Baby you can drive my car. Yes, I’m gonna be a star. Baby you can drive my car and maybe I love you“, sangen... Anekdote zum Sonntag (60) – Baby you can drive my car

Admira Wacker Mödling - Wappen mit Farben_abseits.atBaby you can drive my car. Yes, I’m gonna be a star. Baby you can drive my car and maybe I love you“, sangen die Beatles Mitte der 60er-Jahre in den legendären Abbey Road Studios. Majid Pishyar war damals gerade zehn Jahre alt und lebte im Iran. Ob er dort diese westliche Musik gehört hat? Nicht nur die Pilzköpfe waren Teil der gesellschaftlichen Revolution, auch der heute so reaktionäre Gottesstaat öffnete zu dieser Zeit seine Tore zur Welt und befand sich auf Reformkurs, ehe Chomeini das Land Ende der 70er sukzessive wieder verrückschrittlichte.

Was haben Pishyar und der Beatles-Song „Drive my car“ nun gemeinsam? Eigentlich nichts. Was hat ein Iraner, der als Zwanzigjähriger nach Kanada ging und dort ein Vermögen machte, überhaupt mit dem österreichischen Fußball zu tun?

Mittlerweile ist es schon elf Jahre her, dass der jetzt in Dubai beheimatete Chef der „32 Group“ als Großinvestor bei der Admira einstieg. Im Jänner 2005 wurde Pishyar zum Präsidenten der Mödlinger gewählt. „Mein Traum war es immer, einen Fußball-Klub in Europa zu besitzen.“, erklärte der damals 50-jährige unverblümt im Hotel Bristol. Präsident Hans-Werner Weiss zog sich zugunsten des Schwereichen, der seine eigenen „fähigen“ Leute aus der Heimat mitnahm, zurück. Weiss und Manager Alexander Friedl, die diesen Einstieg als „Weihnachten und Ostern zugleich“ feierten, mussten trotz vieler nach oben gezogener Mundwinkel einen Teil der Fangemeinde beruhigen. Bei aller Euphorie meldeten sich kritische Stimmen, denen nicht wohl dabei war, ihren Herzensklub einem Fremden anzuvertrauen. Schließlich genügte schon ein Seitenblick nach Wien-Favoriten, wo ein gewisser Frank Stronach am Werken war, um zu wissen, wie weit Investoren gehen können. Was damals niemand wusste: Rund zehn Monate später sollte Stronach seinen Rückzug ankündigen.

Wie der Austro-Kanadier gelobte auch Pishyar, dass die CL-Hymne bald ein vertrautes Musikstück für österreichische Ohren sein würde. Er versprach ein neues Stadion und eine von finanziellen Sorgen freie Zukunft für die Admira. Doch das Märchen aus tausendundeiner Nacht realisierte sich nicht. Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Pishyar und dem gebürtigen Steirer war die Konzeptlosigkeit: Spieler kamen und gingen. Dubiose Manager und Berater bemerkten bald, dass hier keine Fachleute am Werk waren und hielten die Hand auf. Schon zu Beginn spiegelten sich diese Zustände auf dem Platz wieder: Dominik Thalhammers Mannschaft verpatzte den Saisonstart und feierte erst am 10. Spieltag ausgerechnet gegen den späteren Meister Rapid Wien den ersten vollen Erfolg. Zuvor hatte man sich von Pasching mit 5:0 abschießen lassen. Zwar konnte sich die Admira im Frühling an den Oberösterreicher mit einem 3:0-Sieg rächen und sogar Salzburg auswärts besiegen, doch es sollte für einen Klassenerhalt nicht mehr reichen. Zu unschönen Szenen kam es in Innsbruck, als nach einem Unentschieden die Fäuste flogen: Ein iranischer Kaderspieler der Mödlinger teilte zuerst aus, daraus entwickelte sich eine Massenschlägerei. Mehrere Spieler wurden lang gesperrt.

Drei Runden vor Schluss war der Abstieg nach einer 2:3-Niederlage in Mattersburg traurige Gewissheit. In der Geschäftsstelle hingen die Köpfe, das Werkl musste jedoch weiterlaufen. Schon damals pflegte die Admira ihre traditionellen Probleme beim Akquirieren der Lizenz. Präsident Pishyar wollte daher wirtschaftliche Potenz demonstrieren. Er wähnte sich in ähnlichen Zuständen, wie er sie wohl aus seinem Berufsleben kannte: Mit Geld lässt sich alles lösen. Manager Friedl wurde gedrängt mit Pishyars Maserati zum Ernst-Happel-Stadion zu düsen um dort die Lizenzunterlagen abzugeben. Nur wenige Männer träumen wohl nicht von einer Ausfahrt in einem solchen Luxusmobil. Doch Alexander Friedl war ganz und gar nicht einverstanden mit dieser Vorgangsweise. Ihm war klar, dass er ob dieser unüblichen Praxis höchstens seltsame Blicke des Senat 5 ernten würde, aber keine Vorteile für den Klub herausholen konnte. Schon auf der A2 bekam er nicht nur wegen der PS-Stärke des Autos – die für 130kM/h-Höchstgeschwindigkeit eindeutig unangebracht ist – Magenschmerzen. Beim Stadion war Friedl nicht der einzige, der Vorbereitungen für die kommende Spielzeit traf: Kurioserweise steuerte ein Smart den Parkplatz neben dem geborgten Sportwagen an. Diesem entstieg ausgerechnet Mattersburg-Obmann Pucher. Friedl wagte nicht ihm in die Augen zu sehen, so unangenehm war ihm die Situation. Er sah zu, dass er die Szenerie rasch wieder verließ. Wie er sich bereits gedacht hatte, war die Machtdemonstration umsonst: Der Bundesliga war es herzlich egal, dass die Admira einen finanzkräftigen Privatsponsor mit tollem Auto hatte. Sie verweigerte die Lizenz in erster Instanz. Grund: Pishyars Finanzspritzen seien im Zweifelsfall nicht einklagbar, da es kein Rechtsabkommen zwischen Österreich und den Arabischen Emiraten gäbe. Ein Schiedsgericht entschied schließlich doch zugunsten des Fußballvereines und die Admira musste nicht in die Regionalliga absteigen. Ein Jahr später konnte sie sich jedoch nicht mehr vor dem Konkursrichter retten. Die Fans riefen eine Generalversammlung ein, die Admira rutschte in die dritte Regionalliga Ost ab. Majid Pishyar verließ die Mödlinger und stürzte Servette Genève ins Unglück: Zwar stiegen die Schweizer unter Pishyar in die Super League auf, gingen jedoch 2012 bankrott. Der Weg zur Hölle ist eben vollgepflastert mit guten Vorsätzen. Der Iraner hat aber noch nicht genug und sitzt mittlerweile im Vorstand von S.C. Beira-Mar. Der portugiesische Klub musste gerade absteigen, es bleibt also unklar ob Pishyar aus seinen vergangenen Verfehlungen gelernt hat. Vielleicht hat er doch Beatles-Musik gehört: „Baby, you’re a rich man.“ – Das alleine genügt für den Fußball aber sicher nicht.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag