Der Kapfenberger SV sicherte sich die Dienste des brasilianischen Angreifers Nathan Soares Junior, der vom „Großklub“ Skonto Riga in die Obersteiermark wechselt. Der adaptierungsfähige... Der Abstiegskandidat kauft den Schreck der Abstiegskandidaten – Nathan Soares Junior wechselt zum Kapfenberger SV

Der Kapfenberger SV sicherte sich die Dienste des brasilianischen Angreifers Nathan Soares Junior, der vom „Großklub“ Skonto Riga in die Obersteiermark wechselt. Der adaptierungsfähige Stürmer wurde bereits zweimal lettischer Torschützenkönig – und ein ähnliches Kunststück wird notwendig sein, um die Kapfenberger vor dem Abstieg zu bewahren. Abseits.at liefert euch die Spielerinfo zum neuen Brasilo in der österreichischen Bundesliga.

Name: Nathan Soares Junior
Nationalität: Brasilianisch
Geburtsdatum: 10. März 1989
Alter: 22
Hauptposition: Stürmer
Nebenposition: Linker Verteidiger
Größe: 184cm
Gewicht: 76kg
Momentaner Verein: Kapfenberger SV 1919
Bisherige Vereine: Skonto Riga, Olimps Riga, Anorthosis Famagusta, CFZ Zico, Flamengo Rio

Stärken und Schwächen

Die Einschätzung der Klasse des 22-jährigen Brasilianers gestaltet sich schwierig, da die lettische Liga nicht als Maßstab anzusehen ist. Fakt ist, dass Nathan Soares von Grund auf einen spielerisch-taktischen Vorteil gegenüber vielen Kickern der Liga hatte, weil seine Ausbildung auf der Position eines linken Verteidigers stattfand. Somit ist Nathan die Außenbahn gewöhnt, jedoch bewies er auch, dass er Knipserqualitäten hat. Speziell seine herausragende Kopfballstärke im direkten Abschluss sticht dabei ins Auge. Nathan wirkt bullig und in seinem Laufstil behäbig, aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, denn der Brasilianer ist pfeilschnell und auch auf hohem Tempo recht ballsicher (allerdings nicht passsicher). In Lettland degradierte er seine Gegenspieler regelmäßig zu Slalomstangen, war physisch oft überlegen.

Hinzu kommt, dass Nathan Soares ein sehr adaptierungsfähiger Spieler ist, der bereits in der Nachwuchsabteilung von Anorthosis Famagusta kickte und als junger Spieler einige Jahre in Lettland verbrachte. Bei Skonto Riga spulte er des Weiteren einen besonders großen Aktionsradius ab, war zwar stets als Stürmer aufgestellt, kam aber immer wieder situationsbedingt aus der Etappe oder ließ sich auf den Flügel fallen. Somit ist der 22-Jährige nicht nur als Torschütze, sondern auch als Einfädler gefährlich. Es war in Lettland prinzipiell schwierig ihn zu kontrollieren, weil er einen größeren Radius hatte als andere Spieler – allerdings ist Nathan auch ein Fußballer, den man mit gezielter Deckung und cleverem Positionsspiel abmontieren kann, wie Spiele gegen stärkere Teams zeigten. Sein Spiel ist nicht immer vorausschauend und zu häufig durch das Motto „mit dem Kopf durch die Wand“ geprägt.

Die größten Vorteile, die Kapfenberg aus dem Transfer des jungen Brasilianers hat, sind zweifelsohne, dass man einerseits eine körperlich präsente und vor allem kopfballstarke Waffe für den gegnerischen Strafraum verpflichtete. Andererseits ist er für die Spieleröffnung wichtig, da er als spielende Spitze gilt, seine Räume ausnützt, Löcher reißt und Gegenspieler mitzieht. Ob seine technischen Fähigkeiten für die höchste österreichische Spielklasse ausreichen werden, wird sich jedoch erst zeigen, zumal der lettische Klubfußball in keinerlei Relation zum österreichischen steht. Zudem wird viel davon abhängen wie schnell er sich mit seinen Mitspielern arrangiert. Die grundsätzliche Akklimatisierung in einem neuen Land ist für den Südamerikaner aufgrund seiner Vorgeschichte kein Problem – die spielerische Anpassung könnte aufgrund seiner oft eigensinnigen Spielweise etwas schwieriger werden.

