Nach dem Skandal um rassistische Äußerungen von John Terry warteten viele nur auf einen weiteren Eklat. Fußball gespielt wurde aber auch. Und das gar... Handshake-Gate an der Loftus Road – West-Londoner Derby endet 0:0

Nach dem Skandal um rassistische Äußerungen von John Terry warteten viele nur auf einen weiteren Eklat. Fußball gespielt wurde aber auch. Und das gar nicht so schlecht, wie das Resultat vermuten lässt.

Terry vs. Ferdinand

Für die englischen Medien war dieses Spiel vor allem aufgrund der Auseinandersetzung um John Terry und Anton Ferdinand interessant. Nach verweigerten Handshakes und einer verächtlichen Geste von Ashley Cole, der vor Gericht für John Terry ausgesagt hatte, ging es aber mit britischer Fairness zur Sache. Da Terry und Ferdinand auf der Innenverteidigerposition spielen, war die Möglichkeit eines Aufeinandertreffens aus dem Spiel heraus gering, bei Standardsituationen ging man sich merklich aus dem Weg.

Neuaufbau der QPR

Mark Hughes schaffte es letzte Saison gerade noch, die Rangers in der Premier League zu halten. Er hatte damit geschafft, wofür er im Jänner geholt worden war. Nach Aufstieg und Klassenerhalt ist das mittelfristige Ziel klarerweise, den Verein in der Premier League zu etablieren. In der Sommerpause hat man deshalb 11 neue Spieler geholt, darunter durchaus bekannte Namen wie Ji-Sung Park von Manchester United, Esteban Granero von Real Madrid, Andy Johnson von Fulham, und Jose Bosingwa vom FC Chelsea. Auf der Torwartposition holte man Julio Cesar von Inter Mailand und Robert Green von West Ham, der vielen wohl am ehesten noch durch seinen peinlichen Patzer im WM-Gruppenspiel 2010 gegen die USA in Erinnerung ist. Insgesamt hat man ein durchaus herzeigbares Team zusammengestellt, das vor allem durch seine Erfahrung glänzt. Die Queens Park Rangers sind mit Abstand das Team mit dem höchsten Altersschnitt der Premier League.

Neuseeländer als Schlüsselfigur

Dennoch würde in diesem Spiel ausgerechnet ein Mann aus Neuseeland – nicht gerade als fußballerisches El Dorado verschrien – Fernando Torres, Superstar des Champions League- und FA-Cup-Siegers, derart zur Verzweiflung bringen, dass dieser die letzten 15 Minuten seiner Spielzeit hauptsächlich mit Reklamationen, verärgerten Gesten, sowie nicht gerade freundlich anmutenden Wortgefechten verbrachte, und nach seiner Auswechslung in der 80. Minute sofort völlig frustriert in der Kabine verschwand. Aber dazu später.

Aufstellungen und Spielanlagen

Mark Hughes ließ seine Mannschaft im 4-4-2 auflaufen, wobei Faurlin im zentralen Mittelfeld eher defensive Aufgaben hatte und Granero meistens das Spiel nach vorne organisieren sollte. Johnson oder Zamora sollten sich fallen lassen und als Anspielstation fungieren, während der andere der beiden, die schon bei Fulham zusammengespielt hatten, in der Spitze wartete. Immer wieder wich vor allem Johnson auch auf die Flügel aus und konnte einige Male den Ball gut ablegen. Bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung in der 32. Minute war er der beste Spieler auf dem Platz. Statt ihm sollte dann Mackie stürmen. Auch Fabio, der auf links hinter Ji-Sung Park begonnen hatte, hatte bis auf einen Stellungsfehler vor der Chance von Hazard gute Anfangsminuten, musste aber bereits in der 18. Minute aufgrund einer Verletzung vom Feld. Für ihn kam Nedem Onuoha, der nach rechts ging, Bosingwa wechselte auf die andere Seite.

Terry als Buhmann der Fans

Chelsea trat im 4-2-3-1 an. David Luiz und John Terry, der konsequent ausgebuht wurde und bei dessen vermeintlicher Verletzung in der zweiten Halbzeit lauter Jubel ausbrach, bildeten das Innenverteidiger-Pärchen. Ivanovic als gelernter Innenverteidiger begann auf der rechten Seite, Cole auf der linken. Während Ivanovic und Cole im Spielaufbau meistens sehr hoch aufrückten und das Spiel in die Breite ziehen sollten, ließ sich zumeist Mikel aus dem Mittelfeld zwischen Terry und Luiz fallen, um von dort das Spiel aufzubauen. Häufig unternahm auch Luiz über die rechte Seite den einen oder anderen Ausflug nach vorne. Hazard sollte hinter Torres zwischen den Linien für Unruhe sorgen, was ihm teilweise gelang, er half aber auch häufig am linken Flügel aus.

QPR fängt sich nach starkem Chelsea-Beginn

Chelsea wollte von Beginn an Druck erzeugen und die Rangers hinten reindrängen. Durch hohe Bälle, technisch starke Einzelleistungen, sowie gute Mitarbeit der Offensivspieler konnte man sich aber zumeist aus dem Pressing befreien. So ergab sich in der ersten Halbzeit ein ausgeglichenes Spiel mit wenigen Chancen, wobei Chelsea die gefährlicheren vorfand.  Hazard vergab bereits in der 4. Minute nach einem schnellen Gegenstoß die Möglichkeit zum 1:0. In der 16. Minute hatte Torres seine einzige starke Szene im ganzen Spiel, als er nach einem Alleingang in den Strafraum eindrang, sein Schuss wurde aber gehalten. In der 23. Minute konnte Bertrand gerade noch regelkonform am Abschluss gehindert werden. Die QPR kamen aber bald besser ins Spiel und konnten die Blues nun zumeist vom Tor fernhalten, kamen aber auch selber immer wieder vor das Tor der Blues. Zwingende Chancen sollten für Chelsea nun lange Zeit Mangelware bleiben. Dafür sorgte unter anderem ein Mann namens Ryan Nelsen.

Wer ist Ryan Nelsen?

Ryan Nelsen ist 34 Jahre alt, Innenverteidiger, Neuseeländer, und kennt Mark Hughes aus seiner Zeit bei den Blackburn Rovers, für die er über 150 Spiele bestritt. Zu Beginn der letzten Saison, nach seinem Wechsel zu Tottenham, verletzte er sich schwer und musste ein halbes Jahr pausieren. Er kam daraufhin zu fast keinen Einsätzen. Durchgespielt hat er bei Tottenham nur drei Mal, davon zwei Mal im FA-Cup gegen den FC Stevenage (League One; dritte Liga). Dennoch wusste Hughes, warum er ihn holte. Nach kleineren Anfangsschwierigkeiten hatte er den Löwenanteil daran, dass Torres überhaupt nicht mehr zur Geltung kam. Immer wieder schirmte er Torres gut ab, gewann den direkten Zweikampf, oder konnte den Ball durch gutes Stellungsspiel abfangen. Ab Mitte der zweiten Halbzeit war deutlich zu merken, wie frustriert Torres bereits war. Die Laufbereitschaft ließ nach und er war eher mit Meckern als mit der Beteiligung am Spiel beschäftigt. Seine Auswechslung in der 80. Minute war überfällig. Ein No-Name hatte im Verbund mit Anton Ferdinand und Faurlin den Superstar ausgeschaltet und Chelseas Offensivspiel gelähmt. Im Gegenteil, in der zweiten Halbzeit sollten die Queens Park Rangers lange Zeit das Spiel machen.

Kampf um das Zentrum

Deutlich verbessert kamen die Hausherren aus der Kabine. Vor allem Bosingwas und Parks Zusammenspiel am linken Flügel wurde immer stärker, Granero konnte einige gefährliche Pässe in die Spitze bringen, individuelle Stärken wurden besser genützt, Zweikämpfe wurden äußerst intensiv geführt. Ji-Sung Park tauchte nun immer wieder sehr zentral auf und suchte die Räume zwischen Chelseas Abwehr und Mittelfeld, was in der Spielfeldmitte nun phasenweise zu (fairen!) Tacklings und Zweikämpfen im Sekundentakt führte, was wiederum beeindruckend und amüsant zugleich anzusehen war, da dann öfters zwei oder drei Spieler gleichzeitig auf dem Boden lagen und um den Ball fighteten. Die Überlegenheit der QPR führte zu einer Großchance für Park, der den Kopfball aber nicht versenken konnte, sowie zu mehreren gefährlichen Situationen vor dem Tor der Blues.

Mitte der zweiten Halbzeit: Park randaliert zwischen den Linien, in dieser Szene sogar halbrechts –Ferdinand führt den Ball unbehelligt (von Torres) in die gegnerische Hälfte, Faurlin bindet Lampard an sich – Hazard eilt noch in Position, daher kann Mikel nicht auf Ferdinand gehen, ohne freie Bahn für Park zu schaffen. Ferdinand entscheidet sich schließlich zu einem hohen Ball hinter die Abwehr.

Trainer-Duell mittels Auswechslungen

In der 60. Minute reagierte Di Matteo. Er brachte Victor Moses für Bertrand, der einen schwarzen Tag erwischt hatte.  Er sollte sich um den rechten Flügel kümmern, Hazard ging nach links, Ramires wechselte zur Unterstützung von Mikel und Lampard ins Zentrum, wobei Ramires eher als zweiter Achter neben Lampard spielte. Bei Angriffen sollten Moses und Hazard gemeinsam mit Torres ein 4-3-3 bilden. Durch den mittlerweile Totalausfall von Torres kam es aber zu keiner Besserung, Hazard und Moses erzielten mangels Anspielstationen vorne keine Wirkung, die Rangers drückten weiter und brachten ab der 70. Minute mit Djibril Cisse für Wright-Philipps sogar einen dritten Stürmer. Wenngleich nun Mackie auf den Flügel wechselte – der allgemeine Zug zum Tor wurde dadurch sicher nicht geringer.

Sturridge bringt (fast) den Umschwung

In der 77. Minute war es dann beinahe soweit. Nach einem katastrophalen Rückpass von Mikel fand sich Zamora plötzlich alleine vor Cech wieder, er wartete mit dem Schuss aber zu lange. Di Matteo musste nun endgültig die Geduld verloren haben. Sturridge kam für Torres und leitete sofort den Umschwung ein. Das System funktionierte nun. Er bot sich an, war technisch stark, spielte gefährliche Pässe, und war endlich der Gefahrenherd, den Chelsea vorne so dringend brauchte. Die Blues hatten noch eine Großchance durch Hazard nach guter Vorarbeit von Moses, mussten sich am Ende aber mit einem 0:0 begnügen.

Florian Eliadakis, abseits.at

Florian Eliadakis