Drei Akteure wurden von Hodgson für den zweiten Spieltag der WM-Qualifikation nachnominiert, nämlich Jake Livermore von Tottenham, Raheem Sterling von Liverpool und Adam Lallana... Drei Neue für Hodgson: Wer sind Sterling, Livermore und Lallana?

Drei Akteure wurden von Hodgson für den zweiten Spieltag der WM-Qualifikation nachnominiert, nämlich Jake Livermore von Tottenham, Raheem Sterling von Liverpool und Adam Lallana vom FC Southampton. Sie alle zeigen an, worauf Hodgson Wert legt und welche Ausrichtung und Formation für die anstehende Weltmeisterschaft auf dem Plan Hodgsons steht.

Der intelligente und dribbelstarke Flügelstürmer: Raheem Sterling

Erst 17 Jahre alt ist Raheem Sterling, seinen 18. Geburtstag feiert er erst im Dezember dieses Jahres. Von Rodgers erhielt er den Vorzug vor Millionenflop Stewart Downing und zeigte bislang starke Partien im Trikot der Reds. Er gilt als ein Flügelstürmer, der nicht dem klassischen englischen Bild eines breit agierenden und athletischen offensiven Außen entspricht. Stattdessen zeigt er sich taktisch sehr stark, wurde auch von Rodgers dafür gelobt. Trotz seines jugendlichen Alters scheint er genau zu wissen, wann er die Vertikalbälle spielen darf und wann er den Angriff abbrechen soll, um einen neuen von hinten neu zu beginnen. Somit passt er perfekt zum Ballbesitzspiel Rodgers‘, welcher diesen bereits bei Swansea praktizieren ließ.

Sterling ist dank seiner Dribbelstärke und Schnelligkeit jedoch auch bei Kontern gefährlich. Diese Mischung macht ihn zu einer interessanten Option für Nationaltrainer Hodgson. Sterling bringt nicht nur frischen Wind in die Nationalmannschaft, sondern kann sowohl ähnlich Stewart Downing entlang der Linie durchbrechen und eine Flanke bringen, als auch intelligent wie beispielsweise James Milner auf rechts agieren und einen ruhigeren Spielstil anstreben. Somit kann ohne Wechsel zumindest auf der linken Seite zwischen einem auf die Individualität und/oder Konter ausgelegten Spielstil gewechselt werden, außerdem kann Oxlade-Chamberlain wieder in der zentralen Offensive agieren, was ihm besser entspricht als die Position des inversen Wingers.

Sollte Sterling so weitermachen und sich weiterhin rapide entwickeln, könnte er bereits 2014 bei der Weltmeisterschaft einen Stammplatz beanspruchen. Die linke offensive Flügelposition galt nämlich bereits seit Jahren als Schwachstelle der Engländer: Scholes, Gerrard, Lampard, allesamt sind sie zentrale Akteure und allesamt wurden sie als Notlösungen aufgeboten, weil weder Downing noch früher Joe Cole dort konstant überzeugen konnten. Ersterem scheint es an der Qualität auf höchstem Niveau zu fehlen, letzterer kämpfte mit vielen Verletzungen und einer unpassenden Spielweise. Scherzhaft wurde in englischen Medien vor Jahren schon berichtet, dass dieser Platz für Ryan Giggs freigehalten wird, das Schicksal aber vergaß, dass jener leider ein Waliser ist – dieser war in seiner Jugendzeit nämlich einmal Kapitän der englischen Jugendnationalmannschaft unter dem Namen „Ryan Wilson“.  Wer weiß, womöglich kann der Engländer mit jamaikanischen Wurzeln Raheem Sterling diesen schicksalsträchtigen Platz einnehmen. Und gut möglich, dass Hodgson Sterling auch einberufen hat, um ihn für die englische Nationalmannschaft zu sichern…

