Im Sonntagsspiel der 27. Bundesligarunde traf Red Bull Salzburg in der Red Bull Arena auf den Wolfsberger AC. Mit einem 5:0-Sieg bauten die Mozartstädter... Auf gute Anfangsphase folgt Einbruch  – WAC unterliegt Red Bull Salzburg 0:5

Jonathan Soriano - Red Bull SalzburgIm Sonntagsspiel der 27. Bundesligarunde traf Red Bull Salzburg in der Red Bull Arena auf den Wolfsberger AC. Mit einem 5:0-Sieg bauten die Mozartstädter die Tabellenführung auf 27 Punkte aus. Die Tore erzielten Jonathan Soriano, Valentino Lazaro, Valon Berisha und Florian Klein. Dabei zeigten sich die Gäste in der Anfangsphase durchaus ambitioniert.

WAC-Trainer Dietmar Kühbauer forderte vor dem Spiel, dass jeder seiner Spieler bereit ist Räume zu schließen und die dafür nötigen Schritte zu machen. Bis zum 1:0 in der 33. Minute gelang dies zunächst auch gut. Man stand kompakt und kam zu der einen oder anderen aussichtsreichen Möglichkeit. Allerdings wurden diese nicht konsequent ausgespielt, sodass die Salzburger mit Fortdauer des Spiels bestimmender wurden und letztlich als klare Sieger vom Platz gingen.

Kein Zulj-Bruderduell

Wie schon vor dem Rückspiel im Europa-League-Sechzehntelfinale rotierte Roger Schmidt wieder viel. So begann im Tor Alexander Walke, bildete Franz Schiemer neben dem am Donnerstag gesperrten Martin Hinteregger die Innenverteidigung, kam Stefan Hierländer zu seinem 13. Saisoneinsatz und ersetzten Alexander Meilinger bzw. Lazaro die nominelle Flügelzange Kevin Kampl und Sadio Mane. Die Rolle als hängende Spitze übernahm Valon Berisha, was bedeutete, dass das erwartete Bruder zwischen Robert und Peter Zulj ausfiel.

Letzterer wechselte im Winter zum WAC und hat die Aufgabe den nach Düsseldorf abgewanderten Michael Liendl zu ersetzen. Das gelingt dem 20-Jährigen bisher recht gut, wobei er sich in einigen Punkten von seinem Vorgänger unterscheidet. Während Liendl vor allem mit seinen Pässen das Spiel bestimmt, greift Zulj auch häufig zu Dribblings. Im Umschaltspiel ist er mit seiner guten Technik und Ballsicherheut aber ebenso ein wichtiger Baustein.

Mehr Ballbesitz, weniger Pressing

Anders als in den internationalen Spielen müssen die Bullen in der Bundesliga quasi in jedem Spiel das Heft selbst in die Hand nehmen. So hatten sie in diesem Spiel beispielsweise rund 62% Ballbesitz. Das bedeutet, dass sie ihr so starkes Pressing seltener in Szene setzen können. Vor allem deshalb ist der Vorzug Berishas nachzuvollziehen. Der Norweger agierte letzte Saison meist noch als Sechser bzw. Achter, ist im Kombinationsspiel stärker als Zulj.

Doch es sind im Allgemeinen, bzw. in diesem Spiel speziell, weniger lange Passstafetten, die zu Chancen und Toren führen. Vielmehr ist es das Gegenpressing, das sofortige und geschlossene Attackieren nach Ballverlusten. Einfach ausgedrückt: Man muss sich keine Gedanken darüber machen, wie man Räume öffnet, da dies der Gegner im versuchten Umschaltmoment selbst erledigt.

Exzessives Infiltrieren des Zwischenlinienraums

Das Ballbesitzspiel der Salzburger charakterisiert sich durch viele Vertikalpässe – auch wenn der Gegner tief steht. So waren sie in diesem Spiel besonders bestrebt, viele Pässe in den Zwischenlinienraum zu spielen. Diese wurden prallen gelassen, woraufhin ein weiterer Pass in die Tiefe folgte. Der erste angespielte Spieler zog nämlich idealerweise seinen Gegenspieler mit, was Räume in dessen Rücken öffnete.

Ein Beispiel dafür sieht man im obigen Video. Hinteregger spielt einen vertikalen Pass auf Meilinger, der auf Soriano prallen lässt und sich dann in die Tiefe orientiert. Der dortige freie Raum ist eine Konsequenz der mannorientierten Spielweise – Kühbauer betonte nach dem Spiel explizit, dass er darin das Erfolgsrezept gegen Salzburg sieht.

WAC zunächst mit guter Passivität…

Dass Salzburg dermaßen und scheinbar einfach hinter Abwehr kam, war jedoch nicht über die gesamte Spieldauer so. Wie der FC Basel agierten die Kärntner zunächst extrem passiv, was jedoch keineswegs negativ aufzufassen ist. In einem tiefen 4-4-2, bei dem die beiden Stürmer deutlich höher standen als der Rest, hielten sie die Schnittstellen eng und zogen sich bei Pässen in den Zwischenlinienraum schnell zusammen. Die unterschiedlichen Defensivkonzepte erkennt man besonders in der nachstehenden Grafik sehr gut.

Salzburg (links) störte früh und verzeichnete die meisten Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte, während der WAC die Angriffsversuche des Gegners erst vor dem eigenen Strafraum abwürgen konnte. In der Anfangsphase kamen sie überdies hinaus auch zu guten Konterchancen. Dabei glänzten sie im Bespielen des Raums hinter Stefan Ilsanker. Dieser musste viel Platz alleine beackern, sodass bei Gegenpressingaktionen einer der Innenverteidiger herausrücken musste, was eine Gleich- oder gar Unterzahl in der letzten Linie bedeutete.

… dann aber ungeordnet und ohne Überblick

Dieses engagierte und aufreibende Spiel – physisch wie psychisch – konnten die Wolfsberger jedoch nicht allzu lange aufrechterhalten. Die Mittelfeldlinie zog sich nicht mehr weit genug zurück, sondern suchte vergeblich den Zugriff zum Ball, was wegen des Salzburger Vertikalspiels in teils großer Unordnung mündete. Das richtungsweisende 1:0 fiel zwar nach einer Standardsituation, jedoch sah man auch dort den hohen Ballfokus des WAC.

Der zweite Knackpunkt war schließlich der Ausschluss gegen Silvio. Zwar macht es im Allgemeinen kaum einen Unterschied ob man zu elft oder zehnt spielt, wenn man vor dem eigenen Sechszehner die Räume mit zwei Viererketten verengen will, jedoch waren die Gäste, wie erwähnt, nicht auf Stabilität sondern Zugriff aus. Dank der hohen individuellen Klasse stellte dies die Salzburger jedoch kaum vor Probleme. Sie legten vier weitere Tore nach und stehen nur mehr einen Punkt weit entfernt von der Meisterschaft.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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