In den internationalen Top-Ligen tummeln sich einige höchstinteressante Fußballer, die allerdings von den absoluten Superstars in den Schatten gestellt werden und deshalb oft nicht... Nicht im Rampenlicht aber trotzdem interessant (4) – Serie A

Italienische LigaIn den internationalen Top-Ligen tummeln sich einige höchstinteressante Fußballer, die allerdings von den absoluten Superstars in den Schatten gestellt werden und deshalb oft nicht genug Beachtung finden. In einer vierteiligen Serie schenken wir diesen Spielern die mehr als verdiente Aufmerksamkeit.

Im letzten Teil der Serie schauen wir uns drei interessante Kicker aus der italienischen Serie A. Dominiert wird die Liga von Meister Juventus, bei dem mit Kwadwo Asamoah ebenfalls ein Spieler agiert, auf den die Kriterien zutreffen würde. In diesem Fall sei aber auf ein Porträt von spielverlagerung.de verwiesen. Auch ein hochveranlagtes Talent, Romas Alessandro Florenzi, wurde an anderer Stelle schon ausführlich vorgestellt.

Alessandro Diamanti

Mittelfeld | 29 Jahre | Bologna FC

Etwas überraschend nominierte Italiens Teamchef Cesare Prandelli im letzten Sommer Alessandro Diamanti für die EM-Endrunde in Polen und der Ukraine. Für den 29-Jährigen war es die erste Nominierung in den Kreis der Squadra Azzurra und man fragte sich, wo der Spätstarter seinen Platz finden würde. Italien startete gegen Spanien mit einer 3-5-2-Grundordnung, in der erst recht keine mögliche Position für Diamanti auszumachen war. Wie sich im Laufe der EM und den folgenden Herbst-Länderspielen zeigte, könnte er aber eine durchaus ernstzunehmende Alternative als Trequartista sein. Riccardo Montolivo, Prandellis erste Wahl auf der Zehnerposition, ist offensiv nämlich nicht so durchschlagskräftig wie der Bologna-Kapitän.

Bei der EM war es zudem ausgerechnet Diamanti, der mit dem letzten verwandelten Elfmeter das Aus der englischen Nationalmannschaft im Viertelfinale besiegelte. Zur Saison 2009/2010 wechselte er nämlich von der AS Livorno zu West Ham United, wo er in 27 Spielen sieben Tore erzielte. Dennoch wurde er nach nur einer Saison um ein Drittel der ursprünglich geholten Ablösesumme an Brescia Calcio verkauft – warum genau, weiß keiner so richtig. Die Lombarden stiegen in der anschließenden Saison zwar ab, Diamanti blieb der Serie A allerdings erhalten, weil er nach Bologna weiterzog.

Beim Garics-Klub ist Diamanti selbstverständlich Leistungsträger, agiert im 4-3-1-2 von Trainer Stefano Pioli im offensiven Mittelfeld und ist einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Liga. Neben zwölf Toren schreibt ihm die Statistik in 49 Spielen noch 14 Vorlagen zu. Eine besondere Spezialität des Lockenkopfs sind seine Freistöße, wie er in der aktuellen Saison zum Beispiel schon gegen Atalanta zeigte. Den absolute Durchbruch zum Weltstar mag Diamanti aufgrund seines fortgeschrittenen Alters und der Tatsache, dass sein Vertrag bei Bologna bis 2017 datiert ist, nicht schaffen, dennoch schaut man ihm gerne beim Kicken zu.

Anderson Hernanes

Mittelfeld | 27 Jahre | Lazio S.S.

Diskutiert man über Europas besten Spielmacher, wird Lazios brasilianischen Mittelfeldspieler Hernanes nur selten erwähnt. Der Grund, warum der 27-Jährige stets unterhalb des Radars ist, ist einfach zu erkennen. Lazio spielte in den letzten Jahren zwar ab und an oben mit, hatte aber nie eine realistische Chance auf den Scudetto und zeigte auch in Europa nicht auf. Zudem sind seine acht Länderspieleinsätze für Brasilien über vier Jahre verstreut. Dennoch gilt Hernanes als einer der besten Spielermacher der Serie A und ist eine sehr wichtige Stützte beim aktuellen Tabellendritten.

Bevor er im Sommer 2010 für rund 13,5 Millionen Euro zu Lazio wechselte, holte er mit dem São Paulo FC zweimal die brasilianische Meisterschaft, wurde 2008 zum besten Spieler der Liga gewählt und war im gleichen Jahr Bestandteil des Olympia-Teams, das in Peking Bronze holte. In seiner ersten Saison bei den Römern schlug Lazios Nummer acht voll ein. In 36 Spielen traf er elfmal und bereitete zudem sechs Tore vor. Im Jahr darauf fielen seine Leistungen etwas ab (acht Tore, drei Assists), was auch damit zusammenhing, dass er vom damaligen Trainer Edoardo Reja nicht immer optimal eingesetzt wurde. Nachdem dieser im vergangenen Sommer durch Vladimir Petkovic ersetzt wurde, äußerste Hernanes den Wunsch etwas tiefer zu spielen und wurde vom Bosnier erhört.

Die Biancocelesti laufen in der aktuellen Saison mit einer 4-1-4-1-Formation auf, in der Hernanes eine der beiden Achterpositionen innehat. In diesem Grundgerüst fühlt sich O Profeta sichtlich wohl, denn ähnlich wie Chelseas Oscar ist Hernanes kein klassischer brasilianischer Zehner. Er ist disziplinierter und auch ohne Ball verantwortungsvoll. Von der Statur her ist er zwar nicht besonders kräftig, dennoch überzeugt er auch bei den Defensivstatistiken: 2,2 Tackles und 1,6 Fouls pro Spiel unterstreichen das genauso wie 1,3 Interceptions. Dabei büßt Hernanes aber nichts an seiner Offensivpower ein. In seinen bisherigen 18 Einsätzen konnte er sich bereits achtmal in die Torschützenliste eintragen, meist mit Weitschüssen oder direkt verwandelten Freistößen – Spezialitäten des „Propheten“.

Ciro Immobile

Angriff | 22 Jahre | Genoa CFC

Wenn es an Juventus‘ aktuellem Kader etwas auszusetzen gibt, dann ist dies die Besetzung des Sturms. Mit Sebastian Giovinco holte man zwar im Sommer einen wendigen Angreifer, der 26-Jährige ist aber kein Vollstrecker. Mirko Vucinic, Fabio Quagliarella, Alessandro Matri und Nicklas Bendtner genügen nicht den hohen Ansprüchen der Bianconeri. Deswegen liest man in den italienischen Gazetten immer wieder von der Rückkehr eines ehemaligen Nachwuchsspielers. Mit 18 Jahren feierte der damalige Primavera-Bomber Ciro Immobile sein Profidebüt bei der alten Dame. Es folgten die in Italien üblichen Leihen in die Serie B, doch weder bei Siena noch in Grosseto konnte er sich durchsetzen. Erst letzte Saison bei Delfino Pescara zeigte Immobile groß auf.

Die Delfini hatten zu Beginn der Saison 2011/2012 mit Zdenek Zeman gerade einen neuen Trainer vorgestellt, dessen Philosophie Immobile sehr zugutekam. Im 4-3-3 des heutigen Roma-Coachs stürmte Pescara in die Serie A. Immobile agierte dabei als Mittelstürmer und wurde unter anderem von zwei weiteren italienischen Toptalenten, Lorenzo Insigne und Marco Verratti, ergänzt. Mit 28 Saisontoren holte sich der 22-Jährige überlegen den Titel des Torschützenkönigs und wechselte im letzten Sommer zu Genoa. Dort deutet er sein großes Potenzial zwar ein ums andere Mal an, bleibt mit fünf Toren in 20 Spielen aber unter den Erwartungen.

Fairerweise muss aber auch erwähnt werden, dass Immobile bei den Rossoblu in einer wenig homogenen Mannschaft spielt und dementsprechend oft allein gelassen wird. Dementsprechend könnte das wendige Sturmtalent den abstiegsbedrohten Verein nach kurzer Zeit wieder verlassen. Eine Rückkehr zu Juventus? Durchaus möglich, Immobile selbst hat aber andere Vorstellungen: „Ich bin aus Torre Annunziata und bin schon ein Fan von Napoli seit ich ein kleines Kind bin. Das blaue Trikot zu tragen wäre ein Traum, auch weil es schön wäre wieder nach Hause zu kommen, nach den vielen Jahren, die ich weg war.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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