Ein defensiver Sechser: Jake Livermore

Zu modern dürfen die Engländer aus Traditionsgründen auch nicht spielen – darum wird es bei einer fast rein defensiven Sechs als Teilbesetzung des defensiven Zentrums im 4-4-1-1 bleiben. Bei der Europameisterschaft ließ Hodgson diesen Part von Scott Parker spielen, welcher Gerrard seine Offensivausflüge erlaubte. Parker lebt allerdings von seiner körperlichen Kraft, seiner Zweikampfstärke und Laufarbeit. Ob diese in zwei Jahren im Alter von 33 (ebenso bei Gareth Barry) noch immer auf höchstem Niveau gegeben ist? Es ist fraglich und darum sieht sich Roy Hodgson auch vorzeitig nach Alternativen um.

Jake Livermore stellt einen solchen Spielertypus dar. In der Defensive konzentriert er sich vorrangig auf sichere Pässe und überlässt das Organisieren des Angriffs lieber einem Partner. Er ist körperlich stark, laufstark und mit 22 besitzt er noch Luft nach oben auf dieser Position. Mit seiner Größe von 190cm bietet er auch bei Abstößen oder in Kopfballduellen im Sechzehnmeterraum eine taktische Option, desweiteren ist er für einen Spieler seiner Größe einigermaßen schnell und schlicht ein grundsolider Sechser / defensiver Achter, der seine beste Zeit noch vor sich hat. Seine Nominierung deutet darauf hin, dass Hodgson einen klassischen Sechser in seinem 4-4-1-1 haben möchte und keine wechselnde offensive Doppelacht, wie es bei vielen Topteams Mode ist.

Der letzte im Bunde: Adam Lallana, ein Mittelfeldspieler als hängender Stürmer

Die letzte Nachnominierung steht in einer Reihe mit der Aufstellung Cleverleys als nomineller zweiter Spitze im 4-4-1-1 hinter Jermaine Defoe. Aufgrund Mangels an Topstürmern könnte es sein, dass Wayne Rooney nicht in seiner Paraderolle als zweite Spitze aufläuft, sondern an vorderster Front spielt. Dadurch könnte Cleverley (wie gegen Moldawien), Oxlade-Chamberlain (wie bei der Europameisterschaft) oder eben ein Akteur wie Lallana in die Mannschaft rücken. Durch einen Mittelfeldspieler auf dieser Position steht man auf dem Papier etwas kompakter, hat eine höhere Defensivstärke und -mitarbeit, was letztlich für ein verkapptes 4-2-3-1 sorgt. Außerdem ist er im Offensivspiel eine Bindung nach vorne, was besonders die Aufstellung von Cleverley und die Nominierung Lallanas erklärt. Cleverley ist eigentlich ein offensiver Achter, welcher mit seinen intelligenten Läufen, seinen Bewegungen und Läufen von hinten für Gefahr sorgt. Er ist spielintelligent, aber kein Dribbler oder Individualist.

Lallana hingegen hält den Ball mehr, seine auffälligste Stärke ist seine Stärke im direkten Zweikampf. Besonders gegen tiefstehende Mannschaften oder bei höherem Pressing könnte er deshalb langfristig zu einer Alternative werden, da er durch sein Dribbling Räume für die anderen schafft und durchaus in der Lage ist einen tödlichen Pass zu spielen. Man könnte gar sagen, dass sich Cleverley eher auf die Vielzahl von guten Aktionen konzentriert, ist Lallana aktuell eher ein Mann für die eine gute Aktion. Körperlich muss der Southampton-Spieler allerdings noch an sich arbeiten, mit 169cm wird er allerdings nie der beste Zweikämpfer, muss also durch mehr Laufarbeit insbesondere sein Pressingspiel verbessern. Außerdem gibt es mit Oxlade-Chamberlain eine jüngere und starke Konkurrenz auf dieser Position mit einer ähnlichen Spielweise.

Englands Aufstellung bei der Europameisterschaft 2012

Mögliche Plätze für die drei Neuen in Englands Stammformation

 

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric