Erkenntnis: Liverpool viel Platz zu gewähren, ist eine denkbar schlechte Idee.
Das erste Mal wurde dann auf der Gegenseite gejubelt. Nachdem die Hintermannschaft der Reds nicht ausreichend klären konnte, bekam Bernardo auf der linken Seite zu viel Platz und spielte eine flache Hereingabe ins Zentrum. Dort lauerte Aguero und knipste schlussendlich in bester Goalgetter-Manier. Er stiehlt sich aus dem Rückraum, geht dem Ball entgegen, löst sich von seinen Bewachern und knallt den Ball aus kürzester Distanz ins Tor. Keine Abwehrchance für Keeper Alisson.
Zur Pause gab es keinerlei personelle Veränderungen.

Firmino sorgt für den Ausgleich

Zu Beginn der zweiten Spielhälfte verfügte ManCity über mehr Ballbesitz. Man gewann außerdem viele zweite Bälle und setzte die Reds stark unter Druck. In Minute 57 nahm Klopp eine gravierende Umstellung im System vor. Er brachte Fabinho für James Milner. Gleichzeitig wies er seinen Spielern an, fortan in einem 4-2-3-1 zu spielen. Das ist die gleiche Formation, mit der Arsenal so deutlich in die Knie gezwungen werden konnte. Nach diesem Austausch bildete Henderson mit dem frischen Fabinho die Doppel-6. Vor ihnen gab es nun eine Dreierkette zu sehen (Wijnaldum – Firmino – Mane). Der Senegalese wechselte somit die Seite und Firmino ließ sich fallen und machte für Salah Platz, der nun an vorderster Front stürmte. Nach den personellen Veränderungen hatte Liverpool mehr Zugriff auf das Spiel. Es entstand eine kleine Druckphase der Reds und daraus resultierte auch der Ausgleichstreffer. Rechtsverteidiger Alexander-Arnold wird nicht an der Flanke gehindert und zirkelte die Hereingabe genau über die Köpfe der Abwehrspieler. Im Rückraum eilte der andere Außenverteidiger Robertson herbei und lässt die Flanke ins Zentrum abtropfen. Dort lauerte bereits Firmino, der sicher verwandelte.

Danach drehte auch Pep Guardiola an den Schrauben, eine Niederlage sollte um jeden Preis verhindert werden. Aus diesem Grund brachte er Ilkay Gündogan von der Bank anstelle von David Silva. Mit diesem Wechsel wollte der Star-Coach die Defensive stärken. Das war auch bitter nötig, denn Liverpool spielte schnell, präzise und zwang den Citizens somit ihr Spiel auf.

Leroy Sane mit dem Goldtor

Doch das Tor fiel auf der anderen Seite. Raheem Sterling, von dem bis zu dem Zeitpunkt nicht allzu viel zu sehen war, dribbelte durch die gegnerische Hälfte und bediente Leroy Sane im richtigen Augenblick. Zeitgleich verschaffte Aguero seinem deutschen Teamkollegen Platz, indem er Außenverteidiger Alexander-Arnold geschickt auf sich zog. Der Youngster schloss präzise und mit Mithilfe der Stange ab.

Jürgen Klopp brachte im Anschluss Xherdan Shauiri für Sadio Mane. Der Schweizer sollte auf der rechten Außenbahn für Druck sorgen. Nach dem 2:1-Treffer war ManCity logischerweise darauf bedacht, das Resultat über die Zeit zu bringen. Dabei unterstützen auch die Offensivkräfte ihre Kollegen in der Abwehr. Trotz der sehr defensiven Ausrichtung der Stürmerstars konnten die Citizens sehr schnell umschalten, deswegen trauten sich die Reds auch nicht, das volle Risiko in Kauf zu nehmen. Es wurde bei den Gästen aber noch offensiver. Wijnaldum, der auf der Seite wenige Akzente setzen konnte und sich deswegen nach innen orientierte, musste für Daniel Sturridge auf der Bank Platz nehmen. Mit dem Engländer wollte man die Ausbeute bei Flanken verbessern.

Das sah auch Pep Guardiola. Aus diesem Grund nutzte er seine beiden restlichen Auswechslungen für die Stärkung der Defensive. Kyle Walker ersetzte Laporte und Nicolas Otamendi kommt für Vincent Kompany, der per Handzeichen seinen eigenen Austausch forderte.
Schlussendlich retteten die Gastgeber das Resultat über die Zeit und konnten in personam Bernardo Silva fast noch das 3:1 erzielen.

Fazit

In einem ausgeglichenen und attraktiven Topspiel der Runde konnte sich Manchester City schlussendlich mit 2:1 durchsetzen. In der ersten Spielhälfte hatten das Team von Pep Guardiola bei der Millimeterentscheidung der Torlinientechnik Glück.

Beide Mannschaften waren taktisch sehr gut vorbereitet und neutralisierten sich gegenseitig, was auch den Coaches Zeit verschaffte, sich Veränderungen gut zu überlegen. Manchester City hat auf der Position des Linksverteidigers nach wie vor Probleme, denn weder Delph noch Laporte sind eine zufriedenstellende Lösung.

Das Spiel hätte genauso gut auch in die andere Richtung kippen können. Wenn die Reds ihre Form behalten und sich keine Ausrutscher leisten, haben sie sehr gute Chancen auf den Titel.