Im vierten Teil dieser Serie richten wir unsere Augen auf den ehemaligen Fußballprofi Nii Lamptay, der so wie die bisherigen Protagonisten dieser Reihe in... Ungewöhnliche Karrieren (4) – Nii Lamptey

Im vierten Teil dieser Serie richten wir unsere Augen auf den ehemaligen Fußballprofi Nii Lamptay, der so wie die bisherigen Protagonisten dieser Reihe in seiner Jugendzeit als Wunderkind galt, es jedoch leider nie ganz nach oben schaffte.

Während die Helden aus den ersten drei Teilen dieser Serie (Jovan Kirovski, Cherno Samba und Sonny Pike) alles in allem eine behütete Kindheit erleben durften, musste der 1974 in Ghana geborene Nii Lamptay in seiner Jugend viel durchmachen. Sein Vater war starker Alkoholiker und schlug seinen Sohn in regelmäßigen Abständen. Schon als kleiner Bub kam Nii Lamptay oftmals nicht nach Hause, sondern übernachtete auf der Straße, wo er auch tagtäglich mit seinen Freunden Fußball spielte. Seine Schulleistungen waren aufgrund der Probleme im Elternhaus schwach, sodass der Fußball immer mehr zum einzigen Lichtblick für den Jungen wurde. Sein Vater ließ es sich übrigens nicht nehmen Fußballspiele seines Sohns von der Seitenlinie aus zu beobachten, wobei er ihn nicht anfeuerte, sondern in vehement beschimpfte und beleidigte.

Von der Straße ins Fußballcamp

Seine Mutter ließ sich von seinem Vater scheiden, suchte sich jedoch wieder einen Tyrannen als neuen Lebenspartner aus. Sein neuer Stiefvater warf den Jungen im Alter von acht Jahren aus dem Haus und Lamptay fand Zuflucht in einem Fußballcamp, wo er nicht nur trainieren, sondern auch schlafen durfte. Erst als er später in diverse Nachwuchs-Nationalmannschaften einberufen wurde, suchte sein leiblicher Vater wieder den Kontakt zu ihm. Die beiden versöhnten sich, doch der Alkohol forderte seinen Tribut und Nii Lamptay verlor seinen Vater zum zweiten Mal.

Bereits mit 15 Jahren Debüt in Europa

In einer Nacht- und Nebelaktion wurde Lamptey nach Europa gebracht, wo er bei RSC Anderlecht unterschrieb. Der belgische Verband lockerte extra für ihn die Altersbestimmungen, sodass auch ein 16-Jähriger bei den Profis mitspielen durfte. Kurz nach seinem Engagement gewann er die U17-Weltmeisterschaft und wurde zum besten Spieler des Turniers ausgezeichnet. Die Fußballlegende Pele sagte dem Jungen, dass er in seine Fußstapfen treten würde, was Lamptay einerseits zwar als große Ehre empfand, andererseits aber auch als immense Belastung.

Er beschwerte sich später, dass er immer mit den größten Legenden der Welt verglichen werden würde. Nur gut zu sein reichte nie aus, alle erwarteten absolute Weltklasseleistungen. Er führte dies als einen wichtigen Grund an, weshalb seine Karriere nicht so verlief, wie er es sich vorstellte

Glücklich in den Niederlanden

Lamptay fühlte sich als offensiver Mittelfeldspieler am wohlsten, konnte aber auch ganz vorne im Angriff zum Zug kommen. Beim RSC Anderlecht wurde er den hohen Erwartungen halbwegs gerecht und erzielte in einem Zeitraum von zwei Jahren in 30 Spielen neun Treffer. Sein Berater wollte jedoch, dass er möglichst schnell zu einem absoluten Spitzenverein kommt und arrangierte 1993 einen Deal mit PSV Eindhoven. Auch dort glänzte der offensive Mittelfeldspieler und schoss zehn Treffer in 22 Spielen. Mittlerweile war er ein Fixbestandteil der ghanaischen Nationalmannschaft, für die er insgesamt acht Tore in 38 Partien schießen sollte.

..unglücklich in England

Gerade als er sich in den Niederlanden einleben konnte hatte sein Berater schon wieder einen neuen Deal eingefädelt. Lamptay wechselte zu Aston Villa, obwohl sich sein Schützling in Eindhoven wohl fühlte und zum Publikumsliebling avancierte. PSV Eindhoven war zu dieser Zeit zudem stärker als der englische Verein und Lamptay wollte den Klub nicht verlassen. Sein italienischer Spielerberater hatte den Vertrag jedoch so aufgesetzt, dass der Spieler bei Transfers kein Mitspracherecht hatte. Er bekam 25% der Transfersumme und dachte nur an sein eigenes finanzielles Wohlergehen.. Lamptay sagte, dass er als 16-Jähriger noch zu naiv war, als er den Vertrag unterschrieb. In diesem jungen Alter kann man ihm das kaum zum Vorwurf machen. Lamptay fühlte sich von seinem Berater hintergangen und war extrem unglücklich, dass er PSV Eindhoven verlassen musste. Er verließ den Klub oft, um mit der Nationalmannschaft zu spielen und es gelang ihm nicht sich dauerhaft durchzusetzen.

Keine nennenswerten Erfolge mehr

Es folgte eine Abwärtsspirale, die ihn zunächst über Coventry City zum FBC Unione Venedig führte. Nachdem er sich bei beiden Vereinen nicht durchsetzen konnte, wechselte er den Kontinent und spielte für den argentinischen Verein Unión de Santa Fe. Es folgte ein Gastspiel bei Ankaragücü in der Türkei, wo er allerdings auch nur ein Jahr blieb. Danach wechselte er zu União Desportiva de Leiria nach Portugal. Halbwegs wohl fühlte er sich bei der SpVgg Greuther Fürth, für die er zwischen 1999 und 2001 spielte und in 36 Spielen fünf Treffer erzielte. Danach verschlug es ihn nach China (Shandong Luneng Taishan), Saudi-Arabien (Al-Nasr), Ghana (Asante Kotoko) und Südafrika (Jomo Cosmos). 2008 beendete er endgültig seine aktive Karriere. Im Moment arbeitet er als Co-Trainer bei Sekondi Eleven Wise in Ghana.

Fazit

Ähnlich wie bei Cherno Samba muss man in erster Linie seinem Spielerberater die Schuld dafür geben, dass aus dem talentierten Fußballer kein Weltstar wurde. Wenn Lamptay weiterhin für PSV Eindhoven hätte spielen können, hätte seine Karriere wohl einen ganz anderen Verlauf genommen und auch sein Berater hätte langfristig mehr Geld mit seinem Schützling gemacht. Daneben machte der Ghanaer auch den großen Druck und die häufigen Länderspieleinsätze in Afrika dafür verantwortlich, dass ihm der Durchbruch nie richtig gelang. Entscheidend war jedoch, dass er aus einer Umgebung gerissen wurde, in der er sich zum ersten Mal seit langem wohl und heimisch fühlte. Wir wünschen dem ehemaligen Wunderkind jedenfalls eine erfolgreiche Karriere als Trainer.

Stefan Karger

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