Heimlich, still und leise hat sich Sami Khedira vom Wasserträger von Bastian Schweinsteiger zum Mitdirigenten des deutschen Mittelfelds gemausert. Durch seine Erfahrungen bei Real... Deutschlands heimlicher EM-Star: Sami Khedira

Heimlich, still und leise hat sich Sami Khedira vom Wasserträger von Bastian Schweinsteiger zum Mitdirigenten des deutschen Mittelfelds gemausert. Durch seine Erfahrungen bei Real Madrid hat der Ex-Stuttgarter sein Spiel auf ein neues Level gehoben und hat sich vom Mit- zum Führungsspieler entwickelt. Eine Entwicklung, die ihm nicht von jedem zugetraut wurde.

Aus der Jugend in die Startelf – Khediras Zeit beim VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart verfügt über eine der besten Jugendabteilungen in ganz Deutschland. Diese Tatsache ist hinlänglich bekannt. Immer wieder bringt sie Spieler der Kategorie eines Mario Gomez oder Serdar Tasci hervor. Auch  Khedira ist ein „Kind“ dieser Schule. Der gebürtige Stuttgarter mit tunesischem Vater spielte seit seinem achten Lebensjahr für die Schwaben und wurde mit der A-und B-Jugend deutscher Meister. Im Finale der A-Jugendmeisterschaft fehlte er aber, da er sich zuvor am Meniskus operieren lassen musste. Als Giovanni Trapattoni, damaliger Trainer der Profimannschaft, auf den talentierten Mittelfeldspieler aufmerksam wurde und ihn bei der ersten Mannschaft mit trainieren ließ, kamen die Beschwerden im Knie zurück. Einige Ärzte rieten ihm, mit dem Fußball aufzuhören. Doch Khedira wollte dieses Schicksal so nicht hinnehmen. Dank der Hilfe von DFB-Arzt Dr. Müller-Wohlfahrt konnte die Verletzung behandelt und überwunden werden.

Aufgrund starker Leistungen in der zweiten Mannschaft debütierte Khedira als 19-jähriger unter Trainer Armin Veh am 01.10.2006 beim 2:2 gegen die Hertha. Der Deutsch-Tunesier wurde aber erst in der Nachspielzeit eingewechselt. Jedoch kam er die Woche darauf wieder zum Einsatz und setzte sich sogar in der Stammelf fest. Gegen Schalke gelangen dem defensiven Mittelfeldspieler drei Wochen später seine ersten beiden Bundesliga-Tore. Mit Khedira in der Startelf spielte der VfB eine überragende Rückrunde. Mit zum Schluss acht Siegen aus den letzten acht Spielen, konnten die Schwaben Schalke noch abfangen und krönten sich, dank des entscheidenden Kopfballtores des Youngsters am letzten Spieltag beim 2:1 gegen Energie Cottbus, zum deutschen Meister.

In den nächsten Jahren avancierte Khedira neben Mario Gomez zu dem Gesicht des VfB Stuttgart. Nach dem Gewinn der U21-Europameisterschaft 2009, debütierte er am 05.09. desselben Jahres gegen Südafrika in der A-Nationalmannschaft. Beim VfB wurde er zeitgleich zum Kapitän befördert und so folgerichtig von Joachim Löw für die Weltmeisterschaft 2010 nominiert.

Starke WM und Wechsel zu Real Madrid

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Michael Ballack für das gesamte Turnier, war ziemlich schnell klar, dass nur Sami Khedira als Ersatz in Frage kommt. Trotz Zweifel  in der Öffentlichkeit an der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Nationalmannschaft ohne ihren „Capitano“ und damit auch an den Fähigkeiten Khediras, überzeugte die DFB-Auswahl in Südafrika mit tollem Fußball, der nur auf der Basis der Kompaktheit und Zweikampfstärke des Mittelfeld-Duos Schweinsteiger/Khedira auf diese Art gespielt werden konnte. Auch aufgrund der Leistungen des Stuttgarters war nach der WM klar, dass Ballack keine Zukunft mehr in der Nationalmannschaft haben wird.

Die starke Vorstellung des Mittelfeldspielers hatte aber nicht nur Folgen für andere: Jose Mourinho wollte den neuen deutschen Star unbedingt zu Real Madrid holen, da er dessen großes Talent erkannte. Khedira wagte den mutigen Schritt aus dem gemachten Nest Stuttgart und wechselte zum spanischen Nobelclub. Dieser Wechsel rief mal wieder viele Zweifler an Khediras Klasse auf den Plan, die sogar teilweise vor Spott und Häme nicht Halt machten. Unter dem Motto: „Was will dieser biedere Spieler bei einem Verein voller Fußballkünstler?“. Der Ex-Stuttgarter antwortete auf seine Weise: Er wurde schnell zum unumstrittenen Stammspieler!

Khedira vor und während der EM

Obwohl Khedira nun Stammspieler bei einem der größten Verein der Welt war, konnte er die deutsche Öffentlichkeit immer noch nicht komplett auf seine Seite bringen. Als er 2011 für längere Zeit ausfiel, wurde öfters die Frage diskutiert, ob die Nationalmannschaft ohne Khedira und mit zum Beispiel Toni Kroos nicht viel stärker sei? Vor allem nach dem missglückten Testspiel gegen die Schweiz zweifelten die Medien an den technischen Fähigkeiten des Mittelfeldspielers und stellten ihn zwischen den Zeilen als „Rumpelfußballer“ hin. Doch Bundestrainer Löw hatte nie Zweifel an seinem Schützling. Dieser zahlt es ihm mit bisher überragenden Leistungen zurück. Nachdem der heutige Madrilene 2010 noch die Rolle des Wasserträgers für Schweinsteiger ausfüllte, ist er nun zu einer Führungsfigur gereift. Khedira wird gesucht und ist in der Spieleröffnung, sowie für die gesamte Balance im deutschen Spiel, unverzichtbar geworden. Dazu kommt die gewohnte Zweikampfstärke. Zudem schaltet er sich immer mehr in die Offensive mit ein und entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem „Box-to-Box-Player“. Dank dieser Fähigkeiten bildet Khedira mit Schweinsteiger das bisher vielleicht beste „Sechser-Duo“ dieser EM und dürfte es nun auch dem letzten Kritiker gezeigt haben.

Ral, abseits.at

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