Über Zico und Zypern

Die Fußballerkarriere des Nathan Soares Junior, genannt entweder nur Nathan oder auch Nathan Junior, begann auf den Fußballplätzen von Rio de Janeiro, wo er das Interesse von Flamengo Rio weckte und als modern agierender, linker Verteidiger ausgebildet wurde. Sein Spiel nach vorne ist entsprechend geradlinig, sein Laufpensum hoch. Im Alter von 15 Jahren wechselte er ins Centro de Futebol Zico Sociedade Esportiva, eine Fußballschule in Rio de Janeiro, die 1999 vom aktuellen irakischen Teamchef und früheren Fenerbahce- und Olympiakos-Trainer Zico ins Leben gerufen wurde. Bereits im Alter von 16 Jahren spielte er für die Kampfmannschaft der Akademie, die in der vierten brasilianischen Liga kickte und genoss eine Ausbildung. Im Jahr 2007 wagte er im Alter von 18 Jahren den Sprung nach Europa und kam im Nachwuchs von Anorthosis Famagusta unter, über den er jedoch nicht hinauskam.

Star in Lettland

In weiterer Folge wurde er von seiner Agentur „Stella Brasil“, die teilweise auch absolute Top-Spieler betreut, verschiedenen Klubs angeboten und landete in Lettland bei Olimps Riga, einem Abstiegskandidaten, bei dem er als linker Verteidiger eingesetzt wurde und seine Laufstärke erstmals in einer europäischen Kampfmannschaft unter Beweis stellen konnte. 2009 folgte ein logischer Wechsel zu Skonto Riga, wo er ebenfalls in der Viererkette auflief, allerdings fünf Tore in 19 Spielen erzielte und auf seiner Seite einen derart eindrucksvollen Offensivdrang an den Tag legte, dass Trainer Aleksandrs Starkovs ihn etwas offensiver ausprobieren wollte.

Dieses Experiment sollte sich als sinnvoll erweisen: Nathan spielte die gesamte Saison 2010 auf der Position des Stürmers, allerdings mit typischen Außenverteidigeranwandlungen, etwa was das Absichern nach hinten betrifft. Somit war er nicht statisch, sondern so etwas wie ein weiterer Mittelfeldspieler in Rückwärtsbewegung. In 24 Ligaspielen erzielte er 18 Tore, krönte sich damit erstmals zum Torschützenkönig und Skonto Riga zum lettischen Meister. In den Spielen der Baltic League – etwa gegen den litauischen Verein Tauras Taurage – und den erfolglosen Europacupspielen gegen den nordirischen Vertreter Portadown machte er jedoch nicht den Unterschied aus, wurde weitestgehend abmontiert.

Die Saison 2011 verlief für den Brasilianer noch besser: Zwar konnte Skonto Riga seinen Meistertitel nicht verteidigen, aber Nathan erzielte 22 Tore in 26 Ligaspielen und wurde erneut Torschützenkönig. In der Champions-League-Qualifikation war er beim Auswärtsspiel gegen Wisla Krakau allerdings unsichtbar und wurde nach 71 Minuten ausgewechselt. Bei den wenigen internationalen Gelegenheiten stieß Nathan stets an seine Grenzen.

Bemerkenswert ist die Elfmeterstatistik des 22-Jährigen: Von 13 Elfmetern in der lettischen Liga verwandelte er zwölf, einige davon mehr als souverän. Anlass zur Sorge liefert hingegen die zuletzt an den Tag gelegte Matchfrequenz des Brasilianers. Die lettische Saison dauert von März bis November – Nathan spielte quasi von April bis November durch und gönnte sich danach, wie auch die anderen Skonto-Akteure, eine schöpferische Pause. Aufgrund des Wechsels aus einer Kalenderjahrliga nach Österreich besteht die Gefahr eines „sportlichen Jetlags“. Apropos Wechsel: Lettischen Zeitungen zufolge legte der Kapfenberger SV etwa 40.000 Euro auf den Tisch, um den Brasilianer von Skonto Riga loszueisen. Kein großes Risiko – aber angesichts der bisherigen Leistungen Nathans gegen ausländische Teams oder stärkere Teams der lettischen Liga auch kein Grund für verfrühten Jubel…

Skonto Riga beendete die Saison 2011 auf dem vierten Tabellenplatz – und Nathan erzielte all seine 22 Saisontore nur gegen Teams, die schlechter platziert waren als seine Mannschaft. Gegen die Top-3 (Ventspils, Metalurgs Liepaja, Daugava) traf er in der vergangenen Saison nie. Eine Saison zuvor traf er gegen die drei anderen großen Teams nur ein einziges Mal – und das per Elfmeter. Der Brasilianer trifft also mit Vorliebe gegen Abstiegskandidaten… und unter Kapfenberg ist derzeit leider nur Kapfenberg.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Hghgh

    2.Februar.2012 #1 Author

    … und unter Kapfenberg ist derzeit leider nur Kapfenberg.
    Wirklich?

    Antworten

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