In dieser Serie gehen wir auf einzelne Weltklassetalente ein, die auf dem Sprung standen – und ihn nicht schafften. Zumeist waren es persönliche Tragödien,... Der verlorene Weltklassespieler (21) – Ian Storey-Moore

Retro Fussball_abseits.atIn dieser Serie gehen wir auf einzelne Weltklassetalente ein, die auf dem Sprung standen – und ihn nicht schafften. Zumeist waren es persönliche Tragödien, Verletzungen oder einfach die Umstände ihrer Karriere: zur falschen Zeit am falschen Ort kann manchmal schmerzhaft wahr sein.

Wir lassen die Karrieren dieser Akteure Revue passieren, spekulieren über die mögliche Auswirkung ihres fehlenden Durchbruchs in der Geschichte des Fußballs und ein kleines „was wäre, wenn…?“ darf natürlich auch nicht fehlen. Immerhin besitzt für solche Spieler nahezu jeder Fußballfan noch eine schöne Erinnerung und jene fragende Wehmut, welche Erinnerungen man nicht alles verpasst hat.

In diesem Teil widmen wir uns …

Ian Storey-Moore

In den späten 1970er Jahren sorgte Nottingham Forest für eine der größten Sensationen in der Geschichte des Fußballs. Nachdem die Mannschaft unter ihrem legendären Trainer Brian Clough  1978 als Aufsteiger Meister geworden war, gewann sie 1979 gegen Malmö FF den Europapokal der Landesmeister und konnte den Pokal 1980 nach einem Finalsieg gegen den Hamburger SV verteidigen. Neben dem Weltklassetorwart Peter Shilton, den Mittelfeldspielern John McGovern und Martin O’Neill war die Mannschaft vor allem im offensiven Bereich stark besetzt: Mittelstürmer Gary Birtles, Flügelstürmer John Robertson und  die beiden flexibel einsetzbaren Tony Woodcock und Trevor Francis waren bei den gegnerischen Abwehrreihen aufgrund ihrer zahlreichen Stärken gefürchtet.

Doch im Vergleich zum vielleicht talentiertesten Stürmer in der Vereinsgeschichte verblassen sie alle: Ian Storey-Moore, dessen Stammposition der linke Flügel war, verfügte über eine gute Schnelligkeit  und konnte sich dank seines kompakten Körperbaus auch im Zweikampf gegen gegnerische Verteidiger behaupten. Seine größten Stärken waren jedoch seine Dribbelstärke und seine enorme Torgefährlichkeit. Ähnlich wie Willi Lippens in der deutschen Bundesliga zog es Storey-Moore vor, nach einem erfolgreichen Dribbling in die Mitte zu ziehen und mit seinem starken rechten Fuß abzuschließen. Er beschränkte sich jedoch nicht nur darauf und war auch in der Lage, mit seinem linken Fuß und mit dem Kopf Tore zu erzielen. Insgesamt gelangen Ian Storey-Moore in 272 Spielen 118 Tore, womit er bis heute Platz fünf in der ewigen Torschützenliste von Nottingham Forest belegt.

Stets in Rot – vom City Ground ins Old Trafford

Sein Debüt für Forest gab der am 17. Januar 1945 geborene Storey-Moore 1962 im Alter von gerade einmal 17 Jahren und konnte sich schnell einen Stammplatz erkämpfen. Es war allerdings keine erfolgreiche Zeit für Forest: zumeist fand man sich in den unteren Regionen der Tabelle wieder. Eine Ausnahme bildete lediglich die Saison 1966/67, in der Forest überraschend Zweiter wurde und im FA Cup das Halbfinale erreichte. Auch für Storey-Moore war es eine herausragende Saison: mit 21 Ligatoren erreichte er seinen persönlichen Karrierehöchstwert, hinzu kam außerdem ein Hattrick im Viertelfinale des FA Cups gegen den amtierenden Pokalsieger FC Everton.

In der folgenden Spielzeit belegte man allerdings nur einen wenig zufriedenstellenden elften Platz in der Liga und schied im Messepokal bereits in der zweiten Runde gegen den FC Zürich aus (2:1 und 0:1, Zürich kam weiter aufgrund der Auswärtstorregel). In den folgenden Spielzeiten belegte Forest immer einen Platz in der unteren Tabellenhälfte und stieg am Ende der Saison 1971/72 sogar in die zweite Liga ab. Diesen Abstieg erlebte Storey-Moore allerdings nicht mehr als Spieler von Nottingham Forest: nach einer unglaublichen Transfer-Posse, in deren Verlauf Storey-Moore zunächst fast bei Forests Erzrivalen Derby County gelandet wäre, unterschrieb er Anfang März 1972 bei Manchester United. Im Laufe der restlichen Saison zeigte Storey-Moore vielversprechende Leistungen und erzielte in elf Spielen fünf Treffer.

Trotz dieses hoffnungsvollen Beginns sollte Storey-Moores Karriere bei United sehr unglücklich verlaufen. Nachdem er im darauffolgenden Jahr immerhin noch 26 Mal zum Einsatz gekommen war,  sorgten verschiedene Verletzungen dafür, dass Storey-Moore in der Saison 1973/74 nur noch zwei Spiele für Manchester United absolvierte. Als Reaktion darauf beschloss Storey-Moore, seine professionelle Karriere zu beenden.

Enttäuschende Auswahlkarriere

Obwohl Storey-Moore zu seinen Glanzzeiten der vielleicht beste englische Flügelstürmer war, kam er nur einmal im englischen Nationalteam zum Einsatz. Zwar zeigte er bei seinem Debüt gegen die Niederlande im Januar 1970 eine ansprechende Leistung, aber trotzdem blieb ihm eine Teilnahme an der Fußballweltmeisterschaft 1970 verwehrt. Eine im Februar 1970 gegen Manchester City erlittene Knöchelverletzung sorgte dafür, dass Storey-Moore in dieser Saison  kein einziges Spiel mehr bestritt und somit auch kein Kandidat für den WM-Kader der englischen Mannschaft war. Doch neben seinen Verletzungen gab es noch einen weiteren Grund, der einer erfolgreichen Karriere Storey-Moores in der Nationalmannschaft im Wege stand. Nationalcoach Alf Ramsey ließ die „Three Lions“ zumeist in einem 4-4-2 ohne klassische Flügelstürmer agieren (weswegen die Mannschaft den Spitznamen „Wingless Wonders“ erhielt) und hatte somit wenig Bedarf für Spieler wie Storey-Moore. Als Ramsey nach der verpassten Qualifikation für die WM 1974 entlassen wurde, war Storey-Moore aufgrund von weiteren Verletzungen längst kein Kandidat mehr für dessen Nachfolger Joe Mercer und Don Revie.

Letzte Spieljahre und Zeit nach der aktiven Karriere

Nachdem er sich 1975 aus dem professionellen Fußball verabschiedet hatte, wechselte er in die USA zu Chicago Sting. Nach nur 14 Spielen für seinen neuen Verein kehrte er noch im selben Jahr nach England zurück und spielte zwei Jahre für den unterklassigen Verein Burton Albion. Von 1977 bis 1978 war er Spielertrainer bei Shepshed Charterhouse, danach trainierte er bis 1981 Burton Albion. Später arbeitete er unter anderem als Scout für Nottingham Forest und Aston Villa.

Bis heute gilt Ian Storey-Moore als einer der besten Spieler in der Geschichte von Nottingham Forest, obwohl er nie einen Titel mit dem Verein gewinnen konnte. Nachdem er bereits 1998 zu einem der besten elf Spieler der Vereinsgeschichte bestimmt wurde, wurde er auch 2016 von den Fans in die beste Elf aus 150 Jahren Nottingham Forest gewählt.

Marcel Grün, abseits.at

Marcel Grün

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