Dass es in Kapfenberg Änderungen auf dem Spielersektor geben würde, wurde bereits von Neo-Coach Thomas von Heesen angekündigt. Mit Haruna Babangida und Nathan Soares... Babangida und Nathan beim KSV auf dem Prüfstand, Austria Lustenau holt Boya und Thiago de Lima

Dass es in Kapfenberg Änderungen auf dem Spielersektor geben würde, wurde bereits von Neo-Coach Thomas von Heesen angekündigt. Mit Haruna Babangida und Nathan Soares Junior tauchten nun die ersten Namen auf. Weiter westlich sieht sich der SC Austria Lustenau gerade nach neuen Kickern um: Pierre Boya und Thiago de Lima werden im Frühling für den Tabellenvierten der Ersten Liga spielen.

Der 29-jährige Haruna Babangida gilt als Weltenbummler: Der Nigerianer spielte bereits in acht verschiedenen Ländern und ist der Bruder von Ex- Ajax-Star Tijani Babangida und dem ehemaligen Chelsea-Verteidiger Celestine Babayaro, die ihre Karrieren bereits beide beendeten. Der 166cm große Babangida ist ähnlich wie sein älterer Bruder Tijani für sein dynamisches, schnelles und körperlich robustes Spiel bekannt und hätte in Kapfenberg mit Sicherheit keine Probleme einen Stammplatz zu ergattern. Trotzdem muss ein möglicher Transfer kritisch hinterfragt werden.

Stark nur auf Zypern

Babangida setzte sich bisher ausschließlich auf Zypern durch, wo er zwei Saisonen lang starke Partien für Apollon Limassol lieferte. Engagements bei Metalurg Donetsk, Olympiakos Piräus und in der russischen Liga bei Kuban Krasnodar scheiterten. Beim FSV Mainz 05 wurde er bereits nach einer Partie zu den Amateuren abgeschoben. Zu Beginn seiner Karriere, bis Sommer 2005, versuchte Babangida sein Glück beim FC Barcelona, wo er über sporadische Einsätze in der B-Elf nie hinaus kam. Zuletzt kickte der Offensivmann in den Niederlanden für Vitesse Arnheim, wo er in sieben Spielen einen Treffer erzielte, allerdings einen unfitten Eindruck hinterließ und seinem Image als Problemboy erneut gerecht wurde. Babangida, der auch die Akademie von Ajax Amsterdam von innen kennt, wurde zudem immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen.

Vielen Vereinen angeboten

Haruna Babangida besitzt auch einen spanischen Pass, absolvierte jedoch ein Länderspiel für Nigeria, kam zudem zweimal in der Champions League für Olympiakos Piräus zum Einsatz. Eine bewegte Karriere könnte in Kapfenberg ihr nächstes Kapitel finden – allerdings wäre die Agentur Medfootball Management wohl der einzige echte Gewinner dieses Transfers. Bereits seit einigen Jahren wird Babangida immer wieder vielen verschiedenen Vereinen angeboten – die meisten rochen den Braten, dass mit dem 29-Jährigen etwas nicht stimmen kann. Viele Vereinswechsel, im Laufe seiner Karriere keine einzige Vertragsverlängerung und zuletzt merkliche Einbußen in seiner Dynamik. Babangida ist getrost als Auslaufmodell zu bezeichnen. In den letzten Jahren kam er hauptsächlich auf der Position des offensiven Mittelfeldspielers zum Einsatz, er spielte jedoch auch am linken und rechten Flügel, sowie im Angriff. Laufstärke und Durchschlagskraft sind Babangidas Stärken, es hapert jedoch am taktischen Verständnis, der Defensivarbeit und auch des Öfteren an der Disziplin.

Vom Linksverteidiger zum Torschützenkönig

Eine andere Ausgangsposition hat der zweite Kicker, der beim Tabellenletzten im Gespräch ist: Der 22-jährige Nathan Soares Junior spielt seit nunmehr vier Jahren in Lettland und wurde dort in den letzten beiden Jahren Torschützenkönig. Nathan stammt aus der Jugend vom Flamengo Rio und suchte bereits im Alter von 17 Jahren den Weg nach Europa. Zunächst spielte er für die Jugend von Anorthosis Famagusta und kam schließlich über den lettischen Abstiegskandidaten Olimps Riga zum Großklub Skonto. Das Bemerkenswerte an der Karriere des zielstrebigen Brasilianers: Bis vor zwei Jahren spielte er auf der Position eines linken Verteidigers. Erst 2010 durfte er unter Trainer Aleksandrs Starkovs die Position des Stürmers einnehmen – und er dankte es mit 40 Ligatoren in zwei Saisonen.

Jedes vierte Tor ein Elfer

2010 erzielte Nathan 18 Tore, wurde damit gemeinsam mit Deniss Rakels Schützenkönig und hatte maßgeblichen Anteil am Meistertitel von Skonto Riga. Die Saison 2011 beendete Skonto nur auf dem vierten Platz, aber Nathan wurde mit 22 Treffern alleiniger Torschützenkönig. Insgesamt erzielte der technisch gute und körperlich robuste Brasilianer 51 Pflichtspieltore für Skonto, wovon allerdings gleich 13 aus Elfmetern fielen. Angesichts seiner bisherigen Erfahrungen auf Zypern und in Lettland muss man bei Nathan keine langwierige Eingewöhnungsphase befürchten.

Lettische Torkanone zählt nicht viel

Schützenkönige aus Lettland setzen sich im Ausland allerdings nur sehr schleppend durch. Der heute 19-jährige Deniss Rakels, der 2010 gemeinsam mit Nathan die Torschützenliste für sich entschied, floppte in Polen bei Zaglebie Lubin und ist aktuell Stammspieler bei GKS Katowice in der zweiten polnischen Liga (in der laufenden Saison vier Tore aus 14 Spielen). Ein Jahr zuvor war Routinier Kristaps Grebis mit 30 Toren der beste Torschütze der lettischen Liga – heute drückt er bei Simurq in Aserbaidschan die Bank. In den Jahren davor waren die lettischen Fußballlegenden Vitas Rimkus (zweimal) und Mihails Miholaps die besten Torschützen der Liga – Rimkus wurde dabei sogar im Alter von 35 Jahren Schützenkönig.

Thiago de Lima nach 3 ½ Jahren wieder bei der Austria

Austria Lustenau verlautbarte bereits zufrieden auf der eigenen Homepage, dass Thiago de Lima zur Austria zurückkehrt. Nachdem der heute 28-jährige Brasilianer bei Grödig und Parndorf Anpassungsschwierigkeiten hatte, erzielte er zuletzt 18 Tore in 42 Spielen für Dornbirn. Nun kehrt der ehemalige Publikumsliebling wieder zu dem Verein zurück, für den er bereits zwischen 2004 und 2008 spielte und 24 Ligatore erzielte. Mit dem Brasilianer ist das Einkaufsprogramm der Vorarlberger jedoch noch nicht abgeschlossen, denn auch der Kameruner Pierre Boya darf ab der Frühjahrsmeisterschaft – nach einem lästigen Vertrags- bzw. Lizenz-Hickhack – für die Lustenauer spielen.

Boya: Brav, aber kein „Killer“

Boya wechselte im Sommer 2003 im Alter von 19 Jahren aus dem Libanon zu Partizan Belgrad. Über die körperlichen Stärken des Angreifers wurde im Vorfeld viel geschrieben – Boya sei eine Kampfsau, die kaum einen Zweikampf verliert. Und diese Prognose bewahrheitete sich auch: Der Kameruner, der sich über Partizan sogar ins Nationalteam spielte und dort vier Spiele absolvierte, erwies sich als exzellenter Zweikämpfer, der seine Gegenspieler mit Hilfe von gezieltem Körpereinsatz wegdrücken und den Ball behaupten konnte. Allerdings entpuppte er sich auch als Chancentod – für Partizan erzielte er in vier Jahren nur neun Tore. Auch wenn er in der Defensive brav mitarbeitete, war seine Ausbeute für einen ambitionierten Klub wie Partizan zu gering. Bereits vor der Saison 2007/08 wurde Boya freigestellt und suchte über ein halbes Jahr lang einen neuen Klub.

Über Bukarest und Grenoble zurück nach Belgrad

Fündig wurde er zunächst in Rumänien, wo er sich bei Rapid Bukarest durchaus gut einlebte und sieben Saisontreffer erzielte. Die erste Halbsaison der Spielzeit 2008/09 war jedoch erneut schwach und ineffizient, woraufhin Boya nach Frankreich wechselte. Bei Grenoble war ohnehin (Abstiegs-)Kampf angesagt, den Boya auch annahm – vor dem Tor blieb er dennoch ein Lüftchen: Nur ein Treffer in 34 Pflichtspielen resultierten in einem neuerlichen Vereinswechsel. Einmal mehr verschlug es ihn nach Belgrad, wo er in seinem Comeback-Spiel für Partizan gleich zwei Treffer erzielte. Im Laufe der Saison 2010/11 kam er auch in vier Champions-League-Partien zum Einsatz, wurde jedoch im Frühjahr 2011 nicht weiter verpflichtet.

Erste Liga kein Problem für (fitten?) Boya

Es folgte eine Phase, in der Boya immer wieder Vereinen angeboten wurde, jedoch nirgendwo unterkam. Er trainierte bei Novi Pazar in Serbien und Flamurtari Vlore in Albanien mit, bekam jedoch keinen Vertrag. Mit ein paar Pfunden zu viel auf den Hüften landete Boya nun aber in Lustenau. Das Leistungsniveau der zweithöchsten österreichischen Spielklasse sollte für den mittlerweile 28-Jährigen kein Problem sein. Seine Erfahrung und durchaus gute Leistungen in Rumänien und Serbien sprechen für ihn. Nur vor dem Tor muss er endlich seine Klasse beweisen…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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