Der Österreichische Fußballbund besetzt eine weitere wichtige Position im Nachwuchsbereich neu: Nachfolger von Andreas Herzog als U21-Teamchef ist der ehemalige Kapfenberg-Coach Werner Gregoritsch. Eine... Pfosten der Woche (KW 03) – ÖFB

Der Österreichische Fußballbund besetzt eine weitere wichtige Position im Nachwuchsbereich neu: Nachfolger von Andreas Herzog als U21-Teamchef ist der ehemalige Kapfenberg-Coach Werner Gregoritsch. Eine skurrile Wahl, hat sich der Steirer doch vor einigen Monaten nicht unbedingt als Freund Marcel Kollers und tiefgreifender Reformen rund um das Nationalteam hervorgetan.

Wer nach der leidigen Debatte rund um die Teamchefbestellung und die Verhaberung im österreichischen Fußball an ein reinigendes Gewitter geglaubt und die Reformbestrebungen des ÖFB ernstgenommen hat, wurde nach der Weiterbeschäftigung von Manfred Zsak als neuem U18-Trainer nun erneut eines Besseren belehrt: Werner Gregoritsch wird zumindestens bis Ende 2014 das U21-Nationalteam betreuen. Verhandelt wurde ausschließlich mit ihm; andere Kandidaten standen zwar ebenfalls auf der Shortlist, wurden aufgrund der raschen Einigung mit Gregoritsch aber gar nicht erst zu Gesprächen eingeladen.

Laut Medienberichten war Gregoritsch Wunschkandidat der Landesverbandspräsidenten, von denen einige – ebenso wie der neue U21-Teamchef – Gegner der Bestellung Marcel Kollers waren: erst kürzlich hatte TFV-Präsident Josef Geisler diesbezüglich und quasi stellvertretend für einige seiner Kollegen verbale Attacken gegen ÖFB-Präsident Windtner geritten. Mit Gregoritsch haben die Landesfürsten jetzt einen Kandidaten für die U21 durchgesetzt, der als Stachel im Fleisch des ÖFB und Rute im Fenster des Neo-Teamchefs zugleich fungieren könnte – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Gregoritsch selbst ließ im Rahmen eines Interviews mit sportnet.at keine Zweifel offen, was er von Sportdirektor Ruttensteiners vollmundig angekündigtem Konzept der Durchgängigkeit von Taktik und Spielphilosophie in allen ÖFB-Nachwuchsmannschaften hält. Auf die Frage, welchen Einfluss die taktische und formationstechnische Auslegung Marcel Kollers beim A-Team auf sein U21-Team hat, antwortet er:

„Überhaupt keinen. Meine Aufgabe ist es, die Spieler so vorzubereiten, damit sie für das A-Team interessant werden. Im Endeffekt redet mir aber niemand rein, weder in Sachen Ausbildung noch Philosophie.”

Bedürfte es noch eines Beweises für Gregoritsch‘ Betonschädel, wäre er hiermit erbracht. Jener moderne, aber durch seine Trainerlaufbahn leider verhinderte Pädagoge, der lieber als “Macho” denn als “Schwuler”   beschimpft werden möchte (auch wenn “dann wieder Mails von der Schwulen-Kommission kommen”),  Hausarbeit als reine Frauensache ansieht (“Ich wäre nicht 20 Jahre verheiratet, wenn meine Frau die Aufteilung zu Hause nicht akzeptieren würde”) und sich nicht mit den Reformideen des ÖFB identifiziert, soll also künftig die Besten unter Österreichs Jungfußballern auf das A-Team und nach Kräften auch auf das Leben vorbereiten.

Der ÖFB ist auf einem guten Weg, die vorsichtigen Bestrebungen zum Aufbrechen überkommener Strukturen und Besetzungsmechanismen schon bald vollständig im Keim zu ersticken. Aber möglicherweise liegen die Kritiker auch völlig daneben und Gregoritsch hilft mit, im Verband kräftig aufzuräumen. Oder wenigstens seine Frau.

(Lichtgestalt)

Lichtgestalt

  • Gast

    24.Januar.2012 #1 Author

    sehr gutes kommentar. der öfb befand sich nach der nominierung von koller (von außen betrachtet natürlich) auf so einem guten weg. wie man auf die idee kommt, einen homophoben und sexistischen typen wie gregoritsch, der über das pädagogische gespür eines trampeltiers zu verfügen scheint, auf den wichtigsten jugendtrainerposten österreichs zu setzten bleibt mir schleierhaft.

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