Rapid fiel am Sonntagnachmittag beim Wolfsberger AC in uralte, vergessen geglaubte Muster zurück. Die Hütteldorfer wurden von einem unglücklichen Spielverlauf zurückgeworfen und konnten sich... Arbeitsverweigerung vor dem Heimspiel-Viererpack: Wohin geht Rapids Reise?

Zoran Barisic (2)_abseits.atRapid fiel am Sonntagnachmittag beim Wolfsberger AC in uralte, vergessen geglaubte Muster zurück. Die Hütteldorfer wurden von einem unglücklichen Spielverlauf zurückgeworfen und konnten sich nicht in Eigenregie nach oben ziehen. Erschreckend war das „Wie“.

Thanos Petsos‘ Comeback im Rapid-Mittelfeld dauerte gerademal 16 Minuten, dann musste der Grieche mit einer Sprunggelenksverletzung vom Feld. Bis dahin präsentierte sich Petsos neuerlich als Architekt in einer souveränen Rapid-Zentrale. In der ersten Viertelstunde des Spiels sah alles nach einer beherrschenden Rapid-Elf aus, wie man sie etwa beim letzten Heimsieg gegen die Admira sah. Danach kam jedoch alles anders.

WAC konzentrierter und aufs Wesentliche beschränkt

Wolfsberg erkannte recht schnell, dass Rapid einen rabenschwarzen Tag erwischte und vor allem im Kopf, in Zweikämpfen, aber auch im kreativen Denken eine Horrorvorstellung ablieferte bzw. abliefern würde, wenn man den Wienern entsprechend zusetzt. Dies taten die Kärntner dann auch: Mit recht einfachen Mitteln wurde Rapid vom Tor ferngehalten:

  • Boris Hüttenbrenner und Christoph Rabitsch mussten gar nicht in allzu viele Zweikämpfe gehen. Sie beschränkten sich darauf, das Zentrum dicht zu machen und gut zu verschieben, sodass Rapid – das sich allgemein schwach im Spielaufbau präsentierte – keinen Weg in den Zwischenlinienraum fand.
  • Die Bindungen der Wolfsberger Flügel waren gut: Baldauf und Jacobo harmonierten, der souveräne Standfest und Zündel ebenfalls. Rapids offensive Flügelspieler konnten die seltenen Ballgewinne in Rückwärtsbewegung nie effizient verarbeiten. Rapids Außenverteidiger waren nicht ballsicher genug und standen des Öfteren nicht ideal. Hinzu kam unnötige Hektik, das dem recht flotten Gegenpressing des WAC an den Flügeln geschuldet war.
  • Silvio und Ouédraogo rührten ordentlich um. Einer der beiden agierte als Speerspitze und erste Pressinginstanz, der andere wich auf die Seiten aus, um eine Anspielstation zu schaffen oder bei gegnerischem Ballbesitz den aktiven Flügel zu besetzen. In Ballbesitz war die robuste, entschlossene Zweikampfführung der Schlüssel zum Erfolg – etwas, das bei Rapid an diesem Tag überhaupt nicht klappte.

Wenn’s spielerisch nicht klappt…

Zustellen, konsequent Pärchen an den Flügeln bilden, die Zweikämpfe konzentriert und hart führen. Einfachste Grundelemente des modernen Fußballs reichten, um den Tabellenführer an diesem Tag eigentlich problemlos auszuhebeln. Denn bei den Hütteldorfern lief diesmal überhaupt nichts zusammen. Dass es spielerisch mal nicht klappt, ist natürlich verzeihbar. Die blutleere Art und Weise, mit der Rapid ausgerechnet nach der Länderspielpause auftrat allerdings nicht.

Keine offensive Ordnung, keine Eigeninitiative

Die strategischen Fehler erinnerten an die grauesten Spiele der Ära Schöttel, aber auch an die 1:2-Cupniederlage in Wolfsberg aus dem Frühjahr, die ähnlich zustande kam.

  • Im Spielaufbau zeigte sich Rapid völlig emotions- und ideenlos. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren deutlich zu hoch, wodurch vor allem in der Offensive kaum Interaktionen zwischen den Spielern stattfanden. Passstafetten waren somit Mangelware.
  • Ebenfalls im Aufbauspiel, aber auch bei Spielverlagerungen, hatte Rapid oft zu viele Ballkontakte pro Aktion. Anstatt den Ball schneller laufen zu lassen und somit etwas mehr Risiko zu nehmen, wählte man sicherere Varianten, stoppte (zu) viele Bälle, anstatt direkter zu spielen. So bekam Wolfsberg, das nur mitschieben musste, immer wieder ein paar Meter „Vorsprung“ geschenkt.
  • Im Gegensatz zum WAC stellte Rapid nie klare, spielerische Bindungen zwischen den Flügelspielern her. Zudem ließ man Kainz und den schwachen Schaub zu weit außen kleben, während der spielschwache Auer und der ebenfalls unter den Erwartungen gebliebene Stangl ein wenig einrückten. Um die Ordnung der Wolfsberger zu stören, wäre eine systematisch umgekehrt betriebene Variante wohl erfolgsversprechender gewesen. So sah sich Kainz auf links aber immer gedoppelt und Schaub durch die enge Deckung durch den WAC ebenfalls stets in die Enge getrieben. Dies hätte Rapid lösen können, wenn man auch in die Breite kompakter gespielt, 3-5-2- oder 3-6-1-Formationen bei Ballbesitz im letzten Drittel geschaffen hätte. Das hätte auch die Interaktionen mit dem zentral-offensiven Alar bzw. später Steffen Hofmann verbessert.
  • Auch von außen fehlten die Überraschungsmomente. Rapid zog auch nach dem 0:2 sein Spiel eisern weiter durch, während Barisic Position für Position tauschte. Das situative Umstellen auf ein Zweistürmersystem, das Auflösen der Viererkette (was mit Stangl als drittem Innenverteidiger gut funktionieren könnte), eine andere Staffelung im Mittelfeld (etwa mit einem tieferen, spielaufbauenden Hofmann und einem vorgezogenen Schwab) – all das sind Dinge, die selbst bei größten Problemen nicht praktiziert werden.

Einer der Tage, an denen nichts passte

Natürlich war der Mangel an taktischer Kreativität nicht der Grund für Rapids Niederlage. Die einfachsten Dinge funktionierten nicht, die wichtigen Zweikämpfe wurden verloren, der Wille zum Sieg fehlte völlig. Nach einer zweiwöchigen Pause wirkte Rapid so, als hätte man in dieser Zeit mehrere schwere Spiele absolviert. Die kämpferische Darbietung der Grün-Weißen stellte einen neuen negativen Höhepunkt in der laufenden Saison dar.

Das Lechzen nach den spielerischen Vorzügen von Robert Beric

Zudem wurde erneut der Qualitätsverlust seit Sommer offensichtlich. Matej Jelic fand absolut keine Bindung, konnte praktisch keine Bälle behaupten, nur 10% seiner Zweikämpfe und gerade mal eines von acht Kopfballduellen gewinnen. Sein Ersatzmann Philipp Prosenik gewann weder einen Zweikampf (0:6), noch ein Kopfballduell (0:3), sicherte keinen einzigen Ball. Da beide Spieler viel zu unüberlegt und ungestüm in ihre Duelle gehen, wird das spielerisch saubere Spiel Rapids spätestens dann zerrissen, wenn es durch die Mitte ins letzte Drittel geht. Diesbezüglich ist der nach Saint-Étienne abgewanderte Robert Beric unersetzbar.

Extrem schwache, körperlose Zentralachse

Klarerweise begannen die Probleme schon dahinter. Etwa beim diesmal völlig indisponierten Grahovac oder bei Stefan Schwab, der kaum Initiative zeigte und in seinen Entscheidungsfindungen ebenfalls zu langsam war. Der sonst torgefährliche Achter kam kein einziges Mal in die Nähe eines Abschlusses. Ähnliches gilt für den inferioren Deni Alar, der nicht nur weniger als die Hälfte seiner Pässe in der gegnerischen Hälfte anbrachte, sondern auch noch komplett untertauchte und nie versuchte das Spiel an sich zu reißen. Früher war es gerade die technische Stärke, die den ohnehin eher leichtfüßigen Steirer ausmachte, aber selbst die wirkt aktuell wie weggeblasen. Größerer Fokus auf den aktiven Flügel und systematisches Herausrücken bzw. mehr Bewegungen in die Abwehrschnittstellen am aktiven Flügel hätten Abhilfe geschaffen.

Kämpferische Rapid zu erwarten

Dass Zoran Barisic mit der Darbietung seiner Mannschaft nicht zufrieden war, ließ sich in den Interviews nach dem Spiel erahnen. Was er von der Leistung wirklich hielt, hat er seiner Mannschaft wohl schon gesagt. Demnach ist am Donnerstag gegen Pilsen und auch am Sonntag gegen die Austria eine andere Rapid-Elf zu erwarten. Eine, die keinen Meter aufgibt und wieder mit den traditionellen Tugenden zu punkten versucht.

Saisonstart-Kredit verspielt

Möglicherweise kam die miserable Vorstellung gegen Wolfsberg zur richtigen Zeit, um so manchen Akteur bzw. das gesamte Team aufzuwecken. Das Problem ist nur, dass die schwachen Partien in letzter Zeit häufiger werden. Aus den letzten sechs Bundesligaspielen holte Rapid nur sechs Punkte, verlor viermal. Hatte man vor diesen sechs Spielen noch acht Punkte Vorsprung auf Salzburg, so ist man jetzt nur noch Jäger der Bullen. Im Oktober stehen Rapid nun noch vier Heimspiele bevor: Austria und Sturm in der Liga, Pilsen in der Europa League und Austria Salzburg im Cup. Selten zuvor war das Wort „richtungsweisend“ in allen Belangen angebrachter.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen