Wie der europäische Fußballverband UEFA bekanntgab, werden an 23 Europacupteilnehmer vorerst keine Prämien ausgeschüttet, da sie Gläubigern noch Geld schulden. Bei den betroffenen Vereinen... Financial Fairplay: Die UEFA hält Prämien zurück

Wie der europäische Fußballverband UEFA bekanntgab, werden an 23 Europacupteilnehmer vorerst keine Prämien ausgeschüttet, da sie Gläubigern noch Geld schulden. Bei den betroffenen Vereinen handelt es sich in erster Linie um südeuropäische Clubs, darunter auch einige durchaus prominente Namen.

Financial Fairplay ist seit geraumer Zeit in aller Munde. Mit diesem Instrument will die UEFA verhindern, dass die Vereine enorme Schulden anhäufen und der Wettbewerb dadurch verzerrt wird. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die Clubs dürfen über einen Zeitraum von drei Jahren nicht mehr Geld ausgeben als sie einnehmen, ansonsten müssen sie mit Sanktionen rechnen. Diese Regelung tritt jedoch erst ab 2015 in Kraft, bereits heute bestraft die UEFA aber säumige Schuldner, die ihre Rechnungen nicht begleichen können – sei es bei Spielern, anderen Vereinen, Steuerbehörden oder der Sozialversicherung.

Bereits im Sommer war Beşiktaş Istanbul aus der Europa League ausgeschlossen worden, da man sich bei der Begleichung von Spielerlöhnen als äußerst säumig erwiesen hatte. Der türkische Verein berief gegen das Urteil beim Internationalen Sportsgerichtshof CAS, wo die Klage jedoch abgewiesen wurde. Auch AEK Athen war vor der Saison aus dem Europacup verbannt worden, da die Griechen Schulden in Höhe von rund 35 Millionen Euro angehäuft hatten – 23 Millionen davon beim Staat.

23 Vereine betroffen

Nun gab die UEFA bekannt, dass die Spielprämien von 23 Europacupteilnehmern der laufenden Saison vorerst einbehalten und nicht ausbezahlt werden. Die Untersuchungskammer der UEFA-Finanzkontrollkammer für Klubs ordnete dies an und verwies darauf, dass nun weitere Ermittlungen angestellt werden müssen.

Die Vereine verpflichteten sich im Zuge des Financial Fairplay dazu, der UEFA bis zum 30. Juni 2012 Informationen über etwaige finanzielle Verbindlichkeiten zukommen zu lassen. Im August stellte die Untersuchungskammer jedoch fest, dass in 23 Fällen überfällige Verbindlichkeiten gegenüber anderen Klubs und/oder Arbeitnehmern und/oder Sozialversicherungsinstitutionen beziehungsweise Steuerbehörden in beträchtlicher Höhe bestanden.

Die betroffenen Vereine, die nun bis zum 30. September dieses Jahres Zeit haben, einen aktualisierten Finanzbericht an die UEFA zu übermitteln, stammen vorwiegend aus dem südeuropäischen Raum. Ihnen wurden vorerst die Teilnahmeprämien an den UEFA-Bewerben vorenthalten, was sich von 90.000 Euro für das Erreichen der nächsten Qualifikationsrunde in der Europa League bis zu mehreren Millionen für die Teilnahme an der Champions League erstreckt.

Prominente Namen

Die prominentesten betroffenen Vereine sind Europa-League-Sieger Atlético Madrid, Sporting sowie Malaga, das bereits in den letzten Wochen für zahlreiche Schlagzeilen sorgte. Der spanische Verein war erst vor zwei Jahren von einem Geldgeber aus dem arabischen Raum übernommen worden, der aber rasch die Lust wieder verlor und die Zahlungen einstellte. Aus diesem Grunde mussten zahlreiche neu erworbene Stars wie etwa Santi Cazorla veräußert werden, doch auch bei anderen Vereinen wurden Schulden angehäuft. Malaga schaffte zwar den Sprung in die Champions League, muss nun jedoch zumindest vorerst auf den ersehnten Geldregen aus der Königsliga warten.

Ebenfalls betroffen sind die serbischen Vereine Partizan Belgrad und Vojvodina Novi Sad, das gegen Rapid den Kürzeren zog. In Kroatien traf es Hajduk Split und Osijek, in der Türkei Fenerbahçe sowie Atdhe Nuhius neuen Verein Eskişehirspor.

Auf der von der UEFA veröffentlichten Liste befinden sich des Weiteren mit Rapid Bukarest, Dinamo Bukarest und Vaslui auch drei rumänische Spitzenvereine, etwas überraschend taucht hingegen der Name von Rubin Kasan auf, konnte man doch eigentlich davon ausgehen, dass russische Vereine bar jeder finanzieller Sorgen sind.

Vasluis Präsident Adrian Porumboiu wollte in einer ersten Stellungnahme nichts von Verfehlungen seines Vereins wissen. „Ich dachte, bei der UEFA arbeiten seriöse Leute, aber da bin wohl falsch gelegen“, zeigte sich der Funktionär irritiert. Seiner Auskunft nach würden in Rumänien die steuerrechtlichen Verpflichtungen bis zum 5. Juli gelten und nach dieser Frist die Daten auch an den europäischen Fußballverband übermittelt, der diese jedoch nicht berücksichtigte.

Die von der UEFA getroffenen Maßnahmen bleiben so lange in Kraft, bis alle Verbindlichkeiten vollständig beglichen wurden beziehungsweise die rechtssprechende Kammer der UEFA einen endgültigen Entscheid getroffen hat.

OoK_PS, abseits.at