Josef Blum ist nur mehr den Experten unter den Fußballnostalgikern bekannt. Dabei war der ehemalige Viennaspieler einst Österreichs Rekordinternationaler, Chef der Wunderteam-Abwehr und „Wödmasta“... Anekdote zum Sonntag (108) – Einbruch bei der Austria

Josef Blum ist nur mehr den Experten unter den Fußballnostalgikern bekannt. Dabei war der ehemalige Viennaspieler einst Österreichs Rekordinternationaler, Chef der Wunderteam-Abwehr und „Wödmasta“ – bevor diesen Ehrentitel Ernst Happel zugesprochen bekam.

Der am 4. Februar 1898 in Wien geborene Spieler startete seine Karriere beim Nußdorfer AC, für den er fünf Jahre lang die Knochen hinhielt. Danach wechselte Blum zur Vienna, wo er Meister, Pokalsieger und sogar Mitropacupsieger wurde. Als 22-jähriger feierte er sein Debüt in der Nationalmannschaft und brachte es auf 51 Länderspiele. Nach dem Ende seiner Karriere bei seinem blau-gelben Stammverein wurde er sogleich vom Rivalen Austria Wien als Trainer verpflichtet. Blum erreichte in seiner ersten Saison das Endspiel um den Mitropacup – den Vorläufer der heutigen Champions League – wo die Austria Inter Mailand schlug. Dieser Auftritt am 8. September 1933 markiert bis heute an legendäres Datum in der violetten Vereinsgeschichte: Vor 60.000 Zuschauern führten die Veilchen lange mit zwei Sindelar-Toren, ehe Giuseppe Meazza fünf Minuten vor Schluss das Hinspielergebnis mit einem Tor egalisierte. Danach folgte der große Moment des großen Matthias Sindelar: Er erkämpfte kurz vor Abpfiff erneut den Ball und erzielte den entscheidenden Treffer. Die Fans trugen den blonden Favoritner auf den Schultern aus dem Stadion. Die Austria war als Mitropacupsieger die damals beste Mannschaft Europas.

Im Herbst wurden den Wienern jedoch einige Spieler abtrünnig: Karl Adamek – einer von „Sindis“ besten Freunden – verabschiedete sich nach Frankreich. Der damalige Jungspund war bei den Veilchen noch nicht festgesetzt und witterte in Westeuropa das große Geld. Er war einer von 60 Österreichern, die in dieser Zeit ihr Glück in der „Grande Nation“ versuchten. Adamek, der wegen seiner großen Ohren auch „Waschi“ (von „Ohrwaschl“) genannt wurde, war zwar eine violette Zukunftshoffnung gewesen, aber da er noch nicht zum Stamm des Teams gehörte, hielt sich die Enttäuschung über seinen Abgang doch in Grenzen. Ein größerer Aderlass wäre eine unfreiwillige „Geldspende“ gewesen, wie sie ein Langfinger zu diesem Zeitpunkt geplant gehabt hatte. Im Herbst 1933 – nur wenige Tage nach dem Mitropacupsieg – stieg ein Unbekannter in das Sekretariat der Violetten, das sich in einem Nebenzimmer des Domcafés befand, ein und schickte sich an den dortigen Tresor aufzubrechen. Der Dieb hatte jedoch Pech: Der Safe war leer. Die durch die internationalen Spiele eingenommenen Gelder hatte man sicherheitshalber in einem Bankschließfach verstaut. Wütend durchwühlte der Einbrecher das Büro nach anderen Wertgegenständen, fand aber nur eine kleine Handkasse. Darin lag neben einigen nicht besonders wertvollen Plaketten und Medaillen, eine goldene Ehrennadel, die Präsident Dr. Emanuel „Michl“ Schwarz beim Triumph über Inter überreicht worden war. Dieses Andenken ließ der Dieb als einziges Beutestück mitgehen.

Nur wenige Monate nach dem unglücklichen Zwischenfall war die Residenz des Austria-Büros im Hinterzimmer des Domcafés sowieso Geschichte. Der Sieg im Mitropacup und die damit einhergehende Etablierung als Spitzenverein erforderte professionelle Verhältnisse und so nahm man Geld in die Hand – das Geld, das der Dieb gerne eingesackelt hätte – und eröffnete in der Jasomirgottstraße 4 eigene Klubräumlichkeiten. „Weil ja die Kaffeehausbesucher zum größten Teil Freunde der Austria waren, sodass ein ungestörtes Arbeiten nicht recht möglich war.“, begründete der Verein diese Entscheidung. Arbeits-, Kanzlei-, Vorstandszimmer und Archiv leistete man sich im Ersten Wiener Gemeindebezirk. Manager Lang, der später vor den Nazis nach Jugoslawien floh und dort von diesen ermordet wurde, und Walter Nausch, der nach Beendigung seiner Spielerlaufbahn als Sekretär arbeitete, waren im Kanzleizimmer beschäftigt. Dr. Schwarz residierte im Vorstandszimmer unter einem Bild, das ihn selbst porträtierte und das während der Hitlerzeit von Sekretär Ulbrich umgedreht als obligatorisches Führerbild benutzt wurde. Michl Schwarz, der sich in Frankreich versteckte, hielt während des Krieges mit dem Gesicht zur Wand Stellung in der Jasomirgottstraße und auch die ihm gewidmete Replik des Mitropapokals „überlebte“ die NS-Herrschaft. Sie ist heute im Austria-Museum zu bewundern.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag