Die Top-5 der Saison 2010/11 befinden sich bereits in intensiven Vorbereitungen auf die neue Saison, haben aber allesamt ihr Transferprogramm noch nicht abgeschlossen. Es... Bewegung auf dem Transfermarkt: Die Bundesliga-Top-5 setzt auf weitere Legionäre!

Die Top-5 der Saison 2010/11 befinden sich bereits in intensiven Vorbereitungen auf die neue Saison, haben aber allesamt ihr Transferprogramm noch nicht abgeschlossen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich alle fünf Topklubs der Liga noch mit Legionären verstärken werden; einige Namen – manche unscheinbar, andere klangvoll – werden immer lauter…

Meister Sturm Graz präsentierte sich auf dem Transfermarkt bisher minimalistisch, muss aber aus der Stammelf, die den Titel nach Liebenau holte, in der kommenden Saison nur Kapitän Mario Kienzl vorgeben. Die gefragtesten Spieler des Meisterkaders – Gratzei, Kienast, Schildenfeld und Weber – bleiben Sturm zumindest vorerst erhalten. Der Name eines Spielers, der vor wenigen Jahren als Jahrhunderttalent gehandelt wurde, hält sich hartnäckig auf Sturms Liste der möglichen Neuzugänge: Dieser Name lautet Bodul und ist in Österreich kein unbekannter. Dragan Bodul, mittlerweile 36 Jahre alt, kickte unter anderem für die Admira, Vienna, Mattersburg, Kapfenberg, gilt zudem als einer der besten heimischen Hallenfußballer seiner Generation. Ein anderer Bodul, Dragans Bruder Darko, ist vierzehn Jahre jünger, besitzt die österreichische und die kroatische Staatsbürgerschaft und ist derzeit bei Sturm Graz im Gespräch. Bereits im Alter von 15 Jahren wechselte Darko Bodul von der Vienna zum SC Heerenveen, wo auch Rapid-Neuzugang Thomas Prager groß wurde, wurde danach an Ajax Amsterdam weitertransferiert. Für Ajax bestritt Bodul nur 44 Pflichtspielminuten, auch ein halbjähriges Leihgeschäft mit dem späteren Absteiger Sparta Rotterdam verlief weitgehend erfolglos. Zuletzt spielte der Offensivallrounder ein halbes Jahr bei Nacional de Madeira, wo er jedoch auch nur fünf Pflichtspiele bestritt. Für den 22jährigen wäre es nun an der Zeit einen Verein zu suchen, der ihn für die Startelf einplant. Sturm Graz unter Franco Foda könnte durchaus ein solcher Klub sein.

WIEDER ZU VIEL?

Red Bull Salzburg schlug bereits mehrmals auf dem Transfermarkt zu. Leonardo, Pasanen und Lindgren sind bereits fix, brasilianische Kooperationsspieler von Red Bull Brasil standen zuletzt auf dem Prüfstand und auch sonst gilt wie in jeder Transferzeit: Wo das Geld zu Hause ist, werden bis zum offiziellen Transferschluss einige Spieleragenten ein Zuhause für ihre Schützlinge suchen. Das Einkaufsprogramm der Roten Bullen ist definitiv noch nicht abgeschlossen, auch weil bekannt wurde, dass etwa Joaquin Boghossian (der angesichts horrender Handgelder und Agentenhonorare in Wahrheit viel teurer war als österreichische Medien berichteten) sich einen neuen Verein suchen dürfe. Auch Pokrivac, einer der teuersten Fußballer der heimischen Liga, steht bei Moniz nicht hoch im Kurs, ist bei einem entsprechenden Angebot weg. Salzburg wird voraussichtlich noch ein bis zwei Legionäre aus dem Hut zaubern, mit denen heute noch niemand rechnet. Namen wie Traoré oder Jonathan Soriano werden immer unrealistischer, je länger sie auf dem Schreibtisch der Bullen-Geschäftsstelle ruhen. Die Grundfrage muss jedoch sein: Übernimmt sich Salzburg nicht wieder? Die Spielerfluktuation ist beim Mateschitz-Klub größer als bei jedem anderen Bundesligaklub und Salzburg läuft Gefahr die Saison nicht in Ruhe starten zu können, sondern wieder einige Monate mit Initialordnungsmaßnahmen zuzubringen.

BAUMGARTLINGER WEG, JUNUZOVIC FOLGT

Die Wiener Austria verkaufte Mittelfeldmotor Julian Baumgartlinger zu einem strategisch erträglichen Zeitpunkt an den FSV Mainz 05, der übrigens außerdem mit Anthony Ujah (20) einen sehr interessanten jungen Angreifer aus der norwegischen „Tippeligaen“ von Lilleström verpflichtete. Gute zwei Wochen vor Saisonstart lassen sich Spielformen ohne „Baumi“ noch gut einstudieren, der Ersatz für den lauf- und zweikampfstarken Neo-Legionär ist Neuzugang Alexander Grünwald, der naturgemäß einen etwas offensiveren Part spielt. Eine empfindliche Änderung an der Spielanlage der Austria ist jedoch zu erwarten, wenn auch Zlatko Junuzovic den Verein verlässt, was laut Austria-Insidern ebenfalls nur noch eine Frage von wenigen Wochen ist. Dann müsste die Austria nachrüsten und scheint in der Ersatzfrage keine kleinen Brötchen zu backen: Danijel Aleksic, 20jähriger serbischer Angreifer, der auch auf den Flügeln zum Einsatz kommen kann, steht auf dem Prüfstand. Bereits im Alter von 17 Jahren debütierte Aleksic im serbischen Nationalteam unter Radomir Antić, spielte seitdem (14.12.2008) allerdings kein A-Länderspiel mehr. Im Winter 2009 legte der FC Genua 2,5 Millionen Euro auf den Tisch, um das Megatalent von Vojvodina Novi Sad loszueisen, doch Aleksic setzte sich in der Serie A nicht durch. Die routinierten Luca Toni, Giuseppe Sculli, sowie der Argentinier Rodrigo Palacio waren im 4-3-3 des FC Genua gesetzt und auch im 4-4-2 bzw. 4-3-1-2, das Genua im vergangenen Frühjahr praktizierte hätte Aleksic, trotz der Abgänge von Toni und Sculli kein „Leiberl“ gehabt. Also bestritt der 20jährige die gesamte Saison 2010/11 in der zweiten deutschen Bundesliga bei Greuther Fürth – mit mäßigem Erfolg (17 Pflichtspiele, zwei Treffer). Mit Aleksic würde die Austria dennoch einen außergewöhnlich begabten Fußballer, der eine Bereicherung für die heimische Liga wäre, holen. Nachteil: Denkbar ist wohl nur ein Leihgeschäft mit voraussichtlich teurer Option, denn der Vertrag des Serben in Genua läuft erst im Juni 2014 aus.

EIN WEITERER SPANIER ALS SPEERSPITZE

Ignacio Díaz Casanova Montenegro – genannt „Nacho“. Die SV Ried muss für die kommende Saison „Nacho I“ und „Nacho II“ einführen, um die ohnehin zu oft überforderten Live-Kommentatoren zweier bekannter TV-Sender zu schonen. Der Transfer des „neuen Nacho“ ins Innviertel wurde noch nicht bestätigt, ist jedoch fast in trockenen Tüchern. Der 25jährige Stürmer kommt von Alicante CF (nicht zu verwechseln mit Erstligaklub Hercules Alicante) aus der dritten Spielklasse Spaniens und gilt als durchschlagskräftiger Angreifer mit Zug zum Tor. Der andere, altbekannte Nacho könnte indes innerhalb Österreichs den Verein wechseln, was das Problem mit den beiden Nachos relativieren würde. Sofern die SV Ried nicht ihre heißesten Aktien auf dem Transfermarkt, also Gebauer und Royer, verliert, wird das Team wieder mit minimalen, bestehenden Mitteln in die neue Saison starten und damit einmal mehr Werbung für Kontinuität im Profifußball machen.

EIN GOALIE AUF DEM PRÜFSTAND

Laut Rapid-Trainer Peter Schöttel ist das Einkaufsprogramm des SK Rapid so gut wie abgeschlossen. Die Abwehr steht, am Angriff wird nur noch geschraubt, wenn Hamdi Salihi den Verein verlässt, wo mir erst zu einem späteren Zeitpunkt der Transferperiode zu rechnen ist, und im Mittelfeld ist der Tunesier Hatten Baratli laut Insidern kein Thema. Bleibt noch die Position des Torhüters: Helge Payer stieg gestern wieder ins Mannschaftstraining ein, Lukas Königshofer trainierte die letzten beiden Wochen alleine mit Raimund Hedl, der zudem sporadisch auf Amateur-Goalie Tobias Knoflach zurückgriff. Es ist jedoch kein Geheimnis, was Peter Schöttel von seinen aktuellen Schlussmännern hält. Helge Payers seit gut vier Jahren fortwährender Leistungsabfall blieb auch dem Ex-Wiener-Neustadt-Coach nicht verborgen. Lukas Königshofer traut man höhere Aufgaben noch nicht oder gar überhaupt nicht zu. Gebauer und Wolf sind die einzigen Kandidaten mit Erfahrungen in der heimischen Bundesliga, doch Rapid blickt zur Torwartsuche auch über die Grenzen hinaus – wenn auch nur wenige Kilometer: Ján Novota (27) ist mit einer halbjährigen Unterbrechung für ein Leihgeschäft mit dem griechischen Verein Panserraikos Stammtorhüter des slowakischen Mittelständlers Dunajská Streda. Der 199cm große Tormannhüne ist als lauter, präsenter Torhüter mit guter Strafraumbeherrschung bekannt, blieb bei seinem aktuellen Klub aber nicht immer fehlerlos. Aus der Slowakei hört man vor allem was Novotas Charakter angeht nur Gutes: Der Gastspieler, den Rapid bis Freitag im Trainingslager testen wird, gilt als Motivator und absoluter Teamleader.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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