Der Name Hakeem al-Araibi war bis vor kurzem nur wenigen Fußballfans ein Begriff, denn der ehemalige Nationalspieler Bahrains stand zuletzt beim Pascoe Vale FC... Albtraum statt Flitterwochen: Das Drama um Fußballspieler Hakeem al-Araibi

Der Name Hakeem al-Araibi war bis vor kurzem nur wenigen Fußballfans ein Begriff, denn der ehemalige Nationalspieler Bahrains stand zuletzt beim Pascoe Vale FC in der zweithöchsten Spielklasse Australiens unter Vertrag. Nun wurde Hakeem zum tragischen Hauptdarsteller eines politischen Dramas.

Anfang 2011 erlebte das Königreich Bahrain im Rahmen des Arabischen Frühlings eine Protestwelle, da die Bevölkerung unter anderem einen Regierungswechsel und das Ende der Menschenrechtsverletzungen einforderte. Eine internationale Untersuchungskommission hielt später in einem umfassenden Bericht fest, dass die bahrainischen Behörden unverhältnismäßige Gewalt gegen die Bevölkerung anwandte und Demonstranten willkürlich verhaften und foltern ließ.

Folter trotz perfektem Alibi

Im Jahr 2012 wurde auch Nationalspieler Hakeem al-Araibi für drei Monate eingesperrt. Ihm wurde vorgeworfen während der Proteste eine Polizeistation verwüstet zu haben. Dass der regierungskritische Fußballer das beste Alibi der Welt hatte, war den Behörden dabei völlig egal. Zum fragwürdigen Zeitpunkt war Hakeem al-Araibi nämlich live im TV zu sehen – nicht wie er in einem Wachzimmer randalierte, sondern wie er seinem Beruf als Fußballer nachging. Dennoch wurde die Untersuchungshaft verlängert und Hakeem al-Araibi wurde stundenlang gefoltert.

Er kam während des Gerichtsverfahrens auf freiem Fuß und setzte sich nach einem Auswärtsspiel über den Iran, Malaysia und Thailand nach Australien ab, wo er 2014 um politisches Asyl ansuchte. 2017 wurde er als Flüchtling in seiner neuen Heimat offiziell anerkannt. Hakeem al-Araibi spielte zu diesem Zeitpunkt bereits in der zweiten australischen Liga und heiratete seine Langzeitfreundin, mit der er seit seinem 17. Lebensjahr zusammen war. Inzwischen wurde er in Bahrain in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt – eine Strafe die unter anderem von Amnesty International scharf kritisiert wurde.

Neues Leben in Australien

Hakeem und seine Frau heirateten und beschlossen die Flitterwochen in Thailand verbringen. Der Fußballer erkundigte sich bei den australischen Behörden, ob er diese Reise risikolos antreten kann und bekam grünes Licht. Es wurde ihm versichert, dass er weltweit problemlos reisen kann, solange er nicht Bahrain besucht. Als seine Schwester ihn warnte versicherte Hakeem ihr, dass er nun unter dem Schutz des australischen Staates stehen würde und ihm nichts geschehen könne.

Der Albtraum beginnt

Am 27. November wurde Hakeem bei der Einreise in Bangkok festgenommen, da eine sogenannte „Interpol Red Notice“ anschlug. Eine „Red Notice“ ähnelt einem internationalen Haftbefehl, weshalb das Paar vorübergehend festgehalten wurde.

Interpol zog die Red Notice am 4. Dezember zurück, da sie ungerechtfertigter Weise zur Anwendung kam. Diese gilt nämlich ausdrücklich nicht für Flüchtlinge und Menschen die Asyl suchen und kam aufgrund eines Irrtums fehlerhaft zur Anwendung! Thailand war dies jedoch egal, da das Land einerseits nicht die Genfer Flüchtlingskonvention unterschrieb und andererseits sehr enge wirtschaftlichen Beziehungen mit Bahrain unterhält.

Spielball der Politik

Gestern ließ die thailändische Staatsanwaltschaft verlautbaren, dass Bahrain ein legitimes strafrechtliches Interesse an der Auslieferung des Fußballers nachweisen konnte. Der Richter setzte eine neue Anhörung an und beschloss, dass Hakeem in Untersuchungshaft bleiben muss. Dieser flehte zuvor noch das Gericht an ihn nicht nach Bahrain auszuliefern, da dort die Folter auf ihn warten würde. Der Fußballer ist sich gewiss, dass es sich um einen Racheakt Bahrains handeln würde, da er im Jahr 2016 in den Medien über die Menschenrechtsverletzungen in seiner alten Heimat sprach und darüber berichtete, dass unter Salman bin Ibrahim Al Chalifa systematisch schiitische Moslems diskriminiert werden. Scheich Salman ist Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees, Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation und war bis Mitte 2013 auch Präsident des bahrainischen Fußballverbands.

Während Bahrain weiter Druck auf Thailand ausübt schaltet sich auf der Gegenseite Australien ein und fordert, dass der Fußballer freigelassen wird. Auch die FIFA meldete sich aus Zürich mit einem Brief an den thailändischen Premierminister. Vom asiatischen Fußballverband hört man jedoch nichts – kein Wunder, hat doch der Präsident ein persönliches Interesse daran, dass diese traurige Geschichte kein Happy End hat für Hakeem hat.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

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