In der 22. Runde und damit am letzten Spieltag des Grunddurchganges kam es zum Topspiel zwischen dem SK Sturm Graz und der Wiener... Analyse: Austria verliert bei Ibertsberger-Debüt

 

In der 22. Runde und damit am letzten Spieltag des Grunddurchganges kam es zum Topspiel zwischen dem SK Sturm Graz und der Wiener Austria. Für die Gastgeber aus der Steiermark stand dabei viel auf dem Spiel, musste man doch den Platz in der Meisterrunde verteidigen und dementsprechend ein positives Ergebnis einfahren, um nicht doch noch von den Konkurrenten eingeholt zu werden. Auf der anderen Seite war die Austria als „Lucky-Loser“ bereits für das Playoff qualifiziert und nahm die Rolle als mögliches Zünglein an der Waage ein. Interessant war dabei aber auch vor allem das Debüt von Interimstrainer Robert Ibertsberger, der den Posten von Thomas Letsch übernahm, nachdem dieser unter der Woche beurlaubt wurde.

Austria versucht Dinge einfach zu halten

Nach der nachvollziehbaren Beurlaubung von Thomas Letsch, stand nun für dessen ehemaligen Co-Trainer Robert Ibertsberger die Premiere als Interimstrainer an vorderster Front an. Dabei war man vor allem gespannt, wie es der neue Übungsleiter anlegen, welche strategischen Schwerpunkte gesetzt und wie insgesamt die Spielanlage aussehen würde. Ibertsberger entschloss sich überraschenderweise dazu, trotz kurzer Vorbereitungszeit das Grundsystem zu verändern und setzte für das Spiel in Graz auf eine 5-2-3/3-4-3-Formation. Zunächst einmal macht diese Umstellung durchaus Sinn, denn die Austria verfügt über vier gute Innenverteidiger im Kader, die allesamt bereits bewiesen haben, dass sie Qualität besitzen. Darüber hinaus haben die Veilchen Probleme auf der Position des Außenverteidigers und mit einer Fünferkette konnte man dahingehend für etwas Entlastung sorgen, da die Breite des Feldes besser abgedeckt wurde und man sich klarerweise wohler und sicherer fühlt, wenn man mehr Unterstützung in der lokalen Umgebung hat.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt dürfte gewesen sein, dass auch der SK Sturm unter Roman Mählich die gleiche 5-2-3/3-4-3-Grundformation praktiziert und darauf vertraut. Also spiegelte man quasi einfach das System der Grazer und lief mit der identischen Formation auf. Dabei lautete die Maxime, das Defensivkonzept für die Mannschaft so einfach wie möglich zu halten. Indem man nämlich die Formation des Gegners spiegelt, schafft man eine klare und einfache Zuordnung und jeder Spieler weiß, welchen Gegenspieler er zu decken hat.

Die Innenverteidiger kümmern sich um die drei Angreifer, die Flügelverteidiger um die gegnerischen Flügelverteidiger und so weiter und so fort. Die Austria griff dabei auch zu der Variante der pendelnden Viererkette, weshalb die Flügelverteidiger beim Attackieren teilweise sehr weit nach vorne herausrückten, während sie von der restlichen Viererkette abgesichert wurden. Die Defensivformation der Austria kann man anhand des nächsten Bildes gut erkennen:

Die Austria verteidigt in der Defensive aus einer klaren 5-2-3-Formation heraus, wobei man sich dem Mittel der „pendelnden Viererkette“ bedient und Flügelverteidiger Klein dadurch situativ nach vorne ins Mittefeld rückt, um seinen Gegenspieler zu stellen, während die Abwehr temporär in einer Viererkette verbleibt.

Die Austrianer griff dabei auf ein klassisches Mittelfeldpressing und ließ den Spielaufbau des Gegners gewähren. Was hatte sich Sturm dagegen ausgedacht? Von der Vorbereitung her wird dies für das Trainerteam der Grazer nicht einfach gewesen sein, denn mit Robert Ibertsberger kam eine unbekannte Variable in die Voreinschätzung der Austria. Doch der klare Matchplan der Steirer wurde dennoch bereits in den ersten Minuten dieser Begegnung ersichtlich. Man versuchte schnell hinter die Abwehr der Austria zu kommen und die Tiefe zu attackieren.

Man versteifte sich dabei nicht auf lange Ballbesitzphasen, sondern spielte bereits aus der Abwehr heraus viele lange Bälle auf den in die Tiefe startenden Huspek, dessen Rolle sich mehr oder weniger in der ersten Halbzeit darauf beschränkte. Man versuchte dies mit Gegenbewegungen zu kombinieren, indem sich Grozurek und Kiteishvili in den Zwischenlinienraum fallenließen und versuchten, Abwehrspieler der Austria aus der Verteidigung zu ziehen und dadurch Räume zu öffnen. Der Matchplan der Grazer ging nach wenigen Minuten auch beinahe perfekt auf, als Kiteishvili die schlecht gestaffelte Abwehr der Austria mit einem Lochpass aushebelte und Huspek alleine vor dem Tor an Pentz scheiterte.

Interessant bei Sturm war allerdings auch die Rollenverteilung im Ballbesitzspiel. Der Georgier Kiteishvili zum Beispiel, nimmt eine relativ freie Rolle dabei ein und bewegt sich fleißig im Zwischenlinienraum – besetzt also seine nominelle Position auf dem linken Flügel nur situativ. Ausbalanciert wird dessen Rolle von Flügelverteidger Mensah, der dafür sehr weit nach vorne rückt und Breite gibt, während ein Sechser das Ganze absichert.

Auf der gegenüberliegenden Seite sieht die Rollenverteilung gänzlich anders aus, da Huspek den klassischen Flügelstürmer gibt und sehr breit und hoch steht – also eine sehr direkte und attackierende Spielweise pflegt. Ausbalanciert wird dies durch das Aufrücken eines der beiden Sechser (meist Ljubic), der dafür den rechten Halbraum besetzt, während Hierländer sehr flexibel in seinem Positionsspiel agiert und sowohl einrückt, als auch mal ein klassisches Pärchen mit Huspek bildet. Grundsätzlich kann man also durchaus erkennen, dass die Grazer unter Roman Mählich versuchen, ein überlegtes Positionsspiel aufzuziehen und dabei die unterschiedlichen Spielerprofile in ein stimmiges Konstrukt einzubinden.

Die Ausführung des Ganzen war allerdings in der Anfangsphase nicht ganz so passend. Das Problem war, dass man relativ früh viele lange Bälle in die Spitze spielte und so recht schnell den Ball wieder hergab, statt kontinuierlich spielerische Lösungen zu finden. Vermutlich war dies der Angst geschuldet, man würde sonst die Austria mit Ballverlusten zum Kontern einladen, was auch in der Anfangsphase vereinzelt der Fall war.

Dadurch war die Anfangsphase recht ausgeglichen und weitgehend als Abtasten zu bezeichnen, wobei Sturm gefestigter und stabiler wirkte, was man nicht nur bei der ersten Großchance der Partie sah. Die Austria verschob zwar die Mannschaftsteile brav und war mit viel Einsatz dabei, allerdings wirkte die Abwehr nicht sattelfest und man hatte Probleme mit der passenden Staffelung, was aufgrund der guten Einzelleistungen der Innenverteidiger etwas kaschiert werden konnte.

Bei eigenem Ballbesitz agierte man dafür zu verhalten, rückte nicht mit Überzeugung nach und konnte kaum einmal das Leder über einen längeren Zeitraum in den eigenen Reihen halten. Zwar versuchte die Austria von hinten herauszuspielen und fächerte die Dreierkette auf, allerdings konnte man sich gegen die Mannorientierungen der Grazer kaum lösen und diese aushebeln, wodurch die meisten Spieler eng verfolgt wurden und deswegen entweder nur der lange Ball entlang der Seitenlinie blieb, oder beim Versuch das Zentrum zu bespielen meist prompt der Ballverlust folgte.

Nach gut 20-25 Minuten bekam Sturm das Spiel besser in den Griff, indem man die Frequenz der langen Bälle hinter die Abwehr zurückschraubte und versuchte, diese besser vorzubereiten und nicht zu schnell zu spielen. Man hielt den Ball länger in den eigenen Reihen und versuchte spielerisch sich zu lösen, ehe man im richtigen Moment einen langen Ball nach vorne einstreute. So wurde das Spiel von Sturm ausgewogener und man konnte mehr Kontrolle generieren. Man fand auch die nächste Top-Chance auf die Führung vor, doch Kiteishvili scheiterte aus einer aussichtsreichen Position an Austria-Keeper Pentz.

In der Phase, als Sturm allmählich begann, mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, schwächte sich die Austria auch noch selbst. Linksverteidiger Cuevas ließ sich zu einer Tätlichkeit hinreißen und flog dadurch vom Platz, weshalb die Austria zum bereits dritten Mal (!) im fünften Frühjahrs-Pflichtspiel ein Spiel in Unterzahl beenden musste. Damit wurde klarerweise auch der eigene Matchplan über Bord geworfen und man musste auf ein 4-4-1 umstellen, was man in den letzten Spielen zumindest ausführlich praktizieren dufte. Man konnte sich dadurch wenigstens ohne ein Gegentor zu erhalten in die Halbzeitpause retten und sich dann neu sortieren.

Sturm erhöht Schlagzahl und belohnt sich

Nach dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit, erhöhten die Gastgeber den Druck noch einmal erheblich und drängten auf das Führungstor, damit man Ruhe und Sicherheit im Hinblick auf die Tabellenkonstellation bekam. Der Fokus der eigenen Angriffe im 3-4-3 lag immer mehr auf der rechten Angriffsseite, wo Huspek eifrig mit dem ausweichenden Grozurek bzw. den nachrückenden Ljubic und Hierländer kombinierte und versuchte, Überzahl zu schaffen und Durchbrüche zu kreieren. Das klappte auch ganz gut und die Strafraumverteidigung der Austria hatte alle Hände voll zu tun, den Kasten sauber zu halten.

Gegen die verstärkten Flügelangriffe konnte man nur wenig entgegensetzen, weshalb Linksverteidiger Igor und sein Vordermann Monschein Mühe hatten, in Unterzahl die Seite dicht zu halten. Speziell Kapitän Grünwald brachte in der Situation zu wenig Zweikampfstärke und defensive Qualitäten mit ein, um sie zu unterstützen und zumindest eine nummerische Gleichzahl auf dem Flügel herzustellen.

So war dann auch der rechte Flügel der Ausgangspunkt für den Führungstreffer der Grazer. Nach einem Foul in der gegnerischen Hälfte und einem anschließenden schnellen Seitenwechsel der Grazer, verschob die Austria nicht schnell genug auf die ballnahe Seite, weshalb der in die Tiefe startende Huspek mit einem einfachen langen Ball entlang der Seitenlinie bedient werden konnte und auf den mitgelaufenen Grozurek ablegte, der trocken zum verdienten 1:0-Führungstreffer vollendete. Damit ging auch der Matchplan der Grazer in diesem Moment vollkommen auf.

Der Rückstand stellte für die Austria allerdings keinen Grund dar, etwas an ihrer Vorgehensweise zu ändern und man agierte weiterhin zurückhaltend. Man warf sich zwar in die Zweikämpfe und verrichtete diszipliniert die Defensivarbeit, allerdings nahm man im Ballbesitz kaum Risiko und stellte dadurch die Grazer kaum vor Probleme.

Erst in den letzten zehn Minuten erhöhte die Austria das Risiko merklich, stellte auf eine Dreierkette in der Abwehr um und versuchte damit doch noch den Ausgleich zu erzielen. Sturm wirkte in dieser Phase auch nicht wirklich sattelfest und verwundbar, allerdings kam die Schlussoffensive der Gäste schlicht zu spät und so blieb es letztlich beim 1:0-Sieg für die Grazer.

Fazit

Sturm feierte mit diesem 1:0-Heimsieg einen wichtigen Erfolg und sicherte sich damit aus eigener Kraft die Teilnahme an der Meisterrunde. Ausschlaggebend dafür war, dass man einerseits sehr griffig in den direkten Duellen war und gut in das Spiel fand, aber auch im Ballbesitz nach und nach selbstsicherer im Auftreten wurde und dadurch vermehrt spielerische Lösungen kreieren konnte. Der Platzverweis und die Überzahl erleichterte zwar die Aufgabe merklich, aber ein Selbstläufer wurde es dadurch nicht und die Grazer konnten mit ihrer kontrollierten Offensive einiges an Druck auf den Gegner aufbauen, wodurch auch letztlich das 1:0-Siegtor erzwungen wurde. Damit gelang schlussendlich trotz der schwierigen Auslosung der Einzug in die Meisterrunde, was man Trainer Roman Mählich hoch anrechnen muss.

Auf der anderen Seite ging das Debüt von Interimstrainer Robert Ibertsberger schief und die Austria musste letztlich erneut mit leeren Händen die Heimreise antreten. Die Systemumstellung und der Matchplan waren in Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit zwar ein interessanter Ansatz und man konnte damit in der Anfangsphase auch mit dem Gegner mithalten, allerdings schwächte man sich zum wiederholten Male durch einen Platzverweis selbst und warf damit alle Pläne über den Haufen. Diese Disziplinlosigkeit und fehlende Nervenstärke muss die Austria schleunigst in den Griff bekommen, denn nur selten geht sowas wie im Hartberg-Spiel gut.

Danach wehrten sich die Violetten tapfer und versuchten das Unentschieden zu halten, was allerdings letztlich misslang. Nach dem Rückstand agierte man dann zu lange mutlos und wollte wohl in Unterzahl keine Klatsche kassieren, dennoch hätte man ruhig etwas früher mehr Risiko gehen können. Auf die Austria wartet in der Länderspielpause viel Arbeit und man muss schleunigst alle Kräfte bündeln, um in der Meisterrunde nicht vor große Probleme gestellt zu werden.                    

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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