Bereits vor den brisanten Ereignissen und zum Teil ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen sprachen wir mit der „Stimme Rapids“ Andy Marek, der uns in... Das große Fan-Interview mit Andy Marek (1) – „Wir haben die Situation in Saloniki nie unterschätzt!“

Bereits vor den brisanten Ereignissen und zum Teil ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen sprachen wir mit der „Stimme Rapids“ Andy Marek, der uns in einem langen Interview (mit Fan-Fragen, „Das ASB trifft„) einen tiefen Einblick in die Fanszene, Marketing- und Merchandising-Arbeit aber auch in sein eigenes Leben gab. In dieser dreiteiligen Interview-Serie möchten wir euch die sympathischen Antworten des Andy Marek präsentieren. Im ersten Teil geht es um die Fans und im Speziellen um das „PAOK-Fiasko“.

Stowasser: „Interessant zu wissen wäre, ob Andy die Situation in Saloniki unterschätzt hat und ob er oder ganz Rapid im Rückblick vor dem Spiel mehr hätte tun können um unseren Chaoten den Ernst der Lage bewusst zu machen.“

Andy Marek: „Ich glaube nicht, dass wir oder ich es auch nur im Ansatz irgendwie unterschätzt haben. Womit ich aber nicht gerechnet habe, war die Pyrotechnik. Es mag sein, dass ich da etwas naiv oder blauäugig bin, oder jemand möge sagen, dass ich es dann sehr wohl unterschätzt habe – aber ich wusste um die Sensibilität des Spiels und als das Los PAOK kam wusste ich sofort, dass das genau das ist, was wir überhaupt nicht brauchen. Ich habe noch am Tag der Auslosung mit zig Leuten gesprochen, von denen alle gesagt haben: Super. Aber nicht wissend, worum es hier in der Fanszene geht. Das waren zunächst immer nur sportliche Antworten. <Die könnt’s schlagen, da könnt’s aufsteigen, die sind wesentlich schwächer als Aston Villa> Eh! Aber aus der Fanszene  haben wir natürlich gewusst, dass das ein hochsensibles Spiel ist. Auch PAOK hat das gewusst,  wegen der Freundschaft vieler unserer Fans  zu Panathinaikos und noch aus vielen anderen Gründen. Ich habe natürlich schon daran gedacht, dass etwas passieren kann – aber dass es mit den Leuchtstiften so massive Probleme geben wird, daran habe ich vor dem Spiel nie gedacht.

Daniel Mandl: „Wie war die Zusammenarbeit mit PAOK?“

Andy Marek: „Sehr gut. Die Leute bei PAOK waren unglaublich kooperativ, wollten, dass alles gut über die Bühne geht und haben diese Sensibilität auch genauso verspürt wie wir. Es war auch nicht  der Fall, dass sie nach dem Spiel zu uns kamen und sich beschwert hätten. Sie haben auf ihrer Seite viele, viele schwierige Fans, mit denen sie auch selbst Probleme haben. Und ein Punkt, der noch dazu kam, war, dass sie  das Thema Auswärtsfans nicht kennen, weil sie im Toumba-Stadion praktisch nie Auswärtsfans haben. Maximal in der Europa League, was zum Beispiel bei Tottenham recht leicht zu handeln war. Ansonsten kannten sie grundsätzlich keine Situationen, in denen sie Probleme mit Auswärtsfans bekamen.“

Stiffl0r: „Bist du auch der Meinung, wie es auf der Offiziellen steht, dass wir alleine dran Schuld sind (im Stadion) bzw. diese Situation provoziert haben?“

Andy Marek: „Auf der Straße waren Kriegszustände. Unsere Fans wurden mit Molotov-Cocktails und anderen Geschossen beworfen. Und im Stadion waren natürlich auch unsere Leute beteiligt, keine Frage. Auf unserer Homepage wurde zudem niemals behauptet, dass wir alleine an den Ausschreitungen Schuld gewesen wären. Es stand lediglich eine Schilderung der Ereignisse, wie sie im Stadion wahrnehmbar waren, auf unserer Website.“

K3nny: „Findest du es in Zukunft sinnvoller auswärts in Griechenland ohne Rapid-Fans anzureisen, um keine Menschenleben zu gefährden?“

Andy Marek: „Nein, gar nicht. Es war eine unglaublich gefährliche Situation, die ich keine Sekunde schönreden will. Aber wenn wir das täten, würden wir total an dem vorbeigehen, was Fußball eigentlich ist und was wir vom Fußball wollen. Wir wollen doch Fans, wir predigen doch jeden Tag: „Wir fahren nach XY und besorgen euch auch noch die Karten“. Also das wäre ganz sicher der falsche Weg, aber wir müssen natürlich versuchen aus den Fehlern, die passiert sind, hundertprozentig zu lernen und denjenigen, die dort mitverantwortlich für die Probleme waren, die Augen  öffnen.“

