Der Schock dieses Spieltages war zweifelsohne der überraschende 1:0-Sieg der Kapfenberger in Wien bei der Austria. Ein knappes Ergebnis, doch die Außenseiter ließen sich...

Der Schock dieses Spieltages war zweifelsohne der überraschende 1:0-Sieg der Kapfenberger in Wien bei der Austria. Ein knappes Ergebnis, doch die Außenseiter ließen sich im ganzen Spiel nicht hängen und verdienten sich diese drei Punkte. Die Neuzugänge überzeugten und waren mitverantwortlich für dieses Ausrufezeichen des Tabellenletzten. Bei den Wienern stimmte so einiges nicht und der ohnehin etwas umstrittene Vastic wird sicherlich nun unter noch genauerer Beobachtung stehen, als er es bereits tat. Es sind drei verlorene Punkte in einem Spiel, welches durchaus meisterschaftsentscheidend sein kann – oftmals sind es die kleinen Gegner, welche (vermeintlich) große Mannschaften und Titelaspiranten an ihren Zielen scheitern lassen.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

 

 

 

 

 


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Die Gastmannschaft begann mit einem sehr modern wirkenden 4-3-3-System und zeigte, dass sie nichts zu verlieren hat. Man beteiligte sich kollektiv an den offensiven Aktionen, auffällig hierbei, dass die Außenverteidiger für Breite sorgten und sich nicht einzig auf die Außenstürmer verließen. Dadurch entstand in der offensiven Bewegung einige Male eine Art 2-5-3-Formation, welche im Mittelfeld für einen dichten Wall bei Kontern der Veilchen sorgte. Nichtsdestotrotz war das Prunkstück dieser Mannschaft der Flügelsturm und der Mittelstürmer: besser gesagt die Neuzugänge Babangida auf der rechten Außenbahn und Torschütze Nathan im Sturmzentrum. Immer wieder wechselten sie die Positionen, rochierten und bildeten Pärchen im letzten Drittel, um sich gemeinsam oder mittels Einzelaktionen zum gegnerischen Tor durchkombinieren zu können. Hierbei fiel auf, dass Nathan sich oftmals bis ins Mittelfeld und hinter die Linie seiner zwei Sturmpartner zurückfallen ließ, womit er die gegnerische Innenverteidigung ohne Zuteilung hinterließ. Mit diesem Kniff, ähnlich wie die „falsche Neun“ Lionel Messi beim großen FC Barcelona, erzeugte er eine numerische Überzahl im Mittelfeld, dazu kamen die offenen Räume für Babangida, welcher einmal beinahe mit einem Solo den Führungstreffer erzielt hätte. Mit diesem System wurde es klar, dass die Mannschaft etwas rechtsseitig agieren würde – kein Wunder also, dass der rechte Außenverteidiger, Pitter, höher spielte als sein Gegenüber. Um im Mittelfeld für eine Verbindung zu sorgen, war es außerdem erforderlich, dass Grgic etwas weiter in der gegnerischen Hälfte spielte, sein Partner Sencer kümmerte sich um die defensiven Aufgaben der Doppelacht. Besonders interessant war allerdings, dass Lovin im zentralen Mittelfeld zwar nominell als Sechser auftrat, aber sich vielfach präsent als Anspielstation in der gegnerischen Hälfte zeigte. Mit einer quasi-Rolle als box-to-box-player infiltrierte er den Raum in der Spielfeldmitte und organisierte das Zurückziehen und das Attackieren des Ballführenden.

Möglich wurde dies, weil er keinen direkten Gegenspieler besaß. Da die Austria mit einem 4-4-2 (genauer: 4-4-1-1, sehr nahe an einem 4-2-3-1) spielte, neutralisierten sich die beiden zentralen Spieler beider Vereine: bei den Gästen die Doppelacht, bei der Austria die Doppelsechs. Perfekt passend dazu war die Rolle Grünwalds, der auf der gleichen Seite wie Grgic spielte und dennoch der offensivere Spieler der beiden Austria-Spielgestalter war. Er versuchte in die Lücken der gegnerischen Mannschaft zu stoßen, welche sich rechts von der zentralen Innenverteidigung befand. Austria-Stürmer Jun orientierte sich etwas nach links und spielte tiefer, um eine Verbindung zum Mittelfeld zu finden, doch es waren einige Distanzschüsse, auf welche die Gastgeber vertrauen mussten. Mit drei Mann im zentralen Mittelfeld und später ohne Mittelstürmer zogen sich die Kapfenberger weit in ihre eigene Hälfte zurück, konnten aber eine dichte Abwehrreihe aufziehen, da sich die defensiven Mittelfeldspieler vor dem gegnerischen Sturm positionierten und dadurch Passwege vor das Tor versperren konnten. Die Wege über die Außen waren zwar relativ offen, da sich eine Doppelung der Außenstürmer nur selten aufbauen konnte, doch man kümmerte sich dennoch einigermaßen gut um Klein und Simkovic. Deshalb reagierte Vastic in der Halbzeitpause und veränderte sein Team etwas – mit teilweise sogar sehr guten taktischen Ideen. Gorgon statt Dilaver ließ Klein nach hinten rücken und man wollte damit die rechte Seite mit Spielern überladen, die bis zur Grundlinie vorstoßen konnten. Hauptsächlich wollte man damit aber nicht das Flankenspiel fokussieren, sondern die Mitte auseinanderziehen und damit Platz für einen geradlinigeren Weg zum Tor schaffen. Nach gut einer Stunde reagierte Vastic abermals und veränderte nun nicht nur die Rollenverteilung der Spieler im System, sondern stellte die gesamte Formation um. Beide Spieler der Doppelsechs wurden ausgewechselt und Kienast kam ebenso wie der Mittelfeldspieler Liendl, was letztendlich eine extrem auf das Zentrum fokussierte und offensive 4-1-4-1-Formation zutage brachte. Viele Torversuche, aber zu wenig zwingendes und ohne wirklichen Nutzen waren das perfekte Symbol dieser Partie. Kienast und Jun als hängende Spitzen, zwei offensive Flügelstürmer und ein zentraler Anspielpunkt an vorderster Front mit einem frischen Sechser als nicht müde Absicherung des Ganzen waren letztlich eine gute Idee und zugleich ein Eingeständnis, dass seine erste Maßnahme nicht funktionierte.

Fazit

Es war keine berauschende Leistung der Kapfenberger, aber ebenso war die Austria nicht auf ihrem Höhepunkt. Obwohl man spielerisch und von der Verteilung auf dem Platz spätestens nach dem Platzverweis des gegnerischen Stürmers überlegen war, kann man nicht von einem unglücklichen Punktverlust sprechen. Die Kapfenberger verwerteten ihren Elfmeter und zeigten in der ersten Hälfte gute Ansätze – nimmt man in Betracht, dass die Gäste auf dem letzten Platz liegen, kann man ihnen den Überraschungssieg nur gönnen.

Im Laufe des Tages erfolgt ein weiterer Artikel zu dieser Partie, der sich mit den strittigen Entscheidungen des Schiedsrichterteams befassen wird.

RM schreibt auch für spielverlagerung.de

 

Rene Maric

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