Serie B statt Champions League – die Blucerchiati haben sich die vergangene Saison gänzlich anders vorgestellt. Die Fans des Lokalrivalen CFC Genua waren hingegen... R.I.P. Sampdoria Genua

Serie B statt Champions League – die Blucerchiati haben sich die vergangene Saison gänzlich anders vorgestellt. Die Fans des Lokalrivalen CFC Genua waren hingegen über die jüngsten Entwicklungen höchst erfreut und veranstalteten für den Lieblingsfeind sogar ein Begräbnis.

30.000 Anhänger des CFC Genua versammelten sich auf den Straßen, um in den frischen Wunden der Sampdoria-Genua-Fans zu bohren. Sie trugen einen blauen Sarg durch die ganze Stadt und hielten sogar eine Schweigeminute für den ungeliebten Konkurrenten ab. Die Trauergemeinschaft bestand aus verkleideten Priestern, lachenden Sargträger und fröhlichen Witwen, die allesamt feierten, dass ihr Verein nun Genuas einziger Serie-A-Klub ist.

AUSVERKAUF KANN TEUER WERDEN

Nach dem fünfzehnten Spieltag lag Sampdoria Genua punktegleich mit Inter Mailand am sechsten Tabellenplatz und es schien, als ob der Verein an die starke Vorjahresleistung anknüpfen konnte. Von den ersten fünfzehn Partien gingen nur zwei Spiele verloren und die Mannschaft kassierte durchschnittlich nur 0.8 Tore pro Partie. Das Problem lag eher in der Offensive, obwohl der Verein in der Hinrunde eines der besten Stürmerduos in Italien hatte, das sich auch für mehr als die Hälfte aller Treffer verantwortlich zeigte. In der Winterpause verkaufte die Vereinsführung jedoch beide Angreifer – Giampolo Pazinni wechselte zu Inter Mailand, während Antonio Cassano zum Stadtrivalen AC Mailand ging. Für Pazzini kassierte Sampdoria Genua zwölf Millionen Euro und bekam den französischen Stürmer Jonathan Biabiany, der in weiterer Folge in sechzehn Einsätzen nur einen Treffer erzielte. Antonio Cassano verließ den Verein für ein Schnäppchen, da er vom Vereinspräsidenten Riccardo Garrone suspendiert wurde. Cassano weigerte sich seinen Präsidenten zu einer Feier zu begleiten, da er bei seiner schwangeren Frau bleiben wollte. Der Präsident sah das nicht ein und wollte seinen Stürmerstar zwingen, auf dem Event zu erscheinen. Cassano widersprach dem Befehl und beschimpfte Garrone in weiterer Folge auf eine Art und Weise, die selbst Ilčo Naumoski erröten hätte ließen.

SPÄTE EINSICHTEN

Es dauerte nicht lange bis Sampdoria Genua einen Ersatz für Cassano präsentierte. Der 19-jährige italienische U-21-Teamspieler Federico Macheda kam leihweise von Manchester United und wurde als die große Zukunftshoffnung vorgestellt. Macheda schaffte es jedoch nur drei Mal in die Startaufstellung und kam 14 Mal von der Bank in die Partie. In all diesen Spielen erzielte er keinen einzigen Treffer. Seine Mannschaftskollegen erledigten ihre Aufgaben keineswegs besser, sodass am letzten Spieltag die Mannschaft mit fünf Punkten Rückstand auf den rettenden siebzehnten Tabellenplatz abstieg. In den verbleibenden dreiundzwanzig Runden verlor Sampdoria Genua sechzehn Partien und durfte sich nur drei Mal über drei Punkte freuen. Edoardo Garrone, der Sohn des Präsidenten, entschuldigte sich nach der verpatzten Saison bei den Fans und gestand eine Reihe von strategischen Fehlern ein. Für den Verkauf der beiden Stürmerstars zahlte Sampdoria Genua einen Preis, mit dem im Verein niemand gerechnet hat. Edoardo Garrone versprach den Anhängern, dass alle aus den Fehlern gelernt haben und dass der sofortige Wiederaufstieg unbedingt angestrebt wird. Für die schadenfrohen Fans des Lokalrivalen bleibt zu hoffen, dass die Vereine in der Saison 2012/13 nicht die Liga tauschen werden, denn die Sampdoria-Genua-Fans werden es sich nicht nehmen lassen, sich für die Trauerfeier zu revanchieren.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger