Am 28.8 gab Japans Neo-Nationaltrainer Javier Aguirre seinen Kader für die Freundschaftsspiele gegen Uruguay und Venezuela bekannt. Hier gab es einige Veränderungen zum Kader... Nach dem WM-Debakel: Japans Neustart mit Neotrainer Javier Aguirre

Keisuke Honda - JapanAm 28.8 gab Japans Neo-Nationaltrainer Javier Aguirre seinen Kader für die Freundschaftsspiele gegen Uruguay und Venezuela bekannt. Hier gab es einige Veränderungen zum Kader für die WM 2014. Einerseits musste man verletzungsbedingt auf einige Stützen verzichten und andererseits wollte man die Mannschaft auch verjüngen und so einen Umbruch starten. Im folgenden Artikel werden die Kader- und Systemänderungen beschrieben und es wird versucht eine Prognose für die Zukunft der als „Blue Samurai“ bekannten Elf zu geben.

Kader

Tor: Eiji Kawashima (Standard Lüttich), Shusaku Nishikawa (Urawa Red Diamonds), Akihiro Hayashi (Sagan Tosu)
Verteidigung: Hiroki Mizumoto (Sanfrecce Hiroshima), Yuto Nagatomo (Inter Mailand), Masato Morishige (FC Tokyo), Maya Yoshida (FC Southampton), Hiroki Sakai (Hannover 96), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), Tatsuya Sakai (Sagan Tosu), Ken Matsubara (Albirex Niigata)
Mittelfeld: Makoto Hasebe (Eintracht Frankfurt), Hajime Hosogai (Hertha BSC), Junya Tanaka (Sporting Lissabon), Ryota Morioka (Vissel Kobe), Takahiro Ogihara (Cerezo Osaka), Gaku Shibasaki (Kashima Antlers)
Stürmer: Yuya Osako (1. FC Köln), Yoichiro Kakitani (FC Basel), Keisuke Honda (AC Mailand), Shinji Okazaki (1.FSV Mainz 05), Yusuke Minagawa (Sanfrecce Hiroshima), Yoshinori Muto (FC Tokyo)

Veränderungen seit der WM

Im Tor wurde, statt dem bisherigen dritten Torwart Shuichi Gonda, Akihiro Hayashi vom Überraschungsteam Sagan Tosu einberufen.

In der Innenverteidigung verzichtete man aus Altersgründen auf Yasuyuki Konno und Masahiko Inoha. Stattdessen wurden Hiroki Mizumoto (28) und Tatsuya Sakai (23) einberufen. Während Mizumotos Einberufung für viele Fans ein logischer Schritt war, zeigte man sich bei Sakai sehr verwundert. Der junge Innenverteidiger bestritt in dieser Saison erst 5 Ligaspiele und ist bei seinem Verein meist eher Ergänzungsspieler. Auch wenn die Innenverteidigung Japans Problemzone ist und man nur wenige Alternativen hat, hätten sich viele eher den 25-jährigen Tsukasa Shiotani gewünscht.

Auf der rechten Verteidigerposition musste man verletzungsbedingt auf Atsuto Uchida verzichten. Für ihn wurde der 21-jährige Ken Matsubara einberufen. So mancher Fan hätte statt Gotoku Sakai gerne Kosuke Ota vom FC Tokyo im Kader gesehen.

Im defensiven Mittelfeld verzichtete man aus Altersgründen auf Yasuhito Endo, sowie auf die bei der WM wenig überzeugenden Toshihiro Aoyama und Hotaru Yamaguchi. Stattdessen wurden Takahiro Ogihara (22) und Gaku Shibasaki (22) einberufen. Beide gelten als sehr talentiert und besonders Shibasakis Einberufung wurde schon länger gefordert. Ogihara hingegen ist derzeit beim krisengeschüttelten Cerezo Osaka nicht unumstritten, hat jedoch das Potential in den nächsten Jahren eine Stütze in der Nationalmannschaft zu werden.

Im offensiven Mittelfeld wurde auf Hiroshi Kiyotake und Shinji Kagawa verzichtet. Während Kiyotake in der Nationalmannschaft wegen seiner Leistungen nicht unumstritten ist, wird Kagawa höchstwahrscheinlich bei den nächsten Länderspielen wieder dabei sein. Man spekuliert, dass der Trainer ihm die Möglichkeit geben wollte, sich in der Länderspielpause bei Borussia Dortmund wieder zu akklimatisieren und durch gute Trainingseinheiten für die Startelf zu empfehlen. Hier wurden stattdessen Junya Tanaka (27) und Ryota Morioka (23) einberufen, die sich ihre Einberufung durch starke Leistungen in dieser Saison verdient haben.

Im Sturm verzichtete man auf den verletzten Manabu Saito und ersetzte ihn durch den 22-jährigen Yoshinori Muto. Er zeigte in dieser Saison konstant gute Leistungen und ist ein ähnlicher Spielertyp. Außerdem ersetzte man aus Altersgründen Yoshito Okubo durch Yusuke Minagawa (22). Obwohl er in dieser Saison einige starke Auftritte ablieferte und als junger Stürmer in der Sturmspitze eine naheliegende Option ist, hätten viele Fans mit anderen Spielertypen gerechnet. Hier fielen in den letzten Wochen oft Namen, wie Takashi Usami oder Yu Kobayashi.

Japan – Uruguay 0:2

Offiziell startete man mit einem 4-3-3, welches jedoch in dieser Form nie gespielt wurde. Die Startelf bestand aus Kawashima – H. Sakai, Yoshida, T. Sakai, Nagatomo – Morishige, Hosogai, Tanaka – Okazaki, Minagawa, Honda. Im Angriff spielte man meist ein 3-1-3-3 in dem Yoshida, T. Sakai und Morishige die Innenverteidigung bildeten, Hosogai als 6er absicherte und die Außenverteidiger zu Tanaka ins offensive Mittelfeld aufrückten. So schaffte man auf den Flügeln meist ein Überzahlspiel und konnte sich gut in den Strafraum kombinieren. In der Defensive spielte man meist ein 4-2-2-2. Hier machten Morishige und Hosogai das Zentrum dicht, wobei letzterer meist ein bisschen offensiver agierte. Tanaka und Honda übernahmen die Parts auf den Seiten und verfolgten ihre Gegenspieler teilweise bis tief in die eigene Hälfte. Okazaki und Minagawa blieben in der Spitze und versuchten durch eine Art des Mittelfeldpressings den Ball zu erobern. Hier viel besonders Okazaki durch seine Ausdauer und seinen Einsatz oft positiv auf.

Japan startete gut in die Partie, musste jedoch in der 33. Minute das erste Gegentor durch Edinson Cavani hinnehmen. Dieses resultierte aus einem katastrophalen Fehlpass des debütierenden Tatsuya Sakai. Die Japaner waren zwar spielerisch über weite Strecke überlegen, konnten jedoch kaum Chancen kreieren. Aus diesem Grund wurde in der 57. Minute Muto für den glücklosen Minagawa eingewechselt. Okazaki rückte nun in die Sturmspitze und die gelernten 10er Honda und Muto agierten auf den Seiten. Der eigentliche Stürmer Tanaka spielte weiterhin auf der 10, rückte aber oft als hängende Spitze in den Strafraum. Nun konnte man auch ein Stück weit Aguirres Spielplan erkennen. Die vier Offensivspieler hatten selten eine fixe Position sondern bewegten sich in die Freiräume. Gerade als dieses System ein Stück weit zu funktionieren schien, kam in der 70. Minute das zweite Gegentor durch Abel Hernández. Hiroki Sakai köpfte eine Flanke direkt zu einem Gegenspieler, der zwar im Abschluss an Kawashima scheiterte, so jedoch die indirekte Vorlage für Hernández gab, der nur noch einschieben musste. Nun brachte Aguirre Kakitani für Tanaka, wodurch ein ähnlicher Spielertyp das Feld betrat. Honda agierte nun eher auf der 10, und Kakitani auf der linken Flanke, wobei dies durch die hohe Rotation der Offensivspieler kaum ins Gewicht viel. Allerdings merkte man Honda an, dass er sich in der Mitte wohler fühlte und so den einen oder anderen guten Pass spielte. Gegen Ende kamen die überlegenen Japaner noch zu ein paar guten Chancen, konnten jedoch keine verwerten. In den letzten Minuten wurden noch Gotoku Sakai und Morioka für Hiroki Sakai und Morishige gebracht, wobei die Wechsel eher Symbolcharakter hatte.

Japan – Venezuela 2:2

Man startete die Partie mit der gleichen Spielanlage und ähnlichen Bewegungsmustern, was daraufhin deutet, dass dieses System die Zukunft des japanischen Nationalteams darstellt. Allerdings war die Startelf angepasst. Statt dem schwachen Tatsuya Sakai begann Hiroki Mizumoto in der Innenverteidigung. Auf der rechten Verteidigerposition wurde Hiroki Sakai durch Gotoku Sakai ersetzt und statt Tanaka begann Shibasaki im Mittelfeld, wobei er tiefer agierte und mit Hosogai eine Doppel-8 bildete. Das offensive Dreiergespann wurde von Okazaki-Minagawa-Honda zu Honda-Osako-Kakitani verändert.

Die erste Hälfte verlief relativ ereignislos. Japan hatte mehr Ballbesitz, konnte jedoch nur eine große Chance herausspielen, welche Kakitani vergab. Venezuela hingegen konnte immer wieder durch Patzer im Spielaufbau der Japaner gefährlich werden, ohne viel für das Spiel zu tun. Um die Offensive anzukurbeln kam in der Halbzeit Muto für Kakitani und Okazaki für Osako. Aguirres Rezept ging auf und das Spiel nahm Fahrt auf. Schon in der 51. Minute spiegelte sich der Wechsel auch im Spielstand wieder, als Yoshinori Muto nach einem schönen Solo zum 1:0 traf. Japan spielte weiter auf Offensive und wurde nur 6 Minuten später eiskalt ausgekontert. Mizumoto wusste sich nicht anders, als mit einem Foul im Strafraum, zu helfen und Mario Rondón verwandelte den fälligen Elfmeter zum 1:1. Nach einer kurzen Schwächephase erholte sich Japan wieder und zeigte weiter einen schönen Offensivfußball, der in der 67. Minute auch zum 2:1 führte. Okazaki setzte sich auf der rechten Seite gut durch und Flanke in den Rückraum, wo Gaku Shibasaki völlig freistehend verwandelte. Nur 4 Minuten später gelang Venezuela abermals der Ausgleich. Gabriel Cichero probierte es mit einem Distanzschuss, der Kawashima fatalerweise durch die Hände rutschte und so den Gleichstand wieder herstellte. In weiterer Folge versuchte Aguirre seine Mannschaft noch Offensiver zu machen und brachte Tanaka für Hosogai. Beide Mannschaften hatten noch ein paar gute Chancen und besonders Kawashima zeigte weitere Unsicherheiten, doch am Ende blieb es bei einem 2:2.

Fazit

Im Tor zeigte Kawashima wieder einmal, dass er durch seine Patzer nur bedingt als sichere Nummer 1 zu gebrauchen ist. Doch derzeit gibt es niemanden, der sich derart aufdrängt, dass man ihn in Testspielen ausprobieren könnte. In der Innenverteidigung scheint Yoshida gesetzt. Für die Position neben ihm konnte sich keiner wirklich empfehlen. Tatsuya Sakai zeigte zwar eine gute Spieleröffnung, war aber defensiv unsicher. Mizumoto hingegen spielte, bis auf die Situation, die zum Elferfoul führte, unauffällig und solide. Auf der rechten Verteidigerseite wird vermutlich Uchida nach überstandener Verletzung gesetzt sein, wobei Hiroki Sakai als Backup durchaus Druck auf seinen Konkurrenten ausüben kann. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Nagatomo gesetzt. Höchst wahrscheinlich wird Gotoku Sakai durch seine Flexibilität als vierter Außenverteidiger im Kader bleiben, obwohl seine Leistung gegen Venezuela wieder einmal eine Variation zwischen Genie und Wahnsinn war und man sich als Fan vor jeder Situation fürchtet, in der er an den Ball kommt. Matsubara wird vermutlich nach Uchidas Genesung aus dem Kader fallen.

Im Mittelfeld ist Morishige gesetzt, da er einer der wichtigsten Spieler dieses Systems ist. Auch Hosogai dürfte eine relativ wichtige Rolle einnehmen. Beide zeigten in beiden Spielen eine taktisch beinahe fehlerfreie Leistung und konnten sich so für weitere Einsätze empfehlen. Auch Shibasaki könnte in Zukunft öfter dabei sein, da er das Spiel an sich Riss und mit seiner Übersicht den Ball gut verteilte. Weiters zeigte Tanaka ansprechende Leistungen und dürfte für Spiele, in denen man sehr Offensiv Auftritt, der richtige Mann zu sein. Hasebe stand zwar als ehemaliger Kapitän im Kader und ist wichtig für die Teamhierarchie, allerdings passt er nicht in das Spielkonzept Aguirres und wird vermutlich auch in Zukunft weniger Einsätze bekommen. Morioka und Ogihara wurden kaum bis gar nicht eingesetzt und besonders für Morioka scheint die Konkurrenz auf der 10er Position zu groß zu sein. Für die diese Position stehen mit Kagawa und Kiyotake zwei weitere Spieler in der näheren Auswahl die mit ziemlicher Sicherheit in Zukunft seinen Platz einnehmen werden.

In der Offensive sind der neue Kapitän Honda, sowie Okazaki und mit Abstrichen auch Kakitani gesetzt. Muto konnte sich durch gute Leistungen empfehlen, während Osako und Minagawa eher unglücklich agierten. Hier wird es Spannend welche weiteren Alternativen getestet werden, da sich mit Haraguchi, Kobayashi, Usami, Minamino, Kudo, Kubo und Saito weitere talentierte Spieler aufdrängen. Sollte man einen routinierten Knipser brauchen, kommen auch noch Toyoda oder Okubo in Frage.

Allgemein zeigte Japan eine gute Leistung und wird in Zukunft sehr ballbesitzorientiert agieren. Leider zeigte man wieder zwei altbekannte Schwächen. Einerseits schafft man es oft nicht, aus der Feldüberlegenheit Torchancen zu kreieren, beziehungsweise sie zu verwerten, und andererseits ist man in der Defensive durch große Patzer weiterhin sehr anfällig. Sollte man diese Schwächen abstellen, kann hier durchaus ein zukünftiges Topteam zusammenwachsen. Den nächsten Entwicklungsschritt dazu, kann man möglicherweise schon in den nächsten Spielen, Anfang Oktober, gegen Jamaika und Brasilien sehen.

Andreas Mejavsek, abseits.at

Andreas Mejavsek

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