Der womöglich spektakulärste Transfer in diesem Sommer war der Wechsel von Luis Suarez vom Liverpool FC zum FC Barcelona. Mit herausragenden Leistungen und einer... Die möglichen Rollen des Luis Suarez beim FC Barcelona

Luis Suarez - UruguayDer womöglich spektakulärste Transfer in diesem Sommer war der Wechsel von Luis Suarez vom Liverpool FC zum FC Barcelona. Mit herausragenden Leistungen und einer unglaublichen Trefferquote (31 Toren und 21 Vorlagen in 33 Einsätzen, was einem Scorerpunkt pro 57 Minuten entspricht!) gilt Suarez endgültig als einer der besten Mittelstürmer der Welt.

Über 80 Millionen Euro ließ sich Barcelona die Dienste des Uruguayers kosten; doch wegen einer langen Sperre aufgrund eines Bisses bei der Weltmeisterschaft 2014 konnte er bislang noch in keinem Pflichtspiel auflaufen. Seine Rückkehr passt aber wie die Faust aufs Auge: Pünktlich zum El Clásico darf Suarez wieder spielen und viele gehen davon aus, dass er trotz mangelnder Spielpraxis vom Beginn an auflaufen wird. Die anderen Optionen überzeugen nämlich noch nicht komplett.

Sandro Ramirez zeigt zwar gute Leistungen, ist aber eher als dynamischer Joker von der Bank zu gebrauchen. Rafinha Alcantara ist eigentlich ein Mittelfeldspieler, der zwar situativ als Flügelstürmer oder gar als Mittelstürmer aushelfen kann, für diese Rolle aber eher suboptimal ist. Munir El Haddadi wiederum konnte zu Saisonbeginn überzeugen, dürfte aber noch zu inkonstant und zu wenig durchschlagskräftig zu sein, um sich für einen Stammplatz – oder gar eine Schlüsselposition gegen Real Madrid – anzubieten. Somit bleibt einzig Pedro übrig, der sich allerdings im Formtief befindet.

Suarez‘ Einsatz im El Clásico dürfte also wahrscheinlich sein; und selbst wenn nicht, so wird seine Integration in die Mannschaft womöglich entscheidend für den Ausgang der Meisterschaft.

Suarez als eingerückter Flügelstürmer

Wie schon im Artikel zu Luis Enriques Anpassungen erwähnt, hat sich die Rolle der Flügelstürmer in dieser Saison beim FC Barcelona verändert. Sie agieren nicht als Breitengeber und sind keine wirklichen Flügelstürmer mehr, sondern besetzen die Halbräume, positionieren sich zwischen Innen- und Außenverteidigern des Gegners und versuchen immer wieder hinter die Abwehr zu kommen. Neymar auf links probiert es auch häufig mit Dribblings, um zum Abschluss zu kommen. Der Fokus auf Superstar Lionel Messi im letzten Drittel ist dadurch geringer geworden, stattdessen konzentriert sich der Argentinier verstärkt auf den letzten Pass und seine Kreativität.

Diese Rolle als eingerückter Flügelstürmer würde offensiv wie defensiv Suarez entsprechen. Bei eigenem Ballbesitz kann er seine enorme Torgefahr und Durchschlagskraft ausspielen, sich in den engen Räumen mit seinen dynamischen Dribblings durchsetzen und für die tödlichen Pässe Messis hinter die Abwehr sprinten. Gegen den Ball spielt Barcelona ebenfalls mit sehr eng positionierten Außenstürmern, die das gegnerische Aufbauspiel auf den Flügel leiten und dann sehr intensiv verschieben müssen; Suarez‘ Bissigkeit und Schnelligkeit würden hier ebenfalls gut passen.

Suarez als breiter Flügelstürmer

Gegen kompakt verteidigende und/oder tiefstehende Mannschaften – wie man es eventuell bei Real Madrid im El Clásico erwarten könnte – wäre es auch möglich, dass die Flügelstürmer wieder breiter agieren. Sie könnten damit die Abwehr auseinanderziehen, die Außenverteidiger tiefer und sicherer spielen lassen, sowie Messi mehr Räume in der Mitte öffnen. Zusätzlich würde dies ermöglichen ins 1-gegen-1 auf den Außenbahnen zu gehen, wo sowohl Neymar als auch Suarez brillieren.