Biff Tannen: „Herr Marek, ich würde gerne von Ihnen wissen, ob Sie Ihre bewussten Falschaussagen im Bezug auf diverse Verfehlungen der Fanszene des SK Rapid Wien aus heutiger Sicht anders bewerten würden. Man kann aus der Distanz durchaus das Gefühl haben, dass Sie durch bewusste Falschaussagen/Lügen gegenüber der Medien und der Bundesliga das wahre Problem unter den Teppich gekehrt haben und somit eine Situation wie sie in Kapfenberg / am Westbahnhof / in Saloniki passiert ist, billigend in Kauf genommen haben.“

Andy Marek: „Ich denke, dass sie am wesentlichen Thema der Fansituation vorbeileben. Ich will nicht lügen, ich will nichts unter einen Teppich kehren und manche Dinge werden oft anders dargestellt, als man sie wahrnimmt. Aber es geht hier schon wieder in Richtung: ‚Das ist ein Rapid-hausgemachtes Problem‘. Nein, das ist es nicht, man muss nur über Österreichs Grenzen hinausschauen. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich in einer Aussage gelogen habe, heißt das nicht, dass ich es getan habe, sondern, dass dies Ihnen so erscheint. Ich weiß jetzt auch nicht auf was Sie genau anspielen – dass wir Probleme haben ist offensichtlich, aber die haben viele andere Vereine auch.“

Elwood: „Warum waren sowohl in Novi Sad als auch in Thessaloniki unzählige Leute in unserem Sektor, die in Österreich stadionverbot haben? Ein „das Stadionverbot gilt nur in Österreich“ reicht mir übrigens nicht als Antwort.“

Andy Marek: „Dann habe ich keine Antwort.“

Purple Eagle: „Viele Skeptiker und Kritiker sind nach dem Derby auf den Plan getreten, die angekündigten Maßnahmen wären zahnlos oder würden bei diversen Problemfans nicht zur Anwendung gebracht werden. Präsident Edlinger sprach aus der ersten Emotion aus von lebenslangen Stadionverboten, solche Leute wären bei Rapid für immer unerwünscht. Nach einem guten Jahr wurden erneut pyrotechnische Artikel in eine Menschenmenge geworfen. Wie erklären Sie sich das?“

Andy Marek: „Es ist relativ einfach  in der Öffentlichkeit auf andere Vereine hinzuweisen. In dem Fall möchte ich dies aber auch tun: Wieso sollten wir, also Rapid, es besser können als alle anderen? Es wird ein ewiges Thema bleiben. Und ist irgendwann die Pyrotechnik im Griff wird es ein neues Thema geben! Wir werden immer wieder mit Problemen konfrontiert werden und wir müssen immer wieder schauen, dass wir das Beste herausholen können, damit es zu keinem Platzsturm oder Saloniki mehr kommen kann. Es gibt aber keine Wunderpille die alles regelt, wir können Verbesserungen nur durch intensive Arbeit erreichen. Und wenn jetzt jemand sagt: Maßnahmenkatalog, Stadionverbot und und und – auch das ist nicht das Rezept, wie man ebenfalls an unserem Beispiel sehen kann. Man muss einfach pausenlos schauen, dass man die Dinge verbessert und Verbesserung wird es in Zukunft durch unsere neuen Fanmitarbeiter definitiv geben.“

Admira Fan: „Kam der Rücktritt aus der Fanarbeit freiwillig oder wurde er von „oben befohlen“?“

Andy Marek: „Freiwillig.“ Aber es betrifft  nicht die ganze Fanarbeit, sondern lediglich die  mit der aktiven Fanszene!

Daniel Mandl: „Wie ist dieser Rücktritt abgelaufen?“

Andy Marek: „Vorweg: Das war kein Saloniki-Thema. Saloniki war dann nur der Auslöser es jetzt schon bekannt zu geben. Ich habe in der Zeit nach dem Platzsturm gemerkt, dass es nicht mehr  alleine in der Fanarbeit geht. In meiner Tätigkeit als Klubservice-Leiter wurde der Aufgabenbereich immer größer und durch die Veränderung auch in der Fanszene , war es notwendig  den Bereich „Arbeit mit der aktiven Fanszene“ auf neue Beine zu stellen. Ich hatte schon daran gearbeitet, dann kam Saloniki und ich gab die Entscheidung bekannt, obwohl die Weichen noch gar nicht gestellt waren.  Also habe ich dem Präsidenten dargelegt, was allgemein Sache ist und wir haben dies auch so nach außen kommuniziert. Bis Weihnachten, oder spätestens zu Saisonbeginn im Februar,  werden wir dieses Projekt vorgestellt haben und es wird meiner Meinung nach eine gute Sache  werden.

MoBaY1: „Wenn du auf deine bisherige Zeit der Fanbetreuung zurückblickst – wo siehst du deine größten Fehler, die du in diesem Bezug gemacht hast?“

Andy Marek: „Wahrscheinlich, dass ich in allen Dingen einmal vorweg das Gute sehe und glaube. Es hätte womöglich Menschen gegeben, die in meiner Position und Situation wesentlich häufiger gesagt hätten: „Nein, so sicher nicht.“ Ich bin auch der, der Menschen eine zweite  Chance gibt. Ich bin ein immer dialogorientierter Mensch und manchmal gibt es dann im Nachhinein Situationen, wo du dir denkst, dass man es jetzt nicht nochmal auf diese Art versuchen hätte sollen. Das ist sicher ein großer Fehler von mir gewesen.“

Gold_Roger: „Für Leute, die nicht aus der Szene kommen, ist es etwas schwer die Stellungnahme zu den ausgeschlossenen Fanklubs zu interpretieren. Wurden tatsächlich alle Mitglieder der beiden Gruppierungen ausgeschlossen, auch wenn sich manche davon eventuell nichts zu Schulden kommen ließen, oder war es unglücklich ausgedrückt und es wurden nur die Leute sanktioniert gegen die man handfeste Beweise hatte?“

Andy Marek: „Niemand, der nichts gemacht hat wird ausgeschlossen. Sicher unglücklich formuliert. Das Wort Sippenhaftung hat absolut keinen Platz bei uns. Diejenigen, die dem Verein geschadet haben, wurden und werden zur Verantwortung gezogen.“

Rapidforever: „Können Sie uns vielleicht eine kurze Schilderung der Berufungsverhandlung in Nyon geben? Welche Argumente wurden von Rapid ins Feld geführt, wie wurde von Seiten der UEFA argumentiert? Speziell: Wurde der Vorfall mit Besiktas im Happel-Stadion ins Feld geführt, wo das Fehlverhalten auf Seiten von Besiktas ja durchaus mit dem von Rapid zu vergleichen war (oder sehen Sie das anders?), die Strafe jedoch deutlich (!) niedriger ausfiel – nämlich nur 50.000 Euro Strafe, jedoch keine Rede von Geisterspiel oder Ausschluss auf Bewährung? Mit welcher Begründung kann die UEFA auch nach der Berufung Rapid eine dermaßen höhere Strafe auferlegen?“

Andy Marek: „Ja, wir haben den Besiktas-Vorfall angesprochen. Die UEFA musste dieses Thema aber nicht begründen. Wir bringen das Thema ein und die Richter hören es sich an und das Thema ist kein Gegenstand der Verhandlung. Sie haben keine Antwort gegeben, wieso sie damals so gehandelt haben, sondern sie haben es zur Kenntnis genommen, dass es diesen Vorfall gab. In der Situation, in der wir in Nyon waren, bringt es nichts aufzuzeigen, wo etwas in der Vergangenheit nicht funktioniert hat, etwa beim Thema „Sicherheitsgewährleistung des Gastgebers“. Die UEFA will nur wissen, wieso es bei DEINEN Fans so passierte. Bei Besiktas kommt noch etwas anderes dazu: Besiktas distanziert sich im Europacup von seinen Fans. Das soll nicht heißen, dass sie sagen, dass sie die Fans nicht wollen, aber sie greifen auf die Kartenkontingente nicht zu. Überall wo Besiktas spielt haben sie tausende Fans und die Verantwortlichen bei Besiktas können gar nicht richtig für diese Fans verantwortlich sein, weil sie die meisten noch nie gesehen haben. Der Zugang der UEFA zum Thema Besiktas ist demnach wahrscheinlich ein anderer, weil die gar keine Karten haben wollen und demnach nur schwer als Verein zu strafen sind. Wir aber holen uns knapp 4.000 Karten für Leverkusen und sind somit verantwortlich für unsere Fans.

Flanders: „Kannst du uns kurz erklären wie viel Arbeit es für einen Verein ist Flugzeuge zu chartern und das Rundherum zu organisieren, damit Fans mit ins Ausland fliegen können?“

Andy Marek: „Es wurde ein bisschen zur Routine, weil wir da auch mit einem sehr guten Partner zusammenarbeiten (Intertravel), bei dem die beiden Verantwortlichen Rapid-Fans sind und das auch immer sehr gerne machen. Es funktioniert also insgesamt sehr gut, aber manchmal stößt man schon   an seine Grenzen, weil es zum Beispiel nicht immer einfach ist, im Hochsommer  Maschinen zu bekommen. Jedes Flugunternehmen, das dir im Hochsommer  Maschinen am Flughafen stehen lassen kann, ist entweder ein schlechtes Unternehmen, die Flieger sind hin oder wir sind tüchtige Verhandler. Der Preis, den der Fan im Reisepackage bekommt ist schließlich auch immer in Ordnung. Am Anfang war das Ganze eine große Herausforderung, aber mittlerweile wurde es zur Routine, es macht aber immer Spaß und an dieser Stelle geht auch mein Dank an unseren Partner Intertravel!“

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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