Im Dezember wird der FC Liverpool als amtierender Champions-League-Sieger bei der Club-WM in Katar antreten. Einquartiert sollten die Reds dabei im luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel Marsa... „De facto Sklavenarbeit“: Liverpool lehnt Luxushotel in Katar ab

Im Dezember wird der FC Liverpool als amtierender Champions-League-Sieger bei der Club-WM in Katar antreten. Einquartiert sollten die Reds dabei im luxuriösen Fünf-Sterne-Hotel Marsa Malaz Kempinski auf der künstlich geschaffenen Insel Pearl-Qatar werden. Aber der Verein lehnte ab.

Der Grund dafür ist einer, an dem sich viele andere Klubs ein Beispiel nehmen können: Wie Untersuchungen ergaben wurden die Arbeiter, die sowohl die künstliche Insel, als auch das Hotel schufen, unter sklavenähnlichen Bedingungen ausgebeutet. Die Arbeiter, die in ärmeren, zumeist asiatischen Ländern angeworben werden, mussten regelmäßige 12-Stunden-Schichten einlegen, waren dabei zumeist Temperaturen um 45°C ausgesetzt und kassierten pro Tag nicht einmal zehn Euro Lohn.

Wichtiges Zeichen vor „Katar 2022“

Damit setzt der FC Liverpool nicht nur unmittelbar ein Zeichen, sondern könnte auch eine neue Diskussion und um die Weltmeisterschaft 2022 lostreten. Im Zuge der Bauarbeiten für das größte Sportereignis der Welt, das 2022 erstmalig im Winter stattfinden wird, während die Arbeiter auch in den Sommermonaten Stadien und Infrastruktur aus dem Boden stampfen mussten, sollen bereits tausende Gastarbeiter aufgrund der unmenschlichen Belastungen verstorben sein.

Menschliches Liverpool

Liverpool nimmt speziell unter dem gesellschaftspolitisch sehr klar positionierten Jürgen Klopp eine Vorreiterrolle ein, was humanitäre Themen betrifft. Erst vor kurzem äußerte sich Superstar Sadio Mané kritisch gegenüber Sportlern, die sich regelmäßig teure Uhren und schnelle Autos kaufen und erklärte, dass er einen beträchtlichen Teil seines Liverpool-Gehalts an arme Familien in seiner senegalesischen Heimat spendet. Mané wuchs in einfachen Verhältnissen auf und war bereits im Kindesalter zur Feldarbeit eingesetzt worden.

Wer folgt dem Beispiel?

Nun muss man als neutraler Fußballbeobachter hoffen, dass möglichst viele Vereine, Menschen und Institutionen dem Liverpooler Beispiel folgen und die Begleitumstände rund um die kommenden, sehr fragwürdigen Sportereignisse in Katar boykottieren oder zumindest ernsthaft und öffentlich in Frage stellen. Wie die zwielichtige FIFA es schon vor einigen Jahren selbst formulierte, einfach „For The Good Of The Game“…

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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