Desweiteren öffnen sie sich dadurch die Schnittstellen für diagonale Läufe hinter die Abwehr; zwar ist man dann weiter vom Tor weg, der Pass selbst wird jedoch einfacher. Eine Alternative wäre es hierbei, dass der ballferne Flügelstürmer in die Mitte rückt und der ballnahe Außenspieler ins Dribbling oder in einen Schnittstellenpass geht und danach schnelle Hereingaben zu den beiden anderen Akteuren spielt.

Suarez als Mittelstürmer

Theoretisch könnte Suarez auch zentral auflaufen. Messi agierte unter Luis Enrique schon mehrmals in einzelnen Spielphasen auf dem rechten Flügel und auch vergangene Saison unter Tata Martino wurde dies öfters genutzt. Mit Neymar und Messi auf den Flügeln hätte man zwei extrem kreative und dribbelstarke Akteure, insbesondere Messis Läufe von rechts in die Mitte sind besonders gefährlich. Suarez wäre im Zentrum nicht nur ein guter Kombinationspartner, sondern auch ein idealer Akteur zum Öffnen von Räumen oder um Lochpässe in den Strafraum zu ergattern und verwerten. Wegen Messis geringerer Defensivarbeit müsste diese Spielweise entweder asymmetrisch angelegt werden oder nur situativ genutzt werden. Ein Beispiel hierfür konnte man schon vor Jahren sehen.

Suarez in der Sanchez-Rolle

Alexis Sanchez spielt aktuell beim Arsenal FC, doch in seiner Zeit beim FC Barcelona gab er einen unorthodoxen Flügelstürmer, der sich gegen den Ball und in der Aufbauphase auf der rechten Außenbahn positionierte, im Angriffsverlauf aber immer wieder horizontale Läufe in die Mitte machte. Dies garnierte er mit vereinzelten Sprints in die Tiefe; Anspiele gab es relativ wenig, der taktische Nutzen war aber enorm groß.

Indem er sich horizontal bewegte, konnte Messis Zurückfallen als Mittelstürmer nicht nur wieder verstärkt auf den rechten Flügel erfolgen, sondern Sanchez verhinderte auch eine mannorientierte Verfolgung. Mit seinen kurzen Sprints hinter die Abwehr und zurück bot er sich nicht nur für lange Bälle hinter eine höher stehende Abwehr an, sondern drückte die gegnerische Viererkette immer wieder in die Tiefe und erzeugte Raum zwischen den Linien. Eine solche Rolle wäre auch für Suarez denkbar. Diese raumöffnende Spielweise für Messi muss aber nicht nur von der Seite aus ausgeführt werden.

Suarez als falscher Zehner

Eine letzte Möglichkeit wäre es auch, dass man in einem 4-2-3-1 spielt, in welchem Suarez hinter Messi agiert. Die beiden könnten aber flexibel die Position tauschen oder gar gemeinsam im Zwischenlinienraum in einem 4-2-4-0 agieren, um die Mitte noch stärker zu überladen. Eine solche Spielweise erscheint aber unwahrscheinlich, insbesondere wegen des Mangels an einem passenden Rechtsaußen. Theoretisch könnte hier einer der Flügelstürmer als einrückender Akteur agieren, wie es Iniesta auf links schon häufig in den letzten Jahren tat, doch unter Luis Enrique scheint dies eher unwahrscheinlich.

Fazit

In Anbetracht der Variationsmöglichkeiten mit Suarez, seiner individuellen Qualität und der nicht allzu überzeugenden Konkurrenz dürfte es durchaus wahrscheinlich sein, dass der Uruguayer im El Clásico von Beginn an auflaufen wird. Vermutlich wird es hierbei auf die bisher übliche Spielweise mit eingerückten Flügelstürmern hinauslaufen, welche wohl schon im Vorhinein auf Suarez zugeschnitten wurde.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric

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