In dieser Rubrik gehen wir auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein und beleuchten die Hintergründe und Motive. Wieso holt eine Mannschaft diesen... Transfers erklärt: Darum wechselten Ezequiel Schelotto, Zdravko Kuzmanovic und Mateo Kovacic zu Inter Mailand

Inter MailandIn dieser Rubrik gehen wir auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein und beleuchten die Hintergründe und Motive. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen? Diese Fragen sollen beantwortet werden. In dieser Ausgabe blicken wir auf drei interessante Transfers von Inter Mailand.

Ezequiel Schelotto: von Atalanta Bergamo zu Inter Mailand

Im Jahre 2008 wechselte Ezequiel Schelotto aus der argentinischen Liga in die Serie A. Es war aber ein eher untypischer Wechsel – von Banfield zu Cesena, beides jeweils hierzulande eher unbekannte Mannschaften ohne große Stars. Passenderweise ist Schelotto auch ein eher atypischer Italiener mit argentinischen Wurzeln. Seine Stärken liegen nicht im Pass- und Kombinationsspiel, sondern in seiner Athletik. Darum lautet sein Spitzname auch „Windhund“.

Der Rechtsaußen lebt von seiner großen Ausdauer und seiner Dynamik. Gepaart mit einem athletischen Körper und einem guten Dribbling macht ihn das zu einem klassischen Flügelstürmer, falls er so weit vorne eingesetzt wird. Doch diese offensive Position entspricht nicht seiner Idealposition. Im Idealfall sollte er aus der Tiefe kommen und sowohl offensiv wie defensiv arbeiten können. Dadurch kann er die gesamte Seite abdecken und somit als Flügelverteidiger in einem 3-5-2 oder 3-4-3 agieren.

Diese Systeme werden von Inters neuem Mourinho, dem Trainertalent Andrea Stramaccioni, sehr oft genutzt, um gegen Zwei-Stürmer-Formationen vorzugehen. Hier bietet Schelotto eine offensivere Alternative zu bspw. Javier Zanetti, Fredy Guarin oder Jonathan Pereira.

Zdravko Kuzmanovic: vom VfB Stuttgart zu Inter Mailand

Der zweite Einkauf war Zdravko Kuzmanovic. Der Serbe wechselte im Jänner 2007 als 19-Jähriger zu Florenz und sammelte dort bereits Erfahrungen in der Serie A. Als wichtiger Bestandteil der Prandelli-Elf spielte er sogar in der Champions League und wechselte schließlich in die Bundesliga zum VfB Stuttgart. Absolut unumstritten war er dort allerdings nie, trotz seiner großen spielerischen Klasse. Die Ursachen dafür waren kleine Skandale außerhalb des Platzes, mangelnde Konstanz und Konzentrationsfehler.

Nun versucht der 45-fache serbische Nationalspieler sein Glück wieder in der Serie A. Bei Inter Mailand erwartet ihn eine anspruchsvolle Aufgabe. Inter agiert in dieser Saison sehr oft im 3-4-3 und 3-5-2, spielte aber auch schon im 4-3-3, 4-4-1-1 oder in einer 4-4-2-Raute. Kuzmanovic soll wohl als Sechser oder Achter eine zusätzliche Option darstellen. Man erweitert mit ihm den Kader, hat aber auch unter Umständen eine Option für die Stammelf.

Der Neuzugang ist bissig im Zweikampf, laufstark und besitzt einen guten Distanzschuss. Seine größte Stärke sind aber seine präzisen Pässe, die an guten Tagen auch über längere Entfernungen konstant ankommen und ungemein gefährlich sein können. Seit dem Abgang von Wesley Sneijder fehlt es da an Kreativität; in der Ebene dahinter war sie ohnehin inexistent. Im defensiven Mittelfeld gibt es mit Guarin, Zanetti, Cambiasso und Gargano zwar ein paar hochklassige Optionen, doch keine Spielgestalter. Cambiasso ist zwar ein Stratege, beschränkt sich aber eher auf die einfachen Möglichkeiten. Gargano ist ein sehr zweikampfstarker und defensiver Akteur, Zanetti ein Außenverteidiger und Guarin ein box-to-box-Akteur. Mit Kuzmanovic holte man sich also eine kreativere Option für die Mittelfeldzentrale.

Mateo Kovacic: von Dinamo Zagreb zu Inter Mailand

Nahtlos daran knüpft die Verpflichtung von Mateo Kovacic an. Inter mangelt es an Kreativität. Seit dem Abgang von Wesley Sneijder und auch dem Verkauf von Philippe Coutinho mehr denn je – und Antonio Cassano als hängender Stürmer ist zwar ein herausragender Kombinationsspieler, aber weder fit noch präsent genug, um durchgehend die Fäden im Offensivspiel zu ziehen. Auch Ricky Alvarez ist eher ein Dribbler und Flügelstürmer, als eine spielgestalterische Option in der Mitte. Mateo Kovacic soll diese Lücke im Spiel der Italiener stopfen.

Für eine zweistellige Millionensumme kam das kroatische Wunderkind von Serienmeister Dinamo Zagreb. Er soll Fredy Guarin aus der Mannschaft drängen. Dieser agierte nämlich einige Male als zentraloffensiver Akteur, kommt dabei aber über seine Kraft und Dynamik, anstatt über Pässe und Kreativität. Der Kroate hingegen ist einer, der sich trotz seiner nur 18 Jahre über Kreativität, Pässe und eine herausragende Entscheidungsfindung auszeichnet.

Er überrascht dabei durch seine Ruhe am Ball, die ihn pressingresistent macht und nach der bestmöglichen Lösung von komplexen Situationen suchen lässt. Damit hebt er sich bereits positiv von vielen jungen Spielern ab, die zwar durch ihre Unbekümmertheit und Dynamik Eindruck schinden, aber in späteren Jahren abfallen. Kovacic scheint da die Ausnahme von der Regel zu sein: er beeindruckt durch Stärken, die eigentlich erst älteren Akteuren zufallen.

Somit könnte er auch bei Inter eine der großen Überraschungen in den nächsten Monaten und Jahren werden. Kovacic hat alles, was man braucht – kommen Konstanz, Athletik, etwas Glück und die nötigen Einsatzzeiten hinzu, werden die Interisti viel Freude an ihm haben.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric