Schon einmal wurden in dieser Serie Fußballer und ihre Spitznamen behandelt. Namen sind zwar Schall und Rauch, doch die Haltbarkeit vieler „nicknames“ ist um... G’schichterln ums runde Leder (10) – Hi! My name is…. Fußballer und ihre Spitznamen (2)

Schon einmal wurden in dieser Serie Fußballer und ihre Spitznamen behandelt. Namen sind zwar Schall und Rauch, doch die Haltbarkeit vieler „nicknames“ ist um einiges länger, als sich das so mancher Träger wünschen würde. Hier sind weitere Kandidaten und die Geschichten, die hinter ihren Namen stecken:

Gemüse aus dem Bundestag

Ralf Kohl gehört nicht gerade zu den erfolgreichsten deutschen Bundesligaspielern. Der Baden-Württemberger ist beim SC Freiburg dennoch ein Kultspieler. Kohl wurde 1965 geboren und kickte ab 1991 in Freiburg. Er stieg mit dem Verein auf und war im defensiven Mittelfeld wichtiger Leistungsträger der Breisgauer. 1994/1995 feierte er mit dem dritten Platz in der Liga seinen wohl größten Erfolg. Kohl wurde aufgrund der Namensgleichheit zu Helmut Kohl von Kollegen, Fans und der Presse mit „Herr Kanzler“ angesprochen. Selbst heute als Lokalberühmtheit wird der Unternehmer – Kohl betreibt ein Sportgeschäft – immer wieder so betitelt. Schade ist nur, dass der „Herr Kanzler“ keinen Marktstand betreibt: „Kohlgemüse und Co“ wäre eine gute Alternative.

Sie wissen nicht, was sie singen…

„You’re just a fat Eddie Murphy,…“, besangen englische Fans den Holländer Jimmy Floyd Hasselbaink. Der Stürmer, der 1972 im damals noch zu den Niederlanden gehörenden Surinam geboren wurde, sah dem US-amerikanischen Schauspieler Eddie Murphy, der ab Ende der 80er als g’scherter Cop aus Beverly Hills über die Kinoleinwände flimmerte, zum Verwechseln ähnlich.

Stürmer Hasselbaink, der mit Vornamen eigentlich „Jerrel“ heißt, kam als Sechsjähriger nach Europa. Er begann zwar früh seine fußballerische Laufbahn, hatte jedoch disziplinäre Probleme und kam auch mit dem Gesetz in Konflikt. Eine Karriere als Profi schien weit weg zu sein. Erst mit 23 Jahren wachte Hasselbaink auf. Bei SC Campomaiorense nannte ihn der Präsident erstmals „Jimmy“, ein Name, den der spätere Nationalspieler beibehalten sollte. Der Stürmer ging zunächst nach Portugal ehe er auf die Insel wechselte. Dort kickte er anfangs für Leeds United und nach einem Intermezzo bei Atlético Madrid auch für Chelsea, Middlesbrough, Charlton Athletic und Cardiff City. Hasselbaink galt als lauffaule Tormaschine mit Hang zum Egoismus. Er wurde dreimal Schützenkönig der Premier League. Als der Oranje-Nationalspieler leichte Probleme mit seinem Kampfgewicht hatte, entstand jener Schmähgesang, mit dem ihn gegnerische Fangruppierungen bedachten. Hasselbaink fand’s jedoch zum Schmunzeln. Er musste niemanden mehr etwas beweisen.

Zug fährt ab!

Fußballerische Spitznamen resultieren oft aus den physischen Eigenschaften oder der Spielweise ihrer Träger. In München spielte ein Stürmer, dem man in seiner südamerikanischen Heimat „Zug“ gerufen hatte. Getauft wurde Mosquera zwar auf die Vornamen Adolfo José Valencia, bei Independiente Santa Fé machte man aus ihm bald „El Tren“. Als 25-jährigen holten ihn die Bayern in die „Hauptstadt“ des deutschen Fußballs, doch der Expresszug aus Kolumbien sollte dort nie Fahrt aufnehmen. Nach nur einer Spielzeit wechselte Mosquera zu Atlético Madrid. Der damalige FCB-Trainer Beckenbauer begründete den Weggang des Angreifers damit, dass dieser so viele Chancen vergeben habe. „Der Kaiser“ hatte aus dem „Zug“ den „Entlauer“ gemacht: Mosquera soll rund ums Tor am Trainingsgelände der Säbener Straße jede Menge Bäume und Sträucher mit seinen Schüssen „entblättert“ haben. Der Zug bei den Bayern war für „El tren“ also rasch abgefahren. Mosquera spielte noch bei Klubs in Griechenland, China, Italien und den USA. Heute ist der Ex-Profi als Spielerberater tätig und wurde nach James Rodriguez Verpflichtung von der deutschen Presse interviewt. „Durch meine Vergangenheit habe ich James die Tür bei Bayern geöffnet! Ich denke, die Verantwortlichen waren von meinem guten Verhalten beeindruckt. Das ist sehr wichtig in Deutschland. Sie wissen, dass sich kolumbianische Spieler gut benehmen.“, wusste der Ex-Nationalspieler zu berichten. Hm, es scheint als hätte Mosquera nur Bahnhof verstanden.

Vogel aus längst vergessener Zeit

Emilio Butragueño war der charismatische Anführer der „Quinta del Buitre“. Die fünfköpfige „Klasse des Geiers“ schaffte in den 80ern den Sprung von Reals Castilla in die Kampfmannschaft des „weißen Ballets“ und standen für Superfußball aus Spanien. Stürmer Butragueño bildete mit Miguel Pardeza, Manolo Sanchís, Míchel und Martín Vázquez jenes erfolgreiche Aushängeschild der Königlichen, das fünf Meistertitel sowie zwei UEFA-Pokale gewinnen konnten. Ab 1994 begann der Stern Butragueños jedoch zu sinken, das 17-jährige Stürmertalent Raúl wurde ihm in Folge vorgezogen. 1998 beendete der gebürtige Madrilene bei Atlético Celaya in Mexiko seine erfolgreiche Karriere.

Bis heute liegt der Stürmer auf Platz fünf in der ewigen Liste der besten spanischen Torschützen. Obwohl man dem Angreifer schon in seiner Jugendzeit seine ausgefeilte Technik ansah, entstand sein Spitzname „El Buitre“ – „Der Geier“ einzig und allein aufgrund eines Wortspiels mit seinem Nachnamen. Ein Mannschaftskollege der Castilla soll den Lockenkopf einst so getauft haben.  Da sich der Spitzenstürmer aber auch nur selten einen Torerfolg nehmen ließ, ist es logisch, dass der „Geier“ auch symbolische Bedeutung hat: Butragueño stürzte sich auf jedes Tor, wie die geflügelten Aasfresser auf ihre Beute